Ponys in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009.
Ponys in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009.
Pferde in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009
Pferde in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke, 2009

Wenn ich in mein Tagebuch hineinschaue, stelle ich fest, daß ich die erste Notiz zu “Versichert” (Arbeitstitel) am 10. Februar machte.
Ich kann mich noch gut an diesen Tag erinnern. Es war kalt, und mitten in dieser Arschkälte, wie sie auf den Höhen des Siebengebirges mitunter sehr heftig werden kann, begann mein Ofen zu sprotzen und sprotzend zu verkünden: Kein Gas mehr. Und die Reserveflaschen stellten sich als ebenfalls leer heraus.
Als ich über eisesglatte Strassen nach Asbach hinunter schlitterte, um mir neues Gas zu holen, und rechts und links – das ist nicht übertrieben – die Autos in den Gräben lagen, zuweilen gar auf dem Dach, entstand die Grundkonstellation der Geschichte.

Heute erlebte ich zum ersten Mal, seit ich das LieBLOG als Dokumentationswerkzeug nutze1, wie genau die Entscheidung zur Niederschrift einer Geschichte fällt. Vielleicht tatsächlich in derselben Weise, wie unser Erinnerungsvermögen funktioniert, das aufgrund von Ähnlichkeiten Dinge der Vergangenheit wieder aufruft, wahrscheinlich schlicht, um Erfahrungswerte für aktuelle, vergleichbare Situationen zur Verfügung zu haben, was sinnvoll ist.

Es ist wirklich kalt hier oben, und – eine Verstärkung der Situation – mein treuer Rosinante liegt mit frisch operierter Zylinderkopfdichtung in der Klinik. Ich habe es warm, zumindest, sofern das Gas nicht ausgeht,2 Eisblumen klettern die Fenster meiner Wohnschnecke sehr malerisch empor, ich habe leise saxlastige Musik laufen und in jenem Zwischenraum zwischen Sein und Potentialität, zwischen entspanntem Teeschlürfen und existentieller Angst, irgendwo da liegt die Wurzel dieser einen speziellen Story – was dort geschieht, und was einen selbst in Atem hält, ist in gewisser Weise zu eins verschmolzen – und wahrscheinlich ist genau das jener Zündfunke, jener winzige Energieüberschuss, der diesen Moment von allen anderen Momenten seit dem 10. Februar unterscheidet3 und eben den ersten Satz auf das Papier bringt, der, gleichsam ein Pfropfen, die Geschichte im Gefäß hat wachsen, gären und immer mehr Details sammeln lassen. Wobei “Versichert” letzthin die erste von einer Reihe lose zusammenhängender Stories ist, die zusammen das Buch “Ansichten eines Aktmodells” bilden, und erfahrungsgemäß wird es jetzt recht schnell gehen, meine lieben Leute, die stets die Rohfassungen der Geschichten vorgelesen bekommen, dürfen sich schon mal auf gemütliche Leseabende freuen. Ich jedenfalls freue mich schon sehr darauf, mache den Rechner zu und das Manuskriptbuch auf.


  1. Soetwas wie eine Rechtfertigung []
  2. Im Übrigen eine sehr heilsame Erfahrung, zuweilen auf sehr existentielle Dinge zurückgeführt zu merken, um was es wirklich geht, aber das ist ja auch Thema der Story. []
  3. Und bei manchen Geschichten mögen da auch ein paar Jahre zwischen liegen. []

Sagen Sie etwas dazu!





“Versichert” – Leichte Entscheidung