AutorenGefasel

Re-Eroberung #314

Von Norman Liebold geschrieben am: 15.05.2010 unter AutorenGefasel

Bei einem absolut wunderbaren Tag bei Ute, der Goldschmiedin mit der sich formierenden Künstlergruppe “Siebenkunst”, wo wir den ältesten Klebstoff der Welt mit Landi Graywolf, den Bildhauern Olaf  und Michael Frank und weiteren wunderbaren Menschen kochten, Bögenholz spalteten und die genialsten Wildwürste des Siebengebirges grillten, fielen mir einige Stück Hirschhorn in die Hände. Und Ute ließ mich in ihre Werkstatt. Tatsächlich verschwand ich für einige Zeit in eben derselben, und rutschte, als hätte ich die vierte Geschichte von “Ansichten eines Aktmodells” bereits verinnerlicht, in ein seliges Schaffen und Werken.

Die Ergebnisse machten gleich drei Leute glücklich – und was gibt es Schöneres als mit seiner Hände Arbeit, der bunten Knete in seinem Kopf und einem schönen Material (wie wunderbar Hirschhorn doch ist!) in einigen Stunden weggedrifteten Vorsichhinschaffens etwas zu machen, das weggeschenkt andere zu erfreuen in der Lage ist! Auch dieses – gleichsam als Pendant zur wiedergefundenen magischen Flöte – ein Zurückgewinnen eines altgeliebten Bereichs…

Zu sehen auf den Bildern: Ohrring für Maxim und ein Schmuck für unser Geburtstagsgeschenk für Katharina, einen allerliebsten Jagdbogen.



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Beornische Reise

Von Norman Liebold geschrieben am: 03.05.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Beltaine-Reise in den Allgäu: On the Road

Anderthalb Wochen auf Tour in den verschiedenen Lieblingskreisen. Zuerst viel verschwörerische Arbeit für das politische Alternate Reality Game des BASA zu Brehmen (baldigst mehr), was mir erhebliche php-Schleifen in den Bereichen meines Hirns bescherte, die für die cyberesken Teil des Cyberspîlmans zuständig sind, dann eine Tour in den Allgäu auf ein allerliebstes kleines Festival.

Zum Beginn der Niederschrift der “Ansichten eines Aktmodells” bin ich leider noch nicht gekommen, aber dafür hat sich die Geschichte weiter gefestigt und ist in etlichen Details gewissermaßen gesprächsintensiv auskristallisiert. Ich denke, die ersten Zeilen werden heute entstehen.

Sehr amüsant in jedem Falle, daß ich das Allgäuer Ausflüglein mit einem der Väter Beorns aus “Versichert” unternahm, und daß – wie könnt es auch anders sein, wir irgendwann vor einem Ort standen, an dem Beorn wirklich grosses Gefallen gefunden hätte:

Ein hübsches Plätzchen, wo Beorn sich wohl fühlen könnte.Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Geschichten in die Realität hinein wuchern…



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Ansichten eines Aktmodells – Graphisches Projekt

Von Norman Liebold geschrieben am: 26.04.2010 unter AutorenGefasel

Christian Lessenich: Norman Liebold

Norman Liebold. Gezeichnet von Christian Lessenich, Graphit auf Papier

Die “Ansichten eines Aktmodells” sind in der Schreibphase, und so ist es an der Zeit, über die Ebene nachzudenken, die parallel zur Text- und Erzählebene steht.

Die “Ansichten” werden überaus reich bebildert werden, wie es für eine Künstlernovelle – zumal eine, deren zentrale Situation die des Gezeichnet-Werdens ist – auch gehört. Die Illustrationen werden dieses Mal von mehreren Illustratoren angefertigt werden und sollen im Kontext der Novelle eine parallele Geschichte erzählen. Wobei auch sie auf zwei Ebenen existieren werden, genau wie die Novelle zwei konkrete Erzählebenen haben wird: Einmal die tatsächliche Situation und die Geschichte des Erzählenden Ichs – die insbesondere meinen Kreisen an der RSKA Hennef und meinem lieben Freund Junus Karimow sehr viel Spaß bereiten wird. Hier wird die Novelle mit zwölf Zeichnungen1 versehen werden, die jeweils mich daselbst zeigen, wie der HERR mich geschaffen hat. Die Aktzeichnungen werden von verschiedenen Studenten der RSKA Hennef, von Christian Lessenich und, was mich sehr freut von Junus Karimow stammen.

Die zweite Ebene der Zeichnungen sind Illustrationen der einzelnen Stories, die das Aktmodell während seines Befreiungs-Vortrags2, für die ich mich freue, Katharina Theine und Maxim Spektor gewonnen zu haben. Und hier werde auch ich mich recht umfänglich des Zeichenstifts bedienen.

Die Lesungen der “Ansichten eines Aktmodells” werden auf diese Weise, ähnlich wie der “Kulturgeist”, von vorn herein die Möglichkeit haben, ein Treffen der Künste zu werden – Ausstellungen mit musikalisch begleiteter Lesung. Besonders faszinierend finde ich im Moment die Herausforderung, die einzelnen Illustrationen so zu arrangieren und zu verbinden, daß sie – unabhängig vom Text – in ihrer Gesamtheit die Geschichte in Bildern erzählen, mit vielfältigen Bezügen aufeinander, untereinander und zum Text. Ich bin sehr gespannt!


  1. Die letztendliche Anzahl der Modell-Geschichten steht noch nicht hundertprozentig fest, im Moment sind es zwölf, es können aber auch 7 bzw. 8 werden. Das sind Unwägbarkeiten, die einem solch komlexen Stoff innewohnen. []
  2. Nennen wir das mal so… []


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Vita Nova

Von Norman Liebold geschrieben am: 25.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Die “Ansichten eines Aktmodells” begonnen, die Konstruktion steht und es wird wohl eine der interessantesten Geschichten werden, die ich je in Angriff genommen habe – sie enthält so ziemlich alles, was ich je an stilistischen und erzählerischen Mitteln anwandte, nur in einer Geschichte. Sie wird zugleich eine Sammlung von 12 Stories1 sein, die zwischen 8 und 25 Minuten Vortragszeit haben und komplett für sich stehen können, wie auch eine wunderbare, verträumte Novelle, die in ihrer Gesamtheit als ein Gewachsenes vor dem Leser steht.

Ich denke, der “Damm” gegen den “Stift” ist gebaut, und der Rückstau der Konzentration funktioniert. Und daß er funktioniert, hat eine ganz eigene Erleichterung erzeugt, ein Schweben im Getragensein, und plötzlich ist alles da, nicht nur die magische Flöte, die sich nach 5 Jahren Dunkelheit entschlossen hat, mit Licht und sanften Tönen zu mir zurückzufinden. Mein “Arbeitsurlaub” hat wieder begonnen, jener selige Zustand, den ich eine Zeitlang verloren glaubte und der im Grunde der Zustand meines Lebens ist. Es gehört so wenig dazu, und doch so unendlich viel. Ein wunderbares Schachspiel mit gutem Freund mit noch mehr guten Freunden drumherum an einem so wunderbaren Ort wie der Gammersbacher Mühle, nachdem man – fast wieder kleine Junge (oder doch jagende Mannsbilder?) – gemeinsam hat Pfeile fliegen lassen, umschwärmt vom vor Lebenslust platzendem Nachwuchs, Fachgesimpel über Kunst, Literatur, Spiritualität und natürlich Bogenbau … danach Grillen bei Freunden, Spontanjamsession an Klarinette und Nâhtegal-Flöte. Ja, in der Tat, das Leben beschenkt!

2010-04-24_schiesstand


  1. die Zahl kann sich noch verändern, im aktuellen Konstrukt passen die numerologischen Bezüge nur so wunderbar, wobei es auch 7 sein könnten. Das hängt von der effektiven Länge der Stories ab, da sie sich exakt in viermal fünfundvierzig Minuten einpassen müssen []


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Der Stift zaunpfählt mich armes Aktmodell!

Von Norman Liebold geschrieben am: 23.04.2010 unter AutorenGefasel

Jesus im Pfortenser Dom, Foto: Norman Liebold, 2005

Jesus im Pfortenser Dom

Im Moment verfolgen mich Zaunpfähle, die die Ausmaße von Brückenpfeilern haben in Bezug auf eine Story, die zu den “Ansichten eines Aktmodells” gehört, und die ich eigentlich nach dem zentralen, gleichnamigen Stück im Zentrum des Buches schreiben wollte. Abgesehen von den kleinen und kleinsten Texten, die mehr oder weniger willkürlich zwischen den drei großen Novellen – Versichert, Ansichten eines Aktmodells und eben der Stift – entstehen und angesiedelt werden.

Die Geschichte wächst bereits seit einiger Zeit und geht auf das Jahr zurück, das ich in meiner bisher liebsten Wohnung – oder sagen wir lieber Behausung . verbrachte, und wo ich genügend Dinge erlebte, um das Gefühl der Notwendigkeit zu entwickeln, daraus eine Novelle zu machen. Dinge, die zum ersten Mal wieder die Notwendigkeit für die Form eines (Künstler)Krimis schaffen. Die gewissermaßen kriminologischen Aspekte der Geschichte wurden zwar auch noch einmal angestoßen, aber nur gering, es handelt sich mehr um den zweiten großen Aspekt der Novelle, ein Aspekt gewissermaßen desjenigen Aspektes, der den Roten Faden darstellt, der sich durch alle Geschichten aus “Ansichten eines Aktmodells” zieht.

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Von Flöten und Grossvätern

Von Norman Liebold geschrieben am: 20.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Titelblatt für #2 von 'Ansichten eines Aktmodells'. Foto: Norman Liebold, 2010

“Versichert” ist abgeschlossen, die Korrekturfahnen raus und die Illustratoren gucken schon einmal, auf welche Szenen sie Lust haben. Ich werde selbst auch 2,3 Zeichnungen machen und freue mich schon darauf.

Nichtsdestotrotz steht die nächste Überschrift schon im Manuskriptbuch. Sie wird natürlich nicht “Maxims Grossvater” heißen, das ist nur der Arbeitstitel, aber die Widmung “den Brüdern vom Goldenen Morgenmantel” werde ich wohl belassen. Die Story ist im Grunde fertig und in der Skizze schon rohgefasst, wobei noch einige sehr schöne Details hinzu gekommen sind. Es wird eine kleine Geschichte, ein Viertelstünder, aber andererseits hatte ich auch nicht erwartet, daß aus der Novelle, die ich für 30-35 Seiten veranschlagt hatte, letztlich ein ausgewachsene Novelle von abendfüllender Länge geworden ist.

Die Story wird am 15.05. in den “Vier Raben” mit der Unterstützung von Maxim Spektor an der Caisa premierengelesen werden. Ich freue mich auch sehr darüber, daß wir die Ehre haben werden, bei Beorn-Vater #3, dem Bildhauer und Lichtkünstler Michael Frank eine ganz besondere Lesung mit Musik zu veranstalten, inmitten der langsam in der Dämmerung zu Leben erwachenden Stein-Sturmholz-Glasskulpturen wird es für die Vernissagen-Besucher nicht nur eine atemberaubende Stimmung zu erleben geben, sondern natürlich auch einen ganz besonderen Geschichtenabend. Der Termin wird entweder der 5. oder der 12. Juni sein. Der Künstler hat sein Atelier in Alfter, und dieser Umstand bescherte mir ein “Geschenk des Universums”, wie Maxim formulieren würde.

Neues, süßes Täschchen fürs Mini-Tarot und die Zauberflöte #3Diejenigen, die mich schon länger begleiten, werden sich erinnern können, daß etliche Meiner Lesungen zwischen 2000 und 2004 von mir selbst mit Musik begleitet wurden, und zwar auf einer kleinen, süßen und handlichen “Zauberflöte”, wie sie von einigen genannt worden war, und die zu Nâhtegals Immerdabeisachen zählte. In dem Desaster Ende 2004 Anfang 2005 verschwand sie aus meinem Leben, unter reichlich mysteriösen Umständen, und es partout unmöglich, irgendwo eine neue herzubekommen. Ich sah es als Symbol, damals, und tatsächlich schrieb ich seitdem fast ausschließlich extrem realitätsbezogene Texte. Mit den “Ansichten eines Aktmodells” habe ich einen neuen Weg beschritten, einer, der ausgiebigst beschnüffelt und durchaus beängstelt wurde, nämlich die Zusammenführung meiner “Phasen” und das gänzlich freie Bewegen in allen meinen Stilen, wie es die Geschichte je braucht – also auch Nâhtegal wieder die Tür zu öffnen. In Alfter angekommen erinnerte ich mich, daß mir irgendjemand im Anblick meiner Flöte vor einem halben Dutzend Jahren einmal gesagt hatte, daß es da ein Geschäft gäbe, wo so etwas gesehen hätte. Erstaunlicherweise hatte ich sogar 2007 einmal alle Gassen Alfters durchkämmt, um “Rosentau” zu finden, aber wie das magische Theater Hesses war es weder aufzufinden noch jemand aufzutreiben, der es kannte.

Gestern nun fühlte ich eine Art “Zug”, und ohne nach dem Weg zu fragen kurvte ich wie von einem Magneten gezogen durch die verwinkelten Gässchen, stellte mich mit traumwandlerischer Sicherheit auf einen Parkplatz und fragte dann jemanden, ob er ein Geschäft namens “Rosenstolz, –tau, –strauch oder so ähnlich” kennt. Und er hob den Arm und zeigte genau hinter mich, denn ich stand faktisch davor. Und, sehr ungläubig nach der langen Odyssee, wußte die Verkäuferin sofort, wonach ich suche (die erste in sechs Jahren in allen möglichen Musikgeschäften!).

Und so hat Nâhtegal seine Zauberflöte wieder. Und ein Mini-Tarot gleich noch dabei, das mir einen überaus witzigen freundschaftlichen Abend bescherte mit dem Bruder vom Goldenen Morgenmantel. Und ich bin gewiß, daß sie (und die Klarinette natürlich) wunderbar zur Caisa passen wird.



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Vollendete Versicherung!

Von Norman Liebold geschrieben am: 15.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Norman Liebold nach Vollendung des letzten Satzes von 'Versichert'

Norman Liebold beim letzten Satz. Typische Endszenenerschöpfung an den Augenringen kenntlich. Foto: Alex

Der letzte Satz, das letzte Wort, der letzte Punkt im Manuskript ist gesetzt. Die erste Geschichte für “Ansichten eines Aktmodells” vollendet. Zwar muß ich mich jetzt den cyberesken Teil des “Cyberspielmanns” aktivieren, um den Text nunmehr vom Handgeschrieben, von den wunderschönen geschwungenen Linien sepiafarbener NoodlersInk in die ewiggleichen Krakel typographischer Vektoren zu transformieren. Achtundneunzig Manuskriptseiten, eine Weile werde ich wohl hinter den pulsierenden Plasmasträngen meines Bildschirms verbringen müssen, aber der unwägbare Teil des Schaffensprozesses, das Geschichtenspinnen, das trotz allem eben nicht ganz kontrollierbare Sprudeln oder auch Verstopfen der Erzählquellen ist abgeschlossen, und ich sehe der Premiere am Samstag mit viel Freude entgegen.

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Finalische Prokrastination

Von Norman Liebold geschrieben am: 14.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

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Es ist immer wieder ein ganz und gar eigenartiges Gefühl, die letzte Szene einer Geschichte in Angriff zu nehmen. Man schleicht darum herum wie die Katze um den sprichwörtlichen heißen Brei, man wäscht Wäsche und macht den  Abwasch, rasiert sich peinlich genau, duscht und wischt die Bude, liest das Buch, das man gerade am Wickel hat, zu Ende … prokrastiniert also in ganz klassischer Weise. Dabei ist es ganz unabhängig davon, ob im Grunde genommen jeder Augenblick des zu beschreibenden Geschehens festgelegt und “nur noch” zu formulieren ist. Ja, es ist sogar bei weitem weniger heißbreiig, wenn man die Klimax im Rausch und früher als erwartet erreicht.

Immerhin hat sich der über den Winter gewachsener Berg in meiner Wäschekammer in einen wohlgefalteten Stapel Wohlgeruch verwandelt, und dem Finale ist so oder so nicht auszuweichen. Tatsächlich ist genau dies hier nichts als eine winzige Unterbrechung während des Finales des Finales: Beorn hat gerade, ganz unfreiwillig komischer Über-Mann, selbst zu Tode verletzt, dem Altgermanisten den augenscheinlich gebrochenen Arm wieder eingerenkt, um zum Auto zu humpel-kriechen, wo seine “Versicherung” im Handschuhfach auf ihre Bestimmung wartet, die Szene letzthin, die der Geschichte ihren (Arbeits-)titel gegeben hat. Sieben Seiten Manuskript, schätze ich, also, trägt man meiner epischen Veranlagung Rechnung, wahrscheinlich vierzehn.

Währenddessen, heute Morgen bei Kaffee und Tagebuch am Tisch im Paradies, durfte ich das Geschenk erleben, wie eine Geschichte daher spaziert kam. Auf den Seiten des Tagebuchs, ganz unbedarft und heiter zwischen den Zeilen heraus lächelnd und mir mit Bestimmtheit den Füllfederhalter aus der Betrachtung nehmend, um sich kichernd selbst zu skizzieren. Das ist auf diese Weise schon lange nicht mehr geschehen, eine echte Nâhtegal-Geschichte, fast schon ein (NeuZeit-)Märchen. Ein sehr süßes Zwischenstück, das zudem wunderbar in die “Ansichten eines Aktmodells” paßt, wobei ich mir sogar schon ziemlich sicher bin, wo genau es hingehört – das Aktmodell wird es in der zweiten Story erzählen.

So, das Teewasser kocht, und ich muß Beorn eine Knarre mit bezaubernder Hand von der Schläfe schlagen.



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Von alternativen Enden

Von Norman Liebold geschrieben am: 13.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, ThesbisKarren

ich stehe kurz davor, tatsächlich das erste alternative Ende zu schreiben, daß ich je für eine Geschichte ersonnen habe. Ein eigenartiges Gefühl, denn Konjunktive liegen dem Schützen im Grunde genommen fern. Tatsächlich lag hier die irgendwo in jeder Geschichte verborgene Grube, von deren Dasein man weiß, deren unergründliche Tiefe man mit Dei ex Machinae zu umschiffen sucht, und von der man auch nach Fertigstellung und Meisterung noch fürchtet, ein Leser könnte hinein fallen. In “Versichert” ist es eine besondere Grube, eine weniger als sonst versteckte, aber dafür um so glitschigere. Glitschig wegen des Anspruchs jeder gut erzählten Story, im gesteckten Rahmen folgerichtig zu sein, und hier im besonderen Maße, nicht in Schwülstigkeiten ausrutschend pathetisch genau da hinein zu schlittern. Es ist allerdings auch ein sehr heikles Thema, denn hier stoßen zwei gegensätzliche Triebkräfte derart massiv aufeinander, daß sie im Grunde nicht aufzulösen sind.

Nicht zuletzt durch überaus erhellende Gespräche mit meinem Bühnenkollegen únd Freund Maxim ging mir eine seltsame Lampe im Kopf an. Zwei Tage Philosophieren hier zusammen zu fassen, zumal beflügelt von Musikimprovisationen und Bogenschießen, ist schwer möglich, aber jene Eloquenz in Gedanke und Wort, wie sie uns zuweilen ein guter Zuhörer zu schenken imstande ist, machte mir die Freiheit des Lesers plötzlich in bisher ungekannter Stärke bewußt. Ich darf meinen Beorn-Bären Blut spucken lassen und darf ihm auch die Möglichkeiten in den cerebralen Windungen des Geschichtenschlürfers offen lassen: So sicher, wie die bezaubernde Lisa ihm die Knarre von der Schläfe wegschlagen wird, so sehr darf ich die Möglichkeiten aufmachen, ob er einen Arzt mit einer Skulptur und der Hilfe seiner Freunde bezahlen kann oder ob er ganz der waidwunde Bär sich in seiner Höhle pflegen läßt, um mit den ersten Märzblüten aus eigener, bäriger Kraft sich vom Bett-Fell erhebt und ein klein wenig weniger extrem sich für die KSK entscheidet.

Es fehlt noch eine rührende, dramatische Szene, und die Geschichte ist vollendet, und ich freue mich schon sehr auf das Publikum in den “Vier Raben” – nicht nur, weil die drei Vorbilder Beorns mir die Ehre geben werden, die frisch geschlüpfte Story anzuhören, sondern weil ich überaus gespannt bin, ob meine Extravaganzen, die ich mir beim Erzählen gestattet habe, gut ankommen. Und ja, ein wenig fürchte ich mich auch. Ein sehr prickelndes, angenehmes Fürchten.

Es ist, trotz allen schönen, romantischen, hoffnungsvollen Szenen, eine noch recht düstere Geschichte. Aber das ist Programm und wird sich im Laufe der “Ansichten eines Aktmodells” mehr und mehr in lichtere Gefilde emporschwingen. Ein eigenartiges Projekt. Vielleicht das eigenartigste, das ich je begonnen habe. Aber die Feder treibt und schreibt, und es ruft und lockt eine ganz wundervolle Stimme, deren Klang mir zuerst ein wenig unheimlich war. So unheimlich, wie dem Verzweifelten jener Blick sein kann, der ihm plötzlich ohne Vorwarnung all die unglaublichen und doch so wirklichen Wunder unserer Welt in jeder Blüte, jeder aufspringenden Knospe und dem wilden Gefühl des ersten Kopfsprungs in den geliebten Steinbruchsee Anfang April sein kann. So seltsam es einem Ständigschaffer wie mir ankommt, fast ein Jahr lang gegen Mauern angerannt zu sein, so sehr offenbart sich gerade, wie viel während dieser stillen Zeit (was das Schreiben angeht) wirklich passiert ist. Man sitzt auf seiner Veranda in der Dämmerung, über sich das Sternenzelt, die Finken schlagen im Wald und man ertappt sich beim Grübeln  über Längstgewesenes und Niemalsseiendes, beginnt zu lachen, hört einfach auf damit und stellt fest: Man sitzt mitten im Paradies, frei wie ein Vogel und … glücklich.

Ich fürchte, die Liebhaber meiner literarischen Schimpftiraden dürften in Zukunft etwas enttäuscht werden, denn die Lust zu schimpfen geht mir gerade massiv ab. Es ist so leicht zu schimpfen, denn es erlaubt, tätig zu sein, ohne etwas verändern zu müssen. Unglücklicherweise hat sich offenbar mein Blickwinkel verschoben, und es zeigen sich meinem Blick so vielfältige, herrliche Wunder, daß mir nach Feiern zumute ist. Und irgendwie, ich weiß auch nicht warum … gefällt mir das.



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Seien Sie Versichert!

Von Norman Liebold geschrieben am: 08.04.2010 unter AutorenGefasel

Arbeitsplatz. Foto: Norman Liebold

Ich bin kurz vor dem Unfall. Und auf Seite 58 des Manuscripts, kurz vor der Klimax von “Versichert”, der ersten Story von “Ansichten eines Aktmodells”. Und halb amüsiert, halb fasziniert beobachte ich einmal mehr, daß ein Tintenfuxx zwar zuweilen aus der Haut fahren kann, aber immer wieder dahin zurückflutscht. Später werden, wie immer, die wenigsten all die allerliebsten kleinen Versatzstückchen erkennen, die sich im Laufe des Wachsens und ganz besonders in der Zeit einschleichen, wo die Geschichte niedergeschrieben wird. Im Grunde, fällt mir auf, könnte ein Tintenfuxx auf jedes tatsächliche Tagebuchschreiben verzichten, denn er wird sie auch nach zehn Jahren noch wiedererkennen und die Zeit des Schreibens steht ihm wieder mit allen Kleinigkeiten vor Augen. Natürlich muß Beorn in seiner Hütte einen Bogen an der Wand hängen haben, und selbstverständlich sind einige seiner Skulpturen in der Mitte zersägt und durch einen Spalt von Glas aufgefüllt. Wie könnte es auch anders sein? Und daß er auf einer Caisa zu improvisieren weiß und Pfeife raucht, ist genauso zum Schmunzeln geeignet wie die Tatsache, auf welche Weise er seine Möbel baut. Ist er ein Hybrid, aus Fetzen lieber Menschen zusammengeleimt, oder ist er ein Ideal, das durch die Lieben hindurch scheinend in ihm eine Form gewinnt.

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