» Kategorie: NähKästchen | Norman Liebold - Buch, Bühne, Buchkunst | Sektion: Norman Liebolds LieBLOG

NähKästchen

Wunderliches Memo an mich selbst

Von Norman Liebold geschrieben am: 14.06.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, ThesbisKarren

Blick vom Petersberg: Drachenschloss und -burg

Blick vom Petersberg: Drachenschloss und -burg. Foto: N.Liebold

Als ich heute am frühen Nachmittag meinen treuen Rosinante bestieg und von der Akademie am Hanfbachtal entlang den steilen Berg zu meiner Wohnschnecke emportrabte und der Ölberg, der alte Knabe, über den Wäldern und Feldern sein Haupt gutmütig zu mir hinüber neigte, machte ich eine ganz erstaunliche Entdeckung. Ich hielt und kramte meinen Terminkalender heraus. Und – oh unglaubliches Wunder! – er erzeigt sich für die sommerlichen Gefilde (genauer: ab morgen Abend), zumindest gemessen an den letzten Monaten, eine geradezu juncvrouwlihe Weisse. Mir entfuhr eine Art ronjaischer Jubelschrei. Es wäre gelogen zu sagen, daß es gänzlich überraschend käme, denn natürlich habe ich recht viel dafür getan, dass denn dieses so sei, denn ich habe einiges vor. Dergestalt, daß ich vor Vorfreude bereits ein breites Grinsen im Gesicht trage. Das Abschütteln der Flöhe in meinem Pelze, die sich lautstark darüber streiten, wem von ihnen denn dieser Pelz denn nun gehöre, hat mit der Niederschrift des “Euthanatus” und vor allem seiner – man kann es nicht anders nennen – furiosen Premiere Samstag Nacht mit Maxim, Tom, mir selbst und meiner geliebten Klarinette die Abschlussphase erreicht. Der Wolf in meiner Brust grummelt und schnurrt und ist sehr entspannt, und die Schreibfeder juckt und zuckt ebenso wie die Zeichenfeder. Ich freue mich auf einen Sommer mit leichtem Wandergepäck, den ich, einem alten Wunsche folgend, jetzt endlich in den Gefilden der Sieben Berge verbringen werde. Es wird zwar keine regelrechte Sommerpause in Bezug auf Vorstellungen geben, aber ich fahre den Hauptbetrieb ein gutes Stück herunter, von kleineren Vorstellungen (Nettersheim, Köln, Bonn und hier und da in kleinerer Runde, um die Vollendung einer Geschichte zu feiern) einmal abgesehen. Mein leichtes Gepäck besteht aus einem Zeichenblock, meinen Schreib- und Zeichengeräten, einem Stapel Notizbücher und meinen zwei Begleitern, der pentatonischen Flöte und der Klarinette. Für letztere baue ich mit Landi Graywolf jetzt einen neuen Koffer, der sie in ganzer Länge aufnehmen kann und an den Rucksack geschnallt werden kann. Und für Nervsäcke, Nörgler und notorische Drängler habe ich noch meinen 35-Pfund-Jagdbogen dabei. Nicht im Gepäck ist der Computer, noch nicht einmal das Netbook.

Hier schon einmal eine kleine Vorausschau.

Ab Mitte August geht SIEBENKUNST an den Start. Meine Wenigkeit hat eine kleine Armada zusammen getrommelt, die ähnlich tickt wie ich. Vernünftig, wie ich finde, man könnte sagen beornesk. Verrückt, wie andere finden mögen. Bildhauer (I), Goldschmiede (II), Grafiker (III), Maler (IV), Musiker (V), Schriftsteller (VI) und Kunsthandwerker (VII). Stein, Licht, Wort und Klang war ein voller Erfolg, die nächsten Projekte, u.a. mit dem Rheinischen Landesmuseum, laufen gerade an. Ich halte auf dem Laufenden. Anfang Julai geht www.siebenkunst.com online.

Ich selbst sitze gerade an “Ansichten eines Aktmodells” – “Euthanatus” ist die erste Story aus dem Roman. Die zweite, Arbeitstitel “Maxims Grossvater” ist in der Schreibphase. Spontane Geschichtenvollendungs-Lesungen werden über den Sommer hin kommen, ich informiere, wann und wo – oder schickt eine Mail, daß ich Euch in den Newsletter aufnehme. Die Künstler haben bereits begonnen, an der aufwendigen Illustrierung zu arbeiten, denn das Buch, das Anfang September mit einer grossen Ausstellung erscheinen wird, ist ein Kunst-Projekt mit 12 verschiedenen Illustratoren. Nach den Ansichten darf man sich auf den “Stift” freuen, den ich auch schon seit 2006 in der Mache habe. Eine sehr kuriose Liebesgeschichte, die dritte des Künstler-Zyklusses (Beorn, Ansichten eines Aktmodells, Der Stift) und ein bitterböser Krimi obendrein, wenngleich diesesmal kein Siebengebirgskrimi (zumindest nicht direkt), sondern in der alten Heimat spielend. (Möglicherweise kommt der auch schon im September). Im Winter dann endlich mein “Zeitenquell”, unter den ich dann schreiben kann: Entstanden 2003-2011. Vielleicht mein erster Roman, den man “mainstreamtauglich” nennen kann. Das Rheinische Landesmuseum Bonn hilft netterweise bei der Recherche und stellt sich gerne als Handlungsschauplatz für die böse Diebstahlszene zur Verfügung (kicherkicher, die kennen mich wohl noch nicht, ich bin nicht nett, nein, das bin ich nicht). Im Übrigen haben sich die Schauplätze jetzt alle justiert. Ina wird vom Kopf der heisterbacherrotter Ruine stürzen, das magische Artefakt (oder was man dafür hält) bekommt sein Schlüsselloch in den Höhlen unter dem Petersberg, wo Eckehardt, der verrückte Autor, auch seinen Kaktustrip fährt, und auch wenn ich den Maria Laacher See sprengen will, die Auswirkungen würden auch die Vulkane im Siebengebirge zum Bruzeln bringen, so daß der “Zeitenquell” tatsächlich der vierte Siebengebirgskrimi werden wird.

Die erste Ausstellung mit meinen Landschaftszeichungen und Photographien wird im September stattfinden.

Das Literaturkino Siegburg eröffnet am 25.09. wieder seine Pforten, und es freut mich, daß das älteste und schönste Kino Siegburgs die Lesereihe mit dem Liebold und seiner verrückten Musikerhorde auch dieses Jahr fortsetzen wird. Einer meiner schönsten Lesungsorte. Und natürlich mein absolutes Lieblingskino.

Es gibt also viel, um sich drauf zu freuen, und ich schultere jetzt meinen Rucksack, ziehe meine Schuhe aus, greife meinen Jagdbogen und schau mal, welche der Musen zuerst mit dem Waldschrat zu tanzen Lust verspürt, wenn ich ihnen klarinettierend zum Tanz aufspiele.



[ Kommentar schreiben | Kommentarstatus: 1 Kommmentar ]


Status- und Abmeldung

Von Norman Liebold geschrieben am: 31.05.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen


Wie man vielleicht verfolgt hat, habe ich die letzten Tage in einer Art berserkerhaften Zeichenwut verbracht, um meinen Teil der Illustrationen für “Versichert” voranzutreiben. Es sind jetzt sieben Stück, und es kommen jetzt lediglich noch ein paar kleinere Ornamente hinzu – es sei denn, mich packt noch einmal die Zeichenwut, versteht sich, man weiß ja nie. Zusammen mit den Illus von Maxim und Katharina werden es denn ein rundes Dutzend, und das genügt für einen 108-Seiter, denke ich. Es sind fast alle 8 Seiten ein Bild.

Viel wichtiger ist, daß das Universum mich mit einem Zeitfenster beschenkt, das ich auch dringend nötig habe, denn auf der offiziellen Buchpremiere von “Versichert”, nächsten Samstag, möchte ich nicht nur einige Kostproben aus meinem jüngsten Novellchen geben, sondern, wie zu hoffen ist, auch schon mit zwei oder drei kurzen Geschichtelchen einen Ausblick auf das nächste Buch geben können. Das Buch, das mich jetzt seit gut zwei Jahren heftigst beschäftigt und die vielleicht größte Herausforderung ist, der ich mich bisher gestellt habe. Mh. Zumindest bis es fertig ist, denn dann kommt “Der Stift”, der noch viel heftiger ist, da er das vielleicht letzte große Geheimnis thematisiert und etwas zum Abschluß bringt, das 1995 mit dem “Minnesänger-Komplex”1 begann. Und danach steht das Winterprojekt an… endlich der 4. Siebengebirgskrimi “Zeitenquell”, für den ich jetzt schon 7 Jahre recherchiere.

Aber genug des Abschweifens und Vorausblickens. Bis nächste Woche Samstag begebe ich mich, um das Publikum in Michael Francks Skulpturengarten mit brandneuen Stories beglücken zu können, in Schreibklausur. Die Veranstaltung lohnt sich ungemein: Nicht nur das Ambiente ist grossartig, wenn bei Schwedenfeuer und hereinbrechender Dämmerung Michaels phantastische Skulpturen zu Licht und Leben erwachen und Maxim und ich mittendrin lesen und jammen und wortanklingen, sondern es wird auch der erste gemeinsame Auftritt mit EcoDuo, dem Geschwisterpaar Daniel und Lara Gentile, die an Gitarre, Geige und wunderbarem Gesang den Abend zusätzlich musikalisch verfeinern. Ausstellung, Lesung, WortAnKlang und Konzert – und das ganze auch noch bei freiem Eintritt… und nebenbei kann man schonmal die Kerntruppe von “SIEBENKUNST” kennenlernen, die Künstlergruppe, die ich gerade formiere und die ab Herbst mit ganz neuen Projekten in der Region in Erscheinung treten wird.


  1. Liebold, Norman: Der Minnesänger-Komplex. De amoris. Siegburg 2003. – Die älteste der enthaltenen Stories ist von 1995: Der Denker. []


[ Kommentar schreiben ]


Schreiburlaub: Die “Ansichten eines Aktmodells” begonnen

Von Norman Liebold geschrieben am: 22.05.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Die ersten Seiten von 'Ansichten eines Aktmodells'

Die ersten Seiten von 'Ansichten eines Aktmodells'. Foto: N.Liebold

Die Bombe wurde entschärft. Drei Minuten vor 23:00 Uhr in Brehmen gelang es den Spielern des Alternate Reality Game (veranstaltet von BASA, dem Waldritter e.V. und der Stadt Brehmen), den richtigen Draht zu durchtrennen. Was soviel heißt wie daß ich jetzt nach zwei Wochen durchschrubben und Rätselseiten-Bauen (www.mynastery.org) Urlaub machen kann. Und so scheint die Sonne nicht nur aus dem kristallklar blauen Himmel des Siebengebirges, sondern zudem aus meinem Hintern, denn, wohl eine weitere Streicheleinheit vom Universum, ich darf bis Ende nächster Woche die Sieben Berge nicht verlassen, da ich als Hüter der Zerberus (respektive Gay Einzahn) und des Platzes abgordert bin, wo meine Wohnschnecke herumkriecht.

Es könnte nicht schöner sein und nicht besser passen. Heute morgen mit der Sonne aufgestanden, einen Spaziergang durch nebelfeuchte Maiwiesen gemacht und danach den Parker Jotter und den Pilot Capless mit Tinte frisch befüllt, um mit der zentralen Geschichte des Zyklusses “Ansichten eines Aktmodells” zu beginnen. Die Einleitung – in diesem Falle die sperrigste der Szenen – sauber heruntergeschrieben. Jetzt darf das Aktmodell auftreten und auf das Podest steigen, um die wohl bisher herausforderndste Geschichte zu beginnen, der ich mich je gestellt habe. Enger verwoben und verquickt habe ich wahrscheinlich bis heute keine Story konstruiert, und ich freue mich sehr auf die Arbeit daran. Den ersten Schmankerln kann man am 12. Juno in Alfter lauschen, wo ich gemeinsam mit Maxim Spektor und Eco Duo in Michael Francks Skulpturengarten eine Kunst-Musik-Literatur-Matinee zu veranstalten die Ehre habe. Ich hoffe, daß ich bis dahin “Euthanatus”, “Maxims Großvater” und den “Wanderer” fertig haben werde.

Nebenbei: Der Veröffentlichungstermin von “Versichert” steht fest. Die erste Novelle des neuen Zyklus’, die ihre Premierenlesung am 17.04. in den Vier Raben zu Köln hatte, wird am 12. Juno offiziell veröffentlicht und ich bringe das nach druckfarbenfeuchte Bändchen mit in den Skulpturengarten. Es kann schon vorbestellt werden!



[ Kommentar schreiben ]


Beornische Reise

Von Norman Liebold geschrieben am: 03.05.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Beltaine-Reise in den Allgäu: On the Road

Anderthalb Wochen auf Tour in den verschiedenen Lieblingskreisen. Zuerst viel verschwörerische Arbeit für das politische Alternate Reality Game des BASA zu Brehmen (baldigst mehr), was mir erhebliche php-Schleifen in den Bereichen meines Hirns bescherte, die für die cyberesken Teil des Cyberspîlmans zuständig sind, dann eine Tour in den Allgäu auf ein allerliebstes kleines Festival.

Zum Beginn der Niederschrift der “Ansichten eines Aktmodells” bin ich leider noch nicht gekommen, aber dafür hat sich die Geschichte weiter gefestigt und ist in etlichen Details gewissermaßen gesprächsintensiv auskristallisiert. Ich denke, die ersten Zeilen werden heute entstehen.

Sehr amüsant in jedem Falle, daß ich das Allgäuer Ausflüglein mit einem der Väter Beorns aus “Versichert” unternahm, und daß – wie könnt es auch anders sein, wir irgendwann vor einem Ort standen, an dem Beorn wirklich grosses Gefallen gefunden hätte:

Ein hübsches Plätzchen, wo Beorn sich wohl fühlen könnte.Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Geschichten in die Realität hinein wuchern…



[ Kommentar schreiben ]


Vita Nova

Von Norman Liebold geschrieben am: 25.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Die “Ansichten eines Aktmodells” begonnen, die Konstruktion steht und es wird wohl eine der interessantesten Geschichten werden, die ich je in Angriff genommen habe – sie enthält so ziemlich alles, was ich je an stilistischen und erzählerischen Mitteln anwandte, nur in einer Geschichte. Sie wird zugleich eine Sammlung von 12 Stories1 sein, die zwischen 8 und 25 Minuten Vortragszeit haben und komplett für sich stehen können, wie auch eine wunderbare, verträumte Novelle, die in ihrer Gesamtheit als ein Gewachsenes vor dem Leser steht.

Ich denke, der “Damm” gegen den “Stift” ist gebaut, und der Rückstau der Konzentration funktioniert. Und daß er funktioniert, hat eine ganz eigene Erleichterung erzeugt, ein Schweben im Getragensein, und plötzlich ist alles da, nicht nur die magische Flöte, die sich nach 5 Jahren Dunkelheit entschlossen hat, mit Licht und sanften Tönen zu mir zurückzufinden. Mein “Arbeitsurlaub” hat wieder begonnen, jener selige Zustand, den ich eine Zeitlang verloren glaubte und der im Grunde der Zustand meines Lebens ist. Es gehört so wenig dazu, und doch so unendlich viel. Ein wunderbares Schachspiel mit gutem Freund mit noch mehr guten Freunden drumherum an einem so wunderbaren Ort wie der Gammersbacher Mühle, nachdem man – fast wieder kleine Junge (oder doch jagende Mannsbilder?) – gemeinsam hat Pfeile fliegen lassen, umschwärmt vom vor Lebenslust platzendem Nachwuchs, Fachgesimpel über Kunst, Literatur, Spiritualität und natürlich Bogenbau … danach Grillen bei Freunden, Spontanjamsession an Klarinette und Nâhtegal-Flöte. Ja, in der Tat, das Leben beschenkt!

2010-04-24_schiesstand


  1. die Zahl kann sich noch verändern, im aktuellen Konstrukt passen die numerologischen Bezüge nur so wunderbar, wobei es auch 7 sein könnten. Das hängt von der effektiven Länge der Stories ab, da sie sich exakt in viermal fünfundvierzig Minuten einpassen müssen []


[ Kommentar schreiben ]


Terminkalender reloaded

Von Norman Liebold geschrieben am: 23.04.2010 unter NähKästchen

Ich hatte ein wenig Zeit und habe den Terminkalender für meine Auftritte neu programmiert. Er hat jetzt einige Features mehr, so eine Googlemaps-Implementierung, einen RSS-Feed und, nicht zuletzt, die Möglichkeit, sich für die Veranstaltungen anzumelden und online Tickets zu erwerben. Ich habe dafür eine Schnittstelle mit eventbrite.com eingerichtet, die die Termine auch auf Facebook veröffentlicht. Zudem ist die alte Tabellenansicht durch eine bessere Vorschau mit allen relevanten Daten ersetzt.

Das wird Euch und natürlich auch mir einiges an Aufwand sparen und ist zudem auch noch netter anzuschauen – viel Spaß damit!



[ Kommentar schreiben ]


Von Flöten und Grossvätern

Von Norman Liebold geschrieben am: 20.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Titelblatt für #2 von 'Ansichten eines Aktmodells'. Foto: Norman Liebold, 2010

“Versichert” ist abgeschlossen, die Korrekturfahnen raus und die Illustratoren gucken schon einmal, auf welche Szenen sie Lust haben. Ich werde selbst auch 2,3 Zeichnungen machen und freue mich schon darauf.

Nichtsdestotrotz steht die nächste Überschrift schon im Manuskriptbuch. Sie wird natürlich nicht “Maxims Grossvater” heißen, das ist nur der Arbeitstitel, aber die Widmung “den Brüdern vom Goldenen Morgenmantel” werde ich wohl belassen. Die Story ist im Grunde fertig und in der Skizze schon rohgefasst, wobei noch einige sehr schöne Details hinzu gekommen sind. Es wird eine kleine Geschichte, ein Viertelstünder, aber andererseits hatte ich auch nicht erwartet, daß aus der Novelle, die ich für 30-35 Seiten veranschlagt hatte, letztlich ein ausgewachsene Novelle von abendfüllender Länge geworden ist.

Die Story wird am 15.05. in den “Vier Raben” mit der Unterstützung von Maxim Spektor an der Caisa premierengelesen werden. Ich freue mich auch sehr darüber, daß wir die Ehre haben werden, bei Beorn-Vater #3, dem Bildhauer und Lichtkünstler Michael Frank eine ganz besondere Lesung mit Musik zu veranstalten, inmitten der langsam in der Dämmerung zu Leben erwachenden Stein-Sturmholz-Glasskulpturen wird es für die Vernissagen-Besucher nicht nur eine atemberaubende Stimmung zu erleben geben, sondern natürlich auch einen ganz besonderen Geschichtenabend. Der Termin wird entweder der 5. oder der 12. Juni sein. Der Künstler hat sein Atelier in Alfter, und dieser Umstand bescherte mir ein “Geschenk des Universums”, wie Maxim formulieren würde.

Neues, süßes Täschchen fürs Mini-Tarot und die Zauberflöte #3Diejenigen, die mich schon länger begleiten, werden sich erinnern können, daß etliche Meiner Lesungen zwischen 2000 und 2004 von mir selbst mit Musik begleitet wurden, und zwar auf einer kleinen, süßen und handlichen “Zauberflöte”, wie sie von einigen genannt worden war, und die zu Nâhtegals Immerdabeisachen zählte. In dem Desaster Ende 2004 Anfang 2005 verschwand sie aus meinem Leben, unter reichlich mysteriösen Umständen, und es partout unmöglich, irgendwo eine neue herzubekommen. Ich sah es als Symbol, damals, und tatsächlich schrieb ich seitdem fast ausschließlich extrem realitätsbezogene Texte. Mit den “Ansichten eines Aktmodells” habe ich einen neuen Weg beschritten, einer, der ausgiebigst beschnüffelt und durchaus beängstelt wurde, nämlich die Zusammenführung meiner “Phasen” und das gänzlich freie Bewegen in allen meinen Stilen, wie es die Geschichte je braucht – also auch Nâhtegal wieder die Tür zu öffnen. In Alfter angekommen erinnerte ich mich, daß mir irgendjemand im Anblick meiner Flöte vor einem halben Dutzend Jahren einmal gesagt hatte, daß es da ein Geschäft gäbe, wo so etwas gesehen hätte. Erstaunlicherweise hatte ich sogar 2007 einmal alle Gassen Alfters durchkämmt, um “Rosentau” zu finden, aber wie das magische Theater Hesses war es weder aufzufinden noch jemand aufzutreiben, der es kannte.

Gestern nun fühlte ich eine Art “Zug”, und ohne nach dem Weg zu fragen kurvte ich wie von einem Magneten gezogen durch die verwinkelten Gässchen, stellte mich mit traumwandlerischer Sicherheit auf einen Parkplatz und fragte dann jemanden, ob er ein Geschäft namens “Rosenstolz, –tau, –strauch oder so ähnlich” kennt. Und er hob den Arm und zeigte genau hinter mich, denn ich stand faktisch davor. Und, sehr ungläubig nach der langen Odyssee, wußte die Verkäuferin sofort, wonach ich suche (die erste in sechs Jahren in allen möglichen Musikgeschäften!).

Und so hat Nâhtegal seine Zauberflöte wieder. Und ein Mini-Tarot gleich noch dabei, das mir einen überaus witzigen freundschaftlichen Abend bescherte mit dem Bruder vom Goldenen Morgenmantel. Und ich bin gewiß, daß sie (und die Klarinette natürlich) wunderbar zur Caisa passen wird.



[ Kommentar schreiben | Kommentarstatus: 2 Kommentare ]


Vollendete Versicherung!

Von Norman Liebold geschrieben am: 15.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Norman Liebold nach Vollendung des letzten Satzes von 'Versichert'

Norman Liebold beim letzten Satz. Typische Endszenenerschöpfung an den Augenringen kenntlich. Foto: Alex

Der letzte Satz, das letzte Wort, der letzte Punkt im Manuskript ist gesetzt. Die erste Geschichte für “Ansichten eines Aktmodells” vollendet. Zwar muß ich mich jetzt den cyberesken Teil des “Cyberspielmanns” aktivieren, um den Text nunmehr vom Handgeschrieben, von den wunderschönen geschwungenen Linien sepiafarbener NoodlersInk in die ewiggleichen Krakel typographischer Vektoren zu transformieren. Achtundneunzig Manuskriptseiten, eine Weile werde ich wohl hinter den pulsierenden Plasmasträngen meines Bildschirms verbringen müssen, aber der unwägbare Teil des Schaffensprozesses, das Geschichtenspinnen, das trotz allem eben nicht ganz kontrollierbare Sprudeln oder auch Verstopfen der Erzählquellen ist abgeschlossen, und ich sehe der Premiere am Samstag mit viel Freude entgegen.

[Zum Rest des Beitrages! »]



[ Kommentar schreiben ]


Finalische Prokrastination

Von Norman Liebold geschrieben am: 14.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

IMGP2219

Es ist immer wieder ein ganz und gar eigenartiges Gefühl, die letzte Szene einer Geschichte in Angriff zu nehmen. Man schleicht darum herum wie die Katze um den sprichwörtlichen heißen Brei, man wäscht Wäsche und macht den  Abwasch, rasiert sich peinlich genau, duscht und wischt die Bude, liest das Buch, das man gerade am Wickel hat, zu Ende … prokrastiniert also in ganz klassischer Weise. Dabei ist es ganz unabhängig davon, ob im Grunde genommen jeder Augenblick des zu beschreibenden Geschehens festgelegt und “nur noch” zu formulieren ist. Ja, es ist sogar bei weitem weniger heißbreiig, wenn man die Klimax im Rausch und früher als erwartet erreicht.

Immerhin hat sich der über den Winter gewachsener Berg in meiner Wäschekammer in einen wohlgefalteten Stapel Wohlgeruch verwandelt, und dem Finale ist so oder so nicht auszuweichen. Tatsächlich ist genau dies hier nichts als eine winzige Unterbrechung während des Finales des Finales: Beorn hat gerade, ganz unfreiwillig komischer Über-Mann, selbst zu Tode verletzt, dem Altgermanisten den augenscheinlich gebrochenen Arm wieder eingerenkt, um zum Auto zu humpel-kriechen, wo seine “Versicherung” im Handschuhfach auf ihre Bestimmung wartet, die Szene letzthin, die der Geschichte ihren (Arbeits-)titel gegeben hat. Sieben Seiten Manuskript, schätze ich, also, trägt man meiner epischen Veranlagung Rechnung, wahrscheinlich vierzehn.

Währenddessen, heute Morgen bei Kaffee und Tagebuch am Tisch im Paradies, durfte ich das Geschenk erleben, wie eine Geschichte daher spaziert kam. Auf den Seiten des Tagebuchs, ganz unbedarft und heiter zwischen den Zeilen heraus lächelnd und mir mit Bestimmtheit den Füllfederhalter aus der Betrachtung nehmend, um sich kichernd selbst zu skizzieren. Das ist auf diese Weise schon lange nicht mehr geschehen, eine echte Nâhtegal-Geschichte, fast schon ein (NeuZeit-)Märchen. Ein sehr süßes Zwischenstück, das zudem wunderbar in die “Ansichten eines Aktmodells” paßt, wobei ich mir sogar schon ziemlich sicher bin, wo genau es hingehört – das Aktmodell wird es in der zweiten Story erzählen.

So, das Teewasser kocht, und ich muß Beorn eine Knarre mit bezaubernder Hand von der Schläfe schlagen.



[ Kommentar schreiben ]


Von alternativen Enden

Von Norman Liebold geschrieben am: 13.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, ThesbisKarren

ich stehe kurz davor, tatsächlich das erste alternative Ende zu schreiben, daß ich je für eine Geschichte ersonnen habe. Ein eigenartiges Gefühl, denn Konjunktive liegen dem Schützen im Grunde genommen fern. Tatsächlich lag hier die irgendwo in jeder Geschichte verborgene Grube, von deren Dasein man weiß, deren unergründliche Tiefe man mit Dei ex Machinae zu umschiffen sucht, und von der man auch nach Fertigstellung und Meisterung noch fürchtet, ein Leser könnte hinein fallen. In “Versichert” ist es eine besondere Grube, eine weniger als sonst versteckte, aber dafür um so glitschigere. Glitschig wegen des Anspruchs jeder gut erzählten Story, im gesteckten Rahmen folgerichtig zu sein, und hier im besonderen Maße, nicht in Schwülstigkeiten ausrutschend pathetisch genau da hinein zu schlittern. Es ist allerdings auch ein sehr heikles Thema, denn hier stoßen zwei gegensätzliche Triebkräfte derart massiv aufeinander, daß sie im Grunde nicht aufzulösen sind.

Nicht zuletzt durch überaus erhellende Gespräche mit meinem Bühnenkollegen únd Freund Maxim ging mir eine seltsame Lampe im Kopf an. Zwei Tage Philosophieren hier zusammen zu fassen, zumal beflügelt von Musikimprovisationen und Bogenschießen, ist schwer möglich, aber jene Eloquenz in Gedanke und Wort, wie sie uns zuweilen ein guter Zuhörer zu schenken imstande ist, machte mir die Freiheit des Lesers plötzlich in bisher ungekannter Stärke bewußt. Ich darf meinen Beorn-Bären Blut spucken lassen und darf ihm auch die Möglichkeiten in den cerebralen Windungen des Geschichtenschlürfers offen lassen: So sicher, wie die bezaubernde Lisa ihm die Knarre von der Schläfe wegschlagen wird, so sehr darf ich die Möglichkeiten aufmachen, ob er einen Arzt mit einer Skulptur und der Hilfe seiner Freunde bezahlen kann oder ob er ganz der waidwunde Bär sich in seiner Höhle pflegen läßt, um mit den ersten Märzblüten aus eigener, bäriger Kraft sich vom Bett-Fell erhebt und ein klein wenig weniger extrem sich für die KSK entscheidet.

Es fehlt noch eine rührende, dramatische Szene, und die Geschichte ist vollendet, und ich freue mich schon sehr auf das Publikum in den “Vier Raben” – nicht nur, weil die drei Vorbilder Beorns mir die Ehre geben werden, die frisch geschlüpfte Story anzuhören, sondern weil ich überaus gespannt bin, ob meine Extravaganzen, die ich mir beim Erzählen gestattet habe, gut ankommen. Und ja, ein wenig fürchte ich mich auch. Ein sehr prickelndes, angenehmes Fürchten.

Es ist, trotz allen schönen, romantischen, hoffnungsvollen Szenen, eine noch recht düstere Geschichte. Aber das ist Programm und wird sich im Laufe der “Ansichten eines Aktmodells” mehr und mehr in lichtere Gefilde emporschwingen. Ein eigenartiges Projekt. Vielleicht das eigenartigste, das ich je begonnen habe. Aber die Feder treibt und schreibt, und es ruft und lockt eine ganz wundervolle Stimme, deren Klang mir zuerst ein wenig unheimlich war. So unheimlich, wie dem Verzweifelten jener Blick sein kann, der ihm plötzlich ohne Vorwarnung all die unglaublichen und doch so wirklichen Wunder unserer Welt in jeder Blüte, jeder aufspringenden Knospe und dem wilden Gefühl des ersten Kopfsprungs in den geliebten Steinbruchsee Anfang April sein kann. So seltsam es einem Ständigschaffer wie mir ankommt, fast ein Jahr lang gegen Mauern angerannt zu sein, so sehr offenbart sich gerade, wie viel während dieser stillen Zeit (was das Schreiben angeht) wirklich passiert ist. Man sitzt auf seiner Veranda in der Dämmerung, über sich das Sternenzelt, die Finken schlagen im Wald und man ertappt sich beim Grübeln  über Längstgewesenes und Niemalsseiendes, beginnt zu lachen, hört einfach auf damit und stellt fest: Man sitzt mitten im Paradies, frei wie ein Vogel und … glücklich.

Ich fürchte, die Liebhaber meiner literarischen Schimpftiraden dürften in Zukunft etwas enttäuscht werden, denn die Lust zu schimpfen geht mir gerade massiv ab. Es ist so leicht zu schimpfen, denn es erlaubt, tätig zu sein, ohne etwas verändern zu müssen. Unglücklicherweise hat sich offenbar mein Blickwinkel verschoben, und es zeigen sich meinem Blick so vielfältige, herrliche Wunder, daß mir nach Feiern zumute ist. Und irgendwie, ich weiß auch nicht warum … gefällt mir das.



[ Kommentar schreiben ]



« blättern