Von Norman Liebold geschrieben am: 14.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen
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Es ist immer wieder ein ganz und gar eigenartiges Gefühl, die letzte Szene einer Geschichte in Angriff zu nehmen. Man schleicht darum herum wie die Katze um den sprichwörtlichen heißen Brei, man wäscht Wäsche und macht den Abwasch, rasiert sich peinlich genau, duscht und wischt die Bude, liest das Buch, das man gerade am Wickel hat, zu Ende … prokrastiniert also in ganz klassischer Weise. Dabei ist es ganz unabhängig davon, ob im Grunde genommen jeder Augenblick des zu beschreibenden Geschehens festgelegt und “nur noch” zu formulieren ist. Ja, es ist sogar bei weitem weniger heißbreiig, wenn man die Klimax im Rausch und früher als erwartet erreicht. Immerhin hat sich der über den Winter gewachsener Berg in meiner Wäschekammer in einen wohlgefalteten Stapel Wohlgeruch verwandelt, und dem Finale ist so oder so nicht auszuweichen. Tatsächlich ist genau dies hier nichts als eine winzige Unterbrechung während des Finales des Finales: Beorn hat gerade, ganz unfreiwillig komischer Über-Mann, selbst zu Tode verletzt, dem Altgermanisten den augenscheinlich gebrochenen Arm wieder eingerenkt, um zum Auto zu humpel-kriechen, wo seine “Versicherung” im Handschuhfach auf ihre Bestimmung wartet, die Szene letzthin, die der Geschichte ihren (Arbeits-)titel gegeben hat. Sieben Seiten Manuskript, schätze ich, also, trägt man meiner epischen Veranlagung Rechnung, wahrscheinlich vierzehn. Währenddessen, heute Morgen bei Kaffee und Tagebuch am Tisch im Paradies, durfte ich das Geschenk erleben, wie eine Geschichte daher spaziert kam. Auf den Seiten des Tagebuchs, ganz unbedarft und heiter zwischen den Zeilen heraus lächelnd und mir mit Bestimmtheit den Füllfederhalter aus der Betrachtung nehmend, um sich kichernd selbst zu skizzieren. Das ist auf diese Weise schon lange nicht mehr geschehen, eine echte Nâhtegal-Geschichte, fast schon ein (NeuZeit-)Märchen. Ein sehr süßes Zwischenstück, das zudem wunderbar in die “Ansichten eines Aktmodells” paßt, wobei ich mir sogar schon ziemlich sicher bin, wo genau es hingehört – das Aktmodell wird es in der zweiten Story erzählen. So, das Teewasser kocht, und ich muß Beorn eine Knarre mit bezaubernder Hand von der Schläfe schlagen. |
Von Norman Liebold geschrieben am: 13.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, ThesbisKarren
Von Norman Liebold geschrieben am: 21.02.2010 unter NähKästchen, ThesbisKarren
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Gestern trabte ich in Köln von Probe zu Probe: Am 26.03., in etwas mehr einem Monat, geht WortAnKlang nach kleiner Pause in neuen Konstellationen an der Start. Den Anfang mache ich mit dem begnadeten und nicht nur vielbesaiteten, sondern auch mit einem ganz erheblichen Repertoire ausgestatteten Gitarristen Bernd Gast (Gläserner Sarg) und dem improvisationsfreudig sympathetischen AlleswaserindieFingerbekommt-Musiker (und Künstler) Maxim Spektor (Der Kulturgeist). Maxim ist links auf den Aufnahmen zu sehen, die ich vorhin von ihm schoß, während er auf seiner Caisa zu meinem “Kulturgeist” spielte – Premiere mit Tom Schmidt an den Udu (Trommelart) am 28.03. in der Kulturkirche Köln-Mühlheim. Premiere mit Bernd Gast am 26.03. in der Bücherei Nettersheim (Eifel). Die Proben haben ausgesprochen viel Freude gemacht – menschlich ebenso sehr wie besonders auch von der Qualität des Zusammenspiels und der entspannten Harmonie des Zusammenfindens von Wort an Klang. In den nächsten Wochen stossen noch weitere Musiker an Harfe, Sas und weiteren Instrumenten zu WortAnKlang, und das Projekt, das ich mit Bernd Vollbach im Herbst 2008 startete und bis Dezember 2009 bundesweit mit viel (Wort)AnKlang und Spielfreude präsentieren durfte, geht gewachsen und verfeinert in diesem Frühjahr auf die Bühnen – ich freue mich schon sehr darauf, besonders – neben den etablierten, schon oft gespielten Shows (Krimifrass, Gläserner Sarg, Kulturgeist, Navigator und Spaltenzungen) – vor allem ab April mit den neuen, vollständig gelesenen Stories aus “Ansichten eines Aktmodells”. Die Hörer dürfen einiges an ungewöhnlichen wie ohrenschmeichelnden Stücken erwarten – besonders, was ich als besonders schön empfinde – mit ausschließlich selbstkomponierten Stücken der jeweiligen Musiker. |
Von Norman Liebold geschrieben am: 20.02.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, PhiloBlog
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Wir schreiben den 20.02.2010, das sind ziemlich genau 10 Jahre nach dem totentänzerischen 20.02.2000. Das wird den wenigsten (noch) etwas sagen, mir dafür aber um so mehr. Ich möchte gern abstrakt bleiben in diesem Bezug: Bestimmten Daten wecken eine gewisse Bewusstheit, weil das Leben bzw. die Leiter der Erkenntnis nicht etwa ein gerade Strecke ist, sondern vielmehr eine sich in weiten Spiralen nach oben schraubende, verschlungene Bewegung, die, wenn sie sich einer auf niedrigerer Ebene passierten Stelle nähert, gewisse Echoeffekte auslöst. Und dieses Widerhallen, diese Steinwurfkreise, die sich auf der Oberfläche der Weltwahrnehmung bilden, machen … aufmerksam. Für das, was sich gleich geblieben ist, für das, was anders ist, für das, was anders scheint, aber im Grunde ein ähnliches Muster bildet. Ein überaus schönes Gefühl ist es, wenn man anstatt des an den letzten Kreisbahnpunktüberschneidungsphänomenen empfundenen “Gut, ich sehe es, faszinierend, aber was soll ich jetzt damit anfangen?” ein eigenartig gelassenes Lächeln an sich bemerkt und der seelische Aufruhr zugunsten einer sehr, sehr einfachen und klaren Handlung oder Nichthandlung ausbleibt. Es erfüllt mich sogar mit einem nicht geringen Erstaunen, dass die Abstiege in eine Reihe von wirbelnden Gedankenstrudeln mit nichts anderem bewaffnet als dem gesunden Menschenverstand, tatsächlich bis zur Quelle des Strudels gelangten, also gelangen und das ganze mit einem homerischen Gelächter beenden konnten.1 Das nahm eine gewisse Zeit in Anspruch, dieses Entstrudeln und homerisch Lachen, und tatsächlich war ich außerstande, in dieser Zeit neue Geschichten fertig zu stellen und auf den Markt und ans geneigte Leserohr zu bringen.
Ich möchte hiermit also ganz allgemein zur Kenntnis bringen, dass ich jene Zündschnur, welche an jenes hochkomplexe, über Monate hinweg ausgetüfteltes Arrangement von Sprengkörpern verschiedenster Art angeschlossen ist, das, einmal in Gang gebracht, nicht mehr aufzuhalten sein wird und keinen anderen Zweck hat, als die letzten Reste gewisser Unnotwendigkeiten3 wegzusprengen, nicht nur genüsslich in Brand gesteckt habe, sondern der rasend schnell sich fortpflanzende, spritzend funkensprühende Glutpunkt längst die ersten Explosionen auslöste. Und ich sitze und schaue und freue mich. Sehr, denn der letzte Rest gewisser zweifelnder Kontrollsüchtlerängste löst sich in einem wirklich ästhetisch ansprechenden Feuerwerk auf. Was genau diese weggesprengten Dinge sind, werden die nächsten vier Stories (“Versichert”, “Ansichten eines Aktmodells”, “Euthanatus” und “Der Stift”) ausführlich und unterhaltsam zu beschreiben wissen. In Vorfreude darauf und auf meine Leserohren daher in diesem Sinne bis dahin.
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Von Norman Liebold geschrieben am: 30.01.2010 unter NähKästchen
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Die Welt winkt zaunpfählig, Beorn grinst im Hinterstübchen und die Reanalogisierung manifestiert sich in weiser Stille. Neben einer zerstörten Zylinderkopfdichtung gibt es noch eine andere Entschuldigung, die in angenehmer Weise Verständnis zu wecken imstande ist. Und das trotz der vor und neben der Finanzkriese bedienten Klimakatastrophe aufgrund globaler Erwärmung respektive Global Playing: Nämlich eingeschneit zu sein. Ein Grund, sich zu freuen wie ein Schneekönig. Wenn man es nicht vielleicht sogar ist. Solche Blicke wie links ersichtlich und vor einer Stunde während eines kniehoch schneestapfenden Spazierganges aufgenommen, erheben und machen lächeln. Jetzt, kuschelwarm und teeziehend wieder in der Wohnschnecke, finde ich, sind diese zwei von Frau Holle geschenkten Tage eine wirklich gute Zeit. Zum Lesen, Tee trinken, an Beorns Story arbeiten. Zum ruhig werden. Es ist still um mich – bis auf den leisen, gerade ahnbaren Klang der Kirchenglocken von Eudenbach, der dumpf, fast magisch durch den fallenden Schnee herüberweht. Schnee ist ähnlich magisch wie Nebel. Er verhüllt, birgt, schafft Stille und Raum für Verwandlungen. Und zuweilen – wie justamente jetzt – auch die Zeit dafür. Weil hier, hinter den Sieben Bergen, kein Rad sich dreht und kniehoch auf allen Wegen der Schnee sich breitet. |
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Von Norman Liebold geschrieben am: 22.01.2010 unter NähKästchen
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Lebenswelten sind unterschiedlich gestaltet, das ist eine der großen wunderbaren Buntheiten unserer Existenz. Ebenso wie aus diesen Unterschiedlichkeiten Wachstum, Befruchtung und stetig zunehmendes Weltverständnis quellen und keimen kann, gibt es auch Raum für eigenartige Verwerfungen und … Interferenzen. Der nomadisch lebende Kulturschaffende1 stellt irgendwann fest, daß diese Interferenzen geradezu gefährlich für Leib und Leben werden. Gemeinhin, das Angenehme mit dem Nützlichen mit dem Notwendigen verbindend, stellt sich in etwa folgende Situation ein: Der KS2 hat irgendwo einen Auftritt, Auftrag, Besprechung und besucht, da er in der Stadt ist, entweder alte Freunde oder hat genügend interessante neue Menschen kennengelernt, um sie langsam zu solchen zu machen. Für die Sesshaften ist der hereinwirbelnde Nomade auch in den Zeiten von Internet und Fernsehen noch immer etwas besonderes, und sei es auch nur, daß man sich nach etlichen Monaten endlich mal wieder sieht. Ein Fest, wenn man es so will, wo die Gespräche notwendig bis zum Morgengrauen unter Konsumierung diverser geistiger Genussmittel andauern. Selbiges gilt zumeist auch für die Nacht nach Vorstellung oder Vernissage oder Konzert. Das ist wunderbar und sehr angenehm. Das “Fest” ist vorbei, etwas zerknautscht mit etwas schwerem Kopf und verquollenen Gesichtszügen kratzt man sich am Morgen aus der Koje, pumpt ein paar Liter Espresso in sich hinein, duscht möglichst kalt und stellt sich dem Tagewerk. Man kennt das. Die Interferenz wird hierbei von den meisten Seßhaften nicht registriert. Der Nomade reist mit den besten Wünschen und bis zum nächsten Mal ab, der Alltag rollt herein, man tankt Schlaf und Ruhe und läßt den Körper langsam entgiften. Der Nomade aber fährt weiter, und am Abend ist er auf einer Vorstellung, Konzert oder Vernissage, hat einen Auftritt, Auftrag, Besprechung und besucht alte Freunde … und will natürlich nicht unhöflich sein, wenn mit leuchtenden Augen die besondere Flasche Wein ihm vor die Nase gestellt wird aus Freude drüber, daß man sich nach Wochen, Monaten, Jahren mal wiedersieht oder wegen der gelungenen Vorstellung oder weil die Lesung schlecht besucht war oder um einen Auftrag zu begießen, weil er begonnen wurde. Oder weil er beendet wurde. Oder weil er grad sehr gut läuft. Der Besuchte verabschiedet etwas zerknautscht den Nomaden am Morgen. Der Nomade … fährt weiter und nach einer gewissen Zeit, nach ein paar Jahren, spürt er, das er sehr, sehr müde wird. Und gereizt. Sich nach Ruhe sehnt. Er stellt fest, daß das matschige Gefühl im Kopf zur Normalität zu werden beginnt und ihm das nicht gefällt. Vielleicht zieht er sich in ein einsames Gebirge in einen Zirkuswagen zurück. Das ist dann oftmals der Moment, wo man voller Begeisterung über das Gebirge und die Einsamkeit und den Zirkuswagen mit einer Kofferraumladung voll geistiger Konsumgüter zu Besuch kommt. Ich denke, das “nomadeskes Problem des Weltentänzers” ein durchaus angenehmer Begriff dafür ist. Und, sogern der Nomade auch den Sinnengenüssen von Natur aus zugeneigt ist, irgendwann dämmert ihm, daß Paracelsus recht hat, wenn er formuliert: Sola dosis facit venenum.3 Und er muß gewisse Maßnahmen ergreifen, dieFreunden und ebenfalls sinnenzugewandten und zum Teil auch gerade deswegen geschätzten Menschen unter Umständen unverständlich sind – zum Beispiel, wenn dieser lebensfrohe Durchdieweltreiter plötzlich abstinent wird. Das sind einfach Interferenzen und Verwerfungen in der wunderbaren Buntheit unserer Existenzweisen, und ich glaube nicht, daß die Farbenpracht dadurch im geringsten abnimmt, daß man nicht mehr doppelt sieht.
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Von Norman Liebold geschrieben am: 12.01.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen
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Die “Ansichten eines Aktmodells” sollen ja durchaus im Siebengebirge spielen und sich in die Reihe der augenscheinlich regional angesiedelten Bücher eingliedern.1 Heute habe ich einen schönen Spaziergang durch das verschneite Hinterland der Sieben Berge gemacht, wo ich meine Zelte bzw. meine Wohnschnecke aufgestellt habe und mich für den Platz entschieden, an dem Beorn2 seine Hütte gebaut haben wird. Ich kann es sogar von hier aus sehen, wenn ich durch das Eisblumen-Loch meines Fensters schaue. Hier ein paar Bilder von dem allerliebsten Platz, wo ich mich gerne tummle und allzuoft schon gedacht habe, das es schön wäre, die Wohnschnecke hier stehen zu haben. Nicht nur des wirklich schönen Blickes wegen, sondern vor allem wegen des Bestandes an altem Obstgehölz, das sich nicht nur hervorragend zum Schnitzen eignet, sondern auch wirklich leckere Äpfel, Pflaumen, Kirschen und Walnüsse trägt. Die Ruine inspirierte übrigens schon zum “Haushalter” aus den “Spaltenzungen“.
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Von Norman Liebold geschrieben am: 08.01.2010 unter NähKästchen
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Zuerst einmal: Ein Frohes Neues Jahr! In den vergangenen Wochen, die zwischen meinem 33. Geburtstag1 und dem Jahreswechsel lagen, ist viel geschehen. Nicht nur der 5. Jahrestag des Todes meines Vaters2 sondern auch die (hoffentlich) letzmalige Durchkäuung alter, überkommener Muster.3 Persönlich bin ich von jeher der Meinung, daß es eine Art höheren Plan gibt — gleichwohl, ob dieser nun von höherer, göttlicher Macht oder aber durch die Bedingungen der eigenen, unterbewußten Lebenssteuerung initiiert wird. Ein höherer Plan, der aufmerksamen Menschen immer und immer wieder an nicht nur vergleichbare, sondern geradezu identische problematische Lebenssituationen bringt, solange, bis er sie durchschaut, begreift und überwindet. In den letzten Wochen und vielleicht sogar Monaten häuften sie sich in schon fast lächerlicher Weise. Soweit lächerlich, daß man vor ihrem Eintreten dieselbigen voraussieht, ihr Eintreffen als zu unwahrscheinlich in ihrer Erscheinung betrachtet und dann in einer Mischung als Amüsement und Ungläubligkeit ihren Ablauf betrachtet. Dergleichen bringt dazu, während des Erlebens von Unverständlichem, Verwirrenden, das einstmals in wesentlich unbewußterer Lebenserfahrung als schicksalshaft und unbegreiflich erlebt wurde, ganz bewußt und relativ klar Entscheidungen zu treffen. Literarisch bahnte sich das seit gut 13 Monaten an, geschäftlich seit etwa 7, lebenstechnisch seit 4. Und suchtpräventiv gerade eben jetzt in dem Moment, wo ich diesen Beitrag schreibe.4 Ich muß mich outen: Ich rauche, während ich diesen Beitrag schreibe. Seit mehr als 4 Jahren zum ersten Mal. Die Vergangenheit ist in einem agonisch wilden Strudel zurückgequirlt und durchlief in Tagen die Quälgeister unerlöster Momente eines halben Lebens. Was mir in Bezug auf mein literarisches Schaffen seit dem “Navigator” – also seit ziemlich genau einem Jahr – klar geworden ist, gilt offenbar auch für das “normale” Leben. Jenen, die von jeher eine Kongruenz dieser beiden Dinge annehmen, wohl eine Selbstverständlichkeit, für mich aber in diesem Moment eine bahnbrechende Erkenntnis – und für meine Leser durchaus Vorfreude auf den Geschichtenband “Ansichten eines Aktmodells”, der in Bälde erscheinen wird. Mit Stories wie “Euthanatus”, “Der Stift”, “Versichert” und eben “Ansichten eines Aktmodells”. Der Bann ist gebrochen, und ich möchte mich an dieser Stelle bei sieben Menschen bedanken: Ulli alias Ludovika und Ann-Christin. Jens. Trotzdem erst kürzlich kennen gelernt: Maxim. Katharina. Und, das darf nicht unterschlagen werden: Andreas, meinem Bruder, und Bernd, mit dem ich ein Jahr die Bretter beschritt, die die Welt bedeuten. Ein Kampf, der letzthin gut fünf Jahre dauerte und seine heiße Phase in den letzten 12 Monaten durchlebte, ist ausgekämpft. Was kommt, ist licht. Und Licht. Auf eine gewisse Weise möchte ich mich an dieser Stelle voll Dankbarkeit verabschieden, auf einer anderen ein Grußwort für das Jetzt, was begonnen hat, aussprechen. Ein seltsamer Abend, in meiner geliebten Wohnschnecke inmitten der mystischen Sieben Berge, die gänzlich in Weiß gekleidet unter dem halben Mond daliegen, mit dem Herzen voll klarer Gefühle. Am Ende einer Reparaturphase, die meinen Wagen wieder schnurren (Dank an Jens, den zylinderkopfdichtenden Megatron des Schraubens), meine Kamera wieder surren (Dank an Sadik!), meine Handschrift mit wunderbarem Füllfederhalter wieder gleiten (Dank an Hoink und Meike für das wunderbare Geschenk!) und mich selbst dank guter Freunde mit einer lächelnden Gelassenheit nach vorn blicken lassen. In dieser expandierungssüchtigen, allzu vernetzten, zu verbundenen, zu verbindlichen Zeit wird die Tugend der Selbstbeschränkung arg zu sehr unterschätzt. Ähnlich wie die lange Weile, die früher als Muße gerühmt wurde. Der Moment, wo über Jahrzehnte erlangte Erkenntnisse plötzlich an einem Abend als Einheit in sich zurückfallen, alle als solche erkannte Fehler in wahrem Exzess noch einmal begangen und als tatsächlich als richtig erkannt zugleich revidiert werden, ist vielleicht der Moment, wo man erwachsen wird. Und man – so dämlich, so albern, so dumm es auch erscheinen mag – abschließend noch einmal zelebriert werden. Das reicht vom Bett bis zur Zigarette. Vom Joint bis zu den alten Tugenden, von der eigenen Burg bis zu Wohnschnecke. Das Alberne an dem Ganzen ist das schon Gewußte, das immer schon Dagewesene, das stets Gesehene, das man nicht als wahr anzunehmen wagte, weil es … zu einfach gewesen wäre. Am Ende, das stets mehr ein Anfang ist, bleibt nach Dutzenden von roten Strichen die sowohl erhellende wie vor allem auch überaus beruhigende Erkenntnis, dass all diese roten Striche nicht anderes sind als ein zusammenhängender Roter Faden. Und man am Ende mit Freude den kindlich reinen Status wiedererlangt, dieses Paradies, aus dem Zweifel einen einst vertrieben. In diesem Sinne, nach einem Schnelldurchlauf von – in der Tat! – 21 Tagen all jener Marksteine, die maßgeblich im Leben schienen, wünsche ich ein wunderbares 2010!
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Von Norman Liebold geschrieben am: 19.12.2009 unter AutorenGefasel, NähKästchen, PhiloBlog
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Wenn ich in mein Tagebuch hineinschaue, stelle ich fest, daß ich die erste Notiz zu “Versichert” (Arbeitstitel) am 10. Februar machte. Heute erlebte ich zum ersten Mal, seit ich das LieBLOG als Dokumentationswerkzeug nutze1, wie genau die Entscheidung zur Niederschrift einer Geschichte fällt. Vielleicht tatsächlich in derselben Weise, wie unser Erinnerungsvermögen funktioniert, das aufgrund von Ähnlichkeiten Dinge der Vergangenheit wieder aufruft, wahrscheinlich schlicht, um Erfahrungswerte für aktuelle, vergleichbare Situationen zur Verfügung zu haben, was sinnvoll ist. Es ist wirklich kalt hier oben, und – eine Verstärkung der Situation – mein treuer Rosinante liegt mit frisch operierter Zylinderkopfdichtung in der Klinik. Ich habe es warm, zumindest, sofern das Gas nicht ausgeht,2 Eisblumen klettern die Fenster meiner Wohnschnecke sehr malerisch empor, ich habe leise saxlastige Musik laufen und in jenem Zwischenraum zwischen Sein und Potentialität, zwischen entspanntem Teeschlürfen und existentieller Angst, irgendwo da liegt die Wurzel dieser einen speziellen Story – was dort geschieht, und was einen selbst in Atem hält, ist in gewisser Weise zu eins verschmolzen – und wahrscheinlich ist genau das jener Zündfunke, jener winzige Energieüberschuss, der diesen Moment von allen anderen Momenten seit dem 10. Februar unterscheidet3 und eben den ersten Satz auf das Papier bringt, der, gleichsam ein Pfropfen, die Geschichte im Gefäß hat wachsen, gären und immer mehr Details sammeln lassen. Wobei “Versichert” letzthin die erste von einer Reihe lose zusammenhängender Stories ist, die zusammen das Buch “Ansichten eines Aktmodells” bilden, und erfahrungsgemäß wird es jetzt recht schnell gehen, meine lieben Leute, die stets die Rohfassungen der Geschichten vorgelesen bekommen, dürfen sich schon mal auf gemütliche Leseabende freuen. Ich jedenfalls freue mich schon sehr darauf, mache den Rechner zu und das Manuskriptbuch auf.
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Von Norman Liebold geschrieben am: 17.12.2009 unter NähKästchen
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Ich denke, an diesem denkwürdigen Tag muß ich mich outen. Nicht nur, daß ich die, wie ich finde, denkwürdige Zahl von 33 Lenzen (Quersumme 6) erreicht habe und heute der diesem Tage zugeordnete Neumond am Himmel steht wie eine gigantische im Weltenall hangende Steinkugel, nein, es geht um das Gefühl, das aus ebendiesem Weltenall eine Art Hand zu mir herniedergriff, mich am Schlafittchen nahm, gründlich (wenngleich nicht ohne gewisse Zärtlichkeit) durchschüttelte und dann in ein wahrhaft kosmisches Lachen ausbrach. (Und das liegt gewiss nicht an der durchaus befriedigenden Erfahrung, auf einem Altar eine Lesung halten zu dürfen.) Nein, es geht um mehr. Viel mehr. Vielleicht gar um alles. Es ist müßig, von der Suche nach dem perfekten Schreibgerät zu erzählen oder vom Fetischismus des ultimativen Notizbuchs (was, nebenbei, auch die Suche nach dem idealen Notebook mit einschließt). Es ist auch irrelevant, daß sich, wie so oft, zum rechten Zeitpunkt die Dinge zueinanderfinden und im Rückblick alles lachhaft erscheint. Ebenso ist es völlig unangebracht, von sich nicht mehr häufenden, sondern sich schichtweise zu Babel türmenden Ereignishorizonten zu berichten, welch unter dem Strich nur eine Absicht zu haben scheinen: nämlich ein schon fast Mißtrauen erregend klares Bild, das bestätigt, was längst schon gesehen wurde, aber aus ach so reflektiert skeptischen Beweggründen nicht als solches hingenommen. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um fast schon göttliche Fingerzeige an Walpurgis, furzende Saitenspieler, kariöse Philosophen oder honigsaimende Einzelgänger geht. De facto stimmt sich ein großes Gelächter an, das – und dies ist das eigentlich absurde – schon immer um einen herum schallte, aber nicht in seinen alle Lebensebenen durchrieselnden Seinsformen wahrgenommen wurde. Zeit, sich vom Gelächter schütteln zu lassen. Denn es ist kein Gelächter arroganter Art, das einen schüttelt, sondern das AufundAb der eigenen göttlichen Flügel (was für jeden Menschen gilt). 33. Neumond. Neuneuneu, wie Malte formulieren würde. Nackte Wahrheit, wie ich weiß. Weiß wie der Vollmond über den Wassern von Maria Laach, wenn er sich an Walpurgis in den Wellen bricht und so jungfräulich wie das Manuscriptbuch, das ich heute in die neu vernähte (und doch uralte) Schreibmappe legte. |
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