Immer wieder mit ACh* zeigen sich Situationen, wo ich meines ureigensten, ganz schrecklich blauäugigen Urvertrauens – bzw. des ganz schrecklich blauäugigen Mangels an Urmißvertrauens – bewußt gemacht werde.1 Man selber denkt darüber ja nicht nach, auch nicht über Inhalte und Geständnisse auf den eigenen Internetseiten. Mir ist es ja sogar äußerst gleich, ob jemand meine Tagebücher lesen würde.2

Jedenfalls hat der Jenser heute Nacht was über dergleichen gepostet, was ich gerade bemerkte, und was mich dazu brachte, mit noch drögem durchnächtigtem Hirne meinen Nietzsche nach einer Stelle aufzuschlagen, die ich sehr gern mag. Jens schrieb “[...] Just goes to show how much I beli
ve in the good in people.”
Und Zarathustra meinte dazu, und hierin (wahrlich nicht in allem) möchte ich ihn mit vollster Unterstützung zitieren:

“Ich kenne euch Menschen nicht: diese Finsternis und Tröstung ist oft um mich gebreitet.
Ich sitze am Torwege für jeden Schelm und frage: wer will mich betrügen?
Das ist meine erste Menschen-Klugheit, daß ich mich betrügen lasse, um nicht auf der Hut zu sein vor Betrügern.3

Ach, wenn ich auf der Hut wäre vor dem Menschen: wie könnte meinem Balle der Mensch ein Anker sein! zu leicht risse es mich hinauf und hinweg!
Diese Vorsehung ist über meinem Schicksal, daß ich ohne Vorsicht sein muß.”4


  1. “Schließt Du Dein Auto nicht ab? “, “Läßt Du Deine Wohnung offen, da ist doch noch [dies oder das] drinnen?” Dergleichen. []
  2. Wobei ich nicht genau weiß, ob man als Autor sich bewußt ist, daß man früher oder später eh in allem herumwühlen wird, und einfach alles, was man nicht gewußt wissen will, schlicht nicht aus einer versteckten Kammer nie heraus läßt, von deren Existenz bis auf zwei, drei Leute niemand etwas auch nur ahnt. Man also von vornherein irgendwie ein öffentliches Wesen ist. []
  3. meine Hervorhebung N.L. []
  4. Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. In: ders., Werke in drei Bänden. Hrsg. von Karl Schlechta, München 1954. Bd. 2, S. 397 []

    jens sagt am 22. Juni 2007

    Spitze!

    Das ist das Buch, um das es in meinem Blogeintrag geht, im Uebrigen auch – und (bedingt) fuer Leute wie Dich geschrieben. Einiges ist altbacken ((1974 gab’s grad die Anfaenge des ARPAnet, aus dem sich das Internet entwickelte, auf dem das World Wide Web aufsetzt, das man heute so Internet nennt.)), aber im Allgemeinen richtet es sich gegen eine halbwegs zeitloses Misstrauen vor bzw. gegen einen Missbrauch von Computern.

    Tolles Buch! Kein Wunder war es damals wegweisend!


    jens sagt am 22. Juni 2007

    Aha! Und in Kommentaren scheinen Fussnoten nicht zu funktionieren *grins*


    Norman Liebold sagt am 22. Juni 2007

    Ja, da gewöhnt man sich – insbesondere als schrecklicher altgermanistischer Akademiker – nur zu gerne dran, an diese wunderbare Fußnoten. Allein diese haben die anderthalb Tage Wahn gelohnt! (Und anderes ist natürlich auch sehr schön) Na, aber Fußnoten in Kommentaren wäre ja wie glossierte Glossen, tststs.
    Danke, daß Du mich drauf gebracht hast, die Stelle zu suchen, gerade im Moment habe ich mich des öfteren immer wieder gefragt, wie sie denn nun genau lautete.
    Ansonsten widme ich mich grad ein wenig den Raupen in meinem Arsch, damit sich nicht etwaig zu Schmetterlingen werden…


    jens sagt am 22. Juni 2007

    Brauchst Du ne Wurmkur?


    Norman Liebold sagt am 22. Juni 2007

    Hast Du da was parat? Ich habe nur Rotwein. Und der macht es nicht besser von wegen des Geruchs. Und wenn der Geruch da ist, dann ist es arg schlimm.


    .

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Doppelbödige Blauäuigkeit