Ich finde es ein ganz erstaunliches Phänomen, daß, wenn man aus zwingenden Gründen reihum verkündet, daß man für einige Tage wirklich schlecht erreichbar sein wird und man daher vorbeugend die Bitte äußert, daß man nur in wirklich, wirklich dringenden Fällen wild mit allen denkbaren Kommunikationsfortsätzen der modernen Informationsgesellschaft wedeln, schreien und um Hilfe rufen soll, dies scheinbar Ansporn ist, das auch auszuprobieren. Was dahingehend kontraproduktiv ist, als daß sich zwangsläufig eine unangenehme Feedbackschleife zu etablieren beginnt. Diese sieht in etwa wie folgt aus: Da man von der druchschnittlichen Höflichkeit, Angemessenheit und persönlichen Ausgewogenheit der Menschheit ausgeht, bemüht man sich im Falle eines solchen fortschrittsfortsatzgewedelten Hilferufs, Unmögliches möglich zu machen, eine Kommunikationsbrücke trotz Kostenexplosion zu erzeugen, um irgendwelche angenommenen menschlichen, virtuellen oder insbesondere netzwerkspezifischen Totalapocalypsen im letzten Moment zu verhindern. Um dann festzustellen, daß kein Problem im eigentlichen Sinne vorliegt. Ich denke, das ist ganz ähnlich wie mit dem Jungen, der immer ins Dorf läuft, um zu schreien, daß die Wölfe kämen – wenn Sie denn wirklich kommen, glaubt ihm keiner mehr.
Der ich vier Tage als Waldelf zu Silvanien im Bestreben durch Unterholz und abgelegene Wüsteneien kroch, um 75 Kinder mit Geschichten und Naturliebe zu infiltrieren, verkünde hiermit mit zugegebenermaßen befreitem Lächeln, daß täglich mehr als 25 Anrufbeantwortersprüche, nicht mehr zählbare eMail-Hilfeschreie oder gar SMS-Attacken mit Vorwürfen bezüglich Nichterreichbarkeit1 ein hinreichender Grund sind, um hinfort aus einer Nichterreichbarkeit mit möglicher Totaldestasternotfallhotline eine echte Nichterreichbarkeit zu machen.2
Danke für das Verständnis,
der Waldelf