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	<title>Norman Liebolds LieBLOG &#187; PhiloBlog</title>
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	<description>Das LieBLOG - Liebolds Log</description>
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		<title>Reanalogisierung, Abschluss und Umsetzung</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Feb 2010 12:15:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir schreiben den 20.02.2010, das sind ziemlich genau 10 Jahre nach dem totent&#228;nzerischen 20.02.2000. Das wird den wenigsten (noch) etwas sagen, mir daf&#252;r aber um so mehr. Ich m&#246;chte gern abstrakt bleiben in diesem Bezug:&#160; Bestimmten Daten wecken eine gewisse Bewusstheit, weil das Leben bzw. die Leiter der Erkenntnis nicht etwa ein gerade Strecke ist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://lieblog.norman-liebold.de/wp-content/uploads/2010/02/100220_manuscriptbuch2.jpg" rel="lightbox"><img style="border-right-width: 0px; margin: 0px 10px 5px 0px; display: inline; border-top-width: 0px; border-bottom-width: 0px; border-left-width: 0px" title="10-02-20_manuscriptbuch (2)" border="0" alt="10-02-20_manuscriptbuch (2)" align="left" src="http://lieblog.norman-liebold.de/wp-content/uploads/2010/02/100220_manuscriptbuch2_thumb.jpg" width="324" height="182"></a> </p>
<p>Wir schreiben den 20.02.2010, das sind ziemlich genau 10 Jahre nach dem totent&#228;nzerischen <a href="http://presse.norman-liebold.de/2000/">20.02.2000</a>. Das wird den wenigsten (noch) etwas sagen, mir daf&#252;r aber um so mehr. Ich m&#246;chte gern abstrakt bleiben in diesem Bezug:&nbsp; Bestimmten Daten wecken eine gewisse Bewusstheit, weil das Leben bzw. die Leiter der Erkenntnis nicht etwa ein gerade Strecke ist, sondern vielmehr eine sich in weiten Spiralen nach oben schraubende, verschlungene Bewegung, die, wenn sie sich einer auf niedrigerer Ebene passierten Stelle n&#228;hert, gewisse Echoeffekte ausl&#246;st. Und dieses Widerhallen, diese Steinwurfkreise, die sich auf der Oberfl&#228;che der Weltwahrnehmung bilden, machen … aufmerksam. F&#252;r das, was sich gleich geblieben ist, f&#252;r das, was anders ist, f&#252;r das, was anders scheint, aber im Grunde ein &#228;hnliches Muster bildet.</p>
<p>Ein &#252;beraus sch&#246;nes Gef&#252;hl ist es, wenn man anstatt des an den letzten Kreisbahnpunkt&#252;berschneidungsph&#228;nomenen empfundenen &#8220;Gut, ich sehe es, faszinierend, aber was soll ich jetzt damit anfangen?&#8221; ein eigenartig gelassenes L&#228;cheln an sich bemerkt und der seelische Aufruhr zugunsten einer sehr, sehr einfachen und klaren Handlung oder Nichthandlung ausbleibt. Es erf&#252;llt mich sogar mit einem nicht geringen Erstaunen, dass die Abstiege in eine Reihe von wirbelnden Gedankenstrudeln mit nichts anderem bewaffnet als dem gesunden Menschenverstand, tats&#228;chlich bis zur Quelle des Strudels gelangten, also gelangen und das ganze mit einem homerischen Gel&#228;chter beenden konnten.<sup>1</sup> Das nahm eine gewisse Zeit in Anspruch, dieses Entstrudeln und homerisch Lachen, und tats&#228;chlich war ich au&#223;erstande, in dieser Zeit neue Geschichten fertig zu stellen und auf den Markt und ans geneigte Leserohr zu bringen. </p>
<p><a href="http://lieblog.norman-liebold.de/wp-content/uploads/2010/02/100220_manuscriptbuch4.jpg" rel="lightbox"><img style="border-right-width: 0px; margin: 0px 10px 5px 0px; display: inline; border-top-width: 0px; border-bottom-width: 0px; border-left-width: 0px" title="10-02-20_manuscriptbuch (4)" border="0" alt="10-02-20_manuscriptbuch (4)" align="left" src="http://lieblog.norman-liebold.de/wp-content/uploads/2010/02/100220_manuscriptbuch4_thumb.jpg" width="324" height="200"></a>Gestern Abend, dem ersten durch gl&#252;cklichen Zufall freien Abend seit nicht mehr erinnerlicher Zeit, n&#228;hte ich mir nicht nur eine Art Federmappe, die ich auf das Manuscriptbuch aufschnallen kann (s. Bild oben) &#8211; denn ich sch&#228;tze solche kleinen Rituale -, sondern setzte die einzelnen Schritte des ausgearbeiteten Reanalogisierungsplans einen nach dem anderen um. Was zu meinem wirklich ganz erheblichen Erstaunen nicht etwa massive, kaum zu bew&#228;ltigende Gewissensbisse gegen&#252;ber der Welt im Allgemeinen oder Speziellen nach sich zog, sondern … ja, in der Tat, ein Gef&#252;hl gelassener, lichter Ruhe. (Eines der letzten angegangenen Ph&#228;nomene war jenes, dessen eine Symptomatik darin bestand, dass, wenn einer meiner M&#228;use<sup>2</sup> meint, laut auf diesem einen etwas losen Brett trappeln zu m&#252;ssen, ich aufschrecke in der Annahme &#8211; und das mit genervtem Gef&#252;hl und nat&#252;rlich sofort aus dem Schreibfluss heraus gerissen &#8211; dass dieses vermaledeite Telefon schon wieder was von mir will.)</p>
<p><a href="http://lieblog.norman-liebold.de/wp-content/uploads/2010/02/IMGP0662.jpg" rel="lightbox"><img style="border-right-width: 0px; margin: 0px 10px 5px 0px; display: inline; border-top-width: 0px; border-bottom-width: 0px; border-left-width: 0px" title="IMGP0662" border="0" alt="IMGP0662" align="left" src="http://lieblog.norman-liebold.de/wp-content/uploads/2010/02/IMGP0662_thumb.jpg" width="280" height="280"></a> </p>
<p>Ich m&#246;chte hiermit also ganz allgemein zur Kenntnis bringen, dass ich jene Z&#252;ndschnur, welche an jenes hochkomplexe, &#252;ber Monate hinweg ausget&#252;fteltes Arrangement von Sprengk&#246;rpern verschiedenster Art angeschlossen ist, das, einmal in Gang gebracht, nicht mehr aufzuhalten sein wird und keinen anderen Zweck hat, als die letzten Reste gewisser Unnotwendigkeiten<sup>3</sup> wegzusprengen, nicht nur gen&#252;sslich in Brand gesteckt habe, sondern der rasend schnell sich fortpflanzende, spritzend funkenspr&#252;hende Glutpunkt l&#228;ngst die ersten Explosionen ausl&#246;ste. Und ich sitze und schaue und freue mich. Sehr, denn der letzte Rest gewisser zweifelnder Kontrolls&#252;chtler&#228;ngste l&#246;st sich in einem wirklich &#228;sthetisch ansprechenden Feuerwerk auf. Was genau diese weggesprengten Dinge sind, werden die n&#228;chsten vier Stories (&#8220;Versichert&#8221;, &#8220;Ansichten eines Aktmodells&#8221;, &#8220;Euthanatus&#8221; und &#8220;Der Stift&#8221;) ausf&#252;hrlich und unterhaltsam zu beschreiben wissen.</p>
<p>In Vorfreude darauf und auf meine Leserohren daher in diesem Sinne bis dahin. </p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_836" class="footnote">Siehe auch: <a href="http://lieblog.norman-liebold.de/2007/06/wieder-den-wahn-der-erreichbarkeit/">Wider den Wahn der Erreichbarkeit</a><small> und </small><a href="http://lieblog.norman-liebold.de/2007/06/versuch-einer-definition-der-gemeine-norgler/">Versuch einer Definition | Der gemeine N&#246;rgler</a></li><li id="footnote_1_836" class="footnote">Nein, ich bin nicht zu den Nagetier-Einsperrern &#252;bergelaufen, sondern lebe in freier Gemeinschaft mit ein paar sehr niedlichen Waldm&#228;usen mit diesen wunderzauberh&#252;bschen zwei dunklen Streifen auf dem R&#252;cken. Sie halten sich an die Regeln, ich esse sie nicht, und mein Marder &#8211; der ebenfalls in freier Gemeinschaft mit mir lebt, wenngleich nicht in der Zwischenwand, sondern unter den Dielen &#8211; sowie die Dorfkatzen, mit denen ich nicht lebe, aber die h&#228;ufiger auf ein Sch&#228;lchen Milch vorbeigeschmust kommen, sorgen f&#252;r ein gesundes &#214;kosystem und Verhindern ein &#220;berhandnehmen der M&#228;usepopulation.</li><li id="footnote_2_836" class="footnote">und, sagt der Wohnschnecken-TintenFuxx: da ist nicht mehr so viel…</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>“Versichert” – Leichte Entscheidung</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Dec 2009 12:48:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ponys in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009. Pferde in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009 Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009 Eisblumen in der Wohnschnecke, 2009 addHSSlideshow('group1'); Wenn ich in mein Tagebuch hineinschaue, stelle ich fest, da&#223; ich die erste Notiz zu &#8220;Versichert&#8221; (Arbeitstitel) am 10. Februar machte. Ich kann mich noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table class="shashin_thumbs_table" style="float: left;">
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<div class="shashin_thumb" style="width: 166px;"><a href="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SyzAlAc1YVI/AAAAAAAAFLg/9xFssM_VzX8/IMGP9949.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_5" onclick="return hs.expand(this, { autoplay: false, slideshowGroup: 'group2' })"><img src="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SyzAlAc1YVI/AAAAAAAAFLg/9xFssM_VzX8/IMGP9949.JPG?imgmax=160&amp;crop=1" alt="Ponys in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009." width="160" height="160" id="shashin_thumb_image_5" title="Ponys in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009." /></a>
<div class="highslide-caption">Ponys in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009.</div>
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<div class="shashin_thumb" style="width: 166px;"><a href="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SyzAywpuiuI/AAAAAAAAFLo/x7hnUNuIX98/IMGP9952.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_6" onclick="return hs.expand(this, { autoplay: false, slideshowGroup: 'group2' })"><img src="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SyzAywpuiuI/AAAAAAAAFLo/x7hnUNuIX98/IMGP9952.JPG?imgmax=160&amp;crop=1" alt="Pferde in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009" width="160" height="160" id="shashin_thumb_image_6" title="Pferde in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009" /></a>
<div class="highslide-caption">Pferde in der K&#228;lte. Photo: Norman Liebold, 2009</div>
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<div class="shashin_thumb" style="width: 166px;"><a href="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SyzA8PERRrI/AAAAAAAAFLs/bUOFV-nvqVU/IMGP9957.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_7" onclick="return hs.expand(this, { autoplay: false, slideshowGroup: 'group2' })"><img src="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SyzA8PERRrI/AAAAAAAAFLs/bUOFV-nvqVU/IMGP9957.JPG?imgmax=160&amp;crop=1" alt="Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009" width="160" height="160" id="shashin_thumb_image_7" title="Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009" /></a>
<div class="highslide-caption">Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009</div>
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<div class="highslide-caption">Eisblumen in der Wohnschnecke, 2009</div>
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<p>Wenn ich in mein Tagebuch hineinschaue, stelle ich fest, da&#223; ich die erste Notiz zu &#8220;Versichert&#8221; (Arbeitstitel) am 10. Februar machte.<br />
Ich kann mich noch gut an diesen Tag erinnern. Es war kalt, und mitten in dieser Arschk&#228;lte, wie sie auf den H&#246;hen des Siebengebirges mitunter sehr heftig werden kann, begann mein Ofen zu sprotzen und sprotzend zu verk&#252;nden: Kein Gas mehr. Und die Reserveflaschen stellten sich als ebenfalls leer heraus.<br />
Als ich &#252;ber eisesglatte Strassen nach Asbach hinunter schlitterte, um mir neues Gas zu holen, und rechts und links &#8211; das ist nicht &#252;bertrieben &#8211; die Autos in den Gr&#228;ben lagen, zuweilen gar auf dem Dach, entstand die Grundkonstellation der Geschichte.</p>
<p>Heute erlebte ich zum ersten Mal, seit ich das LieBLOG als Dokumentationswerkzeug nutze<sup>1</sup>, wie genau die Entscheidung zur Niederschrift einer Geschichte f&#228;llt. Vielleicht tats&#228;chlich in derselben Weise, wie unser Erinnerungsverm&#246;gen funktioniert, das aufgrund von &#196;hnlichkeiten Dinge der Vergangenheit wieder aufruft, wahrscheinlich schlicht, um Erfahrungswerte f&#252;r aktuelle, vergleichbare Situationen zur Verf&#252;gung zu haben, was sinnvoll ist.</p>
<p>Es ist wirklich kalt hier oben, und &#8211; eine Verst&#228;rkung der Situation &#8211; mein treuer Rosinante liegt mit frisch operierter Zylinderkopfdichtung in der Klinik. Ich habe es warm, zumindest, sofern das Gas nicht ausgeht,<sup>2</sup> Eisblumen klettern die Fenster meiner Wohnschnecke sehr malerisch empor, ich habe leise saxlastige Musik laufen und in jenem Zwischenraum zwischen Sein und Potentialit&#228;t, zwischen entspanntem Teeschl&#252;rfen und existentieller Angst, irgendwo da liegt die Wurzel dieser einen speziellen Story &#8211; was dort geschieht, und was einen selbst in Atem h&#228;lt, ist in gewisser Weise zu eins verschmolzen &#8211; und wahrscheinlich ist genau das jener Z&#252;ndfunke, jener winzige Energie&#252;berschuss, der diesen Moment von allen anderen Momenten seit dem 10. Februar unterscheidet<sup>3</sup> und eben den ersten Satz auf das Papier bringt, der, gleichsam ein Pfropfen, die Geschichte im Gef&#228;&#223; hat wachsen, g&#228;ren und immer mehr Details sammeln lassen. Wobei &#8220;Versichert&#8221; letzthin die erste von einer Reihe lose zusammenh&#228;ngender Stories ist, die zusammen das Buch &#8220;Ansichten eines Aktmodells&#8221; bilden, und erfahrungsgem&#228;&#223; wird es jetzt recht schnell gehen, meine lieben Leute, die stets die Rohfassungen der Geschichten vorgelesen bekommen, d&#252;rfen sich schon mal auf gem&#252;tliche Leseabende freuen. Ich jedenfalls freue mich schon sehr darauf, mache den Rechner zu und das Manuskriptbuch auf.</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_801" class="footnote"><a href="/2006/09/soetwas-wie-eine-rechtfertigung/">Soetwas wie eine Rechtfertigung</a></li><li id="footnote_1_801" class="footnote">Im &#220;brigen eine sehr heilsame Erfahrung, zuweilen auf sehr existentielle Dinge zur&#252;ckgef&#252;hrt zu merken, um was es wirklich geht, aber das ist ja auch Thema der Story.</li><li id="footnote_2_801" class="footnote">Und bei manchen Geschichten m&#246;gen da auch ein paar Jahre zwischen liegen.</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Wartungsmodus oder: die neue &#196;ra</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 13:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein alter Freund hat mir mal die Geschichte erz&#228;hlt, wie er im Inneren Bewu&#223;tsein, da&#223; sich die Dinge &#228;ndern, im Zug einen alten Mann traf, der ihm wie eine Art &#8211; er benutzte das Wort in der Tat &#8211; Weihnachtsmann erschienen sei und in einem Fort mit strengem Blicke &#8220;Neu! Neu! Neu!&#8221; zu ihm gesagt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a class="tt-facebook-photo tt-facebook-big" href="http://www.facebook.com/photo.php?pid=67225&amp;id=100000446382878" target="_blank"><img class="alignleft" style="border: 0pt none; margin-left: 10px; margin-right: 10px;" title="Capless F&#252;llfederhalter" src="http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs037.snc3/12454_102418349783044_100000446382878_67225_3923988_n.jpg" border="0" alt="Der neue F&#252;llfederhalter" width="452" height="299" /></a>Ein alter Freund hat mir mal die Geschichte erz&#228;hlt, wie er im Inneren Bewu&#223;tsein, da&#223; sich die Dinge &#228;ndern, im Zug einen alten Mann traf, der ihm wie eine Art &#8211; er benutzte das Wort in der Tat &#8211; Weihnachtsmann erschienen sei und in einem Fort mit strengem Blicke &#8220;Neu! Neu! Neu!&#8221; zu ihm gesagt h&#228;tte. Etwas, das ihm wie eine Art Wink von oben vorgekommen war. Der Freund streift jetzt durch die Welt und baut &#8211; im &#220;brigen sehr gute! &#8211; Fl&#246;ten aus verschiedenen H&#246;lzern, die er nur mittels zweier von ihm selbst perfektionierter Handbohrer, einigen Schnitzmessern und verschiedenen Schleifutensilien bearbeitet. Und er ist einer der gl&#252;cklichsten Menschen, die ich kenne.<span id="more-788"></span></p>
<p>Der Alte Weise Mann im Zug nach Horn (bei den Externsteinen) stellte sich bei n&#228;herer Recherche als ein Obdachloser heraus, der in der Winterzeit in zumeist alkoholisiertem Zustand den Zug nutzt, um in den Genu&#223; eines warmen Schlafplatzes zu gelangen und daf&#252;r bekannt ist, obskure und kryptische Dinge Reisenden entgegen zu schleudern.</p>
<p>Von dergleichen einschneidenden Erlebnissen kann ich nicht berichten. Letztlich stelle ich fest, da&#223;, blicke ich zur&#252;ck, sich seit den letzten ein oder zwei Dutzend Jahren im Grunde nicht viel ge&#228;ndert hat. Menge, Umfang, Qualit&#228;t vielleicht, aber die grundlegenden Dinge sind gleich geblieben. Eine Sache, die ich tats&#228;chlich h&#246;chst beruhigend finde, zeigt das doch, da&#223; man auf dem richtigen Weg zu sein scheint.</p>
<p>Dann und wann scheint allerdings eine Zeit zu kommen, in der die alten Dinge irgendwie &#8230; abgenutzt sind. Interessanterweise scheint das ein allgemeines Ph&#228;nomen zu sein, denn pl&#246;tzlic &#8211; gleichsam auf Verabredung &#8211; sind eine ganze Reihe Dinge sich dar&#252;ber einig, da&#223; sie ausgedient haben oder einer Wartung bed&#252;rfen. Und nicht nur physische Dinge wie Ger&#228;te oder solche &#252;beraus unangenehmen Erscheinungen wie eine abrauchende Zylinderkopfdichtung, sondern auch zwischenmenschliche und vor allem geistige Dinge.</p>
<p>Wenn etwas einer Reperatur bedarf, steht man stehts vor der Entscheidung, es wegzuwerfen, neu zu kaufen oder eben die M&#252;he und das Geld zu investieren, es wieder funktionst&#252;chtig zu machen &#8211; eine Entscheidung, die die <em>Wertigkeit </em>der Dinge pl&#246;tzlich in den Vordergrund stellt. So bei einer kaputten Zylinderkopfdichtung die Frage, ob man dem braven Rosinante den Gnadenschuss verpa&#223;t oder ihn f&#252;r eine Woche zu einem guten Tierarzt bringt, auf da&#223; er noch ein paar Jahre seinen Don Quichote durch die Mancha tragen kann.</p>
<p>Wunderbarerweise geschehen in diesen Zeitl&#228;uften von Trennung, Reperatur und neuen Wegen auch Dinge ungefragt von au&#223;en, die bestimmte Dinge best&#228;tigen und deutlich unterstreichen. So ein wunderbares Geschenk zu 33igsten, den oben zu sehenden F&#252;llfederhalter, der gewisserma&#223;en den Schlu&#223;strich unter all jene Diskurse setzt, die ich an dieser Stelle &#252;ber das Handschreiben von Geschichten und Romanen ausf&#252;hrte. Im Innehalten und Schauen blickt man zur&#252;ck, blickt man vor und stellt fest, da&#223; man an einem ganz besonderen Punkt steht. Exponiert auf einem Fels, der einen Blick weit in die Landschaft erlaubt. Und der Blick macht einen l&#228;cheln. Denn man ist frei, wie man nie frei gewesen war, selbst im k&#252;nstlerischen hat man, vielleicht zum ersten Male, keine fremd- oder selbstauferlegten Zw&#228;nge und kann mit einem tiefen Atemzug all das von sich abgleiten lassen, das nicht <em>notwendig</em> ist, das man als sinnfreien Ballast mit sich herumgeschleppt hat, und der sich &#252;ber die Zeit ansammelt. Gleichsam, als ob diese Momente, diese Augenblicke des Innehaltens und Orientierens wie Umz&#252;ge in eine neue Stadt sind, vor denen man alles Ger&#252;mpel sichtet und nur die Dinge mitnimmt, die sich bew&#228;hrt haben und die man tats&#228;chlich braucht. Oder, das finde ich auch sehr am&#252;sant, genau das, was das Aktmodell macht und &#252;ber das es philosophiert.</p>
<p>In einem jeden dieser Momente war es oftmals ein neuer F&#252;llfederhalter, der aus eigenem Antrieb oder von au&#223;en den Weg zu mir fand. Der Unterschied zu den &#252;brigen dieser <em>Liebold&#8217;schen H&#228;utungen</em>, wie mein Lieblingslehrer in der Oberstufe diese Anwandlungen nannte, ist das dringende Gef&#252;hl, da&#223; ich ausgewachsen bin und es die letzte der H&#228;utung ist, bevor ich wieder zu schrumpfen anfange &#8230;</p>
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		<title>Reset</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 11:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[NähKästchen]]></category>
		<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Gravierter F&#252;llfederhalter auf Manuscript. Photo: Norman Liebold, 2009 Mein Lieblingslehrer w&#228;hrend der Abiturzeit, der mir auf seine zynisch-bissige und zugleich sehr weitsichtige Art sehr viel mitgegeben hat, meinte des&#246;fteren, ich w&#252;rde mich von Zeit zu Zeit h&#228;uten.1 In der Tat &#8211; das zeigte sich auch bei einem interessanten Gespr&#228;ch gestern und ist nicht zuletzt auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="shashin_image" style="width: 330px; float: right;"><a href="http://lh5.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/StG4vjfFI5I/AAAAAAAAEhA/1UHnG_HPXyk/IMGP8649.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_11" onclick="return hs.expand(this)"><img src="http://lh5.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/StG4vjfFI5I/AAAAAAAAEhA/1UHnG_HPXyk/IMGP8649.JPG?imgmax=320" alt="Gravierter F&#252;llfederhalter auf Manuscript. Photo: Norman Liebold, 2009" width="320" height="166" id="shashin_thumb_image_11" title="Gravierter F&#252;llfederhalter auf Manuscript. Photo: Norman Liebold, 2009" /></a>
<div class="highslide-caption">Gravierter F&#252;llfederhalter auf Manuscript. Photo: Norman Liebold, 2009</div>
</div>
<p>Mein Lieblingslehrer w&#228;hrend der Abiturzeit, der mir auf seine zynisch-bissige und zugleich sehr weitsichtige Art sehr viel mitgegeben hat, meinte des&#246;fteren, ich w&#252;rde mich von Zeit zu Zeit <em>h&#228;uten.<sup>1</sup> </em>In der Tat &#8211; das zeigte sich auch bei einem interessanten Gespr&#228;ch gestern und ist nicht zuletzt auch eine der Thematiken des Aktmodells &#8211;  hat sich in den letzten 12 Jahren im Grunde nicht allzuviel ge&#228;ndert. Auf die Frage, was ich denn heute mache, mu&#223;te ich einen Moment &#252;berlegen, dann &#8230; lachen. Denn meine Antwort war nahezu dieselbe wie sie vor einem Dutzend Jahren gewesen war, mit dem nicht wenig &#252;berraschenden Zusatz &#8220;und eigentlich hoffe ich, da&#223; ich das in einem weiteren Dutzend Jahren noch immer sagen kann&#8221;. Aber nat&#252;rlich gibt es Dinge, die sich &#228;ndern. Vor allem Dinge, in die man sich verrennt. So gesehen mag es von Au&#223;en vielleicht durchaus wie eine Art H&#228;utung aussehen, eine Art Sprengung einer zu eng gewordenen alten Haut, tats&#228;chlich handelt es sich aber &#8211; und das ist vielleicht die ma&#223;gebliche Erkenntnis &#8211; lediglich um eine <em>Kurskorrektur</em> auf einem l&#228;ngst begangenen und &#252;ber mithin Jahrzehnte best&#228;ndig gegangenen Weg.</p>
<p>Die eigene Erinnerung neigt dazu, sich in Bereichen, die man l&#228;nger nicht ber&#252;hrt, zu tr&#252;ben. Nicht wie ein Grauer Star das Auge tr&#252;bt, sondern eher wie eine Staubschicht sich &#252;ber Edelstahl ansammelt und das Gl&#228;nzen nach ein wenig Putzen wieder sehen l&#228;&#223;t. Es war interessant zu sehen, da&#223; die Erinnerung eines anderen an mich bereits die selben Thematiken enthielt, um die ich heute erneut mottenhaft kreise. Und da&#223; die Reanalogisierung in der Tat eine <em>Re-</em>analogisierung ist, die an eine Erkenntnis ankn&#252;pft, die ich 2002 offenbar mit der Verlagsgr&#252;ndung, den Internetseiten und dem digitalen Buchsatz aus den Augen verlor, als die Notwendigkeiten eine starke Digitalisierung verlangte. Eine Kurskorrektur, die eine wirklich m&#252;hselige und durchaus schmerzhafte H&#228;utung bedeutete, wenn auch mehr im Kopf als tats&#228;chlich im Au&#223;en.</p>
<div class="shashin_image" style="width: 330px; float: left;"><a href="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/StG4tC7QyeI/AAAAAAAAEg8/GLDOR6ISfHY/IMGP8651.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_12" onclick="return hs.expand(this)"><img src="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/StG4tC7QyeI/AAAAAAAAEg8/GLDOR6ISfHY/IMGP8651.JPG?imgmax=320" alt="Schachspiel mit improvisierten Figuren. Photo: Norman Liebold." width="320" height="194" id="shashin_thumb_image_12" title="Schachspiel mit improvisierten Figuren. Photo: Norman Liebold." /></a>
<div class="highslide-caption">Schachspiel mit improvisierten Figuren. Photo: Norman Liebold.</div>
</div>
<p>Gerade habe ich meinen kleinen gr&#252;nen Rucksack gepackt. Nicht meine kleine gr&#252;ne Tasche, die einmal ausgereicht hatte, aber immerhin. Freitag ist das letzte hinzugekommen, was f&#252;r mein Gef&#252;hl noch gefehlt hat. Das Schachspiel. Mein altes, wundersch&#246;nes, das mich seit 1992 begleitet hatte, verlor im Laufe der Jahre etliche seiner Figuren, bis es zu gut einem Drittel aus nachgebauten und improvisierten Teilen bestand. Was nat&#252;rlich auf eine gewisse Weise einen ganz eigenen Reiz entfaltete, waren die Figuren doch je aus dem Umfeld entnommen, wo sie verloren gegangen waren &#8211; auf dem Bild zu sehen ein wei&#223;er L&#228;ufer, der mir in der T&#252;rkei 1997 abhanden kam und durch einen kleinen Bergkristall ersetzt wurde, den ich dort gefunden hatte. Unscharf im Vordergrund ein Pyrit aus dem Schatzk&#228;stlein eines M&#228;dels, bei dem sich ein wei&#223;er Turm heimischer f&#252;hlte als im Spiel.<sup>2</sup> Nichtsdestotrotz war irgendwann ein Grad erreicht, indem f&#252;r Spieler, die die Figuren nicht kannten, das Spiel nahezu unspielbar wurde. Nachdem Grenoble mich einen weiteren Bauern und einen L&#228;ufer gekostet hatte und der Versuch, Figuren nachzukaufen, erfolglos verlief, g&#246;nnte ich mir ein neues Spiel.</p>
<p>Ich kann nur schwer beschreiben, welch eigenartige Freude damit verbunden war, das mit Ahorn eingelegte Palisanderholz in H&#228;nden zu halten<sup>3</sup>. Heute Abend werde ich es in Siegen einweihen k&#246;nnen, worauf ich mich schon sehr freue. Im Moment bin ich dabei, das zu tun, was Herakles mit dem Stall des Augias tat, nur da&#223; es sich weniger um einen 30 Jahre nicht ausgemisteten Rinderstall handelt als vielmehr um die Eingeweide meiner Wohnschnecke.</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_681" class="footnote">Nat&#252;rlich handelte es sich hierbei um Herrn Klingbeil, dessen Name stets Programm war.</li><li id="footnote_1_681" class="footnote">Was ich ihm nicht verdenken kann.</li><li id="footnote_2_681" class="footnote">Ich hatte drei Wochen auf die Bestellung gewartet und sie &#252;ber einige Irrwege durch eine Freundin abholen lassen</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Zum Handschreiben (2)</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 11:51:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[AutorenGefasel]]></category>
		<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>
		<category><![CDATA[HandSchreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Manuscript]]></category>

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		<description><![CDATA[Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold. Mein alter Freund Jens, der wie wohl kaum ein anderer am Werden meines Schreibens und von Amator Veritas teil hatte und seines Zeichens zur Gattung der Computerphilen geh&#246;rt, antwortete sehr beredt auf meinen j&#252;ngsten Beitrag mit einer seinerseitigen Stellungnahme. (Jens&#8217; Beitrag Lesen!) Ich komme nat&#252;rlich nicht umhin, darauf Bezug [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="shashin_image" style="width: 410px; float: left;"><a href="http://lh4.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SqIsvtVD2MI/AAAAAAAAEaw/nxHLQQAx5es/IMGP8238.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_15" onclick="return hs.expand(this)"><img src="http://lh4.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SqIsvtVD2MI/AAAAAAAAEaw/nxHLQQAx5es/IMGP8238.JPG?imgmax=400" alt="Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold." width="400" height="306" id="shashin_thumb_image_15" title="Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold." /></a>
<div class="highslide-caption">Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold.</div>
</div>
<p>Mein alter Freund Jens, der wie wohl kaum ein anderer am Werden meines Schreibens und von <a href="http://www.amator-veritas.de" target="_blank">Amator Veritas</a> teil hatte und seines Zeichens zur Gattung der Computerphilen geh&#246;rt, antwortete sehr beredt auf meinen <a href="/2009/09/vom-handschreiben/">j&#252;ngsten Beitrag</a> mit einer <a href="http://www.unwesen.de/articles/computerarbeit" target="_blank">seinerseitigen Stellungnahme</a>. (<a href="http://www.unwesen.de/articles/computerarbeit" target="_blank">Jens&#8217; Beitrag Lesen!</a>) Ich komme nat&#252;rlich nicht umhin, darauf Bezug zu nehmen, auch wenn es ein wenig zwischen T&#252;r und Angel geschieht.<span id="more-653"></span></p>
<p>Interessanterweise kann ich dem durchaus folgen und stimme in weiten Bereichen sogar zu, immerhin arbeite ich ja sehr viel (und viel zu viel!) am Computer und sch&#228;tze durchaus seine vielf&#228;ltigen M&#246;glichkeiten. Eine ganze Reihe von Dingen &#8211; zum Beispiel Gesch&#228;ftspost, Buchhaltung und dergleichen &#8211; erledige ich auch zu 100% mittels des Rechners. Was ich schrieb, bezog sich, das ist zuerst festzuhalten, auf den sch&#246;pferischen Proze&#223; des Geschichten-Findens<sup>1</sup> und auf den <em>privaten</em> Schriftverkehr zwischen Menschen, wo Empfindungen und Gef&#252;hle eine Rolle spielen sollten.</p>
<p>Jens schreibt:</p>
<blockquote>
<p style="font-size: 1.05em;">In der Tat muss ich, wenn ich handschriftlich einen Text verfasse, mir vor dem Schreiben zumindest eines einzelnen Satzes die Gedanken dar&#252;ber machen, wie genau das Resultat auszusehen hat, das ich mir erhoffe. Dann schreibe ich. Tippe ich den gleichen Text am Computer, mache ich mir genau die gleichen Gedanken. Der Computer denkt dabei nicht f&#252;r mich – das heisst, von einer Auslagerung des Denkens kann nicht gesprochen werden.</p>
</blockquote>
<p style="font-size: 1.05em;">Sofern das genau so der Fall ist &#8211; also im Kopf das gleiche Vor-Formulieren, der gleiche Weg des Denkens geschieht, ehe die Tastatur bedient wird, dann w&#252;rde mein Argument, da&#223; eine Zerfaserung des Denkens beim Schreiben am Computer eintritt, nat&#252;rlich entkr&#228;ftet werden. Tats&#228;chlich kann ich mir vorstellen, da&#223; dies nicht zwangsl&#228;ufig geschehen mu&#223;. Bei mir allerdings und bei einer ganzen Anzahl anderer habe ich beobachten m&#252;ssen, da&#223; &#8211; im Vergleich zum Handschriftlichen &#8211; hier ein ma&#223;geblicher Unterschied zum Tragen kommt. Dazu mu&#223; nat&#252;rlich gesagt werden, da&#223; ich diesen Vergleich auch ziehen kann, da ich sowohl etliche B&#252;cher direkt auf der Tastatur entworfen habe wie auch viele Texte komplett mit Hand schrieb. Dir ist die Diskussion ja nicht fremd, Jens, immerhin haben wir das Thema gewiss seit 15 Jahren immer mal wieder ber&#252;hrt, und Du wirst Dich, zum Beispiel, an die &#8220;<a href="http://literatur.norman-liebold.de/spaltenzungen-2005/">Spaltenzungen</a>&#8221; erinnern oder, vielleicht noch mehr, an die &#8220;<a href="http://literatur.norman-liebold.de/2006/02/13/der-minnesaenger-komplex-5-die-prophezeiung/">Prophezeiung</a>&#8220;, wo mir der frappierende Unterschied zwischen Handgeschriebenen und direkt am Rechner Konzipiertem vielleicht zuerst unignorierbar ins Auge gefallen ist.<sup>2</sup> Das Erstaunlichste war damals die Beobachtung, da&#223; ich, trotzdem mehr Arbeitsschritte dazwischen lagen, wesentlich effektiver arbeitete, mit mehr Freude,  da&#223; ich schneller in jenen Zustand geriet, der ein klein wenig rauschhaft ist und gemeinhin als &#8220;Flow&#8221; bezeichnet wird oder, um mit Hildegunst von Mythenmetz zu sprechen, als Orm. Das mag nat&#252;rlich zu einem nicht geringen Teil daran liegen, da&#223; es ein ganz anderes Arbeiten ist, wenn man an einem flackernden Feuer in einer H&#246;hle sitzt, das K&#228;uzchen schreit und der Nachtwind die Ger&#252;che des nahenden Herbstes mit sich bringt, man um sich herum die Materialien f&#252;hlt, den F&#252;llfederhalter in der Hand mit dem Papier sprechen l&#228;&#223;t und die gef&#252;llten Seiten <em>Raum</em> einnehmen, man die Geschichte wachsen sp&#252;ren kann, um sp&#228;terhin noch sehen zu k&#246;nnen, wo der Flu&#223; Dich rasend schnell mitri&#223; und wo man &#252;ber einer Formulierung ewig br&#252;tete&#8230; oder ob man in einem Raum vor einem Bildschirm sitzt, abh&#228;ngig von Strom und wohltemperierter Umgebung und in einer meistenteils gleichen K&#246;rperhaltung auf die Tasten einklappert. Dieselben Tasten, mit denen man auch die Buchf&#252;hrung macht, im Netz nervt, in Lexika nachschl&#228;gt&#8230; es erscheint mir ein doch immenser Unterschied im Schreibproze&#223;, ob ich einen langen Spaziergang mache, ganz im Denken &#252;ber eine Geschichtensequenz verfangen, um, wenn die Formulierung sitzt, mich auf eine Bank zu setzen und sie niederzuschreiben, oder ob ich Aug in Aug mit dem summenden, Energie verbrauchenden, L&#252;fterschnurrenden Rechner sitze, der zusammengekr&#252;mt mit mit seinem leuchtenden 17-Zoll-Auge wartend anstarrt und zu fordern scheint , da&#223; ich den blinkenden Kursor bewege und Text produziere. In der Tat durchaus in sofort perfekter Weise, denn im Gegensatz zu Papier zeigt er mir nur die fertige Version, der man nicht ansieht, wie oft etwas revidiert wurde. Die durchgestrichenen Worte und Zeilen des handgeschriebenen Textes vermitteln das angenehme Gef&#252;hl, da&#223; es in Ordnung ist, wenn etwas nicht von Anfang an perfekt ist.</p>
<p style="font-size: 1.05em;">Auch das ist nat&#252;rlich eine sehr pers&#246;nliche Sache. Du, lieber Jens, magst eher das St&#252;ck Papier als lauernde, fordernde Instanz wahrnehmen, wo man eben nichts einfach wieder l&#246;schen kann und nichts deutet darauf hin, da&#223; man mal einen bl&#246;den Gedanken hatte oder d&#228;mlich formulierte.</p>
<p style="font-size: 1.05em;">Auf der anderen Seite brauchte ich selbst eine ganze Weile, ehe ich diesen Unterschied wirklich bemerkte &#8211; eine Zeitlang machte ich fast alles am Rechner (wobei Du wahrscheinlich nicht ganz unschuldig daran warst <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> ), und mir fehlte der Vergleichswert. Das ging sogar soweit, da&#223; ich ein Gef&#252;hl der Impotenz versp&#252;rte, sobald der Rechner nicht an und on war, so, als ob ich nichts machen k&#246;nnte, da mir das wichtigste Werkzeug fehlte. Mein Wiederhinwenden zum Handschriftlichen war (und ist) so eine Form der Re-Emanzipation (oder, wie ich das hier benannte, der Re-Analogisierung. Der R&#252;ckgewinnen der Unabh&#228;ngigkeit, die, und das ist, denke ich, ein Fakt, durch den Rechner erheblich eingeschr&#228;nkt wird &#8211; und so unglaublich gut die Akkus auch irgendwann sein werden, so dicht das W-Lan-Netz &#252;ber den Erdball gespannt, so klein und handlich die Computer &#8211; eine Abh&#228;ngigkeit bleibt es. Ich erinnere mich unserer alten Diskussion &#252;ber Skype, ICQ und Social Networks, die meiner Meinung nach das echte Miteinander nicht etwa vereinfachen und befruchten, wie manche meinen, sondern, wenn man wirklich die mittelfristigen Entwicklungen betrachtet, eben das Gegenteil zur Folge haben: Leute, die st&#228;ndig auf ihren Rechner starren und d&#228;mliche Satzfetzen absondern, anstatt sich entweder wirklich zu treffen und etwas miteinander zu machen oder sich einen geschlossenen Text als Brief zu schreiben.<sup>3</sup></p>
<div class="shashin_image" style="width: 410px; float: left;"><a href="http://lh4.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SqOkBMw46lI/AAAAAAAAEcY/wkixD6gSD1s/PICT3256.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_16" onclick="return hs.expand(this)"><img src="http://lh4.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SqOkBMw46lI/AAAAAAAAEcY/wkixD6gSD1s/PICT3256.JPG?imgmax=400" alt="" width="400" height="235" id="shashin_thumb_image_16" title="" /></a></div>
<p>Mir geht es nicht um Imperfektion, und es liegt mir fern, den Anschein von Nat&#252;rlichkeit durch perfekt imitierte solche zu erzeugen, im Gegenteil &#8211; und Du wei&#223;t, da&#223; ich ein schrecklicher Perfektionist bin, was durchaus ein Grund f&#252;r die Entwicklung ist, die mich zu diesem Text und Geschichten wie &#8220;Der Kulturgeist&#8221; oder &#8220;Navigator&#8221; brachte. Ein sehr erhellendes Erlebnis war f&#252;r mich das Paradies am Maria Laacher Kloster. Eine, wenn nicht die sch&#246;nste romanische Steinmetzarbeit, die ich kenne, und die ich immer f&#252;r unsagbar vollendet hielt. Bis ich Walpurgis 2007 mit der Nase dar&#252;ber kroch und feststellte, da&#223; nichts an ihr perfekt oder symmetrisch ist, im Gegenteil: Ein jedes Blatt, jedes Gesicht, jede Figur ist absolut einmalig, der Eindruck der perfekten Symmetrie ist falsch &#8211; oder anders: sie ist absolut richtig, weil gerade dass der K&#252;nstler hier jedes einzelne Blatt von Hand schuf und jedes ein wenig anders machte (wie auch die Natur immer und voller Kreativit&#228;t variiiert) letztlich jenen Eindruck hervorruft, der mich stets aufs Neue tief ber&#252;hrt.</p>
<p>Dinge, die am Rechner erstellt werden, sind virtuell. Sie werden unz&#228;hlige Male ohne Verlust kopiert und &#252;berschwemmen &#228;hnlich wie unsere robotergemachten Massenwaren unsere Welt. Das eigentlich Lebendige aber, das je nur einmal im Moment geschaffene, sei es die performte Melodie im Konzert, sei es ein handgebundenes Buch oder ein einmalig vom Goldschmied hergestelltes Schmuckst&#252;ck, wird zur&#252;ckgedr&#228;ngt &#8230; so wie die je eigene Handschrift zugunsten der weiggleichen, beliebig kopierbaren digitalen Buchstaben.</p>
<p>Tats&#228;chlich aber, nat&#252;rlich, sch&#228;tze ich den Computer durchaus sehr &#8211; wenn der Text steht, bearbeite ich ihn am Rechner. Ebenso bereite ich die Grafiken am Rechner f&#252;r den Druck auf und setze nat&#252;rlich nicht zuletzt das Buch in einer Qualit&#228;t, wie sie ohne Computer wohl nicht m&#246;glich w&#228;re &#8230; nebenbei: diesen Text habe ich am Rechner geschrieben <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_653" class="footnote">Also das Erstellen des Urtextes, der &#8211; nat&#252;rlich &#8211; nach dem Digitalisieren noch am Rechner korrigiert und geschliffen wird.</li><li id="footnote_1_653" class="footnote">Die &#8220;Prophezeiung&#8221; entstand, w&#228;hrend ich in eine &#252;beraus absurde Liebesgeschichte verstrickt eine Woche lang in einer H&#246;hle hauste, auf einem technischen Level, der sich auf Feuer und Kerzen beschr&#228;nkte. Und nat&#252;rlich einen F&#252;llfederhalter.</li><li id="footnote_2_653" class="footnote">wie ich es hasse, diese Antworten auf EMails, wo einfach ein oder zwei Worte anstatt eines vern&#252;nftigen Satzes in den eigenen zerst&#252;ckelten Text hineingeworfen werden&#8230;</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Vom Handschreiben</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Sep 2009 09:23:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[AutorenGefasel]]></category>
		<category><![CDATA[NähKästchen]]></category>
		<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>
		<category><![CDATA[AnsichtenEinesAktmodells]]></category>

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		<description><![CDATA[Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold. [GeBu0901 S. 6-19] Das ist vielleicht ein Gedankengang, den nur Menschen wirklich nachvollziehen k&#246;nnen, die viel mit Text arbeiten. Und ich meine: wirklich viel. Es ist auch ein Gedanke, der vor sagen wir 20 oder 30 Jahren ganz undgar unn&#246;tig zu denken gewesen w&#228;re. Trotzdem ist es ein Gedanke, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="shashin_image" style="width: 330px; float: left;"><a href="http://lh4.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SqIsvtVD2MI/AAAAAAAAEaw/nxHLQQAx5es/IMGP8238.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_18" onclick="return hs.expand(this)"><img src="http://lh4.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SqIsvtVD2MI/AAAAAAAAEaw/nxHLQQAx5es/IMGP8238.JPG?imgmax=320" alt="Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold." width="320" height="245" id="shashin_thumb_image_18" title="Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold." /></a>
<div class="highslide-caption">Manuscriptseite GeBu 0901. Foto: Norman Liebold.</div>
</div>
<p>[GeBu0901 S. 6-19] Das ist vielleicht ein Gedankengang, den nur Menschen wirklich nachvollziehen k&#246;nnen, die viel mit Text arbeiten. Und ich meine: wirklich viel. Es ist auch ein Gedanke, der vor sagen wir 20 oder 30 Jahren ganz undgar unn&#246;tig zu denken gewesen w&#228;re. Trotzdem ist es ein Gedanke, der mir heute als ungemein wichtig, wenn nicht vielleicht sogar grundlegend erscheint, und der, wenn man ihn als Beispiel betrachtet, f&#252;r eine ganze Reihe von Dingen steht, die in ihrer Gesamtheit einen be&#228;ngstigend gro&#223;en Teil unserer Wahrnehmung der Welt ausmacht. Be&#228;ngstigend, weil dieser Teil sich ver&#228;ndert. Nat&#252;rlich l&#246;sen gerade bei analfixierten Zeitgenossen Ver&#228;nderungen jeglicher Art Zust&#228;nde des Unwohlseins und der Angst aus, doch, ganz abgesehen von der nat&#252;rlich nicht auszuschlie&#223;enden M&#246;glichkeit, da&#223; ich analfixiert sein k&#246;nnte, erscheint mir der Gedanke doch objektiv wichtig genug, um einige Zeiten in diesem Schriftsteller-Blog zu formulieren, denn gerade im Moment besch&#228;ftigt mich das Problem in zweierlei Hinsicht. Aus inhaltlicher Sicht, da es f&#252;r die „Ansichten eines Aktmodells“ von nicht zu ignorierender Wichtigkeit ist, und zwar dahingehend, da&#223; das Modell dar&#252;ber zu formulieren belieben wird. Aus technischer Sicht, weil ich selbst aus nachvollziehbaren Gr&#252;nden damit w&#228;hrend der Arbeit in denkbarer Weise direkt damit konfrontiert bin.</p>
<p>Ich rede von Schreiben, nat&#252;rlich, von was auch sonst. Vom Stellen von Schrift, von Schriftstellen, papiernem Erz&#228;hlen, Geschichtenfinden und -erfinden. Genauer: Vom Kratzen der Feder auf dem Papier, wenn man einen schlechten F&#252;llfederhalter hat, vom eher ungelenken Rollen der Kugel im Kugelschreiber, vom Gleiten der Bleistiftmiene. Nicht aber &#8211; oder eigentlich doch, nur eben in negativer Hinsicht &#8211; vom Klappern der Tastatur.<span id="more-648"></span></p>
<p>Ich rede von den vielgestaltigen Schn&#246;rkeln, die Tinte oder anderes Pigment auf Stofflichem hinterl&#228;&#223;t, nicht von Bits und Bites, die von Elektronenstrahlen oder Fl&#252;ssigkristallen auf einem Bildschirm dargestellt werden.</p>
<p>Ich rede von Schriftkultur.</p>
<p>Und es ist mir wichtig.</p>
<p>Und ich m&#246;chte von einer gro&#223;en L&#252;ge reden, von einem Ph&#228;nomen, das, so k&#246;nnte ich mir vorstellen, eine der gro&#223;en ausschlaggebenden Kr&#228;fte ist, die uns und unsere Kultur ma&#223;geblich ver&#228;ndern. Das Schreiben ist hiervon nur ein Symptom, und ich w&#228;hle es weil es schon fast symptomatisch ist.</p>
<p>Ich bin 32 Jahre alt, etwas, das man fr&#252;her als „junges Mannesalter“ bezeichnete. Nichtsdestotrotz kann ich mich sehr gut an eine Zeit erinnern, in der ich ein gutes Dutzend Menschen hatte, mit denen ich ausf&#252;hrlich mittels Briefen korrespondierte. Briefe meine ich als Bl&#228;tter von &#8211; vorzugesweise edlem &#8211; Papier, das mit Tinte, Grafit oder Kugelschreiber-Gel von Hand beschrieben werden, Zwei Briefkontakte neigten auch damals schon dazu, den Brief am Rechner zu tippen und dann auszudrucken, aber wenn man bedenkt, da&#223; ich hier nicht von „Guten Alten Zeiten“ oder meiner „Kindheit“ rede, sondern von einer Zeit, wo ich mein Abitur schon in der Tasche hatte und dem Gesetz nach als „erwachsen“ galt, ein bemerkenswerter Umstand. Ich rede n&#228;mlich nicht von 100 Jahren, sondern von zehn. Zehn. Vor zehn Jahren war es etwas Ungew&#246;hnliches, an jemanden eine Email zu schreiben, weil kaum jemand (in meinem Alter) eine Email-Adresse hatte.</p>
<p>Ich habe keine Brieffreunde mehr. Und es stimmt mich traurig. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich korrespondiere mit wesentlich mehr Leuten, und zum Teil durchaus in ganz immensen Textvolumina. Allein, und deswegen ziehe ich das Beispiel des Briefes heran, es sind die ewig gleichen, stereotypen Zeichen auf meinem Bildschirm, es ist nichts zum Anfassen, zum Riechen. Oder haben Sie schon einmal eine parf&#252;mierte Email erhalten? Aber weitab von der sensuellen Freude, einen Bogen B&#252;tten zu entfalten und mit den Augen die geschwungenen Linien  handgeschriebener Worte zu folgen &#8211; weitab von solch romantischen Unwichtigkeiten, da&#223; genau dieses St&#252;ck Papier wirklich und nicht nur virtuell von der anderen Person in H&#228;nden gehalten wurde, da&#223; zwischen den Fasern des Papiers Molek&#252;le seiner Haut, seines Schwei&#223;es, seiner realen, wirklichen fa&#223;baren Existenz haften geblieben sein m&#246;gen, und da&#223; der Bogen im Kuvert durch das Land transportiert worden ist, in Z&#252;gen in und her gesch&#252;ttelt wurde und die verwaschenen Stellen da von echten, salzigen Tr&#228;nen herr&#252;hrt &#8211; weitab von solchen funktional unwichtigen Dingen eben ist da noch mehr.</p>
<p>So &#8211; und ich m&#246;chte doch nicht meinen, da&#223; das unwichtig ist &#8211; etwas, das ich der Einfachheit halber einmal der Ausdruck von Individualit&#228;t und Pers&#246;nlichkeitt nennen m&#246;chte. Es gibt eine ganze Wissenschaft, die diesen Namen zwar nicht verdient, nichtsestotrotz aber interessant ist, die sich mit der Deutung von Handschriften auseinandersetzt. Und wenn ich auch ihre Schlu&#223;folgerungen f&#252;r weit &#252;bertrieben halte, so sind ihre Ans&#228;tze doch &#228;u&#223;erst beredt. Nicht zuletzt hat unsere Unterschrift deswegen rechtliche G&#252;ltigkeit, weil sie einmalig ist &#8211; jeder Mensch hat eine unverwechselbare Handschrift, die, das ist, denke ich &#252;ber jeden Zweifel erhaben, in gewissen Umfang Ausdruck seiner Pers&#246;nlichkeit ist.</p>
<p>Mehr noch: Der Gegensatz ist das Erschreckende und geradezu symptomatisch. Wenn &#252;berhaupt, haben Sie in der Welt der digitalen Medien eine begrenzte Auswahl an vorgegebenen Schrifttypen. Das ist, will ich meinen, sehr verwandt mit den „Skins“, mit denen Sie ihre anderen Dinge versehen k&#246;nnen, um sich den Anschein von Individualit&#228;t zu geben, wobei aber auch die denkbargr&#246;&#223;te Auswahl von Handy-Schalen kaum dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen kann, da&#223; Sie keinen Stil besitzen, sondern sich nur etwas aus dem zusammen stellen, was man ihnen auszuw&#228;hlen erlaubt. Und nichts, scheint sich, verkauft sich so gut wie der Anschein von Individualit&#228;t, wenn es an echter ermangelt. In den diversesten Social Networks wie StudiVZ und Facebook gibt es man breitesten &#214;ffentlichkeiten Privatestes preis, anscheinend, um irgendwem zu beweisen, da&#223; man besonders ist: Interessanterweise fehlen wirkliche Ausdr&#252;cke von Individualit&#228;t oft. Das Spielen eines Instrumentes, dessen Spiel wie Schrift einmalig und Ausdruck der Seelentiefe ist, zum Beispiel.</p>
<p>Wie wenig unverwechselbar  diese Dinge sind, zeigt sich nicht nur in solch absurden Ph&#228;nomen wie da&#223; sich Menschen als etwas ganz anderes ausgeben k&#246;nnen als sie eigentlich sind und es kaum sicher erkennbar ist, sondern auch an Dingen wie personalisierten Massenmails, die, von Maschinen erstellt und verschickt, immer noch Menschen in die Irre f&#252;hren. Es ist, denkt man einmal genauer dar&#252;ber nach, schon sehr absurd, da&#223; wir uns nicht dar&#252;ber wundern, da&#223; wir t&#228;glich hunderte von Briefen bekommen, die einfach nichts bedeuten und nichts anderes zum Ziel haben als uns zu betr&#252;gen. Da&#223; das normal ist, l&#228;&#223;t einiges in seltsamem Licht erscheinen. Ich k&#246;nnte im Copy-und-Paste-Verfahren oder noch besser mittels personalisierter Emails den sch&#246;nsten, schmalzigesten Liebesbrief in derselben Sekunden an 10, 100, 1000 Frauen schicken, und jede w&#252;rde sich unter Umst&#228;nden pers&#246;nlich angesprochen f&#252;hlen.</p>
<p>Es gab durchaus Zeiten, da ich mal zwei oder drei Liebesbriefe schrieb, aber, abgesehen von der Tatsache, da&#223; da Zeit und Kraft nat&#252;rliche Grenzen setzen &#8211; ein jeder war doch ein echter Brief, an eine wirkliche Person verfa&#223;t und ihrer Person Rechnung tragend &#8230;</p>
<p>Aber all das ist noch immer nicht der Hauptpunkt, auch wenn der Verlust an Einmaligkeit, an Besonderheit und Individualit&#228;t nicht zu untersch&#228;tzen ist.<br />
Wenn Sie meine Manuskripte s&#228;hen, w&#228;re Sie unter Umst&#228;nden pikiert &#252;ber die Durchstreichungen, Randbemerkungen und Verbesserungen. Wobei es sogar verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig wenige sind. Aber f&#252;r die Augen eines Menschen, der gewohnt ist, mit dem Rechner zu arbeiten und W&#246;rter einfach zu l&#246;schen, ganze Abs&#228;tze zu entfernen und neu zu formulieren, mag das ein seltsamer Anblick sein. In ihrem „Dokument“ sehen Sie all die Vorstufen, Verbesserungen und Vertipper nicht mehr. Wenn Sie sich den Spa&#223; erlauben wollen, k&#246;nnen Sie einmal die Funktion „&#196;nderungen verfolgen“ einschalten, um dann doch etwas erstaunt zu schauen, wieviel Sie &#228;ndern &#8211; ohne sich dessen bewu&#223;t zu sein.<br />
Der meiner Meinung nach ma&#223;geblichste Punkt, der sich durch den Rechner ver&#228;ndert, ist die Art des Denkens selbst.<br />
Wir beginnen auf dem Bildschirm zu denken, werfen Formulierungen hin, schauen Sie an, l&#246;schen Sie wieder, feilen daran herum, bis wir mehr oder weniger zufrieden sind. Abgesehen, von dem nicht zu untersch&#228;tzenden Punkt, da&#223; die endg&#252;ltige Formulierung zwangsl&#228;ufig gek&#252;nstelt sein mu&#223; im Vergleich mit unserem Sprechen, zeitigt sich vor allem ein ma&#223;geblicher Unterschied zum Hand-Schreiben. Hier n&#228;mlich m&#252;ssen wir zuerst denken, im Kopf formulieren und dann erst den Satz auf das Papier bringen.</p>
<p>Wir lagern unser Denken aus.</p>
<p>Vielleicht k&#246;nnen wir bald gar nicht mehr ordentlich Denken, Schreiben, Reden, ohne am Bildschirm herumbasteln zu k&#246;nnen.</p>
<p>Eine Erfahrung war f&#252;r mich in dieser Hinsicht wahrlich augen&#246;ffnend: Bis einschlie&#223;lich des „Dichterbrand“es hatte ich es mir zueigen gemacht, k&#252;rzere Texte und interessanterweise Verserz&#228;hlungen mit Hand, l&#228;ngere Prosatexte aber direkt am Rechner zu schreiben. Die &#220;berlegung dabei war eine ganz schlichte: n&#228;mlich, da&#223; es zu viel Zeit kosten k&#246;nnte, einen mit Hand geschriebenen Roman komplett abzutippen.</p>
<p>Die letzten drei Romane (Gl&#228;serner Sarg, Krimifrass und  Navigator) schrieb ich komplettt mit Hand, um sie dann zu digitalisieren. Das Erstaunliche: Am Dichterbrand verbrachte ich an reiner Schreibzeit ein gutes halbes Jahr (dem nat&#252;rlich weitaus mehr Zeit an Recherchen vorausgegangen war). Gl&#228;serner Sarg, Krimifrass und Navigattor brauchten an reiner Schreibzeit wesentlich weniger &#8211; der Sarg kaum einen Monat. Und, und das ist noch wesentlich wichtiger, der Arbeitsproze&#223; war weitaus angenehmer und fl&#252;ssiger, und es wirkte sich positiv auf den Erz&#228;hlstil aus: der blieb  zwar der Gleiche, aber es fielen einige K&#252;nstlichkeiten weg, was ihn vergn&#252;glicher und eing&#228;ngiger machte &#8211; und auch eindringlicher.<br />
Das ist nur zum Teil dem Vorgang des Schreibens an sich gestundet &#8211; auch wenn es eine ganz andere Sache ist, ob man die immer gleichen Tasten ber&#252;hrt und auf die immer gleichen 17 Zoll Bildschirm starrt &#8211; oder ob man mit den ausgreifenden B&#246;gen der Schrift sich &#228;hnlich hinein gestikulieren kann wie mit den H&#228;nden im Reden, w&#228;hrend man &#252;berall &#8211; auf einer Parkbank mit weitem Blick &#252;ber Berge und T&#228;ler, in einem verrauchten Cafe &#8211; an der Geschichte arbeiten kann, wenn sie ruft.<br />
Eines, das man nicht &#252;bersch&#228;tzen kann, ist das Verzetteln. Der Mensch neigt dazu, sich ablenken zu lassen, zumal von Dingen, die anstrengend sind &#8211; und schreiben ist anstrengend, und soviel Freude es auch schenken mag, oft genug ein Kampf bis aufs Blut.<br />
Heute gibt es tausend Ablenkungen , sobald der Rechner angeschaltet ist, zumal wenn man sich aktiv in der Welt da draussen bewegt &#8211; eingehende Mails, Nachrichten, ein Ding, das man gerade Nachschlagen m&#246;chte, um dann vom H&#252;tchen aufs St&#246;ckchen kommend g&#228;nzlich aus dem Flu&#223; der Geschichte heraus gerissen zu sein.</p>
<p>Das allzu leichte Korrigieren von Text scheint uns des Vorformulierens im Kopf zu entheben &#8211; oder sollte ich sagen: des klaren, wohlgeordneten Denkens &#252;berhaupt? Und das wikipedische St&#228;ndignachschlagen der Notwendigkeit, tats&#228;chlich etwas im Kopf zu behalten. Die Copy-Paste-Generation ist so zitatfreudig wie nie, aber hat einen ganz  bemerkenswerten Mangel an klar Gewu&#223;tem, sobald kein Rechner in Reichweite ist.<br />
Gehirn, Ged&#228;chtnis und Denken sind wie alles an uns eine Art Muskel, der erschlafft, wenn er nicht benutzt wird. Wir passen uns, wenn wir denn nicht steuernd entgegen wirken, auf dem niedrigsten Level an.</p>
<p>Ich finde, da&#223; die Schrift und das Schreiben ein sch&#246;nes Beispiel daf&#252;r sind, wie sehr sich das in alle unsere Lebensbereiche auswirkt. Unser Verst&#228;ndnis liegt nicht mehr in der Einmaligkeit, so wie ein geschriebener Text einmalig ist, wurde er mit den nur ein einziges Mal in dieser Stimmung von diesem Menschen bewegten Hand ausgef&#252;hrt. Wir sind geistig zu Massenprodukten geworden, die selbst an Freunde Massenmails schicken, anstatt einige pers&#246;nliche Worte. Die tausendfach kopierte H&#246;rb&#252;cher h&#246;ren anstatt eine Lesung, die so nur ein enziges Mal geschieht, einen Film anstatt ein Theaterst&#252;ck, eine CD anstatt das Konzert. Eine Weltt aus lauter Kopien zusammen gest&#252;ckelt, die das wesentliche nicht zu transportieren verm&#246;gen &#8211; oder k&#246;nnen ein Paar Boxen den realen, schwitzenden Musiker ersetzen, dessen Blick wir begegnen, dessen Liebe zur Musik, dessen Anstrengung ansehen k&#246;nnen? Es scheint, als ob dieses Empfinden von der Unechtheit, die unsere Welt mehr und mehr ausmacht, durchaus wach ist &#8211; vielleicht der Grund, warum man von den toten Kopien so viel wie m&#246;glich ansammelt, Festplatten gigabiteweise mit Filmen, Musik, H&#246;rb&#252;chern und Bildern vollfrachtet, und sich vielleicht wundert, tief drinnen, da&#223; eine handgro&#223;e Festplatte nicht dasselbe Gef&#252;hl macht wie eine wohlsortierte Bibliothek, obwohl hundertmal mehr B&#252;cher darinnen sind, von denen aber wahrscheinlich nicht eines gelesen wurde.</p>
<p>Oder trotz nach hunderten z&#228;hlender „Freunde“ in Social Networks, die digitalen Wortsalat auf Pinnw&#228;nden hinterlassen, irgendwie auch nicht ansatzweise ein Gef&#252;hl entsteht wie bei einem mit Hand geschriebenen Brief, der ein paar Tage unterwegs gewesen endlich in unsere Hand findet.</p>
<p>Ich denke, es ist an der Zeit umzudenken.</p>
<p>Zum Beispiel, indem wir zu den durchgestrichenen Zeilen in einem Text stehen, die uns zeigen, da&#223; wir nicht vollkommen sind, das alles wie ein Text nicht einfach da ist, sondern &#220;bung und Irrt&#252;mer bedarf, um schlie&#223;lich gut zu werden.</p>
<p>Das alles lie&#223;e sich denn doch aber auch auf einer Schreibmaschine umsetzen, wenn man denn wirklich &#8211; was den sch&#246;pferischen Proze&#223; angeht &#8211; vom Rechner Abstang nehmen wollte. Und das h&#228;tte den Vorteil, da&#223; der Text sich einfacher per OCR digitalisieren lie&#223;e.<br />
Dem kann ich nur entgegenhalten, da&#223; auch die Schreibmaschine uns der Feinmotorik enthebt, die das Schreiben  ausmacht, dem gleichm&#228;&#223;igen, ausgewogenen Flu&#223; der Handbewegungen &#8211; und dieses gleichm&#228;&#223;ige Bewegen, das Formen der Schrift formt auch Charakter und Konzentration. Abgesehen davon mag zwar eine Schreibmaschine ohne Strom funktionieren und mich zumindest theoretisch in die Lage versetzen, auf sch&#246;ner Wiese sitzend zu arbeiten und den Blick &#252;ber die Sieben Berge schweifen zu lassen. Aber es w&#228;re doch h&#246;chst unbequem, eine Schreibmaschine mit herum zu schleppen.</p>
<p>Mein Arbeitsmaterial beschr&#228;nkt sich auf zwei F&#252;llfederhalter und ein jackentaschengrosses Buch.</p>
<p>Und es klappert nicht.</p>
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		<title>Nackte Wahrheiten</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 20:37:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[NähKästchen]]></category>
		<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>
		<category><![CDATA[AnsichtenEinesAktmodells]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine B&#246;hm-Klarinette. Foto: Norman Liebold Pers&#246;nlich bin ich der Meinung, da&#223; die Dinge sich wiederholen, sich gewisserma&#223;en spiralf&#246;rmig aufw&#228;rts schraubend um einen Zentrum drehen, dabei an bestimmter Stelle &#228;hnliche Orte, Dinge, Konstellationen durchquerend. In den Kreisen der Humanistischen Bewegung, mit denen ich mich im Moment eingehender besch&#228;ftige, gibt es sogar ein Begriffskatalog daf&#252;r, bei dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="shashin_image" style="width: 330px; float: left;"><a href="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SofYFPzOvzI/AAAAAAAAESw/1YNDqgL4JEo/IMGP0252.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_20" onclick="return hs.expand(this)"><img src="http://lh6.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SofYFPzOvzI/AAAAAAAAESw/1YNDqgL4JEo/IMGP0252.JPG?imgmax=320" alt="Meine B&#246;hm-Klarinette. Foto: Norman Liebold" width="320" height="320" id="shashin_thumb_image_20" title="Meine B&#246;hm-Klarinette. Foto: Norman Liebold" /></a>
<div class="highslide-caption">Meine B&#246;hm-Klarinette. Foto: Norman Liebold</div>
</div>
<p>Pers&#246;nlich bin ich der Meinung, da&#223; die Dinge sich wiederholen, sich gewisserma&#223;en spiralf&#246;rmig aufw&#228;rts schraubend um einen Zentrum drehen, dabei an bestimmter Stelle &#228;hnliche Orte, Dinge, Konstellationen durchquerend. In den Kreisen der Humanistischen Bewegung, mit denen ich mich im Moment eingehender besch&#228;ftige, gibt es sogar ein Begriffskatalog daf&#252;r, bei dem es um &#8220;Traumkerne&#8221; geht. Ich k&#246;nnte, dieser Gedanke geht mir aktuell durch den Kopf, das ganze auch weitaus profaner betrachten, n&#228;mlich in der Metapher einer Schallplatte. Wobei ich weniger die gerne zitierte meine, die immer und immer wieder gespielt wird, was durchaus naheliegend w&#228;re, sondern um einen Kratzer auf derselbigen. Wenn die Diamantnadel an irgendeiner Stelle auf den Kratzer ger&#228;t, springt die Platte, am Kratzer, an der Narbe, wenn man so m&#246;chte, entlanggleitend zur&#252;ck, und die Geschichte beginnt von neuem.</p>
<p><span id="more-623"></span></p>
<p>Nicht ganz, denn man darf durchaus zugestehen, da&#223; die Wiederholung auf einer h&#246;heren Ebene geschieht, da&#223; ein jeder Durchlauf ein wenig mehr vom Eigentlichen enth&#252;llt und mehr verstanden wird. Und die &#196;hnlichkeit der Geschehnissse und wieder gespielten Konstellationen eine Basis bildet, auf deren Grundlage es m&#246;glich ist, gleichsam in einer Chrono-Tomographie vergleichen zu k&#246;nnen, Entwicklungen zu sehen und daraus Schl&#252;sse zu ziehen. Und ich meine hier mehr als nur den unvermeidlichen Schlu&#223;, da&#223; man &#228;lter geworden ist.</p>
<p>Jetzt, wo sie vorbei ist, darf ich gestehen, da&#223; ich die eine Erfahrung machen mu&#223;te, die der Schriftsteller f&#252;rchtet wie der Mann die Impotenz: Die Schreibblockade. Wobei es nicht wirklich eine &#8220;Schreibblockade&#8221; genannt werden kann. Selten zuvor sind soviele Geschichten entstanden. Aber selten zuvor war auch der Weg zwischen der Geschichte im Kopf so weit zu der Geschichte auf dem Papier. &#8220;Leergeschrieben&#8221;, meinten etliche meiner Freunde, eine naheliegende Vermutung angesichts von nicht weniger als vier Romanen und einer phantastischen Anthologie in zwei Jahren plus komplett neuem B&#252;hnenprogramm. Aber das war nicht, was mir seit Dezember die Feder hat schlaff in den Fingern h&#228;ngen lassen. Und auch nicht die &#8220;slawischen Stalker&#8221;, wie das Comtesschen es wie gewohnt kess vermutete, nicht vermutend, da&#223; es selbst einer jener ungeheuer aufgeladenen Punkte verk&#246;rperte, die die Diamantnadel am Kratzer entlang schleifend durchl&#228;uft, um, im funkelnden Abgleiten und knirschend-kreischenden Moment des sich zwischen den gepressten Rillen Bewegens (und damit meine ich nicht bekifft in den D&#252;nen herumliegen!) etwas wie Begreifen aufflackern zu lassen.</p>
<p>Der Punkt, durch den die Nadel kreischen f&#228;hrt, liegt nicht weniger als zehn Jahre zur&#252;ck, und aus seltsamem Zufall sind die Erinnerungen gestochen scharf. Auch damals eine Zeit, in der alle Fragen bereits dadurch zu beantworten waren, da&#223; man irgendein Manuscript (heute ein gedrucktes Buch) hervorziehen konnte, um statt einer Antwort auf die Lekt&#252;re zu verweisen. Damals wie heute die ern&#252;chternde Erkenntnis, da&#223; so weiterzumachen hei&#223;t, sein eigener Plagiator zu werden und es nichts mehr zu vollenden, nichts mehr abzuha(c)ken gibt, weil man, ohne es recht zu merken, die augenscheinlich unbew&#228;ltigbar Aufgabe in der Tat irgendwie im Ablaufe von ein paar Jahren erledigt hat und nicht jenen funkenspr&#252;henden H&#246;hepunkt erlebte, den man vielleicht erwartete, sondern nur ein Abebben des Druckes &#8211; und das sinnlose weiter Wiederholen der im Abarbeiten notwendigen Rituale. Und die weniger ern&#252;chternde als vielmehr erschreckende Erkenntnis, da&#223; da keine noch abzuhakende, hinausz&#246;gernde Restschuld &#252;briggeblieben ist, die vor dem Neuland sch&#252;tzt. Das Neuland, das nicht zuletzt auch lockt und verhei&#223;t.</p>
<p>Wenn ich jetzt unter dem Sternenhimmel auf meiner Terrasse sitze, sich &#252;ber mir das dunkelsamtene Blau dehnt und ich mir die Motetten von <em>Guillaume de Machaut</em> anh&#246;re, wenn ich die letzen Seiten der &#8220;Ansichten eines Aktmodells&#8221; durchlese, die ich heute schrieb, und die in einer gewissen Weise sehr nach dem &#8220;Totentanz&#8221; schmecken, wenn man an seinem Wein nippt &#8211; ausgerechnet ein Medinet, der obgleich kaum von Qualit&#228;t aber doch von Erinnerungen vollgesogen ist &#8211; an Platanen denkt, an alte Kl&#246;ster von vor 10 Jahren und neue alte Kl&#246;ster an Mainachtseen von gar nicht allzulanger Zeit, wenn man Ketten in seinen Brusthaaren sp&#252;rt, und sie greifend die Frage stellen mu&#223;, was das denn f&#252;r seltsame Dinge sind, wenn sie unter den H&#228;nden zerfallen wie die morschen F&#228;den eines alten Wischmopps und man einfach die H&#228;nde &#246;ffen und loslassen will, das sind eigenartige Gef&#252;hle.</p>
<p>Ich denke, es wird gut sein, einmal die im vierfachen Schriftsinn alles abkriechende und abtastende Instanz abzuschalten. Das wird bedeuten, da&#223; die &#8220;Ansichten eines Aktmodells&#8221; zu den &#8220;Ansichten des Norman L.&#8221; werden, aber da wir alle wissen, da&#223; sie das so oder so sind, darf man auch grinsend damit jonglieren. Das mir das mehr liegt, als das unsinnig verernstete Dramatisieren habe ich schon manchmal gewu&#223;t. Bei den wilden Abgleitern der Diamantnadel, jedesmal. Es gibt da nichts zu lernen. Nur freudig zu akzeptieren.</p>
<p>Jutta von den <a href="http://www.vierraben.de(" target="_blank">Vier Raben</a>, meine Lieblingsb&#252;hne in K&#246;ln, hat &#252;brigens schon zugestimmt. Bernd ebenfalls, allerdings unter der Bedingung, da&#223; er &#8211; im Gegensatz zu mir &#8211; nicht nackig auf der B&#252;hne sitzen mu&#223;. Zum Dank werde ich ihm wohl pro Monolog einen Song schreiben. Nein. Ich Textmensch vergesse das immer. Keinen Song. Einen Text.</p>
<p>Da&#223; die <a href="http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-937330-31-0" target="_blank">Ansichten eines Aktmodells</a> allerdings ein Totentanz werden, stimmt nur indirekt, fast k&#246;nnte man sagen, da&#223; sie der Inbegriff seines Gegenteils werden &#8211; eines woll&#252;stigen Fruchtbarkeitstanzes in einem Spiegellabyrinth&#8230; es ist am&#252;sant zu sehen, da&#223; die alten Muster in neue Zahnr&#228;der greifen. Der Editor, der unverkennbar ich selbst zu sein die Dreistigkeit hat vorzugeben, berichtet &#252;ber den Protagonisten, der nicht weniger eine grinsende Fratze meiner Selbst darstellt &#8211; und das alles, um die innersten Geheimnisse der anderen h&#246;flich zu entreissen.</p>
<p>Die &#8220;Editorische Vorbemerkung&#8221; erinnert doch arg zu sehr an die verschachtelten 1001 N&#228;chte des Nâhtegal-Zyklus, ebensosehr wie an die (immer noch hei&#223;geliebte) Vampyriade mit ihrem Vorgriff auf sieben Jahre Universit&#228;t. Selbstzitat? Ich wei&#223; nicht. Die Stimmung ist so &#228;hnlich. Damals in meiner ersten wirklich eigenen Wohnung, auf dem Dach unterm Sternenhimmel, das arme Aachen mit den kl&#228;glichen Versuchen auf der Querfl&#246;te qu&#228;lend und herzzerrei&#223;end in Verwirrungen verstrickt mit 22 Jahren. Heute unter einem nicht minder sch&#246;nen Sternenhimmel &#8211; und nur die erste Ziffer der Ziffernpaares und das Folterinstrument hat sich ver&#228;ndert. Heute leiden meine Nachbarn unter einer Klarinette.</p>
<p></p>
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		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 16:15:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verbrennendes Manuskriptbuch. Photo: Norman Liebold Verbrennendes Manuskriptbuch. Photo: Norman Liebold Grundlegende &#196;nderung im Lebens(ver)lauf, die aus dem Menschen heraus geschehen, haben einen schon fast dialektischen Dreischritt im Vorfeld. Der erste der Schritte &#228;u&#223;ert sich auf sehr unterschiedliche Weisen, grunds&#228;tzlich jedoch k&#246;nnte man ihn als eine Art Aufmerken, eine Art Sensibilisierung in einem bestimmten Kontext definieren. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="shashin_image" style="width: 330px; float: left;"><a href="http://lh3.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SmnYM4CitgI/AAAAAAAAEEU/Sfk-inh8-XM/IMGP0242.JPG?imgmax=720" class="highslide" id="shashin_thumb_link_22" onclick="return hs.expand(this)"><img src="http://lh3.ggpht.com/_yaxQhRxkYsw/SmnYM4CitgI/AAAAAAAAEEU/Sfk-inh8-XM/IMGP0242.JPG?imgmax=320" alt="Verbrennendes Manuskriptbuch. Photo: Norman Liebold" width="320" height="179" id="shashin_thumb_image_22" title="Verbrennendes Manuskriptbuch. Photo: Norman Liebold" /></a><span class="shashin_caption">Verbrennendes Manuskriptbuch. Photo: Norman Liebold</span>
<div class="highslide-caption">Verbrennendes Manuskriptbuch. Photo: Norman Liebold</div>
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<p>Grundlegende &#196;nderung im Lebens(ver)lauf, die aus dem Menschen heraus geschehen, haben einen schon fast dialektischen Dreischritt im Vorfeld. Der erste der Schritte &#228;u&#223;ert sich auf sehr unterschiedliche Weisen, grunds&#228;tzlich jedoch k&#246;nnte man ihn als eine Art Aufmerken, eine Art Sensibilisierung in einem bestimmten Kontext definieren. Der zweite Schritt w&#228;re als <em>Begreifen</em> zu bezeichnen. Das Begreifen ist intellektueller Art, und wie man nur zu gut wei&#223;, kann man sehr viel <em>begriffen </em>haben, ohne da&#223; dies mehr zeitigt als viel Geschwafel, Gejammer &#8212; oder in endlosen Kreisen gef&#252;llte Seiten. Der zweite Schritt enth&#228;lt weitestgehend minuti&#246;s ausgearbeitete Pl&#228;ne, wie der als zu &#228;ndernde Zustand in den erstrebenswerten zu &#252;berf&#252;hren ist. Oft sind diese Pl&#228;ne sehr klug und vern&#252;nftig. Der zweite Schritt kann Zeitr&#228;ume von <em>Jahren</em> erf&#252;llen. Der dritte Schritt ist letztlich der, auf den es ankommt. Vielleicht w&#228;re der durchaus als tierisch zu nennende Zustand durchaus zu bevorzugen, indem der beschriebene Dreischritt nur aus einem knurrenden Z&#228;hnefletschen und Sch&#252;tteln besteht. Als Mensch aber, der denkbar und bedauernswert weit vom tierisch-gesunden Zustand entfernt ist, bleiben dann oft nur sehr mutwillige, in ihrer Auspr&#228;gung schon fast zu extreme Schritte, um die innerlich anerzogenen Stimmen dessen, was <em>Gewissen</em> genannt doch etwas ganz anderes ist, zu &#252;bert&#246;nen. Gemeint ist hier weniger die weibliche Reaktion, sich ver&#228;ndern zu wollen und dann doch lieber nur die Farbe der Haare zu wechseln. Oder das gegebenfalls als m&#228;nnlich zu nennende Ad&#228;quat, sich die Haare wieder mal zu rasieren. Aber letzthin ist das Bestreben, nach der abgeschlossenen Analogisierungs-Phase #5 alles auf <em>Null</em> zu stellen, alles vergoren Angefangene zu entsorgen und ein grosses Kehraus aller Lebens-Fragmente zu veranstalten, vielleicht auch nichts anderes als dergleichen Ersatzhandlungen.</p>
<p>Aber, m&#246;glicherweise, ist es ein Anfang.</p>
<p>Und er macht ein warmes Gef&#252;hl. Und ein warmes Gef&#252;hl bei etwas zu haben, ist meistens ein gutes Zeichen.</p>
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		<title>Analogisierung Phase #2</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Oct 2008 09:23:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Irgendwann 2002 herum wurde ich einer mir im Grunde wesensfremden Digitalisierung unterzogen. Das hing mit ganz verschiedenen Dingen zusammen, nicht zuletzt auch meiner Begeisterungsf&#228;higkeit und der in zumindest einigen Bereichen lobenswerten Eigenschaft des Perfektionismus. Es ist dies eine l&#228;ngere Geschichte, die im Grunde bis zu einem ganz au&#223;erordentlich f&#252;r mein Leben wichtigen &#8220;Tr&#246;t!&#8221; im Jahre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://lh5.ggpht.com/Liebold.Norman/SPxE3PmgTKI/AAAAAAAACEI/kd9fyxXAp4s/s800/2008-10-20_hirn.jpg" border="1" alt="2008-10-20_hirn.jpg" hspace="10" align="left" />Irgendwann 2002 herum wurde ich einer mir im Grunde wesensfremden Digitalisierung unterzogen. Das hing mit ganz verschiedenen Dingen zusammen, nicht zuletzt auch meiner Begeisterungsf&#228;higkeit und der in zumindest einigen Bereichen lobenswerten Eigenschaft des Perfektionismus. Es ist dies eine l&#228;ngere Geschichte, die im Grunde bis zu einem ganz au&#223;erordentlich f&#252;r mein Leben wichtigen &#8220;Tr&#246;t!&#8221; im Jahre 1995 auf dem Frontispiz meiner allerersten Ver&#246;ffentlichung &#8220;<a href="http://schmoekerecke.norman-liebold.de/1995/05/narratiunculae-obscurae/">Narratiunculae Obscurae</a>&#8221; zur&#252;ckgeht und bis zum Beginnen des LieBLOG Ende 2006 reicht und im Grunde hier nicht relevant ist.</p>
<p>Meine Freunde durften mit einigem Stirnrunzeln mitverfolgen, wie ich, sozusagen vom eigenen nicht anders als humanistisch zu nennenden Drang der Vollst&#228;ndigkeit angetrieben, ein inkompaktibles System zu assimilieren versuchte. Ich will nicht sagen, da&#223; mir das nicht gelungen w&#228;re, etliche Stimmen behaupten sogar das Gegenteil. Allein: Das Ergebnis der Assimilation behagt mir seit geraumer Zeit nicht nur nicht, es st&#246;&#223;t mich ab. Eine Zeitlang mochte ich die Vorstellung vom Cyber-Spielmann am&#252;sant gefunden haben, mithin durfte ich feststellen, da&#223; die Datenkabel im Hirn Effekte erzeugten, die schlechtweg widerlich sind. Weshalb seit geraumer Zeit eine Art Revolution im Gange ist. Die vollst&#228;ndige R&#252;ckkehr zum Manuskript, was die literarischen Arbeiten angeht, war hier erstes und vielleicht wichtigstes Symptom. Das Nutzen der Zeichnung statt des digitalen Photos als Ged&#228;chtnisst&#252;tze f&#252;r Recherchen ein Zweites. Das Zur&#252;ckkehren zum handgeschriebenen Brief f&#252;r private Korrespondenz ein Drittes. &#220;ber die Effekte und Beobachtungen dabei werde ich bei Gelegenheit einen Essay schreiben, da sie geradezu erschreckend und zugleich ungemein erhellend sind.</p>
<p>Die zweite Phase ist genauso heikel wie der Sprung zum Manuskript, denn sie ber&#252;hrt eine der g&#228;nzlich neurotischen Grund&#228;ngste, die uns angez&#252;chtet worden sind. Den <a href="http://lieblog.norman-liebold.de/2007/06/wieder-den-wahn-der-erreichbarkeit/">Wahn der Erreichbarkeit</a>. Ich m&#246;chte an dieser Stelle auch nicht die philosophischen Feinheiten Erl&#228;utern oder F&#252;r und Wider abw&#228;gen, sondern nur einen imagin&#228;ren Gong schlagen und die Stunde f&#252;r gekommen erkl&#228;ren, an der ich mir die Datenkabel aus dem Hirn ziehe. Immerhin hat es seine Gr&#252;nde, weshalb ich mich f&#252;r ein Leben als Aussteiger entschieden habe, im Siebengebirge bei den Sieben Zwergen in meiner Wohnschnecke hause und sehr eigene Wege mit meiner Literatur gehe. Ich habe die Regel-Lieferzeit der B&#252;cher auf 4-6 Tage erh&#246;ht. Ich werde ab sofort, orientiert am Postweg vor der immerhin kaum 10 Jahre zur&#252;ckliegenden Revolutionierung der Brieflichkeit &#8212; der statt 10 Sekunden i.d.R. 2 Tage dauerte und zuweilen auch einmal drei (und wenn man nicht zuhause war, blieb es halt solange liegen, ohne da&#223; die Welt zusammen brach) &#8212; entsprechend das eMail-Postfach kontrollieren. Bei wichtigen Dingen bitte ich zum guten <a href="http://normanliebold.de/impressum-und-kontakt/">alten Fernsprecher</a> zu greifen, da eine Stimme ja auch sonst viel angenehmer und Dinge viel schneller abgekl&#228;rt sind. Anrufbeantworter-Nachrichten bekomme ich auch unterwegs und kann zur&#252;ckrufen. Aber eigentlich sollten 3 Tage bis zu einer Antwort ja auch kein Problem sein, nicht wahr?!</p>
<p>Entdecke die Langsamkeit!</p>
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		<title>N&#228;chtliche Lesung; Nebel und die Sache mit dem 2/3-Loch</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Sep 2008 20:56:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[NähKästchen]]></category>
		<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>
		<category><![CDATA[KrimiFrass]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Siebengebirgskrimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor eben jener Punkt, welcher den exakten Moment der (theoretischen) Tag und Nacht-Gleiche ausmacht, vor&#252;ber rutscht, noch eine Bemerkung am Rande. Es gibt f&#252;r f&#252;r Schriftsteller wie auch f&#252;r jene, die sich &#8220;normale Menschen&#8221; schimpfen, ganz offensichtlich etwas, das ich gerne den 2/3-Punkt nennen m&#246;chte. Ich kenne ihn nicht nur von nahezu einer jeden Novelle, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor eben jener Punkt, welcher den exakten Moment der (theoretischen) Tag und Nacht-Gleiche ausmacht, vor&#252;ber rutscht, noch eine Bemerkung am Rande.</p>
<p>Es gibt f&#252;r f&#252;r Schriftsteller wie auch f&#252;r jene, die sich &#8220;normale Menschen&#8221; schimpfen, ganz offensichtlich etwas, das ich gerne den 2/3-Punkt nennen m&#246;chte. Ich kenne ihn nicht nur von nahezu einer jeden Novelle, von jedem Roman oder sogar von jeder (!) Kurzgeschichte, sondern durchaus auch von Dingen<sup>1</sup> wie dem Studium, dem Abitur oder was wei&#223; ich was noch. Es ist der Moment des Zweifelns in Bezug auf das, was im gegebenen Moment das Wichtigste im Leben ist<sup>2</sup>.</p>
<p>Tats&#228;chlich durchlebte ich gestrigen Tages selbigen in Bezug auf &#8220;Krimi-Dinner&#8221;, und auch die Best&#228;tigung, da&#223; die (Buch?)-Premiere im November in der &#8220;Glocke&#8221; zu Hennef stattfindet, also in sehr gehobenem und dem Dinner angemessenem Ambiente, konnte am 2/3-Punkt nichts r&#252;tteln.</p>
<p>Es gibt bei solchen Dingen nur eines, was r&#252;tteln kann. N&#228;mlich: Freunde.</p>
<p>Gestern Nacht hielt ich eine Art private Marathon-Lesung mit dem Text, soweit er steht. In Innersten &#8211; wie bei jeder Story, jaja, &#8211; von Zweifeln zerfressen fl&#252;chtete ich in die Arme jener Familie, welche mein bevorzugte(ste)s Testobjekt geworden ist in den letzten vier Jahren. Ich kann nicht genau sagen, wie lange diese &#252;beraus private Lesung gedauert hat. Der Beginn mu&#223; um sp&#228;testens 22:30 gelegen haben, als I* ins Bett ging. Um recht genau 3:15 war ich definitiv fertig, da ich da eine Begegnung der 23. Art auf der A3 H&#246;he &#214;lberg hatte &#8211; welche selbige, wie mir heute berichtete wurde, zu einem zeitgleichen Alptraum 475km weiter &#246;stlich f&#252;hrte.</p>
<p>Wichtig in diesem Kontext ist vielleicht nur zu erw&#228;hnen, da&#223; die Story offenbar mehr als nur &#252;berzeugte. Zu meiner eigenen Verwunderung, aber die ist am 2/3-Punkt eine Geschichte f&#252;r sich. Ein weiterer Punkt, den ich interessant finde, ist, da&#223; meine Theoreme bez&#252;glich des Unterschiedes zwischen Manuscript und am Rechner geschriebenen Text offenbar korrekt sind. Ich kann an dieser Stelle nur die gemeinschaftliche Beurteilung von K*, C* und Ka* wiedergeben, welche auf den Punkt bringen, da&#223; dies meinem Stil etwas geraubt hat, das l&#228;ngst h&#228;tte mit einem Flammenwerfer ausgemerzt werden sollen, n&#228;mlich eine gewisse &#220;ber-Geschliffenheit.</p>
<p>Jedenfalls eine wunderbare Best&#228;tigung im Augenblick des gr&#246;&#223;ten Zweifels. Unterst&#252;tzt sp&#228;terhin von einem geradezu andersweltlichen Nebel. Aber auch das ist dem Datum angemessen&#8230;</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_456" class="footnote">Dingen?</li><li id="footnote_1_456" class="footnote">inwiefern ein solch polemischer Ansatz auch auf Beziehungen anzuwenden ist, sei dahin gestellt &#8211; im nachhinein k&#246;nnte das sogar hinkommen, allein in derselbigen kann man &#8211; im Gegensatz zu Geschichten &#8211; kaum ausmachen, wann &#8220;2/3&#8243; erreicht sind&#8230;</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Ein Wort zur medialen Wirklichkeit</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Aug 2008 19:46:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Einem so genannter „Kulturschaffenden“ ist es in mancherlei Hinsicht gegeben, einen etwas anderen Blick auf die Welt zu haben, ja, es gibt sogar Stimmen, die dies geradezu als notwendige Voraussetzung berechtigten K&#252;nstlerseins fordern. Wie es sich damit verh&#228;lt, ist gewiss ein eigenes Thema – ein unbestritten anderer Blickwinkel ist aber der, dass man h&#228;ufiger als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einem so genannter „Kulturschaffenden“ ist es in mancherlei Hinsicht gegeben, einen etwas anderen Blick auf die Welt zu haben, ja, es gibt sogar Stimmen, die  dies geradezu als notwendige Voraussetzung berechtigten K&#252;nstlerseins fordern. Wie es sich damit verh&#228;lt, ist gewiss ein eigenes Thema – ein unbestritten anderer Blickwinkel ist aber der, dass man h&#228;ufiger als andere in die Verlegenheit kommt, sich von den Medien ins Auge genommen und dargestellt zu sehen. <span id="more-355"></span> Nun ist es den meisten so genannten „Kulturschaffenden“ mithin kaum mehr denn ein m&#252;des L&#228;cheln wert, eine Sammlung der verwegensten Schreibweisen des eigenen Namens zu besitzen, festzustellen, dass das eigene Alter offenbar heftigen Schwankungen unterliegt, ebenso wie Werdegang und Lebensl&#228;ufte offenbar den Gesetzen multipler Universen zu folgen scheinen. Zumeist ist das kaum mehr ein Schulterzucken und zuweilen auch einen Lacher wert – ich erinnere mich in diesem Zusammenhang gerne an das Naumburger Tageblatt, das mit einer ganz erstaunlichen Vehemenz aus meinem „M&#228;renborn“ einen „M&#228;rchenborg“ machte, so dass wir es uns nicht nehmen lie&#223;en, mit Motorradhelmen und von einer Baustelle gefilzten Schl&#228;uchen, Dr&#228;hten und Rohren kost&#252;miert in die Redaktion zu stiefeln und den „Wir sind die M&#228;rchenborg, Widerstand ist zwecklos, Ihr werdet unterhalten werden!“-Song rappten.</p>
<p>J&#252;ngstens und erst heute wieder aufgefrischt ist mir allerdings etwas ganz anderes dabei aufgegangen, das mir durchaus einen Kommentar wert ist. Als n&#228;mlich die WDR-Lokalzeit nach einigen irrwitzigen Verpeilern auf einer Lesung auftauchte und es schaffte, schlie&#223;lich in seinem 26 Sekunden dauernden und f&#252;nf S&#228;tze z&#228;hlenden Kurzbericht nicht weniger als f&#252;nf wirklich grobe Fehlinformationen unterzubringen. So, z.B. da&#223; ich mich „seit 17 Jahren [...] literarisch mit der Region auseinander“ setze, wo ich doch vor 17 Jahren s&#252;&#223;e 13 Jahre alt war und im tiefsten Osten die Schulbank dr&#252;ckte. Wie gesagt: am&#252;sant. Im ersten Hinblick ebenfalls am&#252;sant ist, wenn man danach umst&#228;ndlich erkl&#228;ren mu&#223;, wie es sich tats&#228;chlich verh&#228;lt – und einem kein Glauben geschenkt wird. Da&#223; selbst Menschen, die seit Jahren auf Lesungen kommen und dich auch sonst ganz gut kennen, pl&#246;tzlich ganz eigenartige Ansichten entwickeln.</p>
<p>Da wird einem geradezu unheimlich, denn gleich neben sich sieht man eine andere Version seiner selbst entstehen, wachsen und irgendwie zu dem in Konkurrenz treten, was man bis dahin f&#252;r seine „Wirklichkeit“ gehalten hat. Und hier handelt es sich um Menschen, die einen pers&#246;nlich kennen. Was ist mit all denen, die diesen Beitrag gesehen haben oder die Dutzenden von Zeitungsartikeln mit groben Fehlern lasen<sup>1</sup> &#8211; und die dich eben nicht kennen? F&#252;r sie gibt es schlicht und ergreifend keine andere Version des Ganzen. F&#252;r sie wird man zu dem Menschen, der seit 17 Jahren im Siebengebirge haust, nur Geschichten aus dem Siebengebirge schreibt und ausschlie&#223;lich dort liest, wo seine Geschichten handeln.</p>
<p>Na und? Was ist daran so schlimm? K&#246;nnte man fragen.</p>
<p>Ich m&#246;chte eine Gegenfrage stellen: Was wissen Sie von der Welt? Ich meine, was wissen Sie wirklich? Ich bin so dreist und nehme einen gigantischen Zirkel mit einem Radius von sagen wir einmal f&#252;nfzehn Kilometern, steche ihn mit lautem Knirschen in das Dach Ihres Wohnhauses und ziehe einen Kreis darum. Es w&#228;re realistischer, wenn der Zirkel einen Radius von zwei oder drei Kilometern h&#228;tte, aber wir sind gro&#223;z&#252;gig. Wenn Sie ein umtriebiger Mensch sind, kann ich an einer Handvoll anderer Orte diesen Zirkel noch einmal einstechen und hier und da &#252;ber Land und Welt weitere solche Kreise ziehen. Das d&#252;rfte das sein, was sie aus eigener Erfahrung mehr oder weniger gut kennen. Ich gehe weiter und frage, wie viele Ereignisse sie mit eigenen Augen wirklich gesehen haben – ich meine solche Ereignisse, die f&#252;r so wichtig gehalten werden, da&#223; etwa eine Zeitung sich dar&#252;ber zu schreiben oder ein Sender etwas dar&#252;ber auszustrahlen entscheidet. Sie d&#252;rfen gerne auch all das hinzu rechnen, was sie aus zweiter Hand erfahren, wenn, sagen wir, ein guter Freund ihnen erz&#228;hlt, was er erlebt hat.</p>
<p>Jetzt schlagen Sie eine beliebige Zeitung auf, schalten Sie das Radio an oder den Fernseher. Lesen Sie eine Weile, lauschen Sie, schauen Sie zu. Wie viel von dem, was Sie da h&#246;ren, k&#246;nnen Sie verifizieren? Tun Sie mir den Gefallen und stellen Sie sich einfach einmal vor, all diese Dinge, die Sie da lesen und h&#246;ren und sehen, werden in vergleichbarer Weise gemacht, wie, zum Beispiel, das typische Erlebnis, das einem Autor bei Lesungen widerf&#228;hrt: Kurz vor Beginn tauchen einer oder mehrere Reporter auf, schie&#223;en ein oder zwei Bilder, stellen ein paar Fragen und verschwinden entweder, bevor die Lesung &#252;berhaupt begonnen hat oder doch nach wenigen Minuten. Je nachdem am n&#228;chsten Tag oder etliche Wochen sp&#228;ter erfahren Sie dann, da&#223; ein Artikel &#252;ber Sie erschienen ist und lesen mit erstaunt gerunzelter Stirn die interessantesten Dinge &#252;ber sich und Ihr Werk. Zum Beispiel gestern, da&#223; man der Organisator der „Rheinlese“ gewesen ist und in den Siebengebirgskrimis Menschen sterben. Da ist man bass erstaunt, f&#252;r so gewitzt hat man sich vorher nun wirklich nicht gehalten und es er&#246;ffnen sich auch ganz neue Interpretationen der Geschichte, die, da man sie schrieb, doch zu kennen geglaubt hatte.</p>
<p>Jetzt vergessen Sie f&#252;r eine kleine Weile, da&#223; es sich um irgendwelche Lesungen einen nahezu unbekannten Schreiberlings handelt. F&#252;hren Sie sich vielmehr vor Augen, da&#223; diese – sei es nun wie hier einfach aus Schusseligkeit oder Recherchefaulheit oder sei es ganz gezielt – Fehlinformationen zeitgleich sehr viele Menschen erreicht. Noch weitaus mehr, als dass diejenigen, die tats&#228;chlich &#252;berhaupt bemerken k&#246;nnten, dass es eine Fehlinformation ist, schlechtweg nicht mehr ins Gewicht fallen. Das tritt schon im Falle einer kleinen Regionalzeitung ein. Von &#252;berregionalen zu schweigen oder gar vom Fernsehen.</p>
<p>Mir jedenfalls wird bei dem Gedanken ganz schwindelig.</p>
<p>Und ich bin wirklich froh, da&#223; ich damals in Aachen meinen Fernseher auf der B&#252;hne des Theater K mit einem Vorschlaghammer zertr&#252;mmert habe, nachdem eine begeisterte Stimme mir in der Tagesschau zum Bild eines amerikanischen Bombers erz&#228;hlte, wieviele Tonnen Bombenlast das Ding wie weit tragen kann, als w&#228;re das eine beschissene Dauerwerbesendung f&#252;r Kriegsmaschinen.</p>
<p>Es w&#252;rde, denke ich, auch dem j&#252;ngst als Schreckgespenst aus der Taufe gehobenen &#8211; obschon seit den Sechzigern wohlbekannten &#8211; Klimawandel positiv zugutekommen &#8211; von der Zunahme k&#246;rperlichen Wohlbefindens ganz abgesehen &#8211; wenn wir allesamt Vorschlagh&#228;mmer gegen die Fernseher schw&#228;ngen.</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_355" class="footnote">Gewi&#223;, es gibt auch gute Beispiele, aber um die geht es hier gerade nicht.</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Abstrakte Putten &#8211; Kunst in NRW</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jul 2008 09:01:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Kornelim&#252;nster, 09.07. [GeBu 08.0123v-30r] Erschienen in der Neuen Rheinischen Zeitung am 17.07.2008 als Auftakt von Liebolds Glosse. Zur Online-Version. Bekanntlich wird vieles erst durch die Gegen&#252;berstellung des Gegensatzes erst richtig deutlich, ja, gelangt erst zu tats&#228;chlichem Bewusstsein. Oft genug ist es auch einfach lang gewusstes, das auf diese Weise schlicht noch einmal best&#228;tigt wird. Wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><small><em>Kornelim&#252;nster, 09.07. [GeBu 08.0123v-30r]<br />
Erschienen in der <a href="http://www.nrhz.de/" target="_blank">Neuen Rheinischen Zeitung</a> am 17.07.2008 als Auftakt von Liebolds Glosse. <a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12646" target="_blank">Zur Online-Version</a>.</em></small><br />
<br />
<a onclick="return GB_showImage('Fenster', this.href)" href="http://lh3.ggpht.com/Norman.Liebold/SHXNj1WeGDI/AAAAAAAAHZM/RHmb2-ebm7E/s720/PICT5396.JPG"><img src="http://lh3.ggpht.com/Norman.Liebold/SHXNj1WeGDI/AAAAAAAAHZM/RHmb2-ebm7E/s320/PICT5396.JPG" alt="" hspace="10" align="left" /></a></p>
<dl>
<dt>Bekanntlich wird vieles erst durch die Gegen&#252;berstellung 	des Gegensatzes erst richtig deutlich, ja, gelangt erst zu 	tats&#228;chlichem Bewusstsein. Oft genug ist es auch einfach lang 	gewusstes, das auf diese Weise schlicht noch einmal best&#228;tigt 	wird. Wie dem auch sei &#8211; einem schon ans unfreiwillig komische 	reichenden Sonderfall dieser Art fand ich in der Ausstellung „<a href="http://www.kunst-aus-nrw.nrw.de/" target="_blank">Kunst 	aus NRW</a>&#8220;, die seit 50 Jahren in der ehemaligen Reichsabtei zu 	Kornelim&#252;nster zu&#8230; nun, betrachten ist. Wobei nicht unbedingt 	von einem echten „Gegensatz&#8221; gesprochen werden kann, wenn 	schlechte Kunst auf schlechte Kunst st&#246;&#223;t.</dt>
<dt> <span id="more-336"></span></dt>
<dt>
</dt>
<dt>Das Geb&#228;ude &#8211; verspielte Renaissance &#8211; ist inwendig mit 	unz&#228;hligen &#252;beraus barocken Fresken sagen wir „verziert&#8221;: 	Von &#252;berall starren pausb&#228;ckig-verfettete Putten herunter, 	knutschen einander s&#252;&#223;lich grinsend ab, &#228;ugeln 	zusammen mit schn&#228;belnden T&#228;ubchen hinter rosigen oder 	zuweilen auch babieblauen Wolken und W&#246;lkchen herf&#252;r oder 	flattern enthauptet beziehungsweise entleibt als gefl&#252;gelte 	K&#246;pfe durch allerlei Bildlichkeiten propperer Juncfrouwen mit 	seligem Dauergrinsen, anatomisch falschen Gliedma&#223;en und 	schwellenden, zuweilen auch gut einzusehenden Br&#252;sten. Eine &#8211; 	ich komme nicht umhin, sie in den Beitrag einzustellen, da hier 	sowohl schn&#228;belnde T&#228;ubchen wie entleibt-gefl&#252;gelt 	knutschende Babiek&#246;pfe zu sehen sind &#8211; h&#228;lt sogar, 	sozusagen als i-T&#252;pfelchen, ein Herz in ihrer Hand, das putzig 	vor sich hin lodert. Erschreckend hierbei immer wieder 	perspektivische und anatomische Patzer, die den ein oder anderen 	goldumrahmten putten Puttus zu D&#228;mon mutieren und auch manche 	holde, mehr oder minder bekleidete M&#228;dchensch&#246;nheit zur 	weiblichen Variante Quasimodos werden l&#228;sst.</dt>
<dt>
</dt>
<dt>
</dt>
<dt>Aber das ist nur eine Seite des Gegensatzpaares, die allein f&#252;r 	sich genommen ein gewisses Am&#252;sement und allein ob der 	handwerklich gekonnten M&#252;he, diese ganzen W&#228;nde und Decken 	zu bemalen, eine gewisse Hochachtung vor der Anstrengung erregt &#8211; und ob der ein oder 	anderen gelungenen Darstellung auch Gefallen. </dt>
<dt>
</dt>
<dt>
</dt>
<dt>Aber wirklich interessant sind vielmehr die&#8230; nennen wir sie 	„Objekte&#8221;, die in den R&#228;umen ihrer Interessierten 	Betrachter harren &#8211; deren ich allerdings in den weiten Hallen 	trotz touristisch &#252;berlaufener Innenstadt, aus den N&#228;hten 	platzender Cafés und obendrein freiem Eintritt der einzige 	war. Da&#223; dies auch seit l&#228;ngerem der Fall zu sein schien, 	zeigte das &#252;beraus beflissene, sich geradezu &#252;berschlagende, 	ja schon ob der Erl&#246;sung aus der Langeweile unterw&#252;rfig 	dankbare Entgegenkommen der Betreiber der Ausstellung. Denn dass 	dies daran gelegen haben mochte, dass ich mein Zeichenbuch unter dem 	Arm und diverse Zeichenfedern aus der Hemdtasche ragen hatte, m&#246;chte 	ich doch bezweifeln &#8211; selbst wenn man mich f&#228;lschlicherweise 	f&#252;r jemanden gehalten h&#228;tte, der sich selbst „K&#252;nstler&#8221; 	nennen w&#252;rde und damit zumindest theoretisch nicht nur in 	physischer Leiblichkeit in die R&#228;ume Einzug halten k&#246;nnte. 	Denn ja, hier werden <em>lebendige </em>K&#252;nstler ausgestellt. Und nicht 	nur dass, hier werden jene K&#252;nstler ausgestellt, die in den 	Nutznie&#223; von nicht zu &#252;bersch&#228;tzende Geldsummen 	seitens der Regierung gelangen &#8211; f&#252;r ihren Beitrag zur 	aktuellen, sagen wir, „Kunst&#8221;.</dt>
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</dt>
<dt> Ich muss an dieser Stelle durchaus zugeben, dass mir „moderne 	Kunst&#8221; in den meisten F&#228;llen verschlossen bleibt. Ich w&#252;rde 	fast sagen, dass mich &#8211; nat&#252;rlich rein subjektiv &#8211; zuweilen 	der Verdacht ank&#246;mmt, dass man eventuell versucht, mich zu 	ver&#228;ppeln, mir einen B&#228;ren aufzubinden oder, vulg&#228;r 	formuliert, zu verarschen, wenn ich vor „Ohne Titel #346&#8243; oder 	„Metamorphose #56&#8243; stehe, um auf eine schlecht bespannte 	Leinwand zu schauen, auf der mehr oder minder versuchsweise 	harmonisch Farbkleckse und -spritzer verteilt sind, denen weder 	gef&#252;hlsm&#228;&#223;ig noch intellektuell irgendeine Form von 	Regung, Ber&#252;hrung oder gar Aussage abzugewinnen ist, noch nicht 	einmal ein ansatzweise &#228;sthetisches Empfinden ob besonders 	stimmig oder besonders unstimmig verteilte&#8230; nun, Fl&#228;chen.</dt>
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</dt>
<dt> Immerhin, einen Raum weiter erregt ein Objekt zumindest irgendein 	Gef&#252;hl: Da lungern befellte Irgendwasse in zwei M&#252;slischalen 	auf einem sichtlich verschmodderten Tisch und bl&#228;hen und 	schrumpfen unter dem deutlich h&#246;rbaren Arbeiten eines 	Kompressors &#8211; hier k&#246;nnte man zumindest so etwas wie eine 	Aussage hinein interpretieren &#8211; vielleicht ein Pl&#228;doyer f&#252;r 	Veganismus, denn in der Tat &#8211; Appetit anregend sind die befellten 	Irgendwasse nicht, sie sind sogar nahe daran, neben einer kuriosen 	Empfindung einen Hauch von Ekel zu erregen &#8211; allerdings gegen sie 	selbst, nicht gegen Befellete-Irgendwasse-Verspeiser -, im dem Sinne, dass sie vielleicht, wenn man ihnen der R&#252;cken zuwendet, zahnbewehrt aus den 	M&#252;slischalen kriechen und sich wie ein ekler Blutegel an die 	Wade heften. Ja, das muss gesagt werden: Die Skulpturen sind durchaus noch verkraftbar, zumindest bieten sie eine gewisse 	Sensation durch Material und Form. Und auch bei den Gem&#228;lden 	finden sich &#8211; wenn man mit Ausdauer sucht &#8211; ein paar, die 	durchaus einen zweiten Blick wert sind. Kubistisch aufgefasste 	Industrielandschaften, ein Bild versucht, das Gef&#252;hl der 	Stra&#223;enbahn einzufangen, ebenfalls mit kubistisch anmutender 	Entfremdung. Allerdings gewinnen sie dieses positive Urteil schlicht 	durch ihre wunderh&#228;&#223;lichen Genossen, so wie unter 	stockh&#228;&#223;lichen alten Vetteln die zumindest nicht 	allzusehr verwachsene Frau einigen Reiz zu entfalten beginnt. Objektiv 	betrachtet sind die Arbeiten &#8211; allesamt zwischen 47 und Mitte 	50iger &#8211; schlecht ausgef&#252;hrt, wobei ich nicht das 	Dargestellte, sondern nur das Handwerkliche meine: Keine 	lichtechte Farben, mager auf fett gearbeitet, so dass die &#214;lfarbe 	gerissen ist oder kurz vor dem Abbr&#246;ckeln steht. St&#252;mperhaftigkeiten also, denen auch bei bestem Willen keine andere Aussagekraft beizulegen als vielleicht die, da&#223; der K&#252;nstler sich der mangelnden Qualit&#228;t des Werkes bewu&#223;t ist und seiner Einsicht dadurch Gestalt verliehen hat, da&#223; sich das ganze in ein paar Jahrzehnten von selbst der Verg&#228;nglichkeit anheim gibt. </dt>
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<dt>Aber &#8211; vielleicht haben Sie das bei all den Worten schon 	vergessen &#8211; da gibt es ja noch die &#252;ber allem thronenden, sowohl 	hinter diversen S&#228;ulen wie auch aus und goldenen Rahmen und R&#228;hmchen 	hervor schauenden, &#228;ugelnden und schn&#228;belnden rosag&#252;ldenen 	Putten, die  apfelwangigen Barocksch&#246;nchen mit anatomischen 	Unaussprechlichkeiten und brennenden Herzchen. Denn so grauenhaft 	dilettantisch die Freskenmaler all diese maskenhaft selig l&#228;chelnden 	respektive infantil-l&#252;stern grinsenden Wesenheiten da 	pausb&#228;ckig samt Gurr-T&#228;ubchen  und im Fliegen 	herumknutschenden entleibten Puttenk&#246;pfen hingeworfen haben 	m&#246;gen &#8211; im Kontext zu ihnen zeigt sich das ganze 	preisgekr&#246;nte Cremé de la Cremé 	nordrhein-westf&#228;lischer bildender Kunst als &#8211; Entschuldigung 	- doppelt h&#228;sslicher Schrott. &#220;ber Putten kann man sich 	zumindest am&#252;sieren oder wenigstens noch streiten &#8211; und ein nicht ganz 	missratener Akt hat zumindest irgendwelche Reize<sup>1</sup> &#8211; und immerhin 	verstanden die Freskenmaler wenigstens ihr <em>Handwerk</em>, ich meine die Kunst, dass nicht der 	Putz von der Decke br&#246;ckelt.</dt>
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</dt>
<dt>Es ist in der Tat ein durchaus verbreitetes Vorurteil gegen 	weite Bereiche der modernen Kunst, dass sie im Grunde nur ein 	wirklich gro&#223; angelegter Betrug ist, um Geldw&#228;scherei und 	Spekulation zu erlauben oder etwas ins B&#252;ro h&#228;ngen zu k&#246;nnen, an dessen Aussage beim besten Willen niemand Ansto&#223; erregen kann, weil selbige schlechtweg nicht existiert. Weil ja bei einem Werk, das weder nach 	handwerklichen noch nach inhaltlichen Ma&#223;st&#228;ben zu messen 	ist, jeder beliebige Preis oder k&#252;nstlerische Wert mit hohlen und schw&#252;lstigen Worten 	zu erkl&#228;ren ist &#8211; und zweifelnde M&#252;nder schnell mit dem &#8220;Sie haben ja keine Ahnung von Kunst&#8221;-Argument verschlossen. Unter den &#8211; wie wir aufgrund gewisser 	anatomischer Gesetzm&#228;&#223;igkeiten durchaus einzusch&#228;tzen 	wissen &#8211; schief gemalten Augen der putten Putten zeigt sich: <strong>Es 	ist kein Vorurteil.</strong> Es ist schlicht und ergreifend <em>g&#228;nzlich 	sinnfreier <strong>Schrott</strong></em>, der noch nicht einmal mehr raumgestalterisch 	irgendwelche Vorz&#252;ge aufweist.</dt>
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</dt>
<dt>Nunja, vielleicht ist das nur folgerichtig &#8211; wenn der 	Kultusminister h&#246;chst selbst da Geldsummen hinein buttert, muss 	nat&#252;rlich vor allem eines gegeben sein: Kunst <strong>ohne Aussage</strong>. 	Leeres Gebrabbel ohne Bedeutung, g&#228;nzlich ohne Sinn beschmierte 	Leinw&#228;nde, willk&#252;rlich, bestenfalls grob geometrische 	Metallformen.<sup>2</sup> Denn wenn dergleichen honoriert wird, macht es die 	Kunstszene nach, um gegebenenfalls auch in den Nutznie&#223; von 	Belohnungen &#8211; sprich F&#246;rderungen &#8211; zu kommen. <em><strong>Leitkultur</strong></em> nennt 	man dergleichen. Das funktioniert wohl &#228;hnlich wie in der 	Musikindustrie oder in den Beststellerlisten.<sup>3</sup></dt>
<dt>
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</dt>
<dt>Man stelle sich nur vor, wenn die Kunst tats&#228;chlich t&#228;te, 	wozu sie imstande, ja, wof&#252;r sie da ist: Augen &#246;ffnen, 	wichtige Inhalte kommunizieren oder gar neue Sichtweisen und 	Erkenntnisse er&#246;ffnen! Unvorstellbar! Und gef&#228;hrlich.</dt>
<dt>
</dt>
<dt>Immerhin: Eines muss man der Ausstellung „Kunst in NRW&#8221; 	lassen. Sie ist ein <em>Gesamtkunstwerk </em>- mit allen Putten und 	barbusig Entr&#252;ckten, ja gerade <em>wegen ihnen</em>. Ja, es &#246;ffnet Augen, lenkt den Blick 	auf neue Sichtweisen, erm&#246;glicht Erkenntnisse und weckt 	Empfindungen. Am&#252;sement, vor allem.</dt>
</dl>
<hr size="1" />
<h3>Lesebriefe zur Glosse in der Neuen Rheinischen Zeitung</h3>
<p><span style="font-size: x-small;"><strong> Leserbrief zum Artikel </strong></span><strong><span><a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12646" target="_self">„Abstrakte Putten“</a></span></strong><span style="font-size: x-small;"><strong> </strong></span></p>
<blockquote><p><span style="font-size: x-small;"><strong></strong><br />
Kunst aus  NRW, NRhZ 155</span></p>
<p><span style="font-size: x-small;">Dem Schreiber bin ich nicht mal so b&#246;se, er wei&#223; es offensichtlich nicht besser, gibt es sogar zu, indem er S&#228;tze anfangen l&#228;&#223;t mit &#8220;ich mu&#223; zugeben, dass mir moderne Kunst in den meisten F&#228;llen verschlossen bleibt&#8230;&#8221; und dann gehts weiter wie gehabt: Auf dem Niveau von Stammtischgeschwafel.<br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small;">Dem Redakteur ich nehme ich diesen Artikel &#252;bel. Er h&#228;tte merken m&#252;ssen, dass da ein Schw&#228;tzer am Werk ist: Selbst wenn es mit dem Kunstverst&#228;ndnis L&#252;cken hat (ist ja auch nicht so einfach)  -  aber simpelstes Geschichtswissen h&#228;tte ihn aufmerksam werden lassen m&#252;ssen: Wenn ein zwischen 1947 und 49 gemaltes Bild abbl&#228;ttert, so hat das erstmal nichts mit mangelnder Sorgfalt des K&#252;nstlers zu tun, der war zu der Zeit froh, wenn er &#252;berhaupt Farbe auftreiben konnte, egal welcher Qualit&#228;t.</span><br />
<span style="font-size: x-small;">Das ist ein Punkt der Kritik, von  vielen.<br />
</span><br />
<span style="font-size: x-small;">Aber es gibt Schlimmeres:</span><br />
<span style="font-size: x-small;">Norman Liebold gibt in seinem Aufsatz weit verbreitete verleumderische Meinung &#252;ber moderne Kunst und K&#252;nstler wieder. Es liegt in der Verantwortung eines Kunstredakteurs, dieser Einstellung entgegenzuwirken, anstatt ihr Raum und Beachtung zu geben: Der Artikel h&#228;tte nicht erscheinen d&#252;rfen.</span></p>
<p><em><span style="font-size: x-small;">Marianne Tralau</span><br />
<span style="font-size: x-small;">freischaffende K&#252;nstlerin, </span><br />
<span style="font-size: x-small;">Eckernf&#246;rde</span></em></p></blockquote>
<p style="text-align: left;"><span><strong> Leserbrief </strong><strong>zu </strong></span><strong><span><a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12646" target="_self">„Abstrakte Putten“</a> </span></strong><span><strong>von Norman Liebold</strong></span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;"><span><strong></strong><br />
(</span><span>Kornelim&#252;nster – die Ausstellung „Kunst aus NRW“)</span><span></p>
<p>Kommentar <strong>von Carola Willbrand</strong> </span>(18. Juli 2008)</p>
<p><span>Ja, das eingeklagte Bewu&#223;tsein des Herrn Liebold t&#228;te ihm selbst gut!</span><br />
<span>Sein Artikel zeichnet sich durch Nichtwissen aus.</span></p>
<p><span>Von den Kommentaren zu den Wandgem&#228;lden in Kornelim&#252;nster ganz abgesehen, die unsachlich und pr&#228;tenti&#246;s sind, ist diese verunglimpfende Kunstbeschimpfung von einem Gedankengut beseelt, zu dem sich die NRhZ ja wohl nicht zurechnen m&#246;chte.</span></p>
<p><span>Das sind n&#228;mlich genau die &#196;u&#223;erungen Konservativer Volksempfinder, die dem sogenannten Volk nach dem Munde reden, wenn es ans Gelds&#228;ckel deselben geht.</span></p>
<p><span>Das betrifft auch die sozialen Errungenschaften, wie wir derzeit &#252;berall sehen k&#246;nnten, d.h. all das, was geistiges Engagement entwickeln l&#228;&#223;t!</span></p>
<p><span>Das aber die Ank&#228;ufe des Landes NRW gepr&#228;gt sind von dem Wiederaufleben einer Kunstlandschaft nach dem 2. Weltkrieg und der Befreiung des Kopfes, entgeht leider dem Herrn Liepold.</span></p>
<p><span>(Seine Generation m&#252;&#223;te im Geschichtsunterricht von der glorreichen deutschen Geschichte j&#252;ngster Auspr&#228;gung erfahren haben und ihre Auswirkungen auf die Beschneidung der Freiheit des Denkens!)</span></p>
<p><span>Ich meine mit der Befreiung des Kopfes folgendes:</span></p>
<p><span>Da&#223; die K&#252;nstlerInnen ihre Arbeit ohne Beschr&#228;nkung entwickeln konnten! Dazu geh&#246;rt eben auch der Weg in die Abstraktion, die unter den Nazis als entartet galt! Aus dieser Erfahrung der Verfemten Kunst, der K&#252;nstlerInnen aller Sparten, der bildenden K&#252;nstlerInnen, der MusikerInnen, der SchriftstellerInnen, der Theaterleute wurden ja die F&#246;rderma&#223;nahmen der L&#228;nder, des Bundes entwickelt. Daran war z.B. der Deutsche K&#252;nstlerbund ma&#223;gebend beteiligt, mit seinen Ausstellungen in Berlin und D&#252;sseldorf Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre, in denen K&#252;nstlerInnen gezeigt wurden, die unter den Nazis nicht arbeiten konnten, mit all den Konsequenzen.</span></p>
<p><span>Es ist wichtig, da&#223; &#214;ffentliche Mittel dazu aufgwendet werden, die Freiheit des Geistes m&#246;glich zu machen!</span></p>
<p><span>Da Kornelim&#252;nster von K&#252;rzungen bedroht ist, ist es v&#246;llig unverst&#228;ndlich, da&#223; so ein defamierender Artikel in der NRhZ erscheint.</span></p>
<p><span>Beispielsweise der Hinweis &#252;ber die mangelnder Qualit&#228;t der Farben der Bilder von 1947 in dem uns&#228;glichen Artikel weist schon auf kolossales Nichtwissen hin &#252;ber eine Zeit, in der es &#252;berhaupt schwierig war, Malmittel zu bekommen!</span></p>
<p><span>Der Autor outet sich selber als Unwissenden. Dann soll er es doch bitte unterlassen, sich zu &#228;u&#223;ern &#252;ber Dinge, von denen er keine Ahnung hat! </span></p>
<p>Die Kunst tut tats&#228;chlich das, wozu sie imstande ist! Nur mu&#223; man es sehen, begreifen k&#246;nnen.</p></blockquote>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_336" class="footnote">Besonders, wenn man sich einige Zeit ins Kloster begeben hat <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  </li><li id="footnote_1_336" class="footnote">Die von einem Staat gef&#246;rderte Kunst ist ja gemeinhin seiner Politik ad&#228;quat.</li><li id="footnote_2_336" class="footnote">Nebenbei. Mit gro&#223;em 	Vergn&#252;gen wiedergelesen: Haefs, Gisbert: Matzbachs Nabel. 	Leider, wie ich k&#252;rzlich erfuhr, nicht mehr aufgelegt. Was 	Wunder, das Buch ist spitz und erfreulich &#228;tzend und jedem ans 	Herz gelegt!</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Sonnwend-Aussetzer</title>
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		<pubDate>Wed, 28 May 2008 13:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Samstag ist ersteinmal die letzte Vorstellung bis zum 21. Juno gelaufen (Artikel, Photos). Wohlweislich habe ich bis zur Sommersonnenwende drei W&#246;chelchen Platz gelassen und keine neuen Vorstellungen angesetzt &#8211; ich kenne mich zu gut, was Dinge wie &#8220;Urlaub&#8221; angeht, als da&#223; etwas anderes denkbar w&#228;re als eine Radikalkur, deren Ziel nicht nur die Umsetzung des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a onclick="return GB_showImage('Essigbaum mit Korb und Backsteinstapel. Norman Liebold 2008. Sepia laviert.', this.href)" href="http://lh5.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1TlntZn6I/AAAAAAAAAlA/hrR6mpX5NEA/s640/2008-05-28_essigbaum.jpg"><img class="alignleft" style="float: left; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border: 1px solid black;" src="http://lh5.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1TlntZn6I/AAAAAAAAAlA/hrR6mpX5NEA/s288/2008-05-28_essigbaum.jpg" alt="Essigbaum. Sepiatusche laviert. Norman Liebold, 2008" hspace="10" align="left" /></a>Samstag ist ersteinmal die letzte Vorstellung  bis zum 21. Juno gelaufen (<a href="http://presse.norman-liebold.de/2008/05/27/ein-antiheld-auf-den-spuren-von-sherlock-holmes/">Artikel</a>, <a href="http://auftrittsbilder.norman-liebold.de/2008/05/2008-05-24-dichterbrand-im-kulturcafe-siegburg/">Photos</a>). Wohlweislich habe ich bis zur Sommersonnenwende drei W&#246;chelchen Platz gelassen und keine neuen Vorstellungen angesetzt &#8211; ich kenne mich zu gut, was Dinge wie &#8220;Urlaub&#8221; angeht, als da&#223; etwas anderes denkbar w&#228;re als eine Radikalkur, deren Ziel nicht nur die Umsetzung des erw&#228;hnten Konzeptes &#8220;Urlaub&#8221;<sup>1</sup> f&#252;r drei Wochen ist, um eine Z&#228;sur zu setzen, sondern auch, um gewisse Umgew&#246;hnungslektionen zu festigen, die im Moment ganz gut anlaufen.<sup>2</sup> Tats&#228;chlich habe ich zwar gestern und heute am Rechner gesessen und an den Webseiten gearbeitet, aber in den vorhergehenden 10 Tagen war der Rechner weitestgehend aus, auf zwei kleineren Reisen hatte ich ihn sogar zuhause gelassen und einige sehr interessante Ph&#228;nomene beobachten k&#246;nnen. Zum Beispiel, <a href="http://photographie.norman-liebold.de/2008/05/tour-an-lahn-und-dill-braunfels-weilburg-wetzar-und-greiffenstein/">da&#223; ich zwar in Hessen die Kamera z&#252;ckte</a>, nichtsdestotrotz aber pl&#246;tzlich wieder das Verlangen sp&#252;rte, auch die <em>Zeichenfeder</em> zu z&#252;cken.<span id="more-331"></span></p>
<p><a onclick="return GB_showImage('Schuppen bei Tiefenbach. Norman Liebold 2008. Sepia laviert.', this.href)" href="http://lh5.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1XintZn9I/AAAAAAAAAlw/Ph9oLpNL2hQ/s800/PICT4773.JPG"><img class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border: 1px solid black;" src="http://lh5.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1XintZn9I/AAAAAAAAAlw/Ph9oLpNL2hQ/s288/PICT4773.JPG" alt="" hspace="10" align="left" /></a>Nicht in dem Sinne, da&#223; es es mir angelegentlich gewesen w&#228;re, irgendetwas zu produzieren, das man als &#8220;Kunst&#8221; bezeichnen k&#246;nnte. Es geht mehr um das <em>sehen</em> und die Tatsache, da&#223; nicht nur wieder der erste Impuls ist, einen Brief mit Hand zu schreiben anstatt ihn in ewiggleichen Zeichen ohne individuelle F&#228;rbung in die Tastatur zu hauen, ist dem nahestehend. So exakt eine Kamera ein Motiv auch wiederzugeben imstande ist, &#228;hnlich wie eine noch so gut gemachte Verfilmung ist die gedankliche Durcharbeitung vergleichsweise gering. Um nicht zu sagen <em>relativ inexistent</em><sup>3</sup>. Ehe die Zeichenfeder auch nur ein ansatzweise erkennbares Bild reproduzieren kann, mu&#223; ein Motiv <em>verstanden </em>worden sein &#8211; und der Proze&#223; des Verstehens ist das eigentich nutzbringende, wenn man (wieder) beginnt, im Notizbuch zu arbeiten und die entsprechenden Dinge nicht (nur) mit der Kamera festzuhalten, sondern vor allem in Skizzen.<br />
<a onclick="return GB_showImage('Wegkreuz in den Aggerauen. Norman Liebold 2008. Sepia laviert.', this.href)" href="http://lh3.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1XfHtZn7I/AAAAAAAAAlg/-yegxlKsHpY/s800/gb2008-01_63f.jpg"><img class="alignleft" style="float: left; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border: 1px solid black;" src="http://lh3.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1XfHtZn7I/AAAAAAAAAlg/-yegxlKsHpY/s288/gb2008-01_63f.jpg" alt="" hspace="10" align="left" /></a>Was die daf&#252;r notwendig aufzubringende Zeit anbelangt, so war ich ebenso angenehm &#252;berrascht wie als ich den &#8220;<a href="http://literatur.norman-liebold.de/gaeserner-sarg/">Gl&#228;sernern Sarg</a>&#8221; als erste l&#228;ngere Novelle wieder vollst&#228;ndig von Hand schrieb &#8211; eine Skizze nach der Natur ist in zehn bis zwanzig Minuten hingeworfen, und sie hat einen ganz anderen inneren Wert als eine ganze Speicherkarte voll von Photos. Insbesondere, was die Neuronen angeht, die sich w&#228;hrenddessen im Hirnkasten miteinander verbunden haben. F&#252;r die kleine literarische Skizze &#8220;Der Essigbaum im Garten des Sufi&#8221; habe ich so x Photographien vom Essigb&#228;umen gemacht. Als ich gerade mit Gay Einzahn<sup>4</sup> einen kleinen Spaziergang machte, damit er mir nicht wieder auf die Wiese schei&#223;t, entdeckte ich in einem der G&#228;rten einen herrlich verwachsenen <em>Rhus hirta</em>, zog das GeBu aus der Tasche und warf die obig zu sehende Skizze hin, w&#228;hrend der Hund sich in der Wiese vergn&#252;gte (und schi&#223;). Die Struktur des Essigbaumes, seine warzig-verknotete Rinde und die schier verr&#252;ckte Art, wie er seine &#196;ste in den Wind schiebt, ist in einer ganz anderen Qualit&#228;t <em>begriffen</em>, gleichsam, als existierte nunmehr ein st&#228;ndig beschaubares Modell von ihm im Hirnkasten.</p>
<p><a onclick="return GB_showImage('Ornament-Studie. Norman Liebold 2008. Sepia laviert.', this.href)" href="http://lh6.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1Xg3tZn8I/AAAAAAAAAlo/u6kw6Qpdlw8/s640/gb2008-01_54.jpg"><img class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; border: 1px solid black;" src="http://lh6.ggpht.com/Norman.Liebold.Graphik/SD1Xg3tZn8I/AAAAAAAAAlo/u6kw6Qpdlw8/s320/gb2008-01_54.jpg" alt="" hspace="10" align="left" /></a>Aber was soll das ganze halbphilosophische Gelaber, welches sowieso demn&#228;chst in einem Essay Ausflu&#223; finden wird, handelt es sich doch um einige grundlegende Erkenntnisse der letzte Wochen? Eigentlich wollte ich mich nur abmelden. <em>Urloup nehmen</em>, wenn man so m&#246;chte. Ich werde den Rechner bis zur Sommersonnenwende nur dann aufmachen, wenn es unumg&#228;nglich ist und auch nur das n&#246;tigste daran machen. Zugleich (denn <em>urloup</em> zu nehmen hei&#223;t ja nicht, sich auf die faule Haut zu legen) werde ich mich verschiedenen Recherchen widmen und vor allem massiv an den geplanten Novellen und Kurzgeschichten arbeiten, deren erste der &#8220;Euthanatus&#8221; ist. Geplant sind dar&#252;ber hinaus f&#252;r die n&#228;chste Zeit vor allem (die Shortstorys nicht mitgerechnet) drei Geschichten: Eine Braunfelser Kriminanovelle um Staatswillk&#252;r und zu kleine Br&#252;ste, die mit interessanten Illustrationen von Bj&#246;rn &#8220;The Hoink&#8221; Zutt Ende des Sommers erscheinen wird. &#8220;Der Stift&#8221; &#8211; eine sehr b&#246;se Geschichte um den Mi&#223;brauch vom &#8220;Kulturstiftungen&#8221; im Osten &#8211; da ich am Sonntag f&#252;r einige Zeit in die &#8220;Heimat&#8221; fahre, werde ich endlich Zeit f&#252;r die entsprechenden Recherchen vor Ort haben &#8211; der Mangel an M&#246;glichkeit hatte die seit Herbst 2006 stehende Geschichte bisher nicht zur Niederschrift reif werden lassen. Und die Geschichte der Kirche zu Mehren, wo die Recherchen zur Sommersonnenwende beginnen werden.</p>
<p>Das ist, wie ich hoffe, ein netter Ausblick. Das LieBLOG wird sich in seiner Struktur mithin etwas ver&#228;ndern, da ich ab dem Ende diesen Beitrags auch die Posts mit Hand schreiben und sp&#228;terhin einlesen werde, was, wie sich zeigt, ein anderes Umgehen mit dem Medium evoziert.</p>
<p style="text-align: right;">Nunmehr <em>urloup</em> nehmend: Norman Liebold</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_331" class="footnote">Im Sinne des mhdt, urloup, weniger im Sinne des modernen &#8220;Urlaub&#8221;.</li><li id="footnote_1_331" class="footnote">Richtig, die vielerw&#228;hnte Rechner-Entw&#246;hnung und R&#252;ckkehr zum Manuscript.</li><li id="footnote_2_331" class="footnote">am&#252;sante Wortkulmination&#8230;</li><li id="footnote_3_331" class="footnote">Richtig, der Held aus dem &#8220;Dichterbrand&#8221;, der w&#228;hrend des Urlaubs seines Herrchens bei mir eingezogen ist</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Copyrights, Geld f&#252;r &#8220;Kunst&#8221; und andere Kleinigkeiten</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jan 2008 11:31:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Ex-Compagnon Jens Finkh&#228;user, der &#252;ber f&#252;nf Jahre in unser Verlagshexenh&#228;uschen involviert war, und mit dem ich mindestens die dreimal so lange Zeit immer wieder solcherart Thematiken beleuchte, diskutiere und wiederk&#228;uend durchgehe, schrieb heute einen Beitrag &#8220;Copyright&#8221; dar&#252;ber. Statt diesen vor Ort zu kommentieren, will ich einmal das &#8220;Pingen&#8221; ausprobieren und an dieser Stelle antworten. Tats&#228;chlich sind die Umst&#228;nde, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a onclick="return GB_showImage('Nymphe. Norman Liebold, Tusche 2005', this.href)" href="http://lh3.google.de/Norman.Liebold/Ri4xE6-l7aI/AAAAAAAABgc/_8-mkjQsKm4/s720/2005_norman-liebold-frei06.jpg"><img title="Tuschezeichnung " src="http://lh3.google.de/Norman.Liebold/Ri4xE6-l7aI/AAAAAAAABgc/_8-mkjQsKm4/s400/2005_norman-liebold-frei06.jpg" alt="Tuschezeichnung " hspace="10" align="left" /></a><small>Mein Ex-Compagnon Jens Finkh&#228;user, der &#252;ber f&#252;nf Jahre in unser Verlagshexenh&#228;uschen involviert war, und mit dem ich mindestens die dreimal so lange Zeit immer wieder solcherart Thematiken beleuchte, diskutiere und wiederk&#228;uend durchgehe, schrieb heute einen Beitrag &#8220;<a title="&#214;ffne Trackback" rel="bookmark" href="http://www.unwesen.de/articles/copyright/trackback" target="_blank">Copyright</a>&#8221; dar&#252;ber. Statt diesen vor Ort zu kommentieren, will ich einmal das &#8220;Pingen&#8221; ausprobieren und an dieser Stelle antworten.</small><span id="more-255"></span></p>
<p>Tats&#228;chlich sind die Umst&#228;nde, die er beschreibt &#8211; n&#228;mlich da&#223; der &#8220;K&#252;nstler&#8221;<sup>1</sup> eher selten ausschlie&#223;lich seiner Kunst und von seiner Kunst lebt (und leben kann) &#8211; faktisch gegeben. Allein scheint mir das kaum ein Argument daf&#252;r zu sein, sich gegen das Copyright auszusprechen. Wobei das &#8220;Copyright&#8221; dabei vieldimensional zu verstehen ist, denn die meisten Copyrights kommen nicht dem K&#252;nstler zugute, sondern den Kunst-Vertreibern<sup>2</sup>. Mein Ansatzpunkt ist ein g&#228;nzlich anderer, denn ich gehe weniger von der tats&#228;chlichen Verbreitung eines Werkes aus, sondern komme vom Produzierenden her im Sinne tats&#228;chlicher Arbeit. Als Arbeit verstehe ich das kompetente Aufwenden von Zeit und Energie, um etwas zu schaffen. Ich finde es dabei &#8211; soweit es den aktuell zu beleuchtenden Umstand angeht &#8211; relativ gleichg&#252;ltig, ob der Schaffende mit einem gro&#223;en Schraubendreher einen Motor wieder zum Laufen bringt, klappernder Weise ein Programm schreibt, das auf einem Computer laufend irgendwelche Aufgaben erf&#252;llt oder ob er mit den Fingern &#252;ber eine Klaviertastatur eilend dem Ohr Vergn&#252;gen bereitet. Beziehungsweise ein paar Stunden bis zum Handkrampf eine Grafik erstellt, die, zum Beispiel, eine Webseite sch&#246;ner macht, ein Buch schm&#252;ckt, eine Veranstaltung zu bewerben hilft oder schlicht &#228;sthetisches Vergn&#252;gen beim Beschauen ausl&#246;st.<sup>3</sup> Selbiges gilt auch f&#252;r den Schriftsteller, dessen Produkt in seiner Herstellung Zeit, Kraft und K&#246;nnen erfordert und dessen Nutzen nat&#252;rlich weniger in solchen Dingen wie das handfeste Produkt eines Automobils, das man besitzt, gesucht werden kann, jedoch sehr wohl im Unterhaltungswert f&#252;r soundsoviele Stunden<sup>4</sup>.</p>
<p>Wenn also ein Mensch mit seiner Arbeitszeit und -kraft ein Werk schafft, das Nutzen hat, dann ist es nur recht und billig, wenn er daf&#252;r zumindest nicht geringer bezahlt wird als ein Callcenter-Telephonist, der Menschen mit Werbung bedr&#228;ngt, sie zugunsten von Konzernen ausfragt und ihnen auf den Keks geht. Vorausgesetzt nat&#252;rlich, da&#223;, wie bei jedem anderen erzeugten Produkt, auch der Wunsch nach dessen Konsumierung existiert.</p>
<p>Soweit, denke ich, sind <a href="http://www.unwesen.de/" target="_blank">Jens </a> und ich stets einer Meinung gewesen. Die Problematik liegt beim Copyright, das bei mir stets ein &#8220;Ja, aber&#8221; ausl&#246;st. <a href="http://www.unwesen.de/" target="_blank">Jens </a> vertritt jenes Lizenzrecht, da&#223; das Urheberrecht wahrt, aber die uneingeschr&#228;nkte Verbreitung erlaubt.<sup>5</sup> Es w&#228;re in diesem Sinne v&#246;llig in Ordnung, beispielsweise meine letzte Erscheinung, den &#8220;<a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/publikationen/der-kulturgeist">Kulturgeist</a>&#8221; einzuscannen und per PDF im Netz zu verbreiten. W&#252;rden wir in einer m&#252;ndigen Welt leben, deren Teilnehmer zum Beispiel die darin enthaltenene Novelle “<a class="liinternal" title="Der Kulturgeist (2007)" href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten/der-kulturgeist-2007/">Der Kulturgeist</a>&#8221;<sup>6</sup> lesen, sie unterhaltsam, lehrreich, witzig und &#252;berhaupt k&#246;stlich finden und dann sagen: <em>&#8216;Ich habe mich anderthalb Stunden gut unterhalten und neue Denkanst&#246;&#223;e bekommen, das ist mir einen F&#252;nfer wert, wie ich ihn schlie&#223;lich auch an der Kinokasse oder in der Videothek ungefragt entrichtet h&#228;tte. Und hier kommt es sogar dem K&#252;nstler daselbst zugute, nicht irgendwelchen Medien-Konzernen.&#8217; </em>Dann s&#228;he ich darin nicht das geringste Problem, ja mehr noch, ich w&#252;rde daf&#252;r pl&#228;dieren, jegliches Kulturgut v&#246;llig frei zug&#228;nglich zu machen.</p>
<p>Aber dem ist nicht so. K&#252;nstler arbeiten n&#228;mlich nicht. Sie machen so Kram, halt. Das ist doch kein richtiges Arbeiten, die haben nur Spa&#223;! Mach doch mal was Richtiges! Kann man <em>davon</em> leben? Nat&#252;rlich werden solche Fragen nur den K&#252;nstlern gestellt, die sich nicht in der Gr&#246;&#223;enordnung Rowling, Brown, Grass bewegen, die n&#228;mlich sind ungefragt gerechtfertigt, und man zahlt gerne seine 24 Euro, um den letzten Potter per Eulenpost um Mitternacht zu bekommen.<sup>7</sup> Wir leben in einer Gesellschaft, die alles umsonst haben will, die stolz drauf ist, jemanden geprellt zu haben und &#8220;Geiz ist geil&#8221; auf ihre Fahnen schreibt. Die mit &#8220;Wenig bezahlen,viel bekommen&#8221; wirbt und st&#228;ndigen &#8220;gratis&#8221;-Angeboten. Eine Welt, die in Billiglohnl&#228;ndern produzieren l&#228;&#223;t, aber in den Industriestaaten horrende Preise f&#252;r den Nike-Bogen verlangen will. Die bei Amazon bestellt, ohne &#252;ber die unz&#228;hligen Buchhandlungen nachzudenken, die zugemacht werden, weil Amazon mit seinen robotersummenden vollautomatischen und computerabgewickelten Bestell- und Versandtmaschinerien<sup>8</sup> einfach einen Ticken <em>billiger</em> ist und <em>bequemer.</em><sup>9</sup> Eine Gesellschaft, die stolz miserabel abgefilmte Raubkopien auf dem Rechner anguckt, weil sie meint, besonders schlau gewesen zu sein. Angemessenheit ist hier nicht in Anschlag zu bringen. Es werden die Photographien von Fotocommunities ohne Gewissensbisse f&#252;r eigene Zwecke benutzt ohne auf den Photographen aufmerksam zu machen. Jeder will, kurzum, &#252;bereichlich bezahlt werden, sieht aber nicht ein, auch andere entsprechend ihren Leistungen zu belohnen.</p>
<p>DAS ist der Punkt, an dem Copyright eine notwendige Sache wird. Wenn ich ein paar Stunden lang eine <a href="http://www.norman-liebold.de/galerien/graphiken">Zeichnung </a>gemacht habe<sup>10</sup>, dann freue ich mich &#252;ber jeden, der sie anschaut, nat&#252;rlich.<sup>11</sup> Aber in dem Moment, wo jemand meint, meine Arbeit nehmen zu k&#246;nnen und sie entweder an jemand anderes weiterzuverkaufen, ohne mich zu fragen oder sie ungefragt als seine eigene Leistung auszugeben und die Anerkennung daf&#252;r einzufordern, h&#246;rt der Spa&#223; auf. Noch heikler ist es mit Texten, die zu einem Gro&#223;teil gerade durch ihre Einf&#228;lle und Ideen besonders werden, besonders leicht kopiert werden k&#246;nnen und ein Plagiat weit weniger schnell auff&#228;llt als bei einem mit einem Blick erfa&#223;baren Bilddokument oder einem wenige Minuten langen Lied. Ohne die Gesetzte des Copyrights h&#228;tte ich in einer solchen Welt weder die M&#246;glichkeit, einen angemessenen Lohn f&#252;r meine investierte Arbeitskraft einzufordern (was nuneinmal nicht anders geht als durch den Verkauf von B&#252;chern, welche nicht mehr m&#246;glich w&#228;re, wenn jeder Verlag und jeder Privatmann ungefragt selber meine Geschichten drucken und auf seinen Gewinn hin verkaufen k&#246;nnte, ohne mich zu fragen) noch mich davor zu sch&#252;tzen, da&#223; irgendjemand meine durch pers&#246;nliche Lebenserfahrung, Studium der Literatur und Erfahrung im Geschichtenspinnen entwickelte Idee nimmt und leicht umformuliert aufgrund besserer Beziehungen als seine eigene verkauft, um daraus Profit zu schlagen, w&#228;hrend ich vielleicht in meinem Wohnwagen &#252;berlege, ob ich diesen Monat eine Gasflasche mehr kaufe, um auch die gro&#223;en R&#228;ume, nicht nur die Wohnstube zu heizen&#8230;<sup>12</sup></p>
<p>Bei einer <em>m&#252;ndigen</em> Gesellschaft mit einem vern&#252;nftigen Miteinander und dem Ideal gerechter Angemessenheit w&#252;rde ich aber Jens&#8217; Argumentation zustimmen. Denn wir wissen schlie&#223;lich, da&#223; das Copyright letzthin eher den Verlagsinhabern, Produzenten und Aktion&#228;ren zugute kommt und oft genug eine Einschr&#228;nkung der Kultur bedeutet, weniger Bereicherung. Aber man denke einmal, man w&#252;rde sagen: Wer so dumm ist, mit Leidenschaft zu arbeiten und deswegen <em>auch Einsch&#228;nkungen in der Lebensqualit&#228;t hinzunehmen</em>, warum sollte man den bezahlen, wenn er es auch umsonst tut? Wobei das gerade aktuell in der Verlagslandschaft sehr viel Raum greift &#8211; dr&#228;ngen sich doch gen&#252;gend M&#246;chtegernis &#228;hnlich ehrlos mit &#8220;Ich will auch nichts daf&#252;r, nur druckt mich!&#8221; nach vorn, wie diejenigen Leute, die Lohndumping in anderen Bereichen betreiben. Daher: Mindestlohn und Copyrights!</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_255" class="footnote">Ich benutze an dieser Stelle und folgend der Einfachheit halber diesen Begriff, obgleich mein Verst&#228;ndnis davon stark abweicht, doch dazu sp&#228;ter.</li><li id="footnote_1_255" class="footnote">Auch wortw&#246;rtlich zu verstehen <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </li><li id="footnote_2_255" class="footnote">An dieser Stelle w&#228;re ein Exkurs &#252;ber Kants Forderung nach zweckfreier Kunst notwendig, allein gehe ich hier absolut nicht mit Kant und halte &#8220;zweckfreie&#8221; Kunst zugleich f&#252;r &#8220;sinnlose&#8221; Kunst und rein &#228;sthetisches Betrachten f&#252;r eine ziemlich unterk&#252;hlte Angelegenheit.</li><li id="footnote_3_255" class="footnote">Den Wert des Innernen Wachstums, den gute Literatur durchaus zu leisten imstande ist, klammere ich, da nicht wirklich me&#223;bar, hier aus.</li><li id="footnote_4_255" class="footnote">Was man leicht sagen kann, wenn man in der &#8220;normalen Wirtschaft&#8221; einen Job sein eigen nennt, der zumindest in weiten Bereichen das ist, was man tun will und am besten kann - diese beiden Dinge gehen doch zumeist Hand in Hand. Sofern man ungl&#252;cklicherweise dies im Geisteswissenschaftlichen, K&#252;nstlerischen, Schriftstellerischen zu finden den Fluch hat, sieht das anders aus&#8230;</li><li id="footnote_5_255" class="footnote">Ich erw&#228;hne sie, weil genau dies in ihr thematisiert wird. Wer sie kennen lernen m&#246;chte, mag entweder &#8220;<a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/publikationen/der-kulturgeist">Kulturgeist</a>&#8221; kaufen oder sich <em>UMSONST</em> den Live-Mitschnitt von der Lesung anschauen. <a href="http://www.cafe-podcast.de/video.php?v=7bc8a613da884c3890e6a37a5c14f34f" target="_blank">Zum Video</a>.</li><li id="footnote_6_255" class="footnote">Ich nat&#252;rlich auch, versteht sich <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':-D' class='wp-smiley' /> </li><li id="footnote_7_255" class="footnote">hinzugenommen die unglaublich dreisten Konditionen f&#252;r Verlage &#8211; schlappe 53% auf den Verkaufspreis!</li><li id="footnote_8_255" class="footnote">Falls sich jemand gewundert haben mag, warum meine B&#252;cher zwar bei Amazon gelistet, jedoch nicht angeboten werden: Ich verweigere mich diesem Anbieter. Aus verschiedenen Gr&#252;nden. Wer das Internet zur Bestellung meiner B&#252;cher nutzen will, mache dies <a href="http://www.norman-liebold.de/bestellformular-amator-veritas-verlag-online-buchshop/">hier bei mir</a> oder nutze so ein liebenswertes Portal wie <a href="http://www.buchhandel.de" target="_blank">www.buchhandel.de</a>, das ich in vollstem Umfange loben m&#246;chte.</li><li id="footnote_9_255" class="footnote">Die Ideenfindung, Vorarbeit und die &#220;bung nicht eingerechnet</li><li id="footnote_10_255" class="footnote">Was ich auch erlaube, sie sind auf der <a href="http://www.norman-liebold.de/galerien/graphiken">Gaphik-Galerien-Seite</a> ziemlich vollst&#228;ndig einzusehen. Allerdings mit Copyright-Vermerk <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> .</li><li id="footnote_11_255" class="footnote">Nur ein Beispiel, ganz aktuell. Ich schuf nach meinem Abschlu&#223; als Magister Artium Medi&#228;vistik, Literaturwissenschaften, Germanistik, Linguistik, Philosophie und Deutsche Sprache Februar 2007 gerade einmal drei mittellange Novellen und befinde mich jetzt im Endstadium eines Romans. Zusammen mit Recherchen und logistischen Arbeiten habe ich wohl im Durchschnitt einen 13-Stunden-Tag. Nat&#252;rlich geht eine gewisse Freiheit in der Ortswahl und der effektiven Zeiteinteilung damit einher, aber mit welchem Recht sollte man fordern, dies umsonst machen zu wollen, wenn bei gleichem Zeitaufwand ein Programmierer, der keine Kulturleistung, sondern ein Programm zur noch intensiveren Berieselung des Massen mit Internet-Fernsehen schreibt ein Jahresgehalt von sagen wir mal 40.000 bekommt? Ist seine Leistung weniger wert, nur weil er mit Herzblut dran h&#228;ngt und sie auch macht, wenn das ein Jahresgehalt von unter 8.000 bedeutet?</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Menschen-Kathegorien</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 21:32:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich geh&#246;re in der Tat zu der Art von Menschen, die mit der seltsamen Annahme durch die Welt schleichen, da&#223; es soetwas wie einen Zaunpfahl-Gott gibt. Ich m&#246;chte mich nicht dar&#252;ber auslassen, welche Gestalt er haben mag, ob Ziegenbock oder wei&#223;b&#228;rtiger Weihnachtsmann, ob geh&#246;rnter Dyonisos oder hellgeistiger Apollon, ob tentakelschleimendes Urzeitmonster oder verspieltes Kind. Mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-12-08_strom.jpg" title="stromleitungen beim aktuellen scheisswetter. photo: norman liebold" alt="stromleitungen beim aktuellen scheisswetter. photo: norman liebold" align="left" border="2" height="480" hspace="10" width="480" />Ich geh&#246;re in der Tat zu der Art von Menschen, die mit der seltsamen Annahme durch die Welt schleichen, da&#223; es soetwas wie einen Zaunpfahl-Gott gibt. Ich m&#246;chte mich nicht dar&#252;ber auslassen, welche Gestalt er haben mag, ob Ziegenbock oder wei&#223;b&#228;rtiger Weihnachtsmann, ob geh&#246;rnter Dyonisos oder hellgeistiger Apollon, ob tentakelschleimendes Urzeitmonster oder verspieltes Kind. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist es auch schlichtweg eine Sinn-Projektion, wenn wir etwas erleben, an dessen gewisserma&#223;en beispielhaftem Exempel wir eine Verdeutlichung erfahren.  In dem Sinne n&#228;mlich, da&#223; der Phantasiebegabte dann einen Hintergrund voller Sinnhaftigkeit erschafft, der uns als schicksalshaft, gewollt und absichtlich gezeigt erscheinen l&#228;&#223;t, was entweder dummer Zufall oder unterbewu&#223;te Verkn&#252;pfung in uns selbst ist.</p>
<p>Wie Stromausf&#228;lle.</p>
<p><span id="more-242"></span></p>
<p>Ich habe ja eine Art&#8230; Eigenheim. Mit Grundst&#252;ck und so. Und Stromleitungen und Wasserzu- und ableitungen darauf, bzw. darinnen. Immer mal wieder in unregelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden von einigen Monaten kommt es zu Kurzschl&#252;ssen. Will hei&#223;en, der <em>Fehlerstromschutzschalter</em> springt heraus. Das kann der ber&#252;chtigte <em>Kriechstrom</em><sup>1</sup> sein, aber eben auch der noch b&#246;sartigere Kurze. Diese Sache ist an und f&#252;r sich gar nicht einmal so wichtig. Aber sie verdeutlichte ein Ph&#228;nomen, &#252;ber das ich zuzeiten immer wieder stolpere.</p>
<p>Man untersucht jede einzelne seiner Leitungen &#8211; wie jedes Mal, wenn das geschieht, also alle halbe Jahre etwa ein mal &#8211;  und geht <em>nat&#252;rlich</em> davon aus, da&#223; der Fehler auf den eigenen Grundst&#252;ck liegen mu&#223;.<sup>2</sup> Man st&#246;pselt jedes einzelne Ger&#228;t aus, St&#252;ck um St&#252;ck, robbt mit dem Phasenpr&#252;fer umher, &#252;berlegt, ob der Untermieter Mr Marder oder die Familie <em>Mus Musculus</em> den Vertrag gebrochen und doch an den Kabeln genagt haben. Aber auf eine Sache kommt man erst, wenn man zwei oder drei Stunden damit zugebracht hat, jeden auch nur ansatzweise denkbaren Fehler bei sich selbst zu suchen und mehrfach auszuschlie&#223;en. Um selbst dann noch zu vermuten, da&#223; man ihn bei sich &#252;bersehen hat.</p>
<p>Nach diesen drei Stunden also wird man dann <em>brutal</em>. Man kappt die Stromverbindungen der anderen vier Teilnehmer, die am Knotenpunkt der Energieverteilung  sitzen.<sup>3</sup> Und siehe da: Der <em>Fehlerstromschutzschalter</em> bleibt drinnen, man ist gerechtfertigt, man darf sich<sup>4</sup> beruhigt zur&#252;cklehnen und um einmal mehr sich bewu&#223;t werden, da&#223;&#8230; ja, was? Das ber&#252;hrt ungemein viele Lebensbereich, so ungeheuer viele&#8230; wahrlich, da f&#228;llt nicht nur der Groschen, sondern springt geradeu der Funken &#252;ber.</p>
<p>Ach ja, <em>nat&#252;rlich  </em>geht es hier um <em>Pusteblumen!</em><sup>5</sup> Vor alle geht es aber wiedermal um Menschen-Kathegorien. Ihr wi&#223;t schon: &#8220;Es gibt zwei Arten von Menschen, die einen&#8230;&#8221; Was mich der Stromausfall lehrte, ist umfassender Art und bringt vor allem seine Meta-Ebene gleich mit. Will hei&#223;en: Ich habe mir gestern abend einen <em>Fehlerstromschutzschalter</em> eingebaut, &#252;bertragener Weise. Ins Gewissen. Gegen <em>Kriechstr&#246;me</em>. Hossa! Und er funktioniert!</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_242" class="footnote">Ein gar schr&#246;ckliches unget&#252;m</li><li id="footnote_1_242" class="footnote">Bei einem selbst, um die metaphorische Ebene direkt und v&#246;llig unsubtil auszuzeichnen.</li><li id="footnote_2_242" class="footnote">Und welche nat&#252;rlich, wie k&#246;nnte es anders sein, den Fehler stets beim Nachbarn vermuten, ja nicht anders k&#246;nnen, als diesen direkt zu unterstellen im so gern gebrauchten Tone des Vorwurfs. &#8211; Das gilt jetzt <em>nicht</em> f&#252;r den <em>Fehlerstromschutzschalter</em>, sondern f&#252;r Zwischenmenschliches. Das ganze ist ja eine symbolistisch-metaphorische Allegorie, das ist sie! Meine Nachbarn sind sehr lieb und nicht da.</li><li id="footnote_3_242" class="footnote">nach drei Jahren wiederholtem Fehlersuchen&#8230;</li><li id="footnote_4_242" class="footnote">Das Ph&#228;nomen der <em>Pusteblumen </em>besch&#228;ftigte mich seit <a href="http://www.norman-liebold.de/2006/09/">September</a>/<a href="http://www.norman-liebold.de/2006/10/">Oktober </a>2006&#8230;</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Das Manuscript &#124; Worte wider den Computer</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jun 2007 21:05:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Jens und ich stellten in einem Gespr&#228;ch letztens fest, da&#223; er effektiv etwas &#196;hnliches Papier gegen&#252;ber erlebt wie ich dem Rechnerbildschirm gegen&#252;ber: Er empfindet Papier als aufdringlich fordernd, als danach hechelnd, gef&#252;llt zu werden &#8211; eine Sache, die ein unangenehm nerv&#246;ses Gef&#252;hl erzeugt. Nun arbeitet Jens als Programmierer nat&#252;rlich st&#228;ndig am Computer, w&#228;hrend der Geschichtenspinner, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.unwesen.de" target="_blank">Jens</a> und ich stellten in einem Gespr&#228;ch letztens fest, da&#223; er effektiv etwas &#196;hnliches Papier gegen&#252;ber erlebt wie ich dem Rechnerbildschirm gegen&#252;ber: Er empfindet Papier als aufdringlich fordernd, als danach hechelnd, gef&#252;llt zu werden &#8211; eine Sache, die ein unangenehm nerv&#246;ses Gef&#252;hl erzeugt.  Nun arbeitet Jens als Programmierer nat&#252;rlich st&#228;ndig am Computer, w&#228;hrend der Geschichtenspinner, wenn er seinen Texte nicht gerade editiert, im Idealfall unterwegs ist, recherchiert oder seinen Gedanken spazierend auf die Beine hilft oder den Blick mit phantasievoller Leere &#252;ber seinen Steinbruchseewasserspiegel wandern l&#228;&#223;t. Eine Sache, die ein Jackettaschengro&#223;es Notizbuch gerne mitmacht, ein Laptop aber weniger, und h&#228;tte er noch so lange Akkulaufzeit.<sup>1</sup><span id="more-183"></span></p>
<p>Abgesehen davon kann der Stift auf dem Papier alles m&#246;gliche und neben und &#252;bereinander, vom Kritzeln &#252;ber Wortfetzen und abgezeichneten Hausfassaden bis hin zu notierten Telephonnummern sch&#246;ner Frauen. Vielleicht liegt hierin das Geheimnis<sup>2</sup> &#8211; es ist eine Art der Gewohnheit. Wenn man die Story erst dann niederschreibt, wenn sie fertig ist, und ansonsten wilde Notizen, Recherchenkritzeleien, Charakterskizzen<sup>3</sup> und Formulierungsfetzen um sich herum verstreut, dann will das am Rechner schlichtweg nicht recht funktionieren. Ins Reine schreiben, das ist etwas anderes. Aber ohne genauen Plan am Rechner bietet derselbe genausoviele T&#252;cken wie eine ungeheure Bibliothek, wenn man ohne genauere Vorstellungen etwas Spezielles zum Lesen sucht.</p>
<p>Das wei&#223; ich seit Jahren. Die links sichtbaren Manuscriptb&#252;cher, die ich mir vor 10 Tagen herstellte, sind Zeichen und Zeugen daf&#252;r, da&#223; mir das klar nicht nur wieder klargeworden ist, sondern da&#223; ich die in den Jahren des Editierens<sup>4</sup> und in der Zeit der Magisterarbeit und der Pr&#252;fungsvorbereitungen<sup>5</sup> nur zu stark eingedrungenen Gewohnheiten zugunsten altbew&#228;hrter Methoden zerbrechen bzw. desensibilisieren will. Es erf&#252;llt mich, wie ich ehrlich gestehen mu&#223;, ein gewisser Gram ob der seltsamen Wahnsinnigkeit, mit der ich zwar nicht &#252;berfl&#252;ssige, so doch aber  auch nicht wirklich notwendige Arbeiten an der Webseite und an den <a href="file:///D:/nahtegal.de/projekte/index.html" target="_blank">Projekt-Info-Seiten</a> verfolge &#8211; denn es zeitigt dies gewisse Formen, die man nahezu als Suchtsymptome bezeichnen k&#246;nnte.</p>
<p>Ich mu&#223; wohl einen harten Kurs wider mich selber fahren und das, was intellektuell gewu&#223;t, herzm&#228;&#223;ig begriffen und innerlich schon angedaut ist, entsprechend in die Wege leiten.</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_183" class="footnote">Da ist auch die &#8211; im Vergleich zum Westentaschennotizbuch nicht unterschlagbare &#8211; Unhandlichkeit, und nicht zuletzt, da&#223;, kommt der Gedanke, ein Notizbuch aufzuschlagen wesentlich schneller geht, als das Notebook aus der Tasche zu ziehen und es hochzufahren.</li><li id="footnote_1_183" class="footnote">Im Kritzeln, nicht in den sch&#246;nen Frauen. Zumindest in diesem Kontext.</li><li id="footnote_2_183" class="footnote">Manchmal in der Tat als Skizze, zuweilen als Radix-Horoskop&#8230;</li><li id="footnote_3_183" class="footnote">2002-2005</li><li id="footnote_4_183" class="footnote">2005-2007</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Augen&#246;ffnender Stromausfall</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2007 20:51:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgend ein Gartenzwerg hier hinter den Sieben Bergen (rheinseitig gesehen) hat wohl beim Erstellen irgendeines An- oder Verbaus einen Nagel zu weit in den Arsch Mutter Gayas getrieben. Jedenfalls scheint es, wenn sie feucht wird, die Mutter Gaya, einen Kurzen zu geben, was ohne Vorwarnung seit gestern abend mehr oder minder lange Momente ohne Strom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgend ein Gartenzwerg hier hinter den Sieben Bergen (rheinseitig gesehen) hat wohl beim Erstellen irgendeines An- oder Verbaus einen Nagel zu weit in den Arsch Mutter Gayas getrieben. Jedenfalls scheint es, wenn sie feucht wird, die Mutter Gaya, einen Kurzen zu geben, was ohne Vorwarnung seit gestern abend mehr oder minder lange Momente ohne Strom evoziert.<span id="more-175"></span><br />
Das scheint mir in der Tat eine Art Wink mit dem Zaunpfahl zu sein.<br />
Nicht nur, da&#223; ich auf das ungemein wichtige Ph&#228;nomen der <strong>Magischen Zeitl&#228;ufte</strong><a href="foot#1"><sup>1</sup></a> wieder aufmerksam gemacht werde, bezeihungsweise auf das, was ihren Lauf beeintr&#228;chtigt, sondern &#8211; damit sehr wohl in Verbindung &#8211; vor allem auch auf das, was mich vorgestern hat meine <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/06/10/Neue_Arbeitsb%C3%BCcher/">neue Arbeitsb&#252;cher</a> bauen lassen. Die scheinbare Abh&#228;ngigkeit vom Rechner.</p>
<p>Es ist, glaube ich, eine ganz &#228;hnliche Wahnvorstellung wie die der <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/06/13/Wider_den_Wahn_der_Erreichbarkeit__1/">Erreichbarkeit</a>, und interessanterweise hat es einen ganz &#228;hnlichen Beigeschmack, der nur allzusehr nach dem Gestank schmeckt, den die Zigarren der Grauen Herren<a href="#foot2"><sup>2</sup></a>. Denn irgendwo entsteht der Wahn der <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/06/13/Wider_den_Wahn_der_Erreichbarkeit__1/">Erreichbarkeit</a> letztlich aus einem seltsamen Gef&#252;hl der <em>Eile</em> heraus. Erreichbar im eigentlichen Sinne ist man ja auch per Post. Nur da&#223; dies (heute) eben ein paar Tage dauert. Letztlich geht es um Zeit. Um blo&#223; nichts Verpassen. Um effizent sein, flexibel und dynamisch &#8211; und wie all diese brechreizerregenden Erfindungen hei&#223;en<a href="#foot3"><sup>3</sup></a>, im Beruf wie im Privaten.</p>
<p>Ganz &#228;hnlich ist es auch mit der Kunstproduktion, und was mich gerade ungemein interessiert, der Literarischen. Scheinbar ist es so, da&#223; eine Geschichte &#8211; namentlich ein l&#228;ngeres Prosast&#252;ck &#8211; „schneller“ und „effizienter“ direkt am Rechner entsteht. In der Endphase, nat&#252;rlich, wird ein Text am Rechner bearbeitet. Die Zeiten von Bleisatz sind vorbei<a href="#foot4"><sup>4</sup></a>. Aber das ist eine Illusion. Mir ist bei der Arbeit an <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten/carpe-noctem-2007/">Carpe Noctem</a> und <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten/venusberg-2007/">Venusberg</a> aufgefallen, da&#223; das Hineinfallen in die Story ein anderes ist, und man allzuleicht abgelenkt wird (oder etwas findet, um sich abzulenken). Einige meiner besten Texte<a href="#foot5"><sup>5</sup></a> entstanden <em>in manuscriptam</em>, und vor 1998 war an ein andersartiges Arbeiten gar nicht zu denken. Das interessante dabei ist, da&#223; sich aus irgendeinem Grund eine seltsame Abh&#228;ngigkeit vom Rechner entwickeln kann, die nachgerade l&#228;hmend ist und &#228;hnliche Ph&#228;nomene zeigt wie so viele unserer so ungemein fortschrittlichen Ger&#228;te. Mit all den Waschmaschienen, Mixern, Schneideger&#228;ten, Mulinexen, K&#252;hlschr&#228;nken und automatisierten Automaten, die uns ach so viel Zeitersparnis schenken, m&#252;&#223;ten wir doch in Zeit nur so ersticken. Tats&#228;chlich ist aber das Gegenteil der Fall. Nicht anders als die Opfer der Grauen Herren hetzen wir uns selber, und das so sehr, da&#223; uns zum Leben stellenweise irgendwie die Zeit fehlt.</p>
<p>Ich halte mich in diesem Bezug f&#252;r ziemlich harmlos, nicht umsonst sehen meine Freunde in mir einen liebevoll so bezeichneten „Cyberspîlman“, der sich bewu&#223;t gegen eine Vielzahl von &#220;berfl&#252;ssigkeiten stellt. Allein der Stromausfall, der den Rechner lahmlegte und durchaus auch die Lichtverh&#228;ltnisse auf prae-elektrische Verh&#228;ltnisse zur&#252;ckkatapultierte, f&#252;hrte Langgewu&#223;tes noch einmal deutlich vor Augen. Ich f&#252;hlte mich an verschiedene Situationen erinnert, in denen das mit unverminderter Deutlichkeit hervorbrach: Zum Beispiel, als ich ein paar Tage in Schulpforta in der Einsiedlerh&#246;hle „wohnte“ und &#8211; da die Person, die ich da besuchte, an die Schlie&#223;zeiten der Internate gebunden war &#8211; die Abende mir geh&#246;rten und ein gewisser Teil des Tages. Es k&#246;nnen h&#246;chstens vier Tage gewesen sein, aber ich schrieb in dieser Zeit die komplette <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten-hintergrunde/der-minnesanger-komplex-hintergrund/hintergrund-die-prophezeihung-2000/">Prophezeiung</a>, am Feuer oder irgendwo an der Saale sitzend, auf Papier. Bei einem Blick auf die Uhr, so kann ich mich erinnern, war ich schon fast schockiert ob der geringen Zeit, die verstrichen ist. Aber letztlich mi&#223;t man die Zeit nicht am mechanischen Vorr&#252;cken eines Sekundenzeigers, sondern daran, was geschehen ist, was man &#228;u&#223;erlich und innerlich erlebt hat oder was man geschaffen hat.<a href="#foot6"><sup>6</sup></a> Mittlerweile stellt sich bei mir langsam die &#220;berzeugung ein, da&#223; diverseste moderne Utensilien zwar vorgeblich Zeitersparnis und Mehrerleben zu bringen versprechen, tats&#228;chlich jedoch das technisierte Ad&#228;quat grauer Herren sind.</p>
<p>Das ist mir schon l&#228;nger klar, aber ich bin dem Gartenzwerg dankbar, der den Nagel in Mutter Gayas Arsch rammte, da&#223; er es ausgerechnet jetzt tat.<a href="foot7"><sup>7</sup></a> Das ist ein Augen&#246;ffner. Man glaubt gar nicht, wie urpl&#246;tzlich die scheinbar geflohene Zeit zur&#252;ckschwappt, sobald die Zeitfresser keinen Strom mehr haben!</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br />
<a title="foot1" name="foot1"></a><sup>1</sup> Es handelt sich um die Unendlichkeit des Zeitlaufs, oder, wenn man so m&#246;chte, um die Wiederentdeckung der Langsamkeit, die viel schneller ist, als man denken mag.<br />
<a title="foot2" name="foot2"></a><sup>2</sup> Die aus Endes „Momo“, versteht sich!<br />
<a title="foot3" name="foot3"></a><sup>3</sup> Deren Besterbrochenes wohl „Zeitarbeit“ genannt werden darf. Fr&#252;her nannte man das <em>Tagel&#246;hner</em>.<br />
<a title="foot4" name="foot4"></a><sup>4</sup> Ein ewiges Symbol daf&#252;r ist in meinen Augen die Sch&#246;nheit der B&#252;cher. Es ist doch ungemein auff&#228;llig, da&#223; heute, wo die aufwendige Gestaltung eines Buches im Vergleich mit dem, sagen wir Jugendstil, gewisserma&#223;en kaum der Rede wert ist (den Drucker interessiert es wenig, wieviele Grafiken und Gestaltungselemente in einem Buch enthalten ist) zugleich die Qualit&#228;t der B&#252;cher einen Tiefststand erreicht hat. Nicht nur, da&#223; die Leimbindungen zuweilen bei der ersten Lekt&#252;re auseinanderfallen, ich meine in der Hauptsache die M&#252;he, die man sich mit der Gestaltung gegeben hat.<br />
<a title="foot5" name="foot5"></a><sup>5</sup> Der letzte ist <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten-hintergrunde/marenborn-hintergrunde/hintergrund-der-geheime-garten-2002/">Der Geheime Garten</a> von 2002. 2002 begann ich auch mit dem fast wahnhaften Editieren aller brauchbaren Texte, was bis 2004 dauerte.<br />
<a title="foot6" name="foot6"></a><sup>6</sup> Letzteres ist Quantit&#228;t hoch Dichte.<br />
<a title="foot6" name="foot6"></a><sup>7</sup> Es ist ja kein Zufall, da&#223; ich die <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/06/10/neue-arbeitsbucher/">neuen Arbeitsb&#252;cher</a> gebaut habe&#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Wider den Wahn der Erreichbarkeit</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2007 20:50:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kann mich gut einer Zeit erinnern, in der ich mit meinen Freunden, so sie weit entfernt lebten brieflich verkehrte. Das lief in etwa so ab: Ich schrieb einen Brief, zumeist ein Dutzend Seiten oder l&#228;nger fassend. Daf&#252;r nahm ich mir an einem Abend ein paar St&#252;ndchen Zeit, machte mir einen Tee, stopfte mir ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-06-06_handygruft.jpg" border="2" alt="" hspace="10" align="left" /><br />
Ich kann mich gut einer Zeit erinnern, in der ich mit meinen Freunden, so sie weit entfernt lebten <em>brieflich</em> verkehrte. Das lief in etwa so ab: Ich schrieb einen Brief, zumeist ein Dutzend Seiten oder l&#228;nger fassend. Daf&#252;r nahm ich mir an einem Abend ein paar St&#252;ndchen Zeit, machte mir einen Tee, stopfte mir ein Pfeifchen, das ich damals noch rauchte. Oder trank ein Gl&#228;schen Rotwein. Ich kann mich an eine sehr entspannte Atmosph&#228;re erinnern dabei, ja, ich machte es ausgesprochen gerne. Es blieb zumeist nicht beim einfachen F&#252;llen des Papiers mit Buchstaben und Worten, ich verzierte den Brief mit der einen oder anderen Zeichnung, und der Umschlag desselben verstand ich geradezu als Herausforderung, was die Bemalung und Verzierung anging.<span id="more-174"></span><br />
Gemeinhin, wenn ich mich recht erinnere, nach zwei, drei Stunden war der Brief fertig, und man nahm ihn am Morgen mit, um ihn in einen dieser gelben Briefk&#228;sten zu werfen, woraufhin er seine Reise antrat.<br />
Irgendwann, je nach Briefpartner zwischen vier Tagen und zwei Wochen, kam eine Antwort ins Haus geflattert. Und es war jedes Mal eine immense Freude, den zumeist umf&#228;nglichen Brief in H&#228;nden zu halten, in einer geruhsamen Stunde zu &#246;ffnen und zu lesen. Oft nahm man sich daf&#252;r an einem Abend die Zeit und zumindest ich hatte es mir angew&#246;hnt, direkt nach dem Lesen den Antwortbrief zu schreiben. Eine Angewohnheit, die mir noch heute eignet.</p>
<p>Ich wei&#223; nicht, wann ich den letzten Brief mit der Hand geschrieben habe. Ich meine, einen <em>richtigen</em> Brief. Keine vier Begleitzeilen zu einem per Post geschickten Geburtstagsgeschenk.</p>
<p>Zu der Zeit, von der ich schrieb &#8211; Ende der Neunziger &#8211; hatte ich gerade meinen allerersten Computer gekauft<a href="#foot1"><sup>1</sup></a> und hatte meine erste Internetverbindung bei der Telecom<a href="#foot2"><sup>2</sup></a>. Damals hatten nicht eben viele eine Internetverbindung, besonders in meinem Alter und in der Zivildienstzeit, und eMails wurden in der Tat ganz &#228;hnlich gehandhabt wie Briefe, sofern man denn &#252;berhaupt per eMail schreiben konnte. Ganz &#228;hnlich war das mit Mobiltelephonen. mSternchen, meine Generation, war nicht nur Erbe meines alten Analogmodems, sondern auch meines alten Mobiltelephons. Bis vor zwei Jahren war es f&#252;r ihn noch ganz selbstverst&#228;ndlich, was auch f&#252;r mich und den Rest der Menschheit vor ein paar Jahren mehr selbstverst&#228;ndlich war: Wenn man nicht zuhause ist, ist man halt nicht zuhause. Dann ruft man halt nocheinmal an oder hinterl&#228;&#223;t eine Nachricht, und Briefe bleiben eben im Psotkasten liegen. Was sind schon ein paar Tage mehr oder weniger?</p>
<p>Das hat sich nat&#252;rlich gewandelt, zumindest, was die <em>technische</em> Seite anbelangt. Wir sind nicht nur potentiell immer und &#252;berall erreichbar<a href="#foot3"><sup>3</sup></a>, sondern, das ist das, worum es mir geht: Wir glauben zunehmend, es sein zu <em>m&#252;ssen</em>. Erinnern sie sich oder stellen Sie sich die Welt von vor, sagen wir, mh, 15 (!) Jahren vor. Und eine Verabredung damals.<a href="#foot3.1"><sup>3.1</sup></a></p>
<p>Zumindest ich stellte vor Kurzem mit einem regelrecht be&#228;ngstigenden Gef&#252;hl fest, wie sehr diese seltsamen <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/06/02/uber-die-moralische-notwendigkeit-der-egozentrizitat/">Pflicht-Wahnvorstellungen</a> sich auch in diesem Kontext einschleichen k&#246;nnen. Ich mu&#223; gestehen, da&#223; ich Menschen wie mSternchen beneidete, die ohne innere Widrigkeiten ihr Handy einfach nur dann einzuschalten geruhen, wenn sie damit telephonieren oder erreichbar sein wollen. Oder die dann online gehen, wenn sie etwas im Netz zu erledigen haben.<br />
Das Grundpoblem d&#252;rfte in der tat sein, da&#223; das Pflichtgef&#252;hl in irgendeiner verqueren Denke fordert, da&#223;, was m&#246;glich ist, auch zu sein hat. Vielleicht ist es ebendieses Pflichtgef&#252;hl, da&#223; fr&#252;her uns gen&#252;&#223;lich hat einen papiernen Brief lesen und gem&#252;tlich direkt nach der Lekt&#252;re beantworten lassen. Dasselbige wird n&#228;mlich recht problematisch, wenn man sich zwei Menschen dieser Artung vorstellte, die per Mail kommunizieren. Die Frequenz der hin und wider gehenden Briefe w&#252;rde von zwei Wochen auf mehrfach am Tag, je nach Umfang der Briefe steigen. Was schon bei zweien dazu f&#252;hrt, da&#223; kaum mehr etwas anderes m&#246;glich wird, von regem Briefverkehr mit ein, zwei Dutzend Menschen mal ganz zu schweigen.<br />
Wenngleich diese Vorstellung nat&#252;rlich g&#228;nzlich &#252;bertrieben ist<a href="#foot4"><sup>4</sup></a>, zeigt sie doch deutlich, wo meiner Meinung nach die Verf&#228;nglichkeit liegt.</p>
<p>Ich m&#246;chte es den <strong>Wahn der Erreichbarkeit</strong> nennen.<br />
Die immer fortschrittlichere, schnellere und leistungsf&#228;higere Telekommunikation erm&#246;glicht es, st&#228;ndig und &#252;berall <em>Kontakt</em> zu halten, und scheinbar spielen Entfernungen keine Rolle mehr. Es ist gleich, ob jemand nebenan im Raum sitzt oder ein paar St&#228;dte weiter. Oder am anderen Ende des Landes. Oder des Erdballes. Das Wunderbare daran, wovon ich sehr profitiere, ist, da&#223; man auch &#252;berall arbeiten kann. Da&#223; eine ganze Reihe von Abh&#228;ngigkeiten einfach wegfallen. Das ist nicht mit Gold aufzuwiegen.<br />
Auf der anderen Seite aber zeigen sich zwei andere Ph&#228;nomene.<br />
Eines ist, da&#223; irgendein Irrglaube uns vermeinen l&#228;&#223;t, wir m&#252;&#223;ten immer und &#252;berall ereichbar sein: Per Mail, ICQ, Skype und Handy und was wei&#223; ich nicht alles. Ein Ort und eine Zeit des R&#252;ckzuges gibt es in dieser Form nicht mehr.</p>
<p>Die vermeintliche Freiheit, die Handy und UMTS-Datenkarte uns schenken, ist ein Irrglaube: in jeder Kneipe, ja selbst beim Spaziergang im Wald, beim Baden und auf dem Wanderurlaub &#8211; wir sind <em>erreichbar</em>, ja, man hat <em>Zugriff</em> auf uns, nicht nur, weil unser Sprechknochen auf ein paar Hundert Meter genau ortbar ist. Der Rechner ist stets online, mit einem <em>Ping</em> melden sich die eingehenden Mails (die wir gut Erzogenen nat&#252;rlich direkt beantworten m&#252;ssen), mit einem Schnarren, wenn jemand im Messenger online kommt und einem d&#252;mmlichen „oh-oh“, so er etwas zumeist wenig Geistreiches meint von sich geben zu m&#252;ssen.<a href="#foot4.1"><sup>4.1</sup></a><br />
<em>Theoretisch</em> sind all diese Dinge eine Wunderbare Sache. Genauso die M&#246;glichkeiten, die uns der Rechner verschafft<a href="#foot5"><sup>5</sup></a>, geradezu ein Segen. Allein ich denke, wir &#8211; oder vielleicht auch nur ich &#8211; k&#246;nnen noch nicht wirklich damit umgehen, genausowenig wie mit ABC-Waffen. Immer und &#252;berall erreichbar sein zu <em>k&#246;nnen</em> hei&#223;t nicht, es sein zu <em>m&#252;ssen</em> in jeder Minute des Wachseins. Man wird, wie ich meine, eine neue Zivilisationskrankheit, zu einem Nervenb&#252;ndel, stets auf Abruf, keinen stringenten Gedanken l&#228;nger als bis zur n&#228;chsten Ablenkung haltend&#8230;</p>
<p>Ich denke, es k&#246;nnte gar keine so schlechte Idee sein, die digitalen und mobilen M&#246;glichkeiten in derselben Haltung zu betrachten, wie ich sie von vor 10 jahren in Erinnerung habe. Von unserer Seite her betrachtet, nicht von der Seite der Maschinen her. Es ist gut, &#252;berall und jederzeit erreichbar sein zu k&#246;nnen. Ebenso, wie es phantastisch ist, an jedem Ort online gehen zu k&#246;nnen, um die Ergebnisse seiner Arbeit zu &#252;bermitteln. <em>Potentiell</em>, wenn es <em>sinnvoll</em> ist. dies schenkt eine nicht geringe Freiheit und Unabh&#228;ngigkeit. Das kabellose Bluetooth-Dings am Ohr, das immer h&#228;ufiger auftaucht, gemahnt, wie ich finde, doch sehr an die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lker_im_Star-Trek-Universum#Borg" target="_blank">Borg</a> des Star-Trek-Universums.</p>
<p>Worum es mir im Endeffekt geht, ist die allgegew&#228;rtige Angespannte Hektik und der schon fast ans Absurde grenzende Zeitmangel aller m&#246;glicher Personen, einschlie&#223;lich man selber, so man sich hat anstecken lassen. Es ist meiner Meinung nach absolut notwendig, die Geschwindigkeiten des Lebens und der Arbeit wieder dem Menschen anzupassen, und nicht der m&#246;glichen Geschwindigkeit der Maschinen die Menschen anpassen zu wollen. Denn seien wir ehrlich: Trotz aller M&#246;glichkeiten der entfernten und nahezu in Echtzeit Kommunikation geschehenden Kommunikation: Wird unser <em>reales</em> Leben<a href="#foot6"><sup>6</sup></a> dadurch reicher, bequemer, entspannter, mehr auf das Wesentliche ausgerichtet?</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;<br />
<span style="font-size: 7pt; color: #cccc66;"><br />
<a title="foot1" name="foot1"></a><sup>1</sup> Der LabTop hatte in der Tat nicht weniger als 16mb RAM und einen Prozessor von 200 Megaherz. Das war seinerzeit das Neueste von Neuesten. Ich benutzte ihn noch 2003 als Schreibmaschine.<br />
<a title="foot2" name="foot2"></a><sup>2</sup> Ich wei&#223; nicht mehr, die Geschwindigkeit war irgendwas mit 11 kbits.<br />
<a title="foot3" name="foot3"></a><sup>3</sup> Ich bin im Moment, wie meistens, mit einer Geschwindigkeit von 1,8 mBits &#252;ber HSDPA-Standleitung via Satellit online. Das kann ich &#252;berall sein, wo ein Handynetz verf&#252;gbar ist, auch unterwegs. Die Frage, die zu stellen ist: Mu&#223; man es darum auch?<br />
<a title="foot3.1" name="foot3.1"></a><sup>3.1</sup> M&#246;glicherweise mag auch das zunehmende Verschwinden von Tugenden wie P&#252;nktlichkeit und Verl&#228;&#223;lichkeit auf ein solches Ph&#228;nomen zur&#252;ckzuf&#252;hren sein. Ihre Notwendigkeit scheint vielleicht nicht mehr gegeben zu sein, wenn bei ihrem Mangel kein v&#246;lliges Verpassen droht. An einem bestimmten Tag in ein paar Monaten zu Mittag an einem bestimmten Ort zu sein f&#228;llt ja schon l&#228;nger weg&#8230; aber es war kein Scherz. Das Handy f&#252;r jederman gibt es &#8211; potentiell &#8211; seit 1992. War aber damals alles andere als erschwinglich.<br />
<a title="foot4" name="foot4"></a><sup>4</sup> Ist es eigentlich nicht, nur zugespitzt. Vielleicht sind Instant-Messenger wie Gaim, ICQ oder Skype nur eine Fortsetzung dessen.<br />
<a title="foot4.1" name="foot4.1"></a><sup>4.1</sup> Mag sein, da&#223; damit die sowohl im Allt&#228;glichen wie im Medialen festellbare Verbl&#246;dung damit einhergeht. Wenn man st&#228;ndig labert, verd&#252;nnt sich das Geseiere zu hohlem Gebrabbel. Was f&#252;r Gespr&#228;che ebenso gilt wie f&#252;r B&#252;cher, Filme und Songs.<br />
<a title="foot5" name="foot5"></a><sup>5</sup> In der Tat, wollte ich meine Bibliothek best&#228;ndig mit mir herumschleppen, ja, nur der Teil davon, den ich zum Rechergieren brauche, so m&#252;&#223;te ich mit einem Truck umherreisen. So habe ich faktisch die komplette abendl&#228;ndische Text-Kultur mit einem Doppelklick zitabel bei mir.<br />
<a title="foot6" name="foot6"></a><sup>6</sup> Ich meine keine obskuren Abenteuer in der <em>World of Warcraft</em> oder in erotischen Techtelmechteln zwischen den Buchstaben eines Chatrooms, versteht sich.</span></p>
<p><!--more--></p>
<h4>Kommentare</h4>
<p><a id="comments" title="comments" name="comments"></a><a id="c99-1" title="c99-1" name="c99-1"></a></p>
<p style="text-align: right"><span> <strong><a href="http://www.unwesen.de/">Jens</a> | 13.06.2007 | 17:36</strong></span></p>
<p>Wie Du weisst, bin ich staendig online. Gleichzeitig habe ich kein Mobiltelefon mehr, weil ich irgendwann feststellte, es nie benutzt zu haben. Irgendwann werde ich mir sicher wieder eins goennen, das ich dann wieder zuhause vergesse, oder staendig abgeschaltet habe.</p>
<p>Ich glaube, das Problem haengt eher mit der Pflicht-Wahnvorstellung zusammen als mit der Technologie. Ich kann sehr gut Nachrichten meiner Freunde im Instant-Messenger ignorieren, Mails unbeantwortet lassen &#8211; oder eben nicht ans Telefon gehen. Erreichbar bin ich, wenn ich erreichbar sein will.</p>
<p style="color: #cccc66">[In der Tat, ja. Ich denke, das ist das Problem <em>bei mir</em>. Du darfst das auch nicht als Angriff verstehen, dieses unser ewiges Thema. Da&#223; Du Deine Erreichbarkeit f&#252;r Dich ohne Gewissensbisse regeln kannst, wei&#223; ich und beneide Dich darum, ich versuche mir ja gerade genau dieses klar zu machen. Allein kenne ich mittlerweile eine ganze Reihe von Leuten, die dieses Problem kennen oder in virtuellen Welten versumpft sind. Bei Dir ist ja die Virtualit&#228;t gewisserma&#223;en nat&#252;rlich <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> .]</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Versuch einer Definition &#124; Der gemeine N&#246;rgler</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jun 2007 09:11:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit einiger Zeit (in der Tat ja, genau, seit dieser Zeit) ist es mir angelegentlich, ein Ph&#228;nomen zwischenmenschlicher Art zu umrei&#223;en und, wenn m&#246;glich, zu definieren. Als Arbeitsterminologie m&#246;chte ich den Begriff „Gemeiner N&#246;rgler“ einf&#252;hren. Wobei „gemein“ nicht in pejorativem Sinne, sondern in der eigentlichen Bedeutung (ahdt. gimeini) von „normal, gew&#246;hnlich, typisch“ gebraucht ist. Wobei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="#definens"></a>Seit einiger Zeit (in der Tat ja, genau, seit <em>dieser</em> Zeit) ist es mir angelegentlich, ein Ph&#228;nomen zwischenmenschlicher Art zu umrei&#223;en und, wenn m&#246;glich, zu definieren. Als Arbeitsterminologie m&#246;chte ich den Begriff „Gemeiner N&#246;rgler“ einf&#252;hren. Wobei „gemein“ nicht in pejorativem Sinne, sondern in der eigentlichen Bedeutung (ahdt. <em>gimeini</em>) von „normal, gew&#246;hnlich, typisch“ gebraucht ist. Wobei nat&#252;rlich &#8211; <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':-D' class='wp-smiley' />  &#8211; der pejorative Sinn gerne mitschwingen darf, denn trotzdem ich nat&#252;rlich ganz unvoreingenommen an die Begriffssuche herangehen m&#246;chte, <em>finde ich Gemeine N&#246;rgler das Letzte &#252;berhaupt</em>.<br />
Der Sinn einer solchen Definition soll schlie&#223;lich zum Zwecke haben, den Gemeinen N&#246;rgler m&#246;glichst schnell identifizieren und dann <strong>neutralisieren</strong> zu k&#246;nnen.<strong><a title="definition" name="definition"></a></strong></p>
<p><span id="more-172"></span></p>
<p><strong>Definitionsversuch | </strong> Der Gemeine N&#246;rgler ist ein Individuum offenbar menschlicher Gattung, das aus noch ungekl&#228;rter Ursache den Drang oder die M&#252;&#223;igkeit versp&#252;rt, anderen Menschen weder aus der Situation noch vom Gegenstand her erkennbar <em>angemessene</em> Kritik entgegenzubringen, im Allgemeinen verbunden mit oder getarnt als betont gut gemeinten &#196;nderungsvorschl&#228;gen. Das Bezeichnendste am Gemeinen N&#246;rgler sind die bei n&#228;her Betrachtung wahnhafte Fixierung auf als v&#246;llig nebens&#228;chlich erkennbare Details, die Langwierigkeit und Wiederholfrequenz sowie &#8211; das eigentlich gef&#228;hrliche des Gemeinen N&#246;rglers &#8211; die &#252;berlegene Haltung, welche letztlich in dem Glauben begr&#252;ndet zu sein scheint, da&#223; er besser &#252;ber den Ben&#246;rgelten Bescheid wei&#223; und besser f&#252;r ihn zu entscheiden vermag als dieser selbst.</p>
<p><strong>Extrembeispiel |</strong> Gemeine N&#246;rgler sind weit weniger selten, als man annehmen mag. Insbesondere besteht die Gefahr, ihn mit dem Wohlwollenden Rater zu verwechseln, als welcher sich ersterer gerne tarnt. Ein Extrembeispiel mag karikaturhaft &#252;berzeichnen, wie ein ausgewachsener Gemeiner N&#246;rgler sich geb&#228;rden kann. Ich nenne es das</p>
<blockquote><p><strong>Gleichnis von dem Barte</strong>.</p></blockquote>
<blockquote><p>Sofern man m&#228;nnlichen Geschlechtes ist, verf&#252;gt man &#8211; abh&#228;ngig von Genom, Alter und Testosteronspiegel &#8211; &#252;ber Haarwuchs im Gesicht, welcher „Bart“ genannt wird. Der Moden, mit diesem Fratzenwucher umzugehen, gibt es viele, und sie tragen noch mehr Namen, von „Rotzbremse“ bis „Kaiser-Wilhelm-Bart“. Ob und wie man mit den Haaren im Gesicht umgeht, ist eine Frage der Erziehung, des Geschmacks und der Praktibilit&#228;t. Und wie bei allen Fragen des Geschmackes, gibt es unterschiedliche Meinungen dazu. Wahrscheinlich durch meinen Vater beeinflu&#223;t, m&#246;glicherweise auch aus einer &#228;hnlichen Entscheidung (wir haben faktisch dieselbe Fresse) heraus, lie&#223; ich mir bereits mit 17 einen Bart stehen. Der hat sich ebensowenig wie das geschorene Haupthaar in den letzten 10 Jahren ver&#228;ndert, abgesehen von einer lichten Stelle unterhalb des Mundwinkels, wo ich in nerv&#246;sen Zeiten ungl&#252;cklicherweise die Haare herauszuzupfen pflege, und der nerv&#246;sen Zeiten gab es in den letzten 3 Jahren allzuviele.<br />
Ob diese Haar im Gesicht nun gut aussehen, oder nicht, ist zwar eine Frage des Geschmackes, doch letztlich des eigenen.<br />
Man kann sich auch als normaler Mensch durchaus gem&#252;&#223;igt f&#252;hlen, jemandem mit wildem Gestr&#252;pp im Gesicht zu bekunden, da&#223; selbiges Gesicht sich aus der pers&#246;nlichen Sicht heraus weniger eignet, ebendieses zu tragen. Das ist eine Meinung, und wie der Bewucherte damit umzugehen gedenkt, ist seine Sache. <em>Berechtigung</em> w&#252;rde dergleichen nur dann besitzen, wenn das wilde Gestr&#252;pp hinter und neben ihm auf dem Boden schleifte und andere Menschen sich um die F&#252;&#223;e wickelte, auf da&#223; die niederst&#252;rzend mehr oder minder starke Verletzungen davontr&#252;gen. Dann w&#228;re es im Interesse der Allgemeinheit, ihm das Barthaar auf Kn&#246;chell&#228;nge zu stutzen oder ihn &#8211; wie ich gestern fasziniert beobachtete &#8211; in ein unten offenes K&#228;fig-Gef&#228;hrt zu stecken, das er als Laufgatter mit sich f&#252;hrt,<sup>1</sup> um die Verwickelungen mit seiner Umwelt zu verhindern und die Gesundheit der Anderen zu sch&#252;tzen.<br />
Der Gemeine N&#246;rgler sieht dieses anders. Er erkl&#228;rt, da&#223; der Bart &#8211; wohlgestutzt, versteht sich &#8211; nicht dem guten Geschmack entspricht. Die angemessene &#196;u&#223;erung darauf lautet, da&#223; er das nat&#252;rlich denken darf, man selber aber anderer Meinung ist. Womit die Sache erledigt sein sollte. Der Gemeine N&#246;rgler wiederholt jedoch lediglich seine Meinung. Die angemessene Entgegnung nach der dritten oder vierten Wiederholung ist w&#228;re ein „Es reicht, das ist meine Sache und mein Gesicht!“, „Schau doch woanders hin, wenn es Dich st&#246;rt!“ oder ein „La&#223; mich damit in Frieden!“, sofern man nicht mit einem Kopfsch&#252;tteln einfach geht und sich fragt, was der Mensch f&#252;r ein Problem hat. Der Gemeine N&#246;rgler hingegen w&#228;re kein Gemeiner N&#246;rgler, wenn er nicht &#252;ber die Pr&#228;destination verf&#252;gte oder diese zu erreichen die Kunst entwickelt hat, da&#223; man weiter zuh&#246;rt. Nach der mehrfachen Wiederholung und deren Ablehnung folgt nunmehr die Untermauerung mit vom N&#246;rgler als solche angesehenen „Argumenten“. Zum Beispiel Theorien &#252;ber den Geschmack der Frauen, der st&#246;renden Eigenschaften beim Cunillingus oder dem K&#252;ssen der oberen Lippen. Weitergehend pseudopsychologische Analysen bez&#252;glich der Meinung, da&#223; nur Leute, die etwas zu verbergen h&#228;tten, einen Bart tr&#252;gen, der alte Spruch, da&#223; oberhalb der 25 nur derjenige einen Bart tr&#252;ge, welcher noch kein fertiges Gesicht habe. Der Gemeine N&#246;rgler dieser extremen Auspr&#228;gung schafft es, einen solchen Sermon &#252;ber mehrere Stunden auszudehnen, wobei die Heftigkeit best&#228;ndig steigt und der Gemeine N&#246;rgler zunehmend erregt ist bis hin zu Ausf&#228;lligkeiten.</p></blockquote>
<p>Das ist an und f&#252;r sich absurd genug. Wenn dieses Thema allerdings nicht nur einmal in dieser Weise zu Tragen kommt, sondern faktisch bei jeder l&#228;nger w&#228;hrenden Begegnung fr&#252;her oder sp&#228;ter &#8211; und das &#252;ber einen Zeitraum von nicht weniger als 10 Jahren-, gewinnt das ganze den Beigeschmack ausgepr&#228;gten Wahnsinns, es sei denn, man w&#252;rde andere Motivationen dahinter versp&#252;ren.</p>
<p>Das „Gleichnis mit dem Barte“ ist nur ein Beispiel, da die Art und Weise, die Haare im Gesicht zu tragen, eine nun wahrlich eine Frage pers&#246;nlichen Geschmackes ist, die kaum auf das Leben der Anderen Einflu&#223; zu nehmen die Tragweite hat &#8211; es sei denn Hautirritationen bei der Geliebten, die dann ein gewisses Mitspracherecht bez&#252;glich der Haarl&#228;nge des Bartes f&#252;r sich einberaumen d&#252;rfte. Dieses Beispiel ist insofern zwiefach von Bedeutung: Zum Einen ist es ein gut isolierbares Indiz, da als grundlegend schwachsinnig erkennbar und bei n&#228;herer Betrachtung nur noch ein ausgiebig ungl&#228;ubiges Lachen wert und damit recht eigentlich <em>ungef&#228;hrlich</em>. Einmal identifiziert, stellt sich dann auch leicht heraus, da&#223; ein Gemeiner N&#246;rgler sich an verschiedensten Dinger dieser Art&#8230; <em>aufgeilen</em> kann. Zum Anderen l&#228;&#223;t es die in Bezug auf den Gemeinen N&#246;rgler wichtigste Frage deutlich hervortreten: Mit welchen seltsamen Giften, Pheromonen oder psychologischen Mustern der Gemeine N&#246;rgler es schafft, da&#223; man sich diesen abstrusen Schei&#223; anh&#246;rt, dar&#252;ber auch nur einen Gedanken verschwendet oder sich gar davon unter Druck setzen l&#228;&#223;t.</p>
<p><strong>Gef&#228;hrliche N&#246;rgler-Attacken |</strong> Im Gegensatz zu solch ebenso leicht identifizierbaren wie &#228;nderbaren Dingen wie B&#228;rt, der Haartracht, Kleidung, rasierte oder nicht rasierte Achselhaare, H&#252;te, Brillengestelle, Schminkung, Schmuck oder Piercings <em>et cetera perge perge</em> gibt es allerdings Dinge, die vom Gemeinen N&#246;rgler mit noch weitaus h&#246;herer Lust attakiert werden, und die dahingehend durchaus ein nicht geringes Gefahrenpotential f&#252;r den Attakierten beinhalten, da sie nicht so leicht als selten d&#228;mliche Anma&#223;ungen identifiziert werden k&#246;nnen. Im Grunde fallen diese Dinge bereits unter den Begriff <em>Psychologische Kriegsf&#252;hrung</em>. Ihre Ziele betreffen vor allem Dinge der pers&#246;nlichen und psychologischen Integrit&#228;t wie auch jegliche Dinge, die Schuldgef&#252;hle gegen&#252;ber dem Gemeinen N&#246;rgler evozieren. Je hochentwickelter die Perfidit&#228;t des Gemeinen N&#246;rglers, desto mehr werden die Angriffe auf die Integrit&#228;t des Opfers in den psychologischen Bereich gehen, insbesondere auf Dinge zielen, die im Unterbewu&#223;ten und Unbewu&#223;ten liegen. Beziehungsweise die <a href="#spiegelung">Technik des Spiegelns</a> anwenden oder mit erstem kombinieren.</p>
<p><strong>Angriff auf das Selbstwertgef&#252;hl |</strong> spielt nat&#252;rlich bei allen erw&#228;hnten und noch zu erw&#228;hnenden Spielarten des Gemeinen N&#246;rglers eine Rolle. Denn w&#228;hrend offensichtliche Dinge wie Haartracht, Kleidung, Schmuck direkt den pers&#246;nlichen Geschmack und indirekt nat&#252;rlich die positive Erscheinung zum Ziel haben, zielt der Angriff auf die vom Opfer f&#252;r die Selbstdefinition notwendigen Bet&#228;tigungsfelder auf dessen pers&#246;nliche Integrit&#228;t und Angriffe auf die unbewu&#223;te Psychologie auf die Stabilit&#228;t der Person im Allgemeinen.</p>
<blockquote><p><strong>Das Gleichnis von den Buochen |</strong> angenommen, ein Opfer des Gemeinen N&#246;rglers ist Schriftsteller. Das ist nicht eigenbez&#252;glich, ich w&#228;hle dieses Beispiel, weil B&#252;cher und Geschichten sich schwerer erschlie&#223;en als zum Beispiel Bilder: Sie m&#252;ssen gelesen worden sein, w&#228;hrend man ein Bild einfach zeigen kann. Nehmen wir also an, ein Gemeiner N&#246;rgler wendet sich gegen einen Autor, um seine pers&#246;nliche Integrit&#228;t anzugreifen, kurz seine F&#228;higkeit des Schreibens in Zweifel zu ziehen. Das Verrei&#223;en einer Geschichte ist hiermit nicht gemeint, es geht um den Angriff auf die Schreibf&#228;higkeit daselbst. Und zwar mit &#228;hnlicher Vehemenz wie bei dem Beispiel mit dem Barte, und ebenfalls &#252;ber einen Zeitraum von nicht minder als 11 Jahren. Da die meisten ernstzunehmenden Schriftsteller zugleich notwendig reflektierte Menschen sind, die nach steter Perfektionierung streben und sich ihrer eigener Fehler nur allzusehr bewu&#223;t sind, ist es dem Gemeinen N&#246;rgler m&#246;glich, die Integrit&#228;t des Autors 11 Jahre lang zu gef&#228;hrden, ohne da&#223; dieser merkt, da&#223; der Gemeine N&#246;rgler sich nie auch nur die M&#252;he gemacht hat, auch nur <em>ein einziges</em> seiner B&#252;cher zu lesen.<sup>2</sup><sup> </sup></p></blockquote>
<p>Ein Photograph ist d&#252;rfte nicht direkt mit der technischen Qualit&#228;t seiner Bilder angegriffen werden, sondern vielmehr mit seiner F&#228;higkeit, entsprechende Situation &#252;berhaupt zu bemerken und sie k&#252;nstlerisch zu erleben &#8211; denn Technik ist erlernbar oder durch entsprechende Ger&#228;te zu optimieren, jenes „magische“ aber, dieser kleine Funken dessen, was letztlich die <em>Berechtigung</em> zum k&#252;nstlerischen Schaffen hergibt, kann zum einen weder genau definiert werden, noch existieren genau umrissene Methoden, dieses zu erzeugen. Was genau die Punkte sind, die f&#252;r den Gemeinen N&#246;rgler Angriffspunkte darstellen, ist, denke ich, recht einfach definierbar:</p>
<blockquote><p>Es sollten diejenigen Dinge an der Arbeit sein, die nicht der bewu&#223;ten Kontrolle unterliegen und in ihrer Art einen mystischen Zug haben, der sie auf gewisse Weise nicht recht fa&#223;bar macht und idealiter f&#252;r den Betrachtenden auch noch aufgrund der Perspektive nicht richtig zu erkennen.<sup>3</sup></p></blockquote>
<p><strong>Psychologisierende Angriffe |</strong> Nach den rein &#228;u&#223;erlichen Zielen des Gemeinen N&#246;rglers und den potentiellen Angriffszielen, was die Selbstdefinition &#252;ber die Bet&#228;tigungsfelder angeht, bleibt vor allem der schwierigste Bereich, der psychologisierende, der mit der Pers&#246;nlichkeitsintegrit&#228;t an sich spielt. Dieser ist auch am schwersten zu definieren.<br />
Ich denke, hierhin geh&#246;ren zusammengefa&#223;t all jene Angriffe, die dem Opfer erz&#228;hlen wollen, wer es <em>in Wirklichkeit</em> ist. All jene Gemeinen N&#246;rgler also, die sich gem&#252;&#223;igt f&#252;hlen, ihrem Opfer erkl&#228;ren zu wollen, was es wie und warum mit welchen Konsequenzen was verdr&#228;ngt hat. Die psychologisch pseudowissenschaftlich h&#246;chst komplexe Konstrukte zusammenbasteln, um einen &#246;dipalen Komplex ihrem Opfer unterstellen zu k&#246;nnen, phobische Eigenheiten. Soweit, da&#223; sie deren Realit&#228;tswahrnehmung in Zweifel ziehen, die Urteilsf&#228;higkeit und anderes mehr. Dar&#252;ber hinaus zielt diese Methode des Gemeinen N&#246;rglers auf verschiedene Dinge, die sich aufgrund der notwendigen Subjektivit&#228;t des Einzelnen der direkten EInsch&#228;tzung entziehen. Chauvinistisches Verhalten ist dem Chauvi ebenso selten bewu&#223;t wie Intoleranz dem Intoleranten oder die Selbstgef&#228;lligkeit dem Narzisten.</p>
<p><strong>Die Opfer des Gemeinen N&#246;rglers |</strong> wahrscheinlich hat sich jedem, der sich durch diesen Aufsatz durchgek&#228;mpft und hoffentlich dabei herzlich gelacht hat, die &#252;beraus faszinierende Frage gestellt, wer zum Teufel sich denn von solch einem seltsamen und widerlichen Wesen wie dem Gemeinen N&#246;rgler &#252;berhaupt bel&#228;stigen l&#228;&#223;t, da die einzige logisch konsequente Form, mit einem solchen Wesen umzugehen sein d&#252;rfte, ihm einen angespitzten langen Pfahl aus unbehandeltem Holz in den Anus zu schieben, es daran zwei Wochen lang mit Schild „Gemeiner N&#246;rgler“ um den Hals auszustellen, dann zu teeren und zu federn, um sodann m&#246;glichst &#252;berriechendes, aber gut brennbares Zeugs um den Pfahl aufzuschichten, um es in Brand zu stecken. M&#246;glichst so, da&#223; der Gemeine N&#246;rgler mehr leicht brutzenld ein paar Tage lang erstinkt anstatt einfach zu verbrennen.<br />
Tats&#228;chlich gibt es aber nicht nur eine ganze Reihe von Gemeinen N&#246;rglern, sondern auch sehr viele Opfer, die sich bis auf die Knochen von ihnen qu&#228;len lassen &#8211; interessanterweise im &#220;brigen gerade die Kathegorie Mensch, die besonders wertvoll, intelligent, bescheiden, reflektiert und liebensw&#252;rdig sind.<br />
Denn gerade diejenigen Menschen, welche nicht &#252;ber die Arroganz verf&#252;gen, sich f&#252;r den Guten Menschen schlechtweg, den Begabten &#220;berhaupt oder den Altruisten par exellence zu halten, sondern sich auch ihrer Fehler, Schw&#228;chen und der Gefahren einer ung&#252;nstigen Charakterentwicklung bewu&#223;t sind, sind die bevorzugten Opfer des Gemeinen N&#246;rglers. Notgedrungen, denn kaum jemand wenn nicht solche ungemein duldsamen Menschen w&#252;rden auch nur beim zweiten Mal hinh&#246;ren, wenn er mit dem Bart wieder ank&#228;me, sondern entweder herzlich lachen oder ihn in der Arsch treten. Das Ertragen des seelenkraftsaugenden Tieres bedingt setzt daher einige Eigenschaften voraus: Leidensf&#228;higkeit, Selbstreflexivit&#228;t, Hang zur Selbstkritik, Empfindsamkeit, Glauben ans Gute im Menschen und Bez&#252;glichkeit auf andere und ihr Urteil, Gr&#252;belsucht. Und eine gewisse Mitteilsamkeit.</p>
<p><strong>Die Technik des Spiegelns |</strong> ist meiner Meinung nach <em>das</em> Geheimnis des Gemeinen N&#246;rglers. Hat der Gemeine N&#246;rgler einen Wirt gefunden, so wird er zuerst auf die eine oder andere Weise sein Vertrauen zu gewinnen suchen.<sup>4</sup> Geeignete Wirte sind an den obig genannten Eigenschaften leicht kenntlich. Das gute Opfer des Gemeinen N&#246;rglers sucht, nachdem das Vertrauen oder zumindest eine Kompetenz in gewissen Fragen angenommen wird, dessen Meinung zu bestimmten Fragen oder auch nur Trost oder Verst&#228;ndnis. Das hei&#223;t, das leichtgl&#228;ubige und vertrauenss&#252;chtige Opfer spricht nat&#252;rlich genau &#252;ber die Dinge, wo Unsicherheiten bestehen. Selbstzweifel sucht Best&#228;tigung, &#196;ngste Beruhigung.<br />
Das Opfer zeigt Gemeinen N&#246;rgler damit nicht nur die angreifbaren Stellen, sondern der Gemeine N&#246;rgler braucht letzthin nicht vielmehr zu tun, als das, was ihm anvertraut wurde, umzudrehen und wider sein Opfer zur&#252;ckzuwenden. Das garantiert mehrere Dinge. Zum einen maximale Treffsicherheit und Durchschlagskraft. Zum anderen das Gef&#252;hl des Opfers, der Gemeine N&#246;rgler w&#252;rde ihn in der Tat sehr gut kennen.<br />
Es ergibt sich, zuende gedacht, ein <em>Circulus vitiosus</em>, und das Opfer verstrickt sich immer tiefer in die parasit&#228;re Beziehung zum Gemeinen N&#246;rgler.</p>
<p><strong>Schuldgef&#252;hle |</strong> zu wecken ist die letzte Strategie des Gemeinen N&#246;rglers, die noch zu schildern ist, wobei nicht unerw&#228;hnt bleiben darf, da&#223; dieses Wesen die verschiedenen Methodiken nat&#252;rlich kombiniert und die einzelne Behandlung lediglich der Darstellbarkeit gestundet ist. Schuldgef&#252;hle k&#246;nnen auf unterschiedlichste Weise erregt werden, aber grunds&#228;tzlich l&#228;&#223;t sich zusammenfassen, da&#223; es sich dabei zwangsl&#228;ufig entweder um die Nichterf&#252;llung einer m&#246;glichen Pflicht<sup>5</sup> handelt oder die Verletzung eines Menschen.  Der Gemeine N&#246;rgler dieser Auspr&#228;gung ist ein perfekter Schauspieler, wenn es darum geht, verletzt zu erscheinen. Dabei ist es irrelevant, wie absurd der Grund des Verletztseins ist, er sollte nur irgendwie einer der Bereiche m&#246;glichst effektiv ber&#252;hren, der beim Opfer mit &#196;ngsten und Schuldkomplexen belastet ist und deswegen trifft. Ein Opfer, zum Beispiel, das aus irgendeinem Grunde in der selbstreflexiven Angst lebt, gegen das Leid anderer Menschen blind oder hart zu sein, r&#252;ckt ein Gemeiner N&#246;rgler sehr effektiv mit Vorw&#252;rfen zu Leibe, da&#223; er keine R&#252;cksicht auf seine Krankheit/Behinderung/Schw&#228;che/Trauer/psychische Labibit&#228;t nimmt. Jemandem, der f&#252;rchtet, chauvinistisch zu sein ohne es zu bemerken, logischer Weise mit Vorw&#252;rfen, als Frau chauvinistisch behandelt worden zu sein.</p>
<p><strong><a title="motivation" name="motivation"></a>Ziele des Gemeinen N&#246;rglers |</strong> Welchen Sinn kann aber nun die Strategie des Gemeinen N&#246;rglers haben? Diese Frage ist durchaus interessant, aber banal zu beantworten: Macht. Die katholische Kirche demonstrierte das &#252;beraus deutlich: Sie schaffte es, den Gl&#228;ubigen das Gef&#252;hl zu geben, von Geburt an und ohne irgendetwas daf&#252;r zu kennen, schuldig zu sein. Das Ph&#228;nomen der <em>Erbs&#252;nde</em>. Gelingt es, den Menschen sich schuldig f&#252;hlen zu lassen, wird es alles f&#252;r den tun, dem er sich schuldig gegen&#252;ber f&#252;hlt. Im falle der Kirche nach ihren Ma&#223;regeln leben, den Klerus ern&#228;hren, Kl&#246;ster stiften und sich beherrschen lassen.<br />
Nichts anderes ist das Anliegen des Gemeinen N&#246;rglers, auch das Muster ist letztlich dasselbe. Als Vertrauensperson etabliert zerst&#246;rt das parasit&#228;re Wesen im schlimmsten Falle die Integrit&#228;t des Wirtes weitestgehend und verkauft sich zugleich als dasjenige Mittel, das Hilfe verspricht oder die Integrit&#228;t m&#246;glichst als einzige Instanz zu garantieren imstande ist.<sup>6</sup><sup> </sup></p>
<p><a title="definens" name="definens"></a>Das richtige Umgehen mit dem Gemeinen N&#246;rgler ist relativ klar, es gibt zweierlei Arten: Ausmerzung und Distanzierung ist die eine. Die andere, die Versuche der ekligen Tentakeln und bohrenden Stacheln durch einen entsprechenden Panzer abgleiten zu lassen, sofern sie nicht wie im Falle des „Gleichnisses mit dem Barte“ arg zu schlimm wird.<br />
Die eigentliche Frage ist jedoch nach wie vor: <strong>Woran ist der Gemeine N&#246;rgler m&#246;glichst schnell und effizient zu identifizieren, einzuordnen und damit im selben Augenblick unsch&#228;dlich zu machen?</strong> Denn wie viele Gespenster seiner Art ist er nach dem Erkennen schlechtweg eine &#228;u&#223;erst l&#228;cherliche und schlimmstenfall verachtenswerte Kreatur.<sup>7</sup></p>
<p>Ich w&#228;re h&#246;chlich dankbar und interessiert an klar umrissenen und leicht festzumachenden Erkennungsmerkmalen des Gemeinen N&#246;rglers, welcher eine Untergattung des altbekannten Psychischen Vampires darstellt. Aber vielleicht &#8211; ich bin mir dessen nicht ganz sicher -, gen&#252;gt schon die ganz erstaunliche Eigenschaft, sich gem&#252;&#223;igt zu f&#252;hlen, an anderen Herumzun&#246;rgeln, ihnen irgendwelche eigenartigen psychologischen Knackse einreden zu wollen oder ihnen vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben oder wer sie „in Wahrheit“ sind. Man stelle sich selbst die Frage: F&#252;hlt man die Mu&#223;e und das Verlangen, zu jemandem hin zu gehen und an ihm herumzukritisieren? Ihm zu sagen, da&#223; sein Bart oder etwas anderes an ihm schei&#223;e ist? Pauschalisierende Urteile &#252;ber sein Wesen und seinen Charakter zu verk&#252;ndigen? Ihm erkl&#228;ren zu wollen, wie er funktioniert? Die einzige Form, meine ich, in der dergleichen auch nur ansatzweise zuweilen mal bei normalen Menschen vorkommt, ist entweder, wenn es einen direkt selbst betrifft und das funktionale Zusammenleben beeintr&#228;chtigt<sup>8</sup> oder &#8211; und das ist eigentlich schon ein Zeichen eigener D&#228;mlichkeit -, um sich gegen solcherart Angriffe zu wehren.</p>
<p>Ich hoffe, auch nur ansatzweise dem Versuch der Definition des Gemeinen N&#246;rglers gerecht geworden zu sein und bin um jede Erg&#228;nzung, insbesondere der vereinfachenden Art, sehr dankbar: Wir sollten versuchen, eine kurze, pr&#228;gnante Definition zu entwickeln, an der dieses parasit&#228;tes Wesen sofort und eindeutig erkennbar ist, denn es ist definitiv notwendig, sich gegen derartige, sich als wohlwollende Menschen tarnendes Viehzeug zu sch&#252;tzen.<br />
<strong>Nachtrag |</strong> Zu &#252;berpr&#252;fen, ob sie ein geeigneter Wirt f&#252;r den Gemeinen N&#246;rgler sind, ist hingegen einfach. Im Grunde genommen sollten Sie sich einfach fragen, ob es Menschen in ihrem Bekanntenkreis gibt, die, zum Beispiel, Dinge kritisch zu ihnen sagen, &#252;ber die Sie nicht nur viel nachdenken m&#252;ssen, sondern die sie auch ernstlich verletzen und Selbstzweifel in ihnen wachrufen. Dinge, bei deren n&#228;herem Betrachten Sie sich fragen m&#252;ssen, was das zum Einen denjenigen angeht, ob das in seinen Kompetenzbereich f&#228;llt, ob es &#252;berhaupt stimmen kann, und warum man &#252;berhaupt sich gem&#252;&#223;t f&#252;hlen kann, dergleichen auszusprechen. Weil es, zum Beispiel, Geschmacksfrage ist. Allein wenn Sie &#252;ber solche Dinge schon nachdenken, sind sie gefundenes N&#246;rglerfressen, um so schmackhafter, je existenzieller die Zweifel sind, die man in Ihnen wachzurufen imstande ist.<br />
Die Tatsache, da&#223; Sie &#252;berhaupt zuh&#246;ren &#8211; m&#246;glicherweise nicht erst seit gestern, sondern vielleicht gar seit Jahren -, ist ein weiteres Indiz.<br />
Zuletzt, und das ist ein wenig zweischneidig, sollten Sie sich die Frage stellen, ob sie sich erleben, wie Sie ihren Nahen gegen&#252;ber zum Beispiel meinen erkl&#228;ren zu m&#252;ssen, da&#223; solche Schuhe zu tragen ein Zeichen schlechten Geschmackes ist. Oder Hemdkn&#246;pfe oben nicht zu schlie&#223;en und das Brusttoupee sehen zu lassen, Indiz f&#252;r Chauvismus und &#228;hnlich Schmatigkeiten. Es gibt auch gegenseitiges Parasitentum.</p>
<p>Zuletzt der H&#228;rtetest, der wirklich b&#246;se ist:<br />
Stellen Sie zum Beispiel fest, da&#223; sehr viele Menschen nach mehr oder minder langer Zeit anfangen, Eigenheiten des Gemeinen N&#246;rglers zu entwickeln, dann sind sie derma&#223;en geiles N&#246;rglerfutter, das selbst die liebsten Menschen der Versuchung wiederstehen zu k&#246;nnen, ein bi&#223;chen an ihnen rumzusaugen. In diesem Falle ist es doppelt wichtig, sich gegen N&#246;rgler zu immunisieren.<br />
Ein guter Anfang w&#228;re, ihr Selbstwertgef&#252;hl zu steigern und nicht jedem dahergelaufenen Trottel ihre innersten Selbstzweifel zu erz&#228;hlen. Sie sind ja schlie&#223;lich kein Schriftsteller, nicht wahr?`</p>
<p><!--}}}--></p>
<hr />
<h4>Kommentare</h4>
<p><a id="comments" title="comments" name="comments"></a><a id="c94-1" title="c94-1" name="c94-1"></a></p>
<p style="text-align: right;"><span> <strong><a href="http://www.unwesen.de/">Jens</a> | 05.06.2007 | 16:41</strong></span></p>
<p>Ich denke, die Loesung des Problems, wie man einen Gemeinen Noergler identifiziert, ist in professioneller Paranoia zu finden, gepaart mit blindem Urvertrauen. Genauer gesagt, betrachte jeden Menschen in voellig naiver Weise als den liebsten Menschen auf der Welt, aber kultiviere die Stimme in Deinem Hinterkopf, die Dich fragt, ob Du nicht grad auf einen ganz perfiden Trick hereinfaellst.</p>
<p>Das Bloede an dem Tipp: nachdem wir uns doch schon eine Weile kennen, wuerde ich behaupten, dass Du beides eher zu viel denn zu wenig tust. Aber damit kommen wir zu langen, ausschweifenden Diskussionen, ob und in welchem Masse es besser ist, das Ego vor die Allgemeinheit oder umgekehrt zu stellen&#8230;</p>
<p>Im Uebrigen haette ich fast einen Link hierzu gepostet: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Energy_vampire">http://en.wikipedia.org/wiki/Energy_vampire</a></p>
<p>Und &#8211; haha! &#8211; es jetzt auch getan <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  Deine Beschreibung hat mich doch arg an psychische Vampire erinnert. Letztlich sehe ich keinen grossen Unterschied, bis auf evtl. die genaue Beherrschungsstrategie, die Gemeine Noergler bevorzugen.</p>
<p style="color: blue;">[In der Tat, ich glaube das auch angemerkt zu haben, w&#252;rde ich den Gemeinen N&#246;rgler als die Gattung, des Psychischen Vampir als die Art bezeichnen. Der Vorschlag im ersten Absatz ist in der Tat eine M&#246;glichkeit, die ich als erprobtes und nichtfunktionierendes Prinzip ausschlie&#223;en kann, trotz Kultivierung des SMA. Aber es geht hier nicht nur um mich.<br />
Ich denke in der Tat, da&#223; es klare Erkennungsmerkmale gibt, an denen der Gemeine N&#246;rgler erkennbar ist. Genau diese w&#252;nsche ich mir, hier zusammenzutragen.<br />
Die Kritisierung &#228;u&#223;erlicher Nebens&#228;chlichkeiten ist, denke ich, so einen Sache, denn welcher normale Mensch sieht sich gezwungen, an soetwas herumzun&#246;rgeln? Insbesondere immer wieder? Zum Beispiel so eine Sache wie lange Haare, die man sich unbedingt abschneiden sollte? Warum sollte ein normaler Mensch ein Problem damit haben, wie jemand seine Haare tr&#228;gt? Das w&#228;re doch ein Kriterium. Wobei umherspringende L&#228;use nat&#252;rlich unter Gef&#228;hrdung der Umwelt fielen.]</p>
<p style="font-size: 7pt;">
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_172" class="footnote">Es handelte sich um ein seltsames Gatterartiges Ding ohne Boden, das auf R&#228;dern montiert war und an einen Traktor geh&#228;ngt vor mir die Stra&#223;e entlangzuckelte. Zuckelte in der Tat, denn innerhalb des Gatters befand sich eine Milchkuh, die gem&#228;chlich mittrottete. Worum das Ding keinen Boden hatte, blieb mir ein R&#228;tsel, auch den Sinn der Einrichtung, denn selbst ein Traktor ist schneller als ein Milchvieh, das zudem noch die ganze Zeit angetrieben werden mu&#223;te &#8211; und die Kurven waren sichtlich ein Problem. Ein H&#252;tejunge w&#228;re, glaube ich, praktischer als ein Traktor, ein fahrbares Gatter und vier M&#228;nner&#8230;</li><li id="footnote_1_172" class="footnote">Das ist trotz der grinsenden Ironie des Posts genausowenig ein Scherz wie die Geschichte mit dem Bart!</li><li id="footnote_2_172" class="footnote">Richtig, das macht den Schriftsteller zu einem hervorragend geeigneten Ziel, denn wenn er einen Text fertig gestellt hat, wird er in <em>per definitionem</em> nie als Leser lesen k&#246;nnen, dieser Abstand zum Text ist ihm versagt. Und da der Text auf die Wirkung im Leser zielt und vieles unterbewu&#223;t im Leser abl&#228;uft, ist hier die sowohl die Frage stets offen, wie der Text letztlich ankommt wie auch, ob man &#252;berhaupt jenen feinen Nerv besitzt, seinen Leser zu fesseln und Bilder in ihm wachzurufen.</li><li id="footnote_3_172" class="footnote">Wenn er es nicht schon von irgendwoher hat, wie Eltern oder &#228;ltere Geschwister zuweilen oder sich auf irgendein anderes seltsames Rechtfertigungssystem berufen. Als da w&#228;ren, zum Beispiel, das beliebte esotherische Rechtfertigungssystem, also entweder der Einblick in h&#246;here und weitreichendere Informationsbeschaffungsmethoden, Direktdraht zu h&#246;heren Wesen oder gleich Erleuchtung. Im Grunde funktioniert jedes vom Opfer anerkannte Rechtfertigungssystem, im Fall der F&#228;lle auch „Ich habe Psychologie studiert“.</li><li id="footnote_4_172" class="footnote">Pflichten sind erzeug- oder behauptbar, auch wenn sie realiter nicht bestehen. Im allgemeinen sind Formulierungen wie „das geh&#246;rt sich aber“, „man mu&#223; das tun“ und andere schwer zu definierbaren Allgemeinpl&#228;tze sehr beliebt. Besonders bei <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/06/02/uber-die-moralische-notwendigkeit-der-egozentrizitat/">Pflichtmenschen</a> ist dies sehr wirkungsvoll, da hier allein das Gefordertsein durch den Anderen als Pflichtdefinition gen&#252;gt. Gemeine N&#246;rgler fordern gemeinhin am liebsten Dinge ein, die sie selbst nie zu leisten sich auch nur vorstellen k&#246;nnten.</li><li id="footnote_5_172" class="footnote">Eine der gemeinsten Formen dieser Auspr&#228;gung ist, wenn der Gemeine N&#246;rgler einen jeden anderen Vertrauten zu unterminieren versucht. Durch Intrigen und vor allem durch Schlechtmacherei. Ziel der Aktion ist, das Opfer zu isolieren. Dadurch ist ein Erkennen des Parasits schwieriger und die Abh&#228;ngigkieit gr&#246;&#223;er.</li><li id="footnote_6_172" class="footnote">In der Tat stellt sich zuweilen heraus, da&#223; sie selbst von &#196;ngsten und Eitelkeiten zerfressen ist. Im Beispiel des „Gleichnisses vom Barte“ kann isch zum Beispiel herausstellen, da&#223; trotz verschiedentlicher Versuche beim Parasiten selbst einfach nichts wachsen will. Die krampfhaft versuchte Zerst&#246;rung von Freundschaften beim Wirt mit der Begr&#252;ndung der Minderwertigkeit der Personen zeigt oft, da&#223; der Parasit im Grunde h&#246;chst einsam ist und das ganze aus Neid motiviert. Selbiges, was F&#228;higkeiten anbelangt, in denen der Wirt gegebenfalls eine h&#246;here Meisterschaft oder einen umfassenderen Wissenstand erreicht wie der Parasit.</li><li id="footnote_7_172" class="footnote">Die Untreue der eigenen Liebsten w&#228;re durchaus kritikw&#252;rdig, aber nur in dem Sinne, da&#223; man selbst die Treue als Definens der Beziehung ansieht. Die Aufforderung, da&#223; der andere sich einmal gr&#252;ndliche waschen solle, obliegt im durchschnittlichen Falle ebenfalls nur dem Geschlechtspartner, und nur im sehr extremen Falle der Geruchsbel&#228;stigung auch anderen. Die Kritik pers&#246;nlichkeitskonstituierender Dinge hingegen, sollte man meinen, ist in sich widerspr&#252;chlich, da, wenn die Person als solche inakzeptabel ist, man doch ihre Gesellschaft meiden sollte.</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Jens und der Gordische Knoten</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jun 2007 20:36:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Jens beschrieb in seinem Post Unraveling the Gordian Knot eine tiefgreifende Erfahrung, die ich w&#228;hrend der Niederschrift meiner Magisterarbeit erlebte. In Bezug auf die Gedanken, die ich im Moment w&#228;lze, m&#246;chte ich darauf an dieser Stelle nocheinmal gesondert eingegen. Das f&#252;r Jens in diesem Kontext wichtige Problem &#8211; das Vorgehen des Geistes, um f&#252;r unser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://picasaweb.google.com/Norman.Liebold/SpaltenzungenNormanLieboldIllustrationen2005/photo#5057036518940864050"><img src="http://lh3.google.com/image/Norman.Liebold/Ri4z66-l7jI/AAAAAAAABhg/mwPxFP2acgI/s400/spaltenzungen_liebold2.jpg" alt="" hspace="10" align="left" /></a><br />
<a href="http://www.unwesen.de/" target="_blank">Jens</a> beschrieb in seinem Post <a href="http://www.unwesen.de/2007/05/21/unraveling_the_gordian_knot/">Unraveling the Gordian Knot</a> eine tiefgreifende Erfahrung, die ich w&#228;hrend der Niederschrift meiner Magisterarbeit erlebte.<br />
In Bezug auf die Gedanken, die ich im Moment w&#228;lze, m&#246;chte ich darauf an dieser Stelle nocheinmal gesondert eingegen.<span id="more-169"></span><br />
Das f&#252;r Jens in diesem Kontext wichtige Problem &#8211; das Vorgehen des Geistes, um f&#252;r unser Bewu&#223;tsein zu gro&#223;e „Informationseinheiten“ handzuhaben &#8211; m&#246;chte ich hier weniger behandeln als vielmehr das Erleben des Ph&#228;nomens selbst. Denn selbiges war letzthin der Ausl&#246;ser einer Reihe von psychologischen und erkenntnistheoretischen Ph&#228;nomenen, die ich ganz gerne als das <strong>Sma</strong> bezeichne, das Siebenk&#246;pfige Monster der Ambiguit&#228;t. Und die, denke ich, einer der ma&#223;geblichen Einfl&#252;sse auf das aktuelle Schreiben sein d&#252;rften wie in jedem Falle f&#252;r die Realit&#228;tsverschiebungs-Thematik in <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten/venusberg-2007/">Venusberg</a> und <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten/venusberg-2007/">Carpe Noctem</a>.</p>
<p>Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie Probleme, auch sehr komplexe Sachverhalte gleichzeitig im Kopf zu behalten, um sie gegeneinander abzuw&#228;gen, sie zu vergleichen und mit<br />
ihnen zu arbeiten. Metaphorisch kann man hierf&#252;r das Bild des Ram-Speichers verwenden, auch wenn es nat&#252;rlich nicht ersch&#246;pfend ist. Um ein intellektuelles Problem gleich welcher Art zu durchdenken, m&#252;ssen seine Teile im aktiven Bewu&#223;tsein sein. Klausuren oder auch Texterstellungssituationen handhabte ich meist so, da&#223; ich im Vorfeld alles Relavante durch Lekt&#252;re in mich hineinschlang und gelerntes durch Andenken wachrief. In der Situation hatte ich dies dann pr&#228;sent. Gleichsam wie ein Computer, der etwas in den Arbeitsspeicher hochl&#228;dt. Ich entwickelte nie ernstlich Strategien, um gr&#246;&#223;er als fa&#223;bare  Datenmengen zu managen.<br />
W&#228;hrend der Tristan-Arbeit wurde mir das zum Verh&#228;ngnis. Allein die Sekundarliteratur zu den verschiedenen Tristan-Fassungen des Mittelalters ist schier un&#252;berschaubar, die Literatur zu Freud, der in meinem Kontext ungemein wichtig war, nicht minder, und zudem ging der Vergleich zwischen Kaisers „K&#246;nig Hahnrei“, Gottfrieds „Tristan“ und den anderen hochmittelalterlichen Stoffversionen so sehr ins Detail, da&#223; die f&#252;r verschiedene Vergleiche notwendigen Aspekte sowohl von der Anzahl her wie auch vom Umfang her nicht mehr f&#252;r mich handzuhaben waren.<br />
Ich glich dem <a href="http://www.norman-liebold.de/scriptorium/buch_spaltenzungen/leseprobe_jongleur.html">Jongleur</a> aus den <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/publikationen/spaltenzungen-2005/" target="_top">Spaltenzungen</a>: Es waren zuviele der B&#228;lle, und wenn einer f&#228;llt, fallen alle. Ich verlor nicht nur den &#220;berblick, sondern indem ich ihn verlor, zerbrachen gewisse Strukturen: Ich funktionierte nicht mehr, vielleicht eine Form des Wahnsinns, eine Art der geistigen Zersplitterung, in der alles Fragment wird und nichts mehr irgendeine verl&#228;&#223;liche Festigkeit aufzuweisen hat. Obgleich das unangemessen dramatisch klingt, ist es nicht ganz falsch zu sagen, da&#223; in diesem Moment die Realit&#228;t Risse bekam in einer Weise, wie ich es l&#228;nger nicht erlebte. Wobei meine Weltvorstellung sowieso etwas durchl&#228;ssiger ist f&#252;r alternative Interpretationen. Der Zustand selbst, nennen wir ihn einen kurzen Wahnsinn, war einer der &#252;belsten, den ich je erlebte, aus zwei Gr&#252;nden: Zum einen zerbrach meine Welt und es gab keine Sicherheit mehr, noch nicht einmal das <em>Cogito ergo sum</em>, denn das Vertrauen in das Verstehenk&#246;nnen der Welt war nicht mehr vorhanden &#8211; von tausenden M&#246;glichkeiten konnte keine mehr verifiziert werden. Die Verzweiflung war derart intensiv, da&#223; es physisches Erbrechen zur Folge hatte. Eine massivere Angst kann ich mir nicht vorstellen.<a class="sdfootnoteanc" title="sdfootnote1anc" name="sdfootnote1anc" href="#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a> Zum anderen zerbrachen an dieser Stelle wohl einige psychologische Barrieren, die verdr&#228;ngte Erinnerungsinhalte vom Bewu&#223;tsein fern hielten. Das ist kein Scherz: In diesem Augenblick fluteten die Erinnerungen von etwa 10 Jahren mit einem gewaltigen Furz in mich zur&#252;ck, und das war nicht so einfach zu verdauen, wie es sich anh&#246;rt. In der Folge brachte mich das zu dem, was meine Freunde den „RetroTrip“ nennen: ich tourte umher, um Orte meiner Kindheit aufzusuchen und diese Dinge nachzuforschen und f&#252;r mich aufzukl&#228;ren &#8211; ein Proze&#223;, der in mehrfacher Hinsicht als Gesundung bezeichnet werden darf.</p>
<p>Es ist dies die Geburtsstunde des <strong>Sma</strong>, des Siebenk&#246;pfigen Monsters der Ambiguit&#228;t, und es hat sich mittlerweile als sehr nutzbringendes, wenngleich sich zuweilen ungeb&#228;rdig benehmender Begleiter erwiesen, f&#252;r das Schranken und enge Stirnen nicht mehr sind als ein zwar &#252;belriechender aber nichtsdestotrotz ignorierbarer Darmwind.</p>
<p>Leider, wie es scheint, gibt es da noch das spinnenbeinige Wesen, das die Welt bis zu jenem Zeitpunkt fest in seinen beherrschenden Kokon eingesponnen hatte. Wie der Kokon durch F&#252;lle  zersprengt worden war und Welt &#252;berbordend daraus hervorbrach, alles zu erf&#252;llen, strampelt und windet dieses Vieh sich irgendwo zwischen den Riesenb&#228;umen, ein seltsam Wirres Ding, dessen Afterdr&#252;sen klebrige F&#228;den auswirft und angesichts seiner eigenen Winzigkeit l&#228;cherliche Netze und Umwickelungen spinnt, die noch nicht einmal eine Fliege zu fangen imstande sind in ihrer Schw&#228;chlichkeit. Es ersch&#246;pft sich in dem Bestreben, die Welt einfangen zu wollen, und es ist zu hoffen, da&#223; es irgendwann einfach sich auf den dr&#252;sigen und leer-gefadeten Arsch hockt, die Beine um sich wickelt und mit leisem Schaufen akzeptiert, das seine Welt auch dann weiterl&#228;uft, wenn nicht alles mit seinen F&#228;den zusammengeflochten ist und es an ihnen zieht, damit alles seine Richtigkeit hat.<br />
Eigentlich ein bemitleidendes Ding. Wollen wir hoffen, da&#223; es sich vom Spinnen erholt und sich damit abfinden kann, nicht l&#228;nger Demigurg und F&#228;denzieher zu sein, sondern als ein etwas wirrer aber liebenswerter Spinnerich, der an seinen F&#228;den wie Spiderman in H&#228;userschluchten zwischen den S&#228;ulen der alten Weltenb&#228;ume hangelt und dabei vor Freude laut johlt, wie gro&#223; die Welt doch sei.</p>
<p>Um zur Entgegnung des <a href="http://www.unwesen.de/" target="_blank">Jens</a> beschrieb in seinem Post <a href="http://www.unwesen.de/2007/05/21/unraveling_the_gordian_knot/">Gordischen Knoten [see at: Unraveling the Gordian Knot]</a> zu kommen, so k&#246;nnte man sagen, da&#223; das Aufribbeln des Knotens, anstatt, wie Alexander den Knoten l&#246;send diesen einfach zu zerschlagen, durchaus den <em>Vorteil</em> von vielen losen Enden hat. Es ist nur eine Frage der Definition, ob das ein schrecklich verwirrender und qu&#228;lender Zustand ist oder aber ein h&#246;chst gl&#252;ckseliger: Denn um so mehr lose F&#228;den, um so mehr Ankn&#252;pfungspunkte.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
<a class="sdfootnotesym" title="sdfootnote1sym" name="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc">1</a> Meinen Lesern d&#252;rfte an dieser Stelle der Gedanke gekommen sein, da&#223; hier durchaus eine der Wurzeln liegt f&#252;r <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten/carpe-noctem-2007/">Carpe Noctem</a>, und sie liegen damit nicht falsch.</p>
<p><!--more--> &lt;p&gt;<br />
Dieser Post ist u.a. auch eine Antwort auf die von verschiedenen Seiten aufgekommene Frage, was ich denn mit dem „Karussell“ meine&#8230;</p>
<p>Nebenbei: Interessanterweise spielt der Gordische Knoten in den &lt;a href=&#8221;/literatur/publikationen/spaltenzungen-2005/&#8221; target=&#8221;_top&#8221;&gt;Spaltenzungen&lt;/a&gt; eine ausgesprochen wichtige Rolle&#8230; &lt;a href=&#8221;/scriptorium/buch_spaltenzungen/leseprobe.html&#8221;&gt;Leseprobe Spaltenzungen&lt;/a&gt;.<br />
&lt;/p&gt;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Von der Seligkeit des Vergessens</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jun 2007 20:35:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Vergessens ist nicht, wie man vermeinen k&#246;nnte, ein Fluch, der auf den mangelhaften Eigenschaften unseres zentralen Nervensystems beruht. Vergessen ist vielmehr eine ungemein wichtige F&#228;higkeit, ohne die wir nicht lebensf&#228;hig w&#228;ren. Ganz &#228;hnlich wie selektive Wahrnehmung verhindert sie zum Einen, da&#223; wir schlicht und ergreifend an der unfasslich &#252;berbordenden F&#252;lle unserer Welt ersticken, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos//07-04-04_hirn_2.jpg" border="2" alt="" hspace="10" align="left" /><br />
Das Vergessens ist nicht, wie man vermeinen k&#246;nnte, ein Fluch, der auf den mangelhaften Eigenschaften unseres zentralen Nervensystems beruht. Vergessen ist vielmehr eine ungemein wichtige F&#228;higkeit, ohne die wir nicht lebensf&#228;hig w&#228;ren. Ganz &#228;hnlich wie selektive Wahrnehmung verhindert sie zum Einen, da&#223; wir schlicht und ergreifend an der unfasslich &#252;berbordenden F&#252;lle unserer Welt ersticken, wie sie uns in einem jeden Moment entgegentritt. Zum Anderen – und das ist vielleicht noch wichtiger – an einem Ph&#228;nomen, da&#223; jeder nur allzugut kennen d&#252;rfte, der in irgendeiner Weise Bleibendes schafft. <span id="more-168"></span>Ganz gleich, ob es sich um ein Haus handelt, eine Sammlung gleich welcher Art oder meinetwegen Kunst. Es ist der stete Tropfen, der den Stein h&#246;hlt, pflegt man zu sagen. Aber vor allem ist es der stete Tropfen, der nicht nur das Fa&#223; f&#252;llt, sondern letzthin auch zum &#220;berlaufen bringen kann. Denn so wenig auch an einem Tag geschafft sein worden mag, es versetzt in fassungsloses Erstaunen, schaut man sich an, was in zehn Jahren dort steht, wenn nur jeden Tag ein Sandkorn dazugetan wird.</p>
<p>Es kommt dem Entschlu&#223; gleich, sich selbst dem Wahnsinn zu &#252;berantworten, wollte man die Entscheidung treffen, nicht mehr vergessen zu wollen, oder auch nur – und das ist vergleichsweise ein bescheidenes Unterfangen – dem Vergangenen dahingehend Rechnung zu tragen, da&#223; man ein Exzerpt, eine Zusammenfassung der wichtigsten Dinge im Bewu&#223;tsein bewahrt. Um ein solches Exerpt zu erstellen, ist es notwendig, das Vergangene <em>verstanden</em> zu haben. Und geht das einher mit einem gewissen Absolutheitsanspruch, tritt ein Ph&#228;nomen ein, da&#223; ich „Das Karussell“ nennen m&#246;chte. Nat&#252;rlich ist es durchaus denkbar, als Individuum einer segenreichen Naivit&#228;t, einer sch&#246;ngewachsenen Borniertheit oder einfach einer geradezu beneidenswerter „LeckmichamArsch“-Haltung teilhaftig zu sein, so da&#223; man sich im Besitz einer funktionierenden Wahrheit glaubt. Zum Beispiel diese wunderbar ausgeglichenen Menschen, die in Bezug auf ehemals geliebte Menschen ein paar Jahre unter dem Begriff „Arschloch“ zusammenzufassen die Gabe haben und keine weiteren Gedanken daran verschwenden m&#252;ssen.</p>
<p>Das Gegenteil davon sind Menschen, die aus irgendeinem Anspruch – m&#246;glichweise eine seltsame Art intellektueller &#220;berhitzung – <em>verstanden</em> haben wollen, was geschehen sein mag, um damit abschlie&#223;en zu k&#246;nnen. Und nicht eher aufh&#246;ren zu k&#246;nnen meinen, bis sie mit sich und m&#246;glicherweise auch mit ihrer Umwelt eine Form des Konsenses erreicht haben. Es ist nun klar, da&#223; es nicht allein eine schier unendliche Reihe von Fragen gibt, auf die es einfach keine Antwort gibt, nicht nur eine gewi&#223; nicht minder gro&#223;e Menge von Fragen, auf die es m&#246;glicherweise <em>eine</em> Antwort geben mag, aber die wir aus mangelhafter Informationslage oder ebenso mangelhaftem Scharfsinn die „richtige“ nicht zu finden verm&#246;gen, sondern vor allem eine schier gigantische Menge von Fragen, die einfach zwischen g&#228;nzlich d&#228;mlich bis nachgerade bl&#246;de ist, sich zu stellen.</p>
<p>Meine pers&#246;nlichen Vermutung nach h&#228;ngt der Drang des Wachhaltens von Vergangenem direkt oder indirekt mit dem <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/06/02/&#220;ber_die_moralische_Notwendigkeit_der_Egozentrizit&#228;t/">weiter unten besprochenem</a> Ph&#228;nomen zusammen und resultiert aus einer Form von Pflicht oder Schuld – wobei „Pflicht“ und „Schuld“ sich nicht nur nicht ausschlie&#223;en, sondern zum Teil austauschbar sein k&#246;nnen: Aus einem Anspruch des „zuende-gebracht-Habens“, der „Stringenz im Handeln“ und, nicht zuletzt, alles soweit unter Aktendeckel bringen Wollens, da&#223; irgendwelche „Schuld“ ausgeschlossen werden kann entsteht schon fast ein Zwang. Soweit wahrscheinlich, da&#223; die Akten immer wieder aus dem Schrank gezogen, gesichtet und &#252;berpr&#252;ft werden. Besonders, wenn man beweiskr&#228;ftig gezeigt bekam, da&#223; Erinnerungen nicht nur verzerrt sein k&#246;nnen, sondern schlichtweg versumpft, versackt und verdr&#228;ngt. Das ganze kann in der Tat wahnhafte Z&#252;ge annehmen. Zum Beispiel, in dem man vermeint, alle m&#246;glichen „Beweise“ und Ged&#228;chtnisst&#252;tzen chronologisch und nach Priorit&#228;t jederzeit verf&#252;gbar haben zu m&#252;ssen, ansonsten sich ein Gef&#252;hl der Unsicherheit, der Unvollst&#228;ndigkeit einstellt. Gleichsam, als bildete die Gesamtheit der Beweismittel aus der Vergangenheit das Selbst, welches in Ermangelung selbiger nicht mehr beweisbar und damit, nun, fragw&#252;rdig wird und sich in Potentialit&#228;ten aufzul&#246;sen beginnt. Um einmal mehr stellt sich an dieser Stelle die Frage nach der Instanz, welcher man Rechenschaft schuldig zu sein glaubt. Und, wird eine solche gefunden, woher zum Teufel sie die Rechtfertigung<br />
beziehen sollte, Rechenschaft zu fordern.</p>
<p>Der Drang alles „zu ende“ bringen zu wollen, ehe man „etwas Neues“ beginnt, ist in sich v&#246;lliger und absoluter Schwachsinn. Ebenso der Drang, Dinge nicht vergessen und wachhalten zu wollen. Oder Dinge der Vergangenheit in auch nur ansatzweise befriedigender, geschweige denn ersch&#246;pfender Weise verstanden haben zu wollen, es dann aufzuschreiben und das ganze zusammengerollt mit sich herumzutragen. Wir sind nicht die Summe der beweis- oder festhaltbaren Zeitzeugen, und nichts ist niemals abgeschlossen, ebensowenig wie ersch&#246;pfend verstehbar. Daran &#228;ndern auch nicht unbegrenzte Speichermedien, die Immerdabei-Digitalkamera und Weblogs nichts. Ich denke, es ist ein „Habenmodus“ im Sinne Erich Fromms, seine Vergangenheit und seine Person dergestalt analfixiert zu betrachten.</p>
<p>Letztlich sind wir eher ein Baum denn ein Aktenschrank oder ein Museum. Begebnisse und Erlebnisse m&#246;gen durchaus materielle &#220;berbleibsel in Form von Briefen, Photos, gesammelten Steinen oder auch Geschichten-Konstrukten mit sich bringen. Weit wichtiger ist allerdings, da&#223; Leben Sonnenlicht f&#252;r den Baum ist, und jedes Gedachte, Gef&#252;hlte, Gesehene photosynthetisch zu Zellulose gewandelt ein Teil des Baumes wird, ihn formt, gestaltet, in seiner Eigenheit definiert. Zu jedem Zeitpunkt ist damit alles da, was je gelebt worden ist. Ein gewisses Urvertrauen in&#8230; Gott<a class="sdfootnoteanc" title="sdfootnote1anc" name="sdfootnote1anc" href="#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a>&#8230; sollte uns schon versichern, da&#223; im notwendigen Moment die gebrauchten Erinnerungen in uns emporkommen. Und da&#223;, wenn Dinge gekl&#228;rt werden m&#252;ssen, wir so oder so nicht drumherum kommen – sie stellen sich uns solange und so unignorierbar in den Weg, bis wir sie entweder gel&#246;st bzw. angenommen haben oder dran zugrunde gegangen sind.</p>
<p>Vergessen zulassen ist damit eine Form von Glauben. Ein gewisses Gef&#252;hl von Aufgehoben-Sein. Ein Zulassen-K&#246;nnen. Und das, so will es scheinen, ger&#228;t allzusehr in Vergessenheit.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br />
<a class="sdfootnotesym" title="sdfootnote1sym" name="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc">1</a> Bleiben wir mal bei dem Namen, er hat zumindest eine lange Tradition.</p>
<p><!--more--></p>
<h2>Entschlu&#223; zur Indiskretion</h2>
<p><span style="color: blue;"><em><br />
Gestern tat sowohl LiBo wie Ludovika einigerma&#223;en erstaunt, da&#223; es mir durchaus genehm, um nicht zu sagen hochgradig angenehm ist, wenn der <a href="http://blog.norman-liebold.de/" target="_top">LieBlog</a> ausgiebig kommentiert wird. (Letztere ist nat&#252;rliche die vorbildlichste und liebste Kommentatorin &#252;berhaupt, und zudem die geistreichste, wie nicht anders zu erwarten. 300 Jahre Vorsprung halt.) Bei den mich schon fast erschreckend hohen Besucherzahlen und der Tatsache, da&#223; irgendwie jeder &#252;ber die LieBLOG-Inhalte informiert ist, sehe ich mich zumindest f&#252;r eine freche Indiskretion berechtigt: Sofern, wie nicht selten, man mir eine eMail schickt, die direkt und ausschlie&#223;lich auf einen Blogeintrag Bezug nimmt, dann erdreiste ich mich, sie in den Ausschweiflichkeiten zu ver&#246;ffentlichen. Nat&#252;rlich nur, insofern sie mir gef&#228;llt, was sich versteht&#8230;</em></span></p>
<p><strong>[JeyDie schrieb am 05.06.2007 um 10:03 irgendwo aus Fernost:]</strong><br />
[...] heute habe ich auf Deiner Website eine weitere Lektion zum Thema Ironie gelernt. Es ist wirklich lustig, und da mir momentan alles auch nur ansatzweise Lustige sehr gelegen kommt um ueber meine eigene Dummheit und meine daraus resultierende Wut auf mich selbst hinwegzusehen, war es auch irgendwie gut. Wenn Du den Witz auch verstehen willst, dann lies Dir doch noch mal Deine Ausfuehrungen zur Seligkeit des Vergessens durch und stell Dir dabei vor, Du waerest ich und haettest gestern Deine geliebte Tasche im Cafe „vergessen“, was dazu fuehrt, dass Du jetzt offensichtlich pleite bist und Deine „Immerdabei-Digitalkamera“ mitsamt allen Fotos Deiner Reise jetzt bei irgend jemandem ist, der sie nicht schaetzt und Du jetzt hoffst, dass Dein zerstreuter Verstand (zerstreut, da mit Gruebelei beschaeftigt) Dich auf der Reise nie wieder so im Stich lassen wird, was Du aber leider keinesfalls ausschliessen kannst.</p>
<p>Aaaaaaaaaaaaah! Verdammter, verfluchter Mist! Das Schlimmste daran ist, dass ich alles selbst schuld bin. Offensichtlich konnte diese Reise nicht so sanft und froehlich weitergehen, wie sie bisher war. Naja, jetzt werde ich noch ein bisschen flennen und dann losgehen und sehen, dass alles wieder gut wird. Ich bin jetzt uebrigens in Australien angekommen. Typisch, andere Leute werden beklaut oder ueberfallen, aber ich bin offensichtlich die Seligste unter den Seligen, zumindest was das Vergessen angeht. Das allerdings nur in Bezug auf Gegenstaende. Das Gefuehl von Aufgehoben-Sein hat mich uebrigens heute Morgen einfach verlassen. Wie auch immer, ich hoffe, dass es Dir besser geht und sende vielleicht ein paar Sonnenstrahlen nach Deutschland, falls das ueberhaupt noetig ist.  [...]</p>
<p>[Norman antwortet: <em>Ich wei&#223;, da&#223; das absolut kein Trost ist, aber so schade und traurig es ist, die Photos und Beweise Deiner wunderbaren Reise (gerade die bestimmt einiges Geld wiegende Spionage-Bilder aus China!) in Deiner Tasche herumliegen - (keine Chance, da&#223; sie noch da ist? Oder ist „vergessen“ gleichbedeutend mit „nach vergessen von anderen freudig &#252;berrascht mitgenommen“?) - die Erfahrungen und Bilder Deiner Reise sind in der Tat in Dir und k&#246;nnen Dir nicht weggenommen werden, sofern sich nicht jemand entschlie&#223;t, Deinen Hirnkasten zu &#246;ffnen oder von Au&#223;en allzu kr&#228;ftig gegenzuschlagen. Und der bek&#228;me es definitiv mit mir zu tun! Immerhin wei&#223;t Du, wen Du f&#252;r das Verschwinden Deiner Tasche verantwortlich machen kannst... tu mir aber einen Gefallen, und vergi&#223;</em> Dich <em>nicht, wenn Du zur&#252;ck kommst. Nicht, da&#223; Dich noch jemand einfach mitnimmt... <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  Nicht &#228;rgern, es gibt doch dieses sch&#246;ne Gebet von wegen „Gib mir die Kraft zu &#228;ndern, was ich &#228;ndern kann, die Gelassenheit zu ertragen, was ich nicht &#228;ndern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden...“ Meine Mutter hat auch einen tollen Spruch, der, wie ich finde, durchaus Trost zu schenken vermag: „Wer wei&#223;, wozu es gut ist.“ Irgendwann stellt sich immer heraus, da&#223; es f&#252;r irgendetwas wichtig und notwendig war. Bei einem (wie ich im Moment allerdings gerade bezweifle) linearen Zeitverlauf ist das was wahres dran, sofern was Gutes kommt. Und davon gehe ich mal schwer aus...<br />
Also: Vergi&#223; Dich nicht und alles Liebe nach... Australien. Sonnenstrahlen schick ich Dir nicht, aber daf&#252;r geballten Neid!</em>]</p>
<p style="text-align: right"><span> <strong><a href="http:///">Ludovika</a> | 04.06.2007 | 16:08</strong></span></p>
<p>Mein Gott &#8211; oder sollte ich tats&#228;chlich sagen: mein lieber Norman &#8211; in den ersten 3 Abs&#228;tzen habe ich mich sehr wiedergefunden. Oh ja, ein Vampyr tr&#228;gt seine Vergangenheit noch viel l&#228;nger mit sich herum, als irgendein Sterblicher. Er laboriert dementsprechend auch l&#228;nger an Vergangenem, kann sich aber auch viel l&#228;nger an Vergangenem weiden. Letztlich kann er sogar zu gr&#246;&#223;eren Erkenntnissen gelangen, denn er hat mehr Zeit zu verstehen. Und Verstehen &#8211; also den Verstand benutzen &#8211; geh&#246;rt neben dem Konstrukt der Liebe &#8211; auch dar&#252;ber hat m.E. der fr&#246;mmelnde Fromm gesermont &#8211; zu den genuinen Eigenschaften des Menschen. Des Menschen sanguine Eigenschaft sozusagen &#8211; von Gottes Gnaden auch noch, man stelle sich vor. Und ich bin froh, dass mir diese Eigenschaft auch nach meinem fr&#252;hzeitigen Verscheiden erhalten geblieben ist, wenn auch manches ich lieber nicht mehr wissen wollen w&#252;rde und anderes gern wieder h&#228;tte. Ihr wollt euch doch nicht mit einem Baum vergleichen und in seliger Selbst-Vergessenheit vor euch her vegetieren. Besser w&#228;r&#8217;s alle mal manchmal, wenn ich euch so sehe, aber solange ihr f&#252;hlen und denken und erinnern k&#246;nnt, ist die M&#246;glichkeit einer Erkenntnis nicht ausgeschlossen. Vor dieser umfassenden Erkenntnis liegt zun&#228;chst freilich eine andere: das Ma&#223;. Einfach wahllos zu sammeln, zu kategorisieren und zu dokumentieren, garantiert allein noch kein Verstehen und erst recht keine Deutungshoheit. Aber der Diskurs mag vielleicht schon viel zu erbringen und &#8211; dies besonders, wie ich bereits schmerzlich an mir erfuhr &#8211; auch mal Vergessen zulassen, z.B. dann wenn sich das „Karussel“ am schnellsten dreht?<br />
[In der Tat. Allein das wahllose Sammeln stellt sich auch bei meinen knabenhaft unreifen 30 Jahren nicht unbedingt ein. Dazu gab ich mir zuviel zwecklose M&#252;he, alles in wunderbare Hierarchien, Abh&#228;ngigkeiten, Chronologien und - oh Graus - Sinnzusammenh&#228;nge zu ordnen. Wovon einzig der tempor&#228;re Aspekt zumindest ansatzweise verl&#228;&#223;lich sein d&#252;rfte. Aber auch hier sind gelinde Zweifel sehr schnell zu bemerken. Schlaufenf&#246;rmige Zweifel, sozusaugen. Nunja: Seliges Vergessen ist denn doch nur m&#246;glich in den kalten Armen der Unsterblichen, wie?]<br />
Was den Baum angeht&#8230;<br />
<a href="http://picasaweb.google.de/Norman.Liebold/DerEderseeNormanLieboldOrte/photo#5061012548339616882"><img src="http://lh5.google.de/image/Norman.Liebold/RjxUGSuTzHI/AAAAAAAACFQ/Ia6l3cBGRZQ/s400/03_edersee_baum_01.jpg" alt="" /></a></p>
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		<title>Von dem Satyricus, der glaubte, ein Pferd zu sein</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2007 20:32:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Was folgt, ist ein eher abstrakter Gedankengang, der im Grunde nur von Pflichtmenschen (s.u.) nachvollzogen werden kann, den ich aber gerade &#228;u&#223;erst interessant finde, da er m&#246;glicherweise literarische Tragweite hat. Er geh&#246;rt zu einer Reihe von Gedankeng&#228;ngen, die als lose F&#228;den peitschenden Stromkabeln gleich seit einiger Zeit in meinem Gehirnkasten h&#228;ngen und regelm&#228;&#223;ige, nach Ozon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was folgt, ist ein eher abstrakter Gedankengang, der im Grunde nur von Pflichtmenschen (s.u.) nachvollzogen werden kann, den ich aber gerade &#228;u&#223;erst interessant finde, da er m&#246;glicherweise literarische Tragweite hat. Er geh&#246;rt zu einer Reihe von Gedankeng&#228;ngen, die als lose F&#228;den peitschenden Stromkabeln gleich seit einiger Zeit in meinem Gehirnkasten h&#228;ngen und regelm&#228;&#223;ige, nach Ozon stinkende Entladungen von sich geben.<br />
Das Faszinatum, um das sich der abstrakte Gedanke dreht, ist der <strong>Minnes&#228;nger-Komplex</strong> welcher bereits <a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/publikationen/der-minnesangerkomplex-2003/">Buchform</a> gefunden hat, angef&#252;llt mit Geschichten aus einem runden Jahrzehnt.<br />
Ich hatte vor nicht allzulanger Zeit die Chance, einem solchen Minnes&#228;nger-Komplex beim Entstehen zuzuschauen und ihm gewisserma&#223;en die Haut vom Kadaver abziehend auf den Zahn zu f&#252;hlen, um ihm nachgerade ebensolchen zu ziehen.<span id="more-166"></span></p>
<p><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/Kentaur_und_Nymphe_Kolonnaden.JPG" align="left" border="2" hspace="10" /><br />
Es handelt sich scheinbar um ein centaurisches Problem. Tierischer Pflichtmensch, sozusagen. Durchhalten bis zum akzeptablen Nein, wenn man so m&#246;chte. Das interessante daran, was ich mir erinnerlich halten m&#246;chte, ist, da&#223; Erkenntnisse bzw. ihre umst&#228;ndlichen Umst&#228;nde recht banal sein k&#246;nnen und zumeist in Horden kommen.<br />
Ich habe mich in der Vergangenheit mehrfach gefragt, weshalb man(n) aus irgendwelchen Gr&#252;nden mit dem werbendem Verhalten gegen&#252;ber einer Frau fortfahren kann, obwohl gewisse Instanzen in einem die Sache als l&#228;ngst gegessen betrachten. Ich meine damit in der Tat, da&#223; ein Zwiespalt auftritt zwischen Verhalten und Wollen. Richtig, das bezieht sich auf den vorstehenden Beitrag und ist, das ist die daraus gewonnene Erkenntnis, ein Ausflu&#223; des dortig geschilderten „Pflichthabitus“.</p>
<p>Am Anfang eines „Minnes&#228;nger-Komplexes“ kann &#8211; zumindest in dieser Auspr&#228;gung, um die mir gerade angelegentlich ist &#8211; ein Moment der leidenschaftlichen &#196;u&#223;erung stehen. Centaurisch pferdisch &#252;berbordend nicht unwahrscheinlich unter der Bedienung liebesmetaphorischer oder als liebesmetaphorisch verstehbarer verbaler oder erotischer Handlungen. Nackte Br&#252;ste k&#252;ssen, zum Beispiel, sabbernde Gest&#228;ndnisse tiefbr&#252;nstigen Begehrens, dem die Worte gleich werden. Wird das Pferd vom Haupt abgel&#246;st (nicht das Haupt vom Pferde abgetrennt, versteht sich), kann es zu einer Problematik kommen, die nicht zu untersch&#228;tzen ist. Ich m&#246;chte sie K&#246;rbisch nennen. Als Vertreter der Pflichtmenschen-Rasse sieht man sich nat&#252;rlich gezwungen, nicht zu entt&#228;uschen und eventuell als solche verstandene Versprechen als absolut zu betrachten. Wird also ein Korb in einer Weise &#252;berreicht, die zumindest mehrdeutig ist &#8211; zum Beispiel mit &#196;pfeln gef&#252;llt-, so kann selbst bei Interessenschwund die Verpflichtung zur Verpflichtung bestehen bleiben. Das ist genauso idiotisch, wie es sich anh&#246;rt, und wollte man es in einen Satz packen, so ist dieser gewi&#223;lich ebenso minnes&#228;ngerisch wie komplex.<br />
Interessant an solcherart Dingen ist eine Konstellation, die grunds&#228;tzlich albern ist: Man hat einen Kerl, der sich in diversen werbenden Phrasen ergeht und selbst dar&#252;ber irritiert ist, denn gef&#252;hlstechnisch ist die Sache l&#228;ngst erledigt, und es ist eine Art Pflicht&#252;bung. Dies kann durchaus heftige Formen annehmen, da doch, bittesch&#246;n, das erl&#246;sende Nein endlich kommen soll, ohne da&#223; man von dem eigenartigen Pflichtgef&#252;hl nicht erl&#246;st werden kann. Denn solange noch die Chance besteht, da&#223; erwartet wird, da&#223; man seinem br&#252;nstig r&#246;chelndem Worte gem&#228;&#223; sein Wort auch gerecht wird, ist leichtherzige Normalit&#228;t nicht recht m&#246;glich.<br />
L&#228;cherlich? Mitnichten. Das kann im Sonderfall immerhin ein Dutzend Jahre dauern. Und nicht nur einmal, sondern gleich ein halb Dutzend Mal. <em>Parallel!</em> Das ist immens zeitraubend, anstrengend und zuweilen teuer. Schwierig ist es vor allem dann, wenn die Zahnr&#228;dchen und Muster dem Minnes&#228;nger selbst nicht transparent sind &#8211; und alte Muster verwachsen und wuchern derma&#223;en, da&#223; eine nachtr&#228;gliche Eruierung sehr schwer wird.<br />
Einem neu entstehenden Minnes&#228;nger-Komplex zuzuschauen hingegen mit der Reife der Jahre und dem leisen Erstaunen, da&#223; die Dinge sich selber immer gleich bleiben, ist eine Chance, die sich so oft nicht bietet. Die Menge der Minnes&#228;nger-Komplexe erkl&#228;rt sich ja wie die Narben auf dem K&#246;rper, die sich beim Haudegen &#252;ber die Kriege und Jahrzehnte sammeln, was nicht hei&#223;t, da&#223; er alle Tage ein Schwert irgendwo stecken hat.</p>
<p>Das eigentlich Faszinierende dabei ist die gef&#252;hlsm&#228;&#223;ige Erleichterung, die mit der erwiesenderma&#223;en nicht notwendigen Mehrdeutigkeit des Korbes einhergeht. Und das geradezu rauschhafte Erkennen eines weiteren Musters. Das nat&#252;rlich noch weit weitreichendere Gebiete umfa&#223;t als das Gebiet des Minnes&#228;nger-Komplexes. Allerdings sind die Schlu&#223;folgerungen, die sich beim weitergehenden Analysieren daraus ergeben, recht absurd und legen Erkenntnisse nahe, die schon l&#228;ngst erkannt waren. Und das wiederum ist durchaus eine nicht unbetr&#228;chtlich beachtliche Sache.</p>
<p>Die Limnatide jedenfalls war offenbar doch, nach was sie sich anf&#252;hlte: Die G&#246;ttin daselbst, mit Zaunpfahl. Schon albern, wenn ein Centaur nach langem Umherstreifen in den Spiegel schaut, und feststellt, da&#223; er ein Satyr ist. Fragt sich nur, wer ihm eingeredet haben mag, da&#223; das untere Teil von ihm ein Pferd sein soll, wo doch ganz klar ist, da&#223; nur B&#246;cke gespaltene Hufe haben.</p>
<p><strong>Tintengefuchst postgescriptet:</strong>: Da&#223; man auch in Geschichten verliebt sein kann, ist hinl&#228;nglich bekannt. Das gilt besonders f&#252;r Tintenf&#252;chse. Man kann solcherart Empfindlichkeiten auch zu <em>ungeschriebenen</em> Storys entwickeln, was dann mit einigen Umwegen zu einer dem Minnes&#228;nger-Komplex verwandten Form des Verstopfung ausl&#246;senden ungelegten Eis f&#252;hren kann. Nicht nur der Gesichtsausdruck neigt dann zu Verkniffenheiten. Ich m&#246;chte das an dieser Stelle nur anmerken, weil ich mich ab sofort von jeglichen Eheversprechen gegen&#252;ber der einen oder anderen Geschichte entbunden f&#252;hle. Ich denke, ich fick mich ersteinmal fr&#246;hlich durch die Welt.</p>
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		<title>&#220;ber die moralische Notwendigkeit der Egozentrizit&#228;t</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jun 2007 20:19:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Neben anderen gibt es eine bestimmte Art und Weise, seine Handlungen auf die Welt hin auszurichten, &#252;ber die ich in letzter Zeit viel nachdachte. Man k&#246;nnte sie die „Pflichthaltung“ nennen. Grunds&#228;tzlich und sehr vereinfacht orientiert sie sich an den Erwartungen, die die Welt &#8211; nat&#252;rlich in der Hauptsache Menschen oder Instanzen wie G&#246;tter &#8211; an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neben anderen gibt es eine bestimmte Art und Weise, seine Handlungen auf die Welt hin auszurichten, &#252;ber die ich in letzter Zeit viel nachdachte.<br />
Man k&#246;nnte sie die „Pflichthaltung“ nennen.<br />
Grunds&#228;tzlich und sehr vereinfacht orientiert sie sich an den Erwartungen, die die Welt &#8211; nat&#252;rlich in der Hauptsache Menschen oder Instanzen wie G&#246;tter &#8211; an sie herantr&#228;gt, bzw. die sie glaubt, an sich herangetragen zu sehen, um sie nach bestem Wissen und Gewissen zu erf&#252;llen &#8211; oder sich auch gegen sie zu stellen.<br />
Wichtig daran ist, da&#223; sie den <em>Bezugspunkt</em> darstellen.<br />
Wer diese Haltung &#8211; gleichg&#252;ltig, ob bewu&#223;t oder unterbewu&#223;t, meistenteils jedoch letzteres &#8211; innehat, mu&#223; zwangsl&#228;ufig wissen, was die Welt von ihm will, und sein Bestreben ist daher bem&#252;ht, nicht nur die Erwartungen der Welt herauszufinden, sondern dies auch in h&#246;chster Eindeutigkeit. Was letzthin bedeutet, sowohl das Wollen der Menschen und damit deren innersten Motivationen verstanden haben zu m&#252;ssen. Wie auch &#8211; in letzter Instanz &#8211; das innerste Getriebe der Welt selbst. Denn fehlt das Bewu&#223;tsein der herangetragenen Erwartungen und Forderungen, fehlt zugleich auch notgedrungen der Bezugspunkt, sei es nun dahingehend, da&#223; man sie zu erf&#252;llen trachtet oder dahingehend, da&#223; man sich gegen sie zu stemmen beschlie&#223;t.<br />
Wobei anzumerken ist, da&#223; diese Haltung sich nat&#252;rlich nicht nach den willk&#252;rlichen Gel&#252;sten einer oder mehrerer Personen richten kann, sondern vielmehr nach dessen ureigenstem und wahrstem Wesenskern &#8211; zuweilen soweit gehend, diesen besser kennen zu m&#252;ssen als der Betreffende selbst.</p>
<p>Diese Haltung zeigt sich bereits nach k&#252;rzestem Betrachten sowohl als selten d&#228;mlich wie auch geradezu anma&#223;end arrogant. Man mu&#223; schon an irgendwelche Instanzen glauben, die im Besitze einer zumindest tiefergehenden Wahrheit sind, um deren Forderungen und Erwartungen &#252;berhaupt als gerechtfertigt ansehen zu k&#246;nnen. Ansonsten bleibt, nachdem man deren Wollen herausgefunden und verifiziert hat, immer noch das Abgleichen mit irgendwelchen als wahrhaft angesehenen Werten, um danach zu entscheiden, ob es angemessen und richtig ist, sich dem gem&#228;&#223; zu verhalten.<br />
Aber im Grunde sind Gedanken an einzig wahre Wahrheiten gar nicht einmal notwendig.</p>
<p><span id="more-165"></span><br />
Es gen&#252;gt allein, da&#223; selbst in dem Falle, da&#223; einer auch nur genau wei&#223;, was er von uns will, noch lange nicht gesagt ist, da&#223; wir das auch richtig erkennen k&#246;nnen. Und dabei ist es noch ganz gleichg&#252;ltig, ob die Forderungen nun gerechtfertigt und angemessen sind, oder nicht.<br />
Das gilt sowohl f&#252;r Individuen wie Gruppen wie auch f&#252;r scheinbar abstrakte Forderungen, deren Name von gesellschaftlicher Pflicht &#252;ber „das geh&#246;rt sich aber“ bis hin zu moralischen Gesetzen lauten kann. (Und oft genug wissen zumindest Individuen noch nicht einmal selber, was sie eigentlich wollen.)</p>
<p>Um eine solche Haltung also &#252;berhaupt umsetzbar zu gestalten, sind verschiedenste Voraussetzungen notwendig. Zuerst einmal m&#252;ssen wir eindeutig erkennen k&#246;nnen, was man von uns will. Dann mu&#223; da auch etwas sein, was man eindeutig von uns will. Und schlie&#223;lich mu&#223; dieses von uns Gewollte auch angemessen und wahrhaftig sein. Erst dann ist zu erw&#228;gen, ob &#252;berhaupt die Voraussetzungen gegeben sind, diesen Erwartungen &#252;berhaupt Folge leisten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Sp&#228;testens, wenn aus irgendeinem Grunde eine bestimmte Schallmauer innerhalb unseres Geistes durchbrochen worden ist und auch nur der leise Lichtschein des Bewu&#223;tseins hat aufkommen k&#246;nnen, da&#223; Wahrheit eine Sache des Blickwinkels ist und der unrechtm&#228;&#223;igen Vereinfachung, und unter Umst&#228;nden der Zustand der Welt ein dem Wesen nach mehrdeutiger und ambiguiner ist, f&#228;llt das ganze v&#246;llig in sich zusammen und es bleibt nicht mehr &#252;brig als Descartes am Beginn seiner Meditationes vorfindet. Wobei seine &#220;berlegungen nat&#252;rlich mehr der Erkenntnisf&#228;higkeit gelten als der der Handlungs&#228;higkeit. Prinzipiell ist das Problem aber &#228;hnlich gelagert, nur da&#223; statt des <em>Cogito</em> letzthin das <em>Velli</em> zu betrachten ist.</p>
<p>Der „Pfichthaltungstypus“ verbringt, denkt man diesen Gedanken zu Ende, je nach H&#246;he Reflektionsstufe zunehmend viel Zeit damit, zu gr&#252;beln und krampfhaft zu eruieren, was zum Teufel man eigentlich von ihm will. Wenn er nicht &#252;ber die gl&#252;ckselige Gabe des Selbstbel&#252;gens, der Naivit&#228;t oder blo&#223;er Arroganz verf&#252;gt, wird er damit notgedrungen nie zu Rande kommen. Und wenn er es mal herausfindet, ist noch lange nicht gesagt, da&#223; es dann, wenn er es heraus-gedacht hat auch noch aktuell ist. Aber das herauszufinden, wird ihm nicht gegeben sein, weil er zuerst nachdenken mu&#223;, ob er das, was man von ihm will, auch tun will. Und hat er das positiv entschieden, mu&#223; er noch schauen, ob und wenn, wie er es tut. Sollte noch irgendetwas an Zeit &#252;brig sein, wird er sie wahrscheinlich damit zubringen, sich best&#228;ndig f&#252;r alles m&#246;gliche zu rechtfertigen, von dem er glaubt, da&#223; es von ihm erwartet worden sein k&#246;nnte. Oder umf&#228;ngliche Erkl&#228;rungsans&#228;tze zu liefern, die darlegen, was er sich bei v&#246;llig unangemessenen oder ein paar Jahrzehnte zu sp&#228;t kommenden Handlungen gedacht hat. Wenn er &#252;berhaupt noch zum Handeln kommt und nicht an der Widerspr&#252;chlichkeit der an ihn herangetretenen Erwartungen (von denen 3/4 wahrscheinlich auch noch eingebildet sind) verzweifelt ist.</p>
<p>Wahrscheinlich kommt der &#220;berlebende in fortgeschrittenem Alter zu einem sehr einfachen Schlu&#223; und h&#246;rt auf, sich den Kopf dar&#252;ber zu zerbrechen, was man von ihm erwartet.</p>
<p>Anstatt in der Reihenfolge zu denken: „<em>Wie soll ich sein? Ist es (moralisch) gut, so zu sein? Habe ich die M&#246;glichkeiten, so zu sein? Will ich so sein?</em>“ wird er zum Schlu&#223; kommen, da&#223; nur eine Reihenfolge &#252;berhaupt denkbar ist: „<em>Wie will ich sein? Habe ich die M&#246;glichkeiten, so zu sein? Ist es (moralisch) gut, so zu sein?</em>“</p>
<p>Und was am Anfang am Anfang stand dieser Reihe, wird zu einem „Habt Ihr ein Problem damit?“ Beziehungsweise, da dem zwangsl&#228;ufig immer bei irgendwem der Fall sein wird, die leise Ahnung, da&#223; das gar nicht das eigene Problem ist, sondern Probleme stets die Probleme desjenigen sind, der sie hat. Und solcherart Wesenheiten, die aus unerfindlichen Gr&#252;nden Freude daran haben, sie auf einen &#252;bertragen zu wollen, pflichtschuldigst gemieden zu werden verdienen.</p>
<p>Als Begriff einer solchen Haltung k&#246;nnte man vielleicht einf&#252;hren: „<strong>Egozentrizit&#228;t h&#246;herer Ordnung aufgrund dem&#252;tiger Einsicht in die Fehlbarkeit eigener Welterkenntnis</strong>“. <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':-D' class='wp-smiley' /> </p>
<blockquote>
<blockquote>
<h4 align="right">Kommentare</h4>
<p><a id="comments" name="comments"></a><a id="c87-1" name="c87-1"></a></p>
<p style="text-align: right"><span> 	<strong><a href="http:///">Ludovika</a> | 04.06.2007 | 07:50</strong></span></p>
<p>*schmunzel* &#8211; damit hast du alles zu diesem Thema auf den Punkt gebracht &#8211; Egozentrifizierung w&#252;rde man das Programm nennen, wolltest du damit missionieren.</p>
<p style="color: #2f67c3">[Wenn Du meinst. Ich denke aber schon, da&#223; Du wei&#223;t, von was ich spreche und warum. Du ganz besonders, mit 325 Jahren Erfahrung in diesem Bereich! Im &#220;brigen spiele ich gerade den Zertr&#252;mmerer, um den Kalk der letzten drei Jahre zu zerbrechen, der diverse H&#246;hlen derma&#223;en versinthert hat, da&#223; da kaum noch ein Durchkommen und ein &#252;beraus engliches Gef&#252;hl ist. Aber ich klopfe ja schon seit ein paar Monaten auf dem Kalk herum, nun wird er langsam m&#252;rbe...]</p>
</blockquote>
</blockquote>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Das Geheimnis der nichtfestzumachenden falschen Argumentation</title>
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		<pubDate>Sun, 27 May 2007 21:06:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines der ewigen Dinge, auf die ich immer und immer sto&#223;e, ist all das, was gemeinhin unter „Esotherik“ subsumiert werden kann. Da ich in Glauben, Mythen und Geschichten interessiert bin und durchaus paganistisch infiziert, bleibt das nat&#252;rlich nicht aus. Ebensowenig, da&#223; sich hier zeitgleich mit der gelinden Neugier meine Fu&#223;n&#228;gel bis &#252;ber die Knie aufrollen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines der ewigen Dinge, auf die ich immer und immer sto&#223;e, ist all das, was gemeinhin unter „Esotherik“ subsumiert werden kann. Da ich in Glauben, Mythen und Geschichten interessiert bin und durchaus paganistisch infiziert, bleibt das nat&#252;rlich nicht aus. Ebensowenig, da&#223; sich hier zeitgleich mit der gelinden Neugier meine Fu&#223;n&#228;gel bis &#252;ber die Knie aufrollen.<br />
So ist es keine Seltenheit, da&#223; Situationen vorkommen wie da&#223; <a href="http://www.unwesen.de/" target="_blank">Jens</a> mich aus einer Veranstaltung der M&#246;chtegerntemplernachfahren „Rosenkreuzer“ heraus<em>tragen</em> mu&#223;, weil ich vor Lachen nicht mehr laufen kann oder ich diese armen W&#252;rstchen zum Wahnsinn treibe, die glauben, Leuten Sand oder Wasser verkaufen zu k&#246;nnen, indem sie statt erscheinender Jungfrauen arguentativ Dinge einsetzen wie „Biophotonen“, „Cluster“, „Tachionen“ und dergleichen mehr, ohne mehr dar&#252;ber zu wissen als da&#223; es irgendwie „wissenschaftlich“ klingt und wie erscheinende Jungfrauen den Vorteil hat, da&#223; es weder nachweisbar noch irgendwie bewiesen ist.</p>
<p><span id="more-163"></span></p>
<p>Gestern hatte ich wieder einmal das Vergn&#252;gen mit einem Exemplar dieser Gattung Mensch, welche in Form des Herr <a href="http://www.pimath.de/" target="_blank">K*P*</a> absurd komische, aber bei anderen Menschen immerhin so ansatzweise glaubw&#252;rdige Formen annehmen, da&#223; es gen&#252;gend Leute gibt, die offenbar aufgrund eines Glaubens-Defizites eine Ersatzbefriedigung suchen. Die, wie wir in unserer sch&#246;nen bunten Welt sehen, angenehm bis absurd bis erschreckend d&#228;mliche synkretistische Formen annehmen kann.</p>
<p>Eine mir ausgesprochen liebe Freundin glaubt so an die Informierung und Energetisierung von Wasser mittels des unglaublichen <a href="http://lambda-energetics.de/index.php?act=water&amp;lang=de" target="_blank">Lambda Uno</a> und war &#252;ber Jahre Kunde des von mir erw&#228;hnten Herren, mit dem ich gestern sprach. Was hei&#223;t, da&#223; dieser Herr mit seinem unglaublichen <a href="http://lambda-energetics.de/index.php?act=water&amp;lang=de" target="_blank">Lambda Uno</a> im Rucksack vorbei kommt, es an den Wasserhahn anschlie&#223;t, das Zeug in Flaschen abf&#252;llt und pro Flasche einen Zwanni abkn&#246;pft. Der Wasser-Guru laberte mir ein paar Blasen ans Ohr und &#8211; ein wirklich erstaunliches Erlebnis &#8211; erfa&#223;te nicht wirklich, wenn ich ihn mit deutlicher Ironie auf die Schippe nahm. Ich fragte denn auch sehr interessiert nach, und er tappte in wirklich nachgerade jede Falle.<br />
Interessant an dem ganzen ist nicht nur, da&#223; er sich nur selbst widersprach in dem Bestreben, irgendeine Argumentationsschiene zu finden, auf die anspr&#228;nge, sondern vor allem die dank seiner, nun, mangelnden Subtilit&#228;t so angenehm transparenten Strategien. Berufung auf irgendwelche Authorit&#228;ten, die er kennt und auf irgendwelche spannend klingenden Institutionen &#8211; allerdings beim Authorit&#228;ts-Beruf verbleibend, ohne Inhalte anzugeben. Das Herunterrattern von mit wissenschaftlich klingenden Terminologien gespickten „Argumenten“, die allerdings bereits mit durchschnittlicher phsyikalischer oder chemischer Allgemeinbilder beim ersten Nachfragen in nichts zusammenbrechen. Das unter der Hand preisgegebene Geheimnis, da&#223; man im Besitz von exklusivem Wissen sei, vermittelt durch irgendeinen noch viel exklusiveren Eingeweihten.<br />
Die Muster &#228;ndern sich im Grunde nie, aber ich finde es wirklich sch&#246;n, einmal auf so angenehm klare Weise diese Muster beobachten zu d&#252;rfen, da&#223; es einfach m&#246;glich ist, einmal ganz gezielt den Finger darauf zu legen und Definitionen entwickeln zu k&#246;nnen f&#252;r jene F&#228;lle, wo es geschickter und subtiler gemacht wird und es so schwer ist, den Finger an den Knackpunkt zu legen.</p>
<p>Deswegen liebe ich solche Dinge wie den <a href="http://www.gandhi-auftrag.de/cloudbusterbauanleitung.htm" target="_blank">ChemBuster</a> oder auch den Bruder des <a href="http://lambda-energetics.de/index.php?act=water&amp;lang=de" target="_blank">Lambda Uno</a>, den<br />
<a href="http://lambda-energetics.de/index.php?act=nomil&amp;lang=de" target="_blank"><img src="http://lambda-energetics.de/images/5caf96a7d375578fe4718f862f942384.gif" /></a>.<br />
Denn ist es nicht wirklich erstaunlich, in welch einer unglaulich genialen Welt wir leben, in der es Menschen wie Peter Quark m&#246;glich ist, eine dreieckige Sache zu bauen, die „quantenpysikalische Effekte zur intelligenten Harmonisierung des Raumklimas“ nutzt und das ganz „ohne Energiezufuhr und ohne Chemikalien“? Nur durch „geometrische Strukturen und spezielle Materialien die im Ger&#228;t“, mit Null-Punkt-Energie und „&#252;berlichtschneller Teilchen“?</p>
<p>Das ist schon wirklich toll, das mu&#223; man schon sagen. Ich reinige mein Wasser von schlimmen „Informationen“, denn das Wasser erinnert sich n&#228;mlich daran, wenn mal eine schlimme Sache im Wasser gewesen ist. Man mu&#223; es dann verwirbelnd und „Cluster“ zerbrechen, ihm eine Amnesie verpassen und eine neue Erinnerung. Sonst bin ich ganz schlimm dran. Und mein Haus braucht bessere Energiefelder, dann klappts auch wieder mit dem Nachbarn. Schei&#223; Erdstrahlen aber auch. Es ist schon sehr geil, wenn es so einfache Erkl&#228;rungen daf&#252;r gibt, da&#223; ich mit mir nicht ganz zufrieden bin: Mein Wasser ist traumatisiert und hat schlechte Erinnerungen. Und mein Haus, das hat schlechte energetische Strukturen. Und noch geiler ist, da&#223; ich mir einfach nur ein auf „quantenmechanischen Effekten“ basierende&#8230; dreieckige&#8230; Dinger kaufen und aufh&#228;ngen mu&#223;, damit alles wieder gut wird. Das ist schon wichtig, denn da niemand wirklich wei&#223; oder auch nur anerkannte Theorien existieren, was genau Cluster, Biophotonen, Neutrinos etcpp,. sind, man das aber aus der aktuellen Wissenschaftsdiskussion oder aus Star Trek schon mal geh&#246;rt hat&#8230; sollte man sich lieber mal sch&#252;tzen. Sicher ist sicher.</p>
<p>Immerhin kostet das dreieckige quantenmechanische Ding in der kleinsten Ausf&#252;hrung nur schlappe 2.880,- Euro. F&#252;r die harten Esos gibt es das „spezial“ f&#252;r 10.080,- Euro. Und unser sch&#246;ner Wasser-Gehirnw&#228;sche-Apparat bekommt man f&#252;r 990,- und 6550,- Euro.<br />
Oder, wenn man solche Leute wie den Wasser-Mann kennt, f&#252;r schlappe 700- Euro. Wovon der nat&#252;rlich Provision bekommt. Von Herrn Quark. Peter Quark.</p>
<p>Manchmal sehne ich mich in der Tat ins Mittelalter zur&#252;ck. Damals nannte man das Scharlatane, aber die Wunderw&#228;sserchen waren wenigstens nicht so teuer.</p>
<blockquote>
<blockquote><p><a id="comments" name="comments"></a><a id="c85-1" name="c85-1"></a></p>
<p style="text-align: right"><span> 	<strong><a href="http://www.unwesen.de/">jens</a> | 29.05.2007 | 14:04</strong></span></p>
<p>Quarksalber? Mach&#8217;s doch am Besten so, und fuell etwas Speiseoel in ein kleines Flaeschchen ab, dass Du den Leuten dann als Schlangenoel verkaufst &#8211; wirkt gegen alles. Das wussten schon die Indianer. Oder so.</p></blockquote>
</blockquote>
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		</item>
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		<title>cafetenschein &#124; hellenser &#124; weltirritationen</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Feb 2007 10:14:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[[bonn, cafete.] als ich mit dem studieren begann, gab es eine art running gag innerhalb der subgemeinschaft von haupts&#228;chlich weisheits-liebe-studierenden, in die ich &#8211; insbesondere dank mSternchens bereits-da-seins &#8211; eintauchte. dieser running gag bezog sich auf einen schein der besonderen art, welcher ausschlie&#223;lich dadurch zu erlangen war, da&#223; man einen mindestsatz an wochensemesterstunden in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[bonn, cafete.] als ich mit dem studieren begann, gab es eine art <em>running gag</em> innerhalb der subgemeinschaft von haupts&#228;chlich weisheits-liebe-studierenden, in die ich &#8211; insbesondere dank mSternchens bereits-da-seins &#8211; eintauchte. dieser <em>running gag</em> bezog sich auf einen schein der besonderen art, welcher ausschlie&#223;lich dadurch zu erlangen war, da&#223; man einen mindestsatz an wochensemesterstunden in der cafeteria des hauptgeb&#228;udes verbrachte, vorzugsweise philosophierend. der cafetenschein.<br />
es ist ein &#252;beraus eigenartiges gef&#252;hl, jetzt an einem der gr&#252;nen oder roten, je rot- oder gr&#252;nbestuhlten tische zwischen den s&#228;ulen zu sitzen, w&#228;hrend dieser ort ganz entgegen jeder erinnerung fr&#252;hmorgendlich still und verlassen daliegt und die ger&#228;uschkulisse ebenso seltsam <em>leise</em> ist, wie die wabernd-bl&#228;ulichen nikotinschwaden fehlen.<span id="more-93"></span><br />
die bibliothek des seminares hat noch nicht ge&#246;ffnet, ein umstand, der mehr oder minder aus einem weiteren denkw&#252;rdigen umstand heraus resultiert: mSternchen, der wohl von den mir bekannten mit abstand am ehesten gewisse momente des philosophiestudenten vorbildlich erf&#252;llte, geh&#246;rt mittlerweise zur arbeitenden bev&#246;lkerung, welche mit klar definierten und vorgestecktem ziele den nebelig-d&#252;steren morgen erst&#252;rmen, was eingedenk seiner selbstdefinierten pr&#228;destination regelrechte realit&#228;tsverzerrungen anzuregen imstande ist. in der tat sind es weltirritationen, die sich in den letzten tagen des offiziellen studentenstatusses (welcher realiter schon l&#228;nger nicht mehr existiert), h&#228;ufen und sammeln und aufeinaderstapelnd einmal mehr jenen seltsamen tr&#246;ten-ton von sich geben, der <em>es</em> in seinen finisteren h&#246;hlungen aus dem halbschlummer erweckt und eines seiner unz&#228;hligen augen aufklappen l&#228;&#223;t:<br />
das siebenk&#246;pfige monster der ambiguit&#228;t (ich berichtete).</p>
<p>vielleicht h&#228;ngt dessen j&#252;ngst in heftige betriebsamkeit ausbrechende rumorigkeit unter anderem mit dem swami zusammen, der just gestrigen tages in bonn aufschlug und den ich nach ger&#228;umiger ausgedehnter zeitlichkeit wieder sah, nicht zuletzt, um gemeinsam mit mSternchen eine erneute intensivierte wiedersehlichkeit in nahen futurismen zu planen. den dieser welcher erleuchtete fahrer der gro&#223;en mutter wurde zuletzt gesehen vor ziemlich genau jener zeitspanne, welche zum einen gar nicht existiert, zum anderen einem gro&#223;en ehernen pfluge gleich fliegend, pfl&#252;gend und fluchbegleitet durch das hindurchgrub, was einmal definiertes lebenskonzept h&#228;tte hei&#223;en k&#246;nnen, w&#228;re da nicht gewesen, was vor dem pfluge eingespannt eben nicht anders genannt werden kann als das smâ. richtig: das Siebenk&#246;pfige Monster der Ambiguit&#228;t. vielleicht hat auch meine unvernunft nicht ganz unschuld. bei mSternchen zugast ist nicht nur ein &#8211; ausgerechnet! &#8211; hallenser individuum, sondern auch noch ein k&#252;nstlerisches solches. und der weindurst war zu intensiv gestern abend, vielleicht auch wegen des letzten eintragen und der entfiederten taube. was ein schweres hirn mit weinsteinverklebten hirnigen windungen zu folge hat, was wiederum angesichts der n&#228;herrollenden end-zeit als unvern&#252;nftig (aber angenehm und sch&#246;n) bezeichnet werden k&#246;nnte.<br />
in jedem fall hat dies alles letzthin zur folge, da&#223; man betr&#246;ppelt und weinsteinstolprig durch eine erwachende stadt stapft und all diese menschlein in ihren gef&#228;hrten und schuhen und betriebsamkeitlichkeiten neben und vor und hinter und &#252;ber und unter sich sieht, in den b&#228;ckereien, gesch&#228;ften, bekannten oder unbekannten dingen, wo sie irgendetwas tun und lassen. hier kaffee trinkend, da kaffee bereitend. noch fr&#252;her gebackene br&#246;tchen in anderswo hergestellten papiert&#252;ten, die wiederum anderswo bedruckt worden sind und zwar mit etwas, das von irgendeinem grafiker irgendwo nochwoanders gestaltet worden war, gehen &#252;ber eine ladentheke, die von wei&#223; wem was wei&#223; ich wo entworfen und vonwemanders nochanderwo gebaut wurde. nat&#252;rlich aus materialien wie dem baum, der irgendwo wuchs, von irgendjemandem gef&#228;llt, in irgendeinem s&#228;gewerk zerteilt&#8230; gesch&#228;ftigkeit eben, wuselnde arbeitsteilung, die &#252;berallhin &#252;ber sich hinausweist. selbst die uni, welche in gelblichem lichterglanz im rythmus der schritte n&#228;herh&#252;pfte, verwandelte sich in eine seltsame h&#252;lse, die in form organischer makro-prozessoren eine art gro&#223;rechner darstellt, in den irgendwer zu waswei&#223;ichf&#252;reinenkomischenzweck irgendwelche fragen eingibt, die dann von den prozessoren namens professoren durch-gerechnet werden. zeitgleich werden neue prozessoren nicht ge&#228;tzt, montiert und gebaut, sondern heran-gelehrt. (oder heran-geleert?)</p>
<p>eine seltsam tickende maschine, eine stadt, in der tat. ein &#252;beraus befremdliches gef&#252;hl ausl&#246;send, wird man sich seines gast-statusses bewu&#223;t und kommt aus irgendeinem grunde dazu, einen schritt zu seite zu treten oder in einen hundehaufen tretend auszugleiten und <em>âne danc</em> zur seite zu torkeln. aber vielleicht ist das einfach ein gef&#252;hl, wie man es auf bahnh&#246;fen, flugh&#228;fen und wohnungen hat, aus denen man schon ausgezogen ist, und wo man nach dem besenreindurchfegen noch einen moment verharrt. zwischenwelt. anderwelt. tir nan og.</p>
<p>so, meine lieben. jetzt hat die bibliothek ge&#246;ffnet.</p>
<p>das war &#252;brigens eine mythenmetz&#8217;sche abschweifung.</p>
<blockquote><p><strong>KOMMENTARE</strong></p>
<p><strong>Ludovika (2.2.07 14:27)</strong><br />
So, nun habe auch ich wieder einmal gelieb-blog-&#228;ugelt&#8230; Bah, ich platze gleich vor Neugier &#8211; aus Halle-H&#246;lle kam Besuch, auch noch mit vino begossen?</p>
<p><strong>norman (2.2.07 14:41)</strong><br />
deine neugier ist unangebracht gierig, doppelzahnige m&#252;cke, es handelt sich lediglich um eine mSternchenhafte wohnraumf&#252;llungsaktion, die wiederum (interessantes konzept, im &#252;brigen) von giebigbesteinter hallenserin und anhang zwecks ausstellung zu bonn genutzt wurde &#8211; sollte man sich merken: anstatt sich irgendwo in ein JH f&#252;r 30+ euro einzumieten, schl&#252;pft man eine woche zur zwischenmiete f&#252;r ca. 5€/person unter&#8230; da&#223; da hallorisches blut kam, mag dich zwar ern&#228;hrungstechnisch interessieren, es handelt sich aber um reine zuf&#228;lligkeit, die aber nichtsdestoweniger zu weinseliger ossiverbr&#252;derung f&#252;hrte .<br />
neugier befriedigt? oder war es doch nur der hunger nach halunken-blut, r&#228;uberinchen?</p>
<p><strong>Ludovika (3.2.07 19:52)</strong><br />
Neugier befriedigt, aber Neid schwelt, als Halunke dennoch so pflichtbewusst sein Dasein in der Halle-H&#246;lle zu fristen.</p>
<p><strong>norman daselbst (4.2.07 00:08)</strong><br />
in bezug auf pflicht, pflichtbewu&#223;tsein und des fehlglaubens, freiheit sei die abwesenheit von pflicht anstatt die freiheit, sich seine pflichten und beschr&#228;nkungen frei zu w&#228;hlen, &#228;u&#223;erte ein mir &#252;beraus liebenswerter und nicht minder kluger mensch sehr treffend: &#8220;Es ist nur eine Frage der bewussten Wahl. Je bewusster der Umgang damit, desto besser.&#8221; dem w&#228;re nat&#252;rlich hinzuzuf&#252;gen, da&#223; dazu durchaus auch geh&#246;rt, nach dem w&#228;hlen auch zu seiner wahl zu stehen. oder einfach nur dem seltsamen gef&#252;hl zu widerstehen, da&#223; das, was man nicht hat, interessanter und besser ist als das, was man hat.<br />
halle ist, wie ich finde, eine sehr sch&#246;ne stadt. die h&#246;lle ist es nur f&#252;r ortsunkundige und unerfahrene autofahrer.</p></blockquote>
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		<title>von der gr&#246;&#223;e der drachen</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Oct 2006 12:01:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[eine sache, die mich schon immer interessiert hat, ist die der gr&#246;&#223;e von drachen. der drache an und f&#252;r sich, so wie er in moderner fantasy-literatur vorkommt und ihrer cineastischen entsprechung, sind haus- bis wolkenkratzergro&#223;e ungetiere, feuerspeiend und in j&#252;ngerer zeit mit attributen der chinesischen oder aztekischen mythologie versehen, sprich intelligent. (jaja, &#8220;j&#252;ngere zeit&#8221; ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img title="blick von der l&#246;wen- auf die drachenburg" src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/06-10-28_drachenburg.jpg" border="1" alt="blick von der l&#246;wen- auf die drachenburg" hspace="10" align="left" /></p>
<p>eine sache, die mich schon immer interessiert hat, ist die der gr&#246;&#223;e von <strong>drachen</strong>.<span id="more-40"></span> der drache an und f&#252;r sich, so wie er in moderner fantasy-literatur vorkommt und ihrer cineastischen entsprechung, sind haus- bis wolkenkratzergro&#223;e ungetiere, feuerspeiend und in j&#252;ngerer zeit mit attributen der chinesischen oder aztekischen mythologie versehen, sprich intelligent. (jaja, &#8220;j&#252;ngere zeit&#8221; ist f&#252;r einen medi&#228;visten relativ &#8211; smaug, erfunden in den vierzigern des letzten jahrhunderts ist auch &#8220;j&#252;ngere zeit&#8221;&#8230; wie wahrscheinlich alles nach dem 14.jhdt)<br />
widmet man sich jenen textzeugen und geschichten, die tats&#228;chlich zu jener zeit <em>abgefa&#223;t</em> wurden, in der laut den sagen noch diese niedlichen echsen &#252;ber mitteleurop&#228;ische gefilde krochen und von rittern zwecks jungfrauenerringung niedergestochen wurden, so stellt man fest, da&#223; man daf&#252;r weder von gentechnisch ver&#228;nderten spinnen gebissenen teenager braucht*, keine aliens mit kryptonit-allergie und auch keine magisch-mystischen superwaffen.</p>
<p>der durchschnittliche drache hat in etwa die gr&#246;&#223;e einer ausgewachsenen kuh, nat&#252;rlich bei wesentlich geringerer schulterh&#246;he. sein maul wird verglichen mit der &#246;ffnung eines recht gro&#223;en <em>kochtopfs</em>, allerdings sehr gut bezahnt. im allgemeinen verf&#252;gt er &#252;ber einen sehr l&#228;stig <em>stinkenden</em> atem, der (sofern man seine zunge abschneidet und sich vorn in die r&#252;stung steckt als beweis, da&#223; man ihn erschlagen hat) ohnm&#228;chtig werden lassen kann. zuweilen kann er durchaus feuer speien. so der drache im <em>iwein</em>, der in einen zweikampf mit einem l&#246;wen verstrickt ist und diesen den schwanz ansengt.***</p>
<p>so ein kuhgro&#223;er drache ist trotzdem im artusroman des mittelalters ebenso wie im tristan gottfrieds von stra&#223;burg eine &#252;beraus gef&#228;hrliche sache, und seine t&#246;tung durchaus die hand einer prinzessin oder grafentochter wert. wobei auch hier eingeschoben werden mu&#223;, da&#223; ebensowenig immer gleich die rettung gleich der ganzen welt f&#252;r die bew&#228;hrung des helden notwendig ist wie auch eine grafschaft eher zu verstehen ist als eine burg mit ein paar meilen land drumherum. (nachgerechnet betragen die reisen der <em>âventiure</em>-suchenden ritter der tavelrunde so in etwa 7 bis 12 meilen, bis sie an die n&#228;chste <em>burc</em> kommen. wobei die <em>burc</em> wiederum eher denkbar ist als ein befestigter bauernhof und weniger soetwas neuschwanstein, wie der moderne sich das passenderweise** denken mag.</p>
<p>es ist durchaus festzustellen, da&#223; die (post)postmoderne immer ganz schrecklich &#252;bertreiben mu&#223;. godzillas und kingkongs von der h&#246;he mehrerer stockwerke, drachen gefl&#252;gelt, magmahei&#223;es feuer speiend, magisch, intelligent, praktisch unverletzbar und st&#228;dte-einebnend. helden entweder gleich &#252;ber-menschlich oder doch &#252;bermenschlich dargestellt&#8230;**** wieviel stockwerke mu&#223; ein mann fallen, damit er &#8211; so er denn &#8220;held&#8221; ist &#8211; endlich <em>nicht mehr aufsteht</em>?</p>
<p>auf der anderen seite&#8230; wo k&#228;men wir denn hin mit normalen helden? ich meine, zum einen k&#246;nnte man ja auf den gedanken kommen, da&#223; man etwas an dem <em>&#228;ndern</em> k&#246;nnte, was einem nicht pa&#223;t (auch ohne von der terantel gestochen bzw. von der gentechnisch ver&#228;nderten spinne gebissen worden zu sein). zum anderen&#8230; was n&#252;tzt schon eine <em>lanze</em> gegen taktische nuklearwaffen? aber seien wir ehrlich: da m&#252;&#223;te auch der esel aus &#8220;shrek&#8221; passen einschlie&#223;lich seines eselverliebten drachweibchens, trotzdem es burg-hoch und gefl&#252;gelt und feuerspeiend ist.</p>
<h1><img title="bl&#246;de, aber liebenswerte milchspenderin mit garantiert dickem euter" src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/06-10-28_kuh.jpg" border="1" alt="bl&#246;de, aber liebenswerte milchspenderin mit garantiert dickem euter" hspace="10" align="left" /></h1>
<p>solcherart gedanken k&#246;nnen einem durchaus kommen, wenn man auf der l&#246;wenburg sitzt, den blick &#252;ber das siebengebirge schweifen l&#228;&#223;t, zum rheintal hin und nat&#252;rlich bei der <strong>drachenburg</strong> h&#228;ngen bleibt &#8211; in deren n&#228;he, wie jedes kind wei&#223;, ja siegfried den drachen erschlagen haben soll. mal abgesehen davon, da&#223; angesichts des l&#246;wen-und-drachen-kampfes im <em>iwein</em> dessen lekt&#252;re mit einem blick von der l&#246;wen- auf die drachenburg nat&#252;rlich etwas s&#252;ffisantes hat, w&#252;nsche ich mir, wie ich jenser letztens gestand, im moment eigentlich gar nichts anderes als:<br />
einen drachen mit einem schild um den hals, auf dem &#8220;ich bin der b&#246;se&#8221; steht, und den zu bek&#228;mpfen eine sinnvolle sache ist, weil er ausgewiesenerma&#223;en alle m&#246;glichen lieben menschen bedroht (mit schildern um den hals, auf denen &#8220;wir sind die guten steht&#8221;, nat&#252;rlich). die bezwingung dieses ausgeschilderten drachen sollte die erringung einer burg (mit seeblick, wenn m&#246;glich, aber nicht notwendigerweise gr&#246;&#223;er als eine bauern-kate, wenngleich nat&#252;rlich befestigt) nach sich ziehen und &#8211; nat&#252;rlich &#8211; die <em>juncvrouwe</em>. im arthurischen kontext w&#228;re diese n&#228;mlich zwangl&#228;ufig schmelztopf aller denkbaren tugenden etcpp.. angesichts der aktuellen entwicklungen insbesondere im geisteswissenschaftlichen zweig der universit&#228;ten (allen voran bonn) w&#228;re das doch mal ein <em>realistischer lebensentwurf</em> f&#252;r einen medi&#228;visten, wenn er endlich fertig ist&#8230; <img src="http://icache.20six.net/20six/de/ap/smilies/grin.gif" border="0" alt="" align="absmiddle" /> und da ist doch beruhigend, da&#223; er &#8211; der drache mit dem schild, meine ich &#8211; aller wahrscheinlichkeit so gro&#223; ist wie die k&#252;he, die hier alles vollschei&#223;en und mir meine fr&#252;hst&#252;cks-m&#252;sli-milch aus gras machen.<br />
&#8211;<br />
<span style="font-size: 7pt"><br />
* im original-comic nat&#252;rlich eine verstrahlte&#8230;<br />
** neuschwanstein ist ein onastischer akt ludwig II. &#8211; grundsteinlegung <strong>1869</strong>, keine &#8220;echte&#8221; burg, sondern das, was die romantik sich darunter vorzustellen geruhte<br />
*** gegen einen &#8220;modernen&#8221; drachen h&#228;tte ein l&#246;we wohl kaum eine chance&#8230;<br />
**** bzw. eben mit gegenst&#228;nden versehen, die &#252;bermenschliche kr&#228;fte verleihen, je nach geschmack hightech, werwolf- bzw. vampierbiss oder mythische waffe aus grauer vorzeit<br />
</span></p>
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		<title>vom erkenntniswert der stra&#223;enbahn &#124; noch eine pusteblume</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Oct 2006 11:44:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[[leipzig] die stra&#223;enbahn bescherte mir heute bzw. gestern eine tiefgreifende erkenntnis, die jede pusteblume der letzten monate in den schatten stellt bzw. ihre eigentliche reinform ist. leider kann ich diese erkenntnis hier nicht ad&#228;quat ausformulieren, ohne einen ganz speziellen menschen in einer weise darzustellen, wie es moralisch nicht vertretbar ist &#8211; trotzdem von einer irgendwie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img title="strassenbahn in jena, die ganz unschuldig ist, aber mangels anderem aktuellen bild mi&#223;braucht wurde." src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/06-10-07_strassenbahn.JPG" border="1" alt="strassenbahn in jena, die ganz unschuldig ist, aber mangels anderem aktuellen bild mi&#223;braucht wurde." hspace="10" align="left" /><br />
[leipzig] die stra&#223;enbahn bescherte mir heute bzw. gestern eine tiefgreifende erkenntnis, die jede pusteblume der letzten monate in den schatten stellt bzw. ihre eigentliche reinform ist. leider kann ich diese erkenntnis hier nicht ad&#228;quat ausformulieren, ohne einen ganz speziellen menschen in einer weise darzustellen, wie es moralisch nicht vertretbar ist &#8211; trotzdem von einer irgendwie moralischen handlungsweise seitens dieses menschen kaum die rede sein kann.<br />
die geschichte selbst dreht sich nur indirekt um mich, hat aber ein <em>muster</em> gerade durch die m&#246;gliche objektive betrachtungsweise enth&#252;llt, an dem ich letzthin nichts weniger als satte 25 jahre knabbere. die stra&#223;enbahn spielte hierbei die rolle des beispielhaften momentes.<span id="more-19"></span></p>
<p>zur stra&#223;enbahn. &#252;ber ein jahr lang wird einer 62j&#228;hrigen frau der vorwurf gemacht, da&#223; sie nicht mit der stra&#223;enbahn f&#252;hre. das ist an sich schon recht absurd. insbesondere, wenn man sich vor augen h&#228;lt, da&#223; diese frau nicht nur gerade erst den mann verloren hat (ein halbes jahr zuvor), mit dem sie mehr als 45 jahre gelebt hat und v&#246;llig unerfahren ist mit dem benutzen der &#246;ffentlichen verkehrsmitteln, sondern dar&#252;ber hinaus ganz neu in eine ihr fremde stadt gezogen ist. ihr herzleiden und eine etwas nerv&#246;se veranlagung lassen sie am automaten bereits zum nervenb&#252;ndel werden. der nicht-stra&#223;enbahn-fahren-vorwurf ist allerdings lediglich aufh&#228;nger und beweis f&#252;r andere, weit weniger l&#228;cherliche vorw&#252;rfe: rabenmutter zu sein, desinteresse am kind, am enkel etcpp.. es folgen ziemlich verdrehte darstellungen aus der vergangenheit, die soweit reichen, da&#223; sie zu einem herrschs&#252;chtigen vampyr umgestaltet ihren mann alle lebensfreude geraubt h&#228;tte (und ihn sogar ins grab gebracht habe?). ich gebe hier nur eine auswahl wieder, die vorw&#252;rfe haben eine erheblich gr&#246;&#223;ere bandbreite und sparen in der tat nichts aus, was man sich nur ausdenken kann. und immer wieder klingelt da die nichtbenutzte stra&#223;enbahn vorbei &#8211; neben einigen weiteren &#8220;standarts&#8221;, die bei n&#228;herem blick ebenfalls einigerma&#223;en eigenartig anmuten.</p>
<p>die erw&#228;hnte frau hatte gestern (06.10) geburtstag. das etwa dreist&#252;ndige streitgespr&#228;ch, da&#223; ich zwei tage zuvor mit dem stra&#223;enbahnfetischisten f&#252;hrte, und in dem er mir (wiedereinmal) seine realit&#228;ts-version der monster-mutter einzutrichtern versuchte, erw&#228;hne ich hier nur dahingehend, da&#223; das stra&#223;enbahn-argument etwa ein dutzend mal (ich &#252;bertreibe <em>wirklich</em> nicht) ausgef&#252;hrt wurde.<br />
das <em>auto</em> der person befindet sich ungl&#252;cklicherweise aktuell in bayern und sein fahrrad hat kein licht. gegen sieben wird es bereits dunkel. und tats&#228;chlich rief die person an, um <em>abzusagen</em> &#8211; weil sie <em>kein licht am fahrrad habe</em>. kaum zehn minuten sp&#228;ter rief sie mich an, um wie &#252;blich heiter daherzuplaudern. irgendwie ri&#223; bei mir ein faden. ein geduldsfaden.<br />
eine pusteblumen-strippe.<br />
ich glaube, ich legte zum ersten mal auf, als das &#252;bliche wilde beleidigen und vorwerfen aus dem h&#246;rer spritzte. ich wurde (un)h&#246;flich in <a href="http://20six.dehttp//www.20six.de/norman/art/513544/_un_notwendige_Un_Freundlichkeit_pusteblume_2">(un)notwendiger weise</a>.<br />
das scheint momentan und aktuell eine art hobby von mir zu werden, vielleicht eine form von herbstputz vor der gro&#223;en drei?<br />
jedenfalls: infolgedessen ist die person schlie&#223;lich doch noch gekommen. mit dem rad. sie hatte keine wahl angesichts der vorw&#252;rfe und drohungen, die ausnahmsweise einmal ich t&#228;tigte. als sie anderthalb stunden sp&#228;ter v&#246;llig ohne jede reue und, wie &#252;blich, mit einem bl&#246;d-belanglosen spruch &#252;ber die verbrochenen unm&#246;glichkeiten hinwegspielen wollte, bat ich, mich in ruhe zu lassen &#8211; ansonsten w&#228;re es wohl zu &#228;u&#223;erst unsch&#246;nen szenen gekommen.<br />
kam es auch so. bis zum grade, der an unglaublichkeit grenzt, und den ich (gl&#252;cklicherweise) nach einem kurzen rumgebr&#252;lle und einer geschlossenen t&#252;r nicht mehr direkt erleben mu&#223;te. die person schaffte es, ganz nebenbei, an jenem abend seiner mutter tats&#228;chlich &#8211; <em>trotz der geschilderten sachlage!</em> &#8211; die stra&#223;enbahn-geschichte <em>nochmals</em> vorzubringen, zusammen mit dem ganzen anderen verquirlten schei&#223;. am geburtstagsabend. mit herumgeschreie und gebr&#252;lle und entsprechendem gru&#223;losen abgang &#8211; und den entsprechenden folgen f&#252;r das gesundheitlich gesch&#228;digte herz der &#228;lteren frau, die die nacht und den folgenden tag sehr bedenkliche formen annahmen.</p>
<h1><img title="pusteblume, wissenschaftlich" src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/06-09_pusteblume.jpg" border="1" alt="pusteblume, wissenschaftlich" hspace="10" align="left" /></h1>
<p>das ganze h&#228;tte gar nicht eine solche pr&#228;gnanz, und der erkenntniswert der stra&#223;enbahn h&#228;tte nicht eine solche tragweite, wenn es nicht zum gegebenen pusteblumenreichen zeitpunkt geschehen w&#228;re und mir vor allem die m&#246;glichkeit gab, eine bestimmte situation mit bestimmten protagonisten sowohl direkt als auch als relativ au&#223;enstehender zu betrachten.</p>
<p>es geht um dinge wie da&#223; eine person, zum beispiel, alle deine literarischen erzeugnisse mit den herablassendsten worten in der luft zerrei&#223;t &#8211; und dieses urteil aufgrund der tatsache, da&#223; dir das urteil dieses menschen mehr als alles andere bedeutet, entsprechend niederschmetternd ist. und du mehr oder minder zuf&#228;llig und jahre sp&#228;ter mit dem fakt konfrontiert wirst, da&#223; die person diese b&#252;cher nie gelesen hat. dieses beispiel l&#228;&#223;t sich auf alle je gemachten dinge ausweiten. und sie m&#252;ndet in absurdit&#228;ten, die jeglicher vernunft spotten und vor denen man nur kopfsch&#252;ttelnd steht und sich fragen mu&#223;, ob der betreffende m&#246;glicherweise in einem paralleluniversum lebt &#8211; oder sich seine eigene wirklichkeit bastelt. der beispiele sind da viele und zu pers&#246;nlich, um hier festgehalten zu werden, da sie nicht nur die eigene k&#246;rperlichkeit, intelligenz und vor allem psychische gesundheit (!) betreffen, sondern auch s&#228;mtliche freunde, bekannten und partner &#8211; das ausschlaggebende aber ist die macht, die solche menschen &#252;ber einen erlangen k&#246;nnen, sofern sie ihre eigenartige wirklichkeit 25 jahre lang mit einer bewunderungsw&#252;rdigen vehemenz und ausdauer auf einen niederregnen lassen &#8211; und man es duldet, da blut ja, wie es hei&#223;t, dicker als wasser ist.<br />
man merkt: das thema ist unersch&#246;pflich, aber f&#252;r heute reicht es, da es effektiv weder pc ist, noch ich aktuell den emotionellen abstand habe, <em>fair</em> dar&#252;ber zu schreiben.</p>
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		<title>(un)notwendige (Un)Freundlichkeit &#124; pusteblume_2</title>
		<link>http://lieblog.norman-liebold.de/2006/09/unnotwendige-unfreundlichkeit-pusteblume_2/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Sep 2006 12:11:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Es hei&#223;t, derjenige habe die &#8220;Kultur&#8221; erfunden, der als erster anstatt eines Faust- oder Keulenschlags eine Beleidigung benutzte, um seinen Unmut auszudr&#252;cken. Ich m&#246;chte hier einen Schritt weitergehen. Im Umgang mit ansatzweise vern&#252;nftigen, minimal reflektierten und zumindest durchschnittlich beherrschten Menschen sollte es eigentlich problemlos m&#246;glich sein, die sich anbahnenden Voraussetzungen zu erkennen, die es notwendig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img title="1995" src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/1995_maske-norman.jpg" border="1" alt="1995" hspace="10" align="left" /><br />
Es hei&#223;t, derjenige habe die &#8220;Kultur&#8221; erfunden, der als erster anstatt eines Faust- oder Keulenschlags eine <em>Beleidigung</em> benutzte, um seinen Unmut auszudr&#252;cken.<br />
Ich m&#246;chte hier einen Schritt weitergehen. Im Umgang mit ansatzweise vern&#252;nftigen, minimal reflektierten und zumindest durchschnittlich beherrschten Menschen sollte es eigentlich problemlos m&#246;glich sein, die sich <em>anbahnenden</em> Voraussetzungen zu erkennen, die es notwendig machen k&#246;nnten, unfreundlich zu werden, beleidigend oder gar verletzend.<span id="more-10"></span><br />
Mit solcherart Menschen ist es ein echtes Vergn&#252;gen, sein Leben zu teilen.<br />
Bisweilen &#8211; das sei zugestanden, durchaus in einer nicht wenig arroganten Haltung &#8211; darf einer der Beteiligten, der aktuell ein wenig mehr voraus-sehend ist, dem anderen die Fettn&#228;pfchen mit nachsichtigem L&#228;cheln aus dem Trampel-Pfad r&#228;umen.<br />
In besonderen Situationen &#8211; bzw. mit besonderen, geliebten aber eben unreflektierten Menschen &#8211; kann man sogar soweit gehen, da&#223; man metakommunikativ die zu erwartenden Entwicklungen erkl&#228;rt, um sie gemeinsam vermeiden zu k&#246;nnen. Nat&#252;rlich in der Annahme, das Gegen&#252;ber sei wenn schon nicht reflektiert, so doch vernunftbegabt genug, um zu verstehen, was geschieht, sofern man es ihm <em>en detail</em> erkl&#228;rt. Und eben, da&#223; mittelfristig eine Verbesserung eintritt.</p>
<p>Wirklich traurig ist es nur, wenn man feststellen mu&#223;, da&#223; selbst dieser Grad an eigentlich doch &#8220;normalen&#8221; Voraussetzungen nicht erf&#252;llt sind. Die von den Reflektierten praktizierte &#8220;L&#246;sung&#8221;, sich nicht nur die Finger beim (st&#228;ndigen) Fettn&#228;pfchenverr&#252;cken zu verbrennen bzw. sich selbst zu verbiegen, sondern im Gef&#252;hl der h&#246;heren Flexibilit&#228;t &#246;fter nachzugeben, stellt sich jedoch nur kurzfristig als praktikabel heraus:<br />
das unreflektierte Gegen&#252;ber pflegt vielmehr (eher fr&#252;her als sp&#228;ter, und dann immer schneller) einfach einen Schritt nachzusetzen. Die netten, lieben, reflektierten, &#252;beraus friedliebenden und intelligenten Menschen &#8211; ohnehin Meister im Selbstanknabbern &#8211; m&#252;ssen sich schlie&#223;lich mit dem R&#252;cken an der Wand die Frage stellen, ob ihr Verhalten angemessen gewesen ist, wenn sie mit einem Schulterzucken die Freundlichkeit fahren lassen m&#252;ssen und ihr Gegen&#252;ber je nach Sachlage entweder in ein winselndes H&#228;ufchen Selbstmitleid verwandeln, aus ihrem Leben katapultieren oder &#8211; vernichten. Wobei sie sich, und das ist vielleicht das ausschlaggebende, auch noch wie das letzte Archloch f&#252;hlen.</p>
<p>Das ist, finde ich, einfach <em>unnotwendig</em> und ziemlich traurig. Besonders, weil man es ja kommen sieht. Ist es dann besser, jene Menschen grunds&#228;tzlich zu meiden, sie in &#252;berheblicher Weise gerade durch den h&#246;heren Grad der Reflexivit&#228;t zu manipulieren &#8211; oder jede versuchte minimale Anektierung gleich welcher Art sofort zu ahnden und zu unterbinden, auch wenn dies vielleicht bedeutet, <strong>(un)notwenig (un)freundlich</strong> sein zu m&#252;ssen?</p>
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		<title>pusteblume</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Sep 2006 12:11:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[PhiloBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[es gibt diese verdammten momente, wo man sich immer mal wieder am kleinen finger hat nuckeln lassen. und bei der n&#228;chsten gelegenheit feststellt, da&#223; man deinen arm geschultert hat und dich quer durch irgendwelche w&#252;sten, s&#252;mpfe und gebirge schleift (das ist die angenehme version, die unangenehme ist die, da&#223; man auf eine schulter ohne arm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>es gibt diese verdammten momente, wo man sich immer mal wieder am kleinen finger hat nuckeln lassen. und bei der n&#228;chsten gelegenheit feststellt, da&#223; man deinen arm geschultert hat und dich quer durch irgendwelche w&#252;sten, s&#252;mpfe und gebirge schleift (das ist die angenehme version, die unangenehme ist die, da&#223; man auf eine schulter <em>ohne arm </em>schaut). und der schleifer auch noch denkt, er h&#228;tte dich teuer gekauft. und man selber noch denkt: du kannst ihn doch jetzt nicht h&#228;ngen lassen&#8230; wot?!</font>ich habe jedenfalls keinen bock mehr. gar nicht mehr. ende gel&#228;nde. ich la&#223; mich nicht f&#252;r einen fetzen von einem traum von gestern der l&#228;nge nach verarschen. schon gar nicht, wenn der verarscher auch noch so dreist ist zu glauben, da&#223; man das verarschende des verarschens nicht sieht. (oder so bl&#246;de? oder so arrogant?) man steht daneben, l&#228;&#223;t sich ganz bewu&#223;t verarschen, weil man mal eine traum tr&#228;umte und ihn nicht loslassen will - auch wenn er l&#228;ngst gefressen, verdaut und wieder ausgeschissen ist. grrrrr! vielleicht ist das das schlimmste an allem.</font></p>
<p>merke: so sch&#246;n ein feuer im eigenen ofen auch ist. so geil ein haus auf der klippe, so sehr da ein alter traum mitvibriert &#8211; es ist niemals ein grund, sich verarschen zu lassen. es gibt niemals einen grund sich verarschen zu lassen au&#223;er der, da&#223; mans nicht merkt. sich bewu&#223;t verarschen lassen ist entweder dummheit, naivit&#228;t, masochismus oder schlicht feigheit. kotz der welt ins gesicht, was du willst. entweder sie schluckt es, oder sie schluckt dich, alles andere ist kein leben.</font></p>
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