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	<title>Norman Liebolds LieBLOG &#187; TextFetzen</title>
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	<description>Das LieBLOG - Liebolds Log</description>
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		<title>Navigatoreskes Probe-H&#246;ren gef&#228;llig?</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Nov 2008 15:29:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
		<category><![CDATA[ThesbisKarren]]></category>
		<category><![CDATA[Navigator]]></category>

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		<description><![CDATA[R&#228;usper. Da ich ja grad mal an der Stripp&#8217; h&#228;ng&#8217; und wir beim herumprobieren das Aufnahmeger&#228;t haben mitlaufen hatten, kann ich mal an den K&#252;chentisch in der verschneiten Eifel hineinlauschen lassen. Das sind ein paar Fetzen, die wir ein wenig mt Gitarre aufmotzen, wie man das von Bernd und mir mittlerweile kennt. Experimentierstadium, das H2 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>R&#228;usper. Da ich ja grad mal an der Stripp&#8217; h&#228;ng&#8217; und wir beim herumprobieren das Aufnahmeger&#228;t haben mitlaufen hatten, kann ich mal an den K&#252;chentisch in der verschneiten Eifel hineinlauschen lassen. Das sind ein paar Fetzen, die wir ein wenig mt Gitarre aufmotzen, wie man das von Bernd und mir mittlerweile kennt. Experimentierstadium, das H2 einfach mitlaufen gelassen. Es sind Fetzen aus den ersten beiden Kapiteln.</p>
<p>Tats&#228;chlich sind das denn auch die ersten H&#246;r/Lese-Proben aus dem Navigator, der Donnerstag rauskommt&#8230; (Ich habe gestern Abend das vorletzte Kapitel fertig ausformuliert, und jetzt kommt das Glanzst&#252;ck mit meinem Diogenes&#8230;) viel Spa&#223; damit!</p>
<p><strong>Die Schl&#252;ssel-Szene mit Kitsch</strong></p>
<p></p>
<p><strong>Der Auto-Blues</strong></p>
<p></p>
<p><strong>Maggelan-Strasse</strong> (Intermezzo zwischen 1. und 2. Kapitel)</p>
<p></p>
<p><strong>Der Blitzschlag</strong></p>
<p></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Zwei etwas heftigere Passagen (3. und 4. Kapitel):</strong></p>
<p><strong>Desorientation</strong></p>
<p></p>
<p><strong>Angriff der Hartz-IV-er</strong> <strong>in E-Moll</strong></p>
<p></p>
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		<title>Die Sache mit der blutigen Hand</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 14:19:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[NähKästchen]]></category>
		<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
		<category><![CDATA[KrimiFrass]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Siebengebirgskrimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt, wie ich finde, immer den Einen Moment, wo man wei&#223;, da&#223; eine Geschichte abgeschlossen ist. Fertig. Unter Dach und Fach. Rettich. Manchmal, bevor man auch nur den ersten Satz geschrieben hat. Da steht jedes Wort schon im Sch&#228;delkasten, da mu&#223; nichts gefeilt, nichts geschraubt, und auch nichts da, wo mans nicht sieht, klammheimlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://lh6.ggpht.com/Liebold.Norman/SQCD1lA3IqI/AAAAAAAACIg/USV-An5cxO0/s400/bluthand.jpg" alt="bluthand.jpg" hspace="10" align="left" /></p>
<p>Es gibt, wie ich finde, immer den Einen Moment, wo man wei&#223;, da&#223; eine Geschichte abgeschlossen ist. Fertig. Unter Dach und Fach. Rettich. Manchmal, bevor man auch nur den ersten Satz geschrieben hat. Da steht jedes Wort schon im Sch&#228;delkasten, da mu&#223; nichts gefeilt, nichts geschraubt, und auch nichts da, wo mans nicht sieht, klammheimlich geleimt werden in der (zumeist berechtigten) Hoffnung, da&#223; der Leser diesen einen wunden Punkt nicht merkt, diesen seidenen Faden, der, wird er samt W&#252;rmchen dran nicht geschluckt, die ganze Story zum Wanken bringen k&#246;nnte<sup>1</sup>. Und dann gibt es da Geschichten, die sind l&#228;ngst gedruckt und im Umlauf, und man hat immer noch nicht das Gef&#252;hl, da&#223; die Geschichte wirklich fertig ist. Bei den meisten anderen Geschichten aber gibt es einen magischen Punkt, der irgendwo in den letzten Tagen des Feilens liegt und oft auch ihren definitiven Abschlu&#223; darstellen.<br />
<br clear="all"><br />
<span id="more-488"></span><br />
<br clear="all"><a onclick="return GB_showImage('Fenster', this.href)" href="http://lh4.ggpht.com/Liebold.Norman/SQCG-WJqoYI/AAAAAAAACIo/MvF-HaCAPmI/s720/PICT6437.JPG"><img style="margin-left: 10px; margin-right: 10px;" src="http://lh4.ggpht.com/Liebold.Norman/SQCG-WJqoYI/AAAAAAAACIo/MvF-HaCAPmI/s320/PICT6437.JPG" alt="Die beiden Manusciptb&#252;cher von &quot;Krimifrass&quot; und die Matschepampe-Hand" hspace="10" width="320" height="320" align="right" /></a>Ich glaube, ich habe bisher noch bei keiner Geschichte so sehr mit dem Ende gerungen wie bei &#8220;Krimifrass&#8221;. Wobei nicht das Ende unklar war (das stand mit als erstes), sondern vielmehr die exakte Stelle, an der der Text endet. Das eigentliche Manuscript zieht sich durch zwei Manuskriptb&#252;cher, 240 handgeschriebene Seiten, und es ist sch&#246;n zu sehen, da&#223; die Story sich fl&#252;ssig zieht. (Siehe Bild rechts, mit Matschepampe-Hand.) Bis zu dem Punkt, an dem im Grunde das Ende schon geschrieben steht. In der Tat: Bis exakt zum Ende steht alles. Und in den Randnotizen steht, da&#223; dies ein perfektes Ende ist. Nur qu&#228;lten mich dann ein wenig die Gewissensbisse gegen&#252;ber dem Leser: Entweder er findet das genau so sinnig und witzig wie ich, oder aber er ist sauer. Hin und her gerissen versuchte ich also nicht nur mit diesem gr&#228;ulichen Schreckensvirus Magendarmgrippe, sondern auch mit dem Textende zu ringen. Ich f&#252;llte ein halbes Manuscriptbuch mit Versionen, und sie alle waren nur faule Kompromisse. Ich rief K* an und las ihr Nachts &#8220;mein&#8221; Ende vor, das mich einfach nicht loslassen wollte, und in der Tat, mein Gef&#252;hl trog mich wohl nicht. Nach weiteren Ringk&#228;mpfen mit dem Lesergewissen vertraute ich dann doch auf die M&#252;ndigkeit meiner Leserschaft und wagte &#8220;mein&#8221; Ende. Ich h&#228;ngte nur noch ein wie ich finde witziges Nachwort des Erz&#228;hlers dran, das aber im Grunde noch etwas drauf setzte.</p>
<p>Und genau das war der Moment, wo mir das einfiel, wor&#252;ber ich schon die ganze Zeit hin und her &#252;berlegt hatte. Mir war n&#228;mlich partout nichts eingefallen, was ich als Cover-Illustration benutzen k&#246;nnte. Alle Charakterdarstellungen schlie&#223;en sich aus der Art des Textes heraus aus. Eine Zeichnung der Margarethenh&#246;he oder des Margarethenhofs w&#228;re schlechtweg banal gewesen. Zeitweise hatte ich gedacht, einen stilisierten T&#252;rklopfer zu nehmen, aber auch das traf es nicht. Der magische Moment kam mit einer schon fast an eine Vision grenzenden Vorstellung des Titelbildes. Ich sprang auf, griff mein Tintenfa&#223;, lief in den Garten und go&#223; die schwarze Tinte &#252;ber meine Hand. Ich nahm ein Blatt Papier, feuchtete es an, legte es auf ein Sitzkissen, patschte meine schwarz triefende Hand darauf und zog sie mit einem wahren Genu&#223; genau so herunter, wie die schauspielernde Leiche im &#8220;Krimifrass&#8221;:</p>
<p><img src="/materialien/bilder_cover/krimifrass_288.png" border="0" alt="" hspace="10" align="left" /><span style="color: #993300;">&#8220;Pl&#246;tzlich richtete sich der Verletzte auf. Seine Rechte packte den General am Kragen und mit leiser Stimme kr&#228;chzte er: »Du bist des Todes!« Unter sichtlich &#252;bermenschlicher Anstrengungen zog er sich halb am General, halb am Gel&#228;nder hoch und stolperte mitten unter die Versammelten. Mit blutiger Hand vor sich tastend st&#252;tzte er sich auf die Hemdbrust eines Mannes, den Mario beim Essen als einen seiner Chefs bezeichnet hatte, brach, einen schauerlichen verschmierten Abdruck hinterlassend, vor ihm in die Knie und versuchte, sich am Hosenbein eines weiteren Mannes festzuhalten. Der Energiemann, erinnerte sich Christian. Dabei kr&#228;chzte der Verletzte in einem fort: »Des Todes! Des Todes!« Er sank zur&#252;ck, lag seitlich auf den Treppenstufen, krallte blutige Finger in die Brust, schloss die Augen. Mit einem Fiepen wich der letzte Atem aus ihm heraus – er lag still. »F&#252;hlen Sie seinen Puls!« fl&#252;sterte der Mann mit dem blutigen Handabdruck auf seiner Brust.&#8221;</span></p>
<p>Von hier bis zum endg&#252;ltigen Cover war es nicht mehr weit, aber der Moment, wo ich mit einer fast diebischen Freude herum matschte, war der magische Moment, an dem &#8220;Krimifrass&#8221; seinen Abschlu&#223; fand.</p>
<p>&#220;brigens: &#8220;<a href="http://literatur.norman-liebold.de/krimifrass/">Krimifrass</a>&#8221; ist justamente erschienen und &#252;berall erh&#228;ltlich. Am schnellsten nat&#252;rlich bei mir!</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_488" class="footnote">Allerdings wird mir best&#228;tigt, da&#223; ich in dieser Hinsicht noch weit mehr akribisch und mir selbst zu keinem Zugest&#228;ndnis bereit bin als in anderen Dingen.</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Der Butler ist mir durchgebrannt</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 22:19:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser verdammte Butler in seinem gestreiften Livree ist mir heute aus der Hand geglitscht und eigene Wege gegangen.1 Nicht wirklich eigene Wege, so viel tyrannische Gewalt &#252;be ich doch auf meine Figuren aus, selbst gegen solch &#252;beraus gewitzte wie den Butler. Aber immerhin in einer, nun, etwas ausufernden Weise, die in der Form nicht ganz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a onclick="return GB_showImage('Manuscript Krimifrass', this.href)" href="http://lh3.ggpht.com/Liebold.Norman/SOvY0HT_f6I/AAAAAAAABvw/G5OG697Gv3Y/s800/PICT6344.JPG"><img src="http://lh3.ggpht.com/Liebold.Norman/SOvY0HT_f6I/AAAAAAAABvw/G5OG697Gv3Y/s320/PICT6344.JPG" alt="" hspace="10" align="left" /></a>Dieser verdammte Butler in seinem gestreiften Livree ist mir heute aus der Hand geglitscht und eigene Wege gegangen.<sup>1</sup> Nicht <em>wirklich eigene Wege</em>, so viel tyrannische Gewalt &#252;be ich doch auf meine Figuren aus, selbst gegen solch &#252;beraus gewitzte wie den Butler. Aber immerhin in einer, nun, etwas ausufernden Weise, die in der Form nicht ganz vorgesehen war. <span id="more-475"></span>Man k&#246;nnte geradezu behaupten, da&#223; der arme Kerl pl&#246;tzlich mitten im Schreibfluss eine massive Aus-Kotz-Attacke &#252;berkam. Nun wollte ich ja in dieser Geschichte durchaus (im Gegensatz zum Gl&#228;sernen Sarg) das Politische daran nicht gerade mit einem ausgewaideten Hund vier Meter breit &#252;ber einen feudalen Kamin in der ehemaligen FDP-Hochburg Margarethenhof schmieren. Doch. Wollte ich. Aber ich hatte vermeiden wollen, da&#223; der Butler &#8211; und sei es auch nur zum perfide berechneten Scheine &#8211; in einen Monolog ausbricht. Hat er aber doch. Der Hund, der. Nat&#252;rlich sollte er ein bi&#223;chen Austicken. Das macht dann das Ende um so sch&#246;ner. Aber soooo&#8230; nunja. Vielleicht macht Bernd einen Song draus? Das schlimmste daran ist, da&#223; ich die Schimpftirade des Butlers auch noch mag. Beim Lesen kann man sie phantastisch herunterstakkatoisieren<sup>2</sup>. Zu meinem eigenen Entsetzen (und entgegen der Versicherung, da&#223; in der Anlage des Textes in angenehm subtiler Weise schon doppelt gestrichen b&#246;se politische Seitenhiebe w&#228;ren) stelle ich also fest, da&#223; ich den durchgegangenen Butler ganz gerne drinnen lassen w&#252;rde.</p>
<p>Meine Hinundher&#252;berlegungen werden verst&#228;ndlich, wenn ich ihn mal schwadronieren lasse:</p>
<p>[Textauszug Kapitel 11, MaNo 155f.]</p>
<blockquote>
<p class="western" align="left">[...]</p>
<p class="western" align="left">Der Butler wippte &#8211; wohl eine Gewohnheit von ihm, wenn er ungeduldig wurde &#8212; von den Zehenspitzen auf die Fersen, die H&#228;nde hinter dem R&#252;cken verschr&#228;nkt. Der Energiemann ignorierte das und fuhr unger&#252;hrt fort: »Sie wissen ebenso gut wie ich, <em>wer </em>hier an diesem Abend versammelt ist. Das ist ja Ihr Gesch&#228;ft, nicht wahr? Selbst Ihr zugegeben gro&#223;artiger Aufwand d&#252;rfte kaum diesen Preis rechtfertigen! Wir bezahlen f&#252;r die Exklusivit&#228;t &#8212; und f&#252;r die Sicherheit!« Der Butler wippte weiter, sein Blick schweifte durch den Raum, betrachtete man dies, mal jenes. »Es gibt gen&#252;gend da draussen, die diese Versammlung hier ausn&#252;tzen k&#246;nnten!«</p>
<p class="western" align="left">Der Butler nahm den Blick vom Schriftzug an der Wand und blickte den Energiemann an, ohne mit dem Wippen aufzuh&#246;ren. Christian fand das am&#252;sant, aber wenn er an der Stelle des Vorstandsmitglieds eines der gr&#246;&#223;ten Gas- und Stromkonzerne gewesen w&#228;re, h&#228;tte es ihm wahrscheinlich zur Wei&#223;glut gebracht. »Sie meine Leute, denen es gar nicht gef&#228;llt, dass Sie die Gaspreise man eben um 25% heben? Unter solch fadenscheinigen Begr&#252;ndungen, wie dass die Kosten ja ach so gestiegen seien? Dass Sie vielleicht den g&#228;nzlich ungerechtfertigten Zorn eines Mannes erregt haben k&#246;nnten, der im selben Atemzug h&#246;ren muss, dass Sie ihre Profite in schier un&#252;bertroffener Weise haben steigern k&#246;nnen? Und dass er auf die abwegige Idee kommen k&#246;nnte, dass Einzelne daf&#252;r verantwortlich sein k&#246;nnten &#8211; Einzelne, die man verletzen, als Geisel nehmen oder sogar t&#246;ten k&#246;nnte, aus Rache, dass das Geld nicht mehr reicht und er in die Armut gerutscht ist? Vielleicht her er auch noch die Arbeit verloren, weil ein anderer Konzern meint, noch wettbewerbsf&#228;higer auf dem globalen Markt werden und ein paar Tausend Stellen durch Computerhirne ersetzen zu m&#252;ssen? Oder mal eben EU-gesponsert einen Betrieb hier einzustampft und in Rum&#228;nien steuergeldfinanziert neu hoch zieht? Jemand, dem der Geduldsfaden zerspleisst, wenn er staatliche Banken sein Geld ungefragt an der B&#246;rse verspekulieren sieht und dann zusehen muss, dass diese Veruntreuungen von Dutzenden Milliarden mit den Steuergeldern gestopft werden, mit denen man h&#228;tte Schulen und Lehrer bezahlen sollen, Universit&#228;ten und Renten und Pflegepersonal?  Vielleicht, das k&#246;nnte man sich ja auch vorstellen, ist Ihr Mann in Hartz-IV gerutscht, diese seltsame Erfindung, die niemandem etwas gebracht hat und noch immer nach einem Mann heisst, der sich nicht zu schade war, Geld in Summen in die eigenen Taschen zu leiten, die einem Normalsterblichen kaum mehr vorstellbar sind &#8212; und dann f&#252;r die Millionen nichts als eine Bew&#228;hrungsstrafe zu bekommen, w&#228;hrend der nach ihm benannte Hartz-IV-er auf Verdacht hin alle Leistungen gestrichen bekommt und nichts mehr zu fressen hat, weil es einem Arschloch gefall, bei der ArGe anzurufen und Schei&#223;e zu erz&#228;hlen?“</p>
<p class="western" align="left">Der Butler sprach ohne Punkt und Komma.</p>
<p class="western" align="left">„Oder meinen Sie vielleicht einen Vater, dessen Sohn so d&#228;mlich war, Heldentum im Hindukusch zu suchen, dem man so ins Hirn geschissen hatte, dass er meinte, dort Deutschlands Grenzen verteidigen zu m&#252;ssen?«</p>
<p class="western" align="left">Er wippte auch nicht mehr. Die H&#228;nde hatte er vom R&#252;cken genommen, und die Worte aus seinem Mund kamen hart und b&#246;se und voll Leidenschaft.</p>
<p class="western" align="left">»Meinen Sie vielleicht so einen Vater? Einen Vater, dessen Sohn dann mit voller Hose an irgendeinem schei&#223; Kontrollpunkt in einem Land steht, dass von unseren tollen Weltpolizisten-Freunden in Grund und Boden gebombt worden war, damit sie sich  danach als Befreier aufspielen k&#246;nnen? Einen Vater, dessen Sohn dann so ein Klappergestell von Auto auf sich zukommen sieht und einen Riesenbammel hat, weil gestern ein paar Kameraden von genauso so einem Klappermobil voll Sprengstoff in Fetzen gerissen worden sind? Und dieses Ding, dass man kaum Fahrzeug nennen kann sondern eigentlich nur rollenden Schrott, das klappert so laut, dass drinnen keiner was h&#246;rt. Schon gar kein Englisch oder Deutsch von einem, der f&#252;nfzig Meter weiter gegen den W&#252;stenwind schreit. Und selbst wenn es nicht so klappern w&#252;rde, da auf der l&#246;chrigen Bergstra&#223;e &#8212; die Kinder lachen und singen und kreischen laut genug. Und das Klapperding rattert n&#228;her und n&#228;her, und der Sohn, der gekommen war, um irgend wen zu besch&#252;tzen und aufzubauen und ein wenig Held zu sein vielleicht, sich den b&#246;sen Terroristen entgegen zu stellen, den b&#246;sen Terroristen, die man noch Feiheitsk&#228;mpfer nannte, als statt des Amis noch der Russe das Land des Mohns zerschossen und zertreten hat, der Sohn, der schei&#223;t sich in die Hosen und zieht nach dem dritten Anruf den Abzug durch.</p>
<p class="western" align="left">Und maschinell t&#246;tungsoptimiert stanzen sich mit 750 Schuss pro Minute die Stahlmantelgeschosse aus seiner Heckler &amp; Koch G36 durch das Blech.«</p>
<p class="western" align="left">Die Stimme des Butlers klang jetzt selbst durch das Sturmgewehr auf Dauerfeuer.</p>
<p class="western" align="left">»Und in dem Klapperwagen ist kein Gramm Sprengstoff, sondern nur das, was in diesen Kreisen <em>Weichziele</em> genannt wird: Menschen. Genauer: Zivilisten. Frauen. Greise. Kinder. So viele Kinder. Man glaubt gar nicht, da&#223; so viele in die Klapperkiste passen. Auf dem Weg zu einem Familienfest. Vielleicht ist grad der Ramadan zuende, Zuckerfest, oder jemand heiratet.«</p>
<p class="western" align="left">Der Energiemann starrte den Butler an, als w&#228;re er verr&#252;ckt, und wirklich: der Butler sah ganz so aus. Von dem distinguierten Herren im Livree war nichts mehr da.</p>
<p class="western" align="left">»So einen Vater meinen sie bestimmt, der dann Lust bekommt, so einen Sternentr&#228;ger mit Vorschlaghammer den Schwallkopf zu Brei zu schlagen, weil der Sohn als ausgebranntes Frack nach hause kommt, mit Psychopharmaka voll gestopft werden muss und trotzdem im Schlaf heult und in die Laken macht und das ganze Haus zusammen schreit!«</p>
<p class="western" align="left">Christian war es eiskalt.</p>
<p class="western" align="left">Die Erleichterung war verschwunden, die Angst kroch wieder in ihm hoch.</p>
<p class="western" align="left">Der Butler wirkte nicht, als w&#252;rde er das spielen. Das konnte man doch nicht spielen! Da gl&#228;nzte es nass im Augenwinkel.</p>
<p class="western" align="left">Aber von einem auf den anderen Augenblick war aus dem wutschnaubenden Irren wieder der Butler geworden, der k&#252;hl in die Runde l&#228;chelte. »In der Tat«, sagte er, jetzt wieder mit ganz ruhigem Ton. »Ich verstehe durchaus, was Sie meinen. Ich k&#246;nnte mir durchaus vorstellen, dass es Menschen gibt, die an einer solchen Verzerrung der Wirklichkeit leiden und meinen, es w&#228;re ein Kohl, Schr&#246;der, Merkel, die was falsch machen und die man blo&#223; wie Gaius Julius C&#228;sar mit dreiundzwanzig Dolchst&#246;&#223;en respektive f&#252;nf Hammerschl&#228;gen ausschalten muss, damit sich was &#228;ndert. Und f&#252;r die w&#228;re eine solche Versammlung nat&#252;rlich ein gefundenes Fressen. Die Aktion&#228;re, die, ohne selbst eine Hand zu r&#252;hren die Konzerne treiben, f&#252;r sie immer und immer mehr Profite zu machen und ihr Kapital zu vermehren. Die Vorst&#228;nde und Manager, die dieses System in immer entmenschtere Regionen f&#252;hren. Die Politiker, die in Aufsichtsr&#228;ten gut geschmiert die richtigen Weichen stellen&#8230; wirklich, ja, das w&#228;re ein gefundenes Fressen f&#252;r so einen verblendeten Menschen&#8230;« Der Butler lie&#223; die Stimme effektvoll ausklingen, der Sturm heulte um das Haus. »&#8230; kein Telefon, kein Mobilfunknetz. Ein Sturm, dass man schon im windgesch&#252;tzten Hof kaum gerade ausgehen kann, und draussen wahrscheinlich auf allen Vieren kriechen m&#252;sste. Die Bonzen-Kutschen entz&#252;ndkerzt nur noch unbewegliche Stahlkolosse.«</p>
<p class="western" align="left">Zwei Kerzen flammten in einem See von Wachs auf und erloschen. Jetzt brannten nur noch drei, und auch die auf dem letzten Zentimeter. Das Finale, dachte Christian, musste unmittelbar bevorstehen. [...]</p>
</blockquote>
<p>Wie gesagt&#8230; aus der Hand geglitscht, der Butler&#8230; die Story allerdings nicht, denn es fehlt nur noch die Niederschrift des letzten Kapitels.</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_475" class="footnote">Wer jetzt zweideutig Schl&#252;pfriges erwartet, wird entt&#228;uscht werden, auch wenn, was dem Butler &#8211; der <em>nat&#252;rlich </em>kein Butler ist &#8211; unterstellt wird, durchaus nicht einer gewissen Schl&#252;pfrigkeit entbehrt: n&#228;mlich mit einem aufgeschlitzten Hund &#8220;Friede den H&#252;tten! Krieg den Pal&#228;sten!&#8221; an die Wand &#252;ber den Kamin zu schmieren. (Jaja, Generalsblut, aber gewisserma&#223;en ist der General ein Hund, und obendrein auch noch ein Falscher.) </li><li id="footnote_1_475" class="footnote">Genau, wahrscheinlich habe ich die Szene nur geschrieben, um wieder mal das Maschinenmaul machen zu k&#246;nnen&#8230;</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Herbstlicher Krimi-Dinner-Fetzen #2</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2008 11:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
		<category><![CDATA[KrimiFrass]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Wetter, scheint es, meint es gut mit mir. &#8220;Schmuddelwetter&#8221; ist, glaube ich, der Fachbegriff daf&#252;r. Genau genommen die besten meteorologischen Bedingungen, um sich in ein sch&#246;nes Buch zu vergraben. Sei es, um es zu lesen. Sei es, um eines zu schreiben. Zu geringerem Erstaunen, als ich gedacht h&#228;tte, komme ich zwar mit »Krimi-Dinner« langsamer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Wetter, scheint es, meint es gut mit mir.</p>
<p>&#8220;Schmuddelwetter&#8221; ist, glaube ich, der Fachbegriff daf&#252;r.</p>
<p>Genau genommen die besten meteorologischen Bedingungen, um sich in ein sch&#246;nes Buch zu vergraben. Sei es, um es zu lesen. Sei es, um eines zu schreiben. Zu geringerem Erstaunen, als ich gedacht h&#228;tte, komme ich zwar mit »Krimi-Dinner« langsamer voran als veranschlagt, aber das liegt darin begr&#252;ndet, dass sich die kleine Novelle ganz gut mausert. Ohne nun gleich zu einem Roman zu werden, vermute ich doch, dass sie einen gem&#252;tlichen Leseabend her geben wird &#8211; und damit sehr wohl ein B&#252;chlein (wo genau die Grenze zwischen Liebold-Heft und B&#252;chlein liegt, werde ich wohl diesen Herbst und Winter herausfinden&#8230;) f&#252;r sich.</p>
<p>Dem Wetter angemessen und zum gem&#252;tlich Zur&#252;cklehnen daher an dieser Stelle ein weiterer kleiner Fetzen aus der Schreibwerkstatt. Es ist der Abschluss des dritten Kapitels, nat&#252;rlich in der Rohfassung und in der miserabelen Klangqualit&#228;t, wie sie mein Diktier-Mikrophon hergibt. viel Spa&#223; trotzdem, es ist immerhin eine gute Viertelstunde aus einer ganz, ganz neuen und wirklich herbstlichen Geschichte.</p>
<p></p>
<p>[<a href="http://lieblog.norman-liebold.de/materialien/audio/podcast/08-09-13_krimidinner_02.mp3">Download</a>]</p>
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		<title>“Krimi-Dinner”, vom Anfang</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Sep 2008 09:33:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
		<category><![CDATA[KrimiFrass]]></category>
		<category><![CDATA[Siebengebirgskrimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 19. September startet ja der &#8220;Krimi mit Biss&#8220;, und nicht nur, da&#223; das Spiel auf einer Kriminalnovelle aus meiner Feder basiert und selbige an dem Abend offiziell als &#8220;Lieboldheftchen&#8221; erscheinen wird1 &#8212; ich befinde mich, wie k&#246;nnte es anders sein, mitten in der Niederschrift (grad justamente Ende des 2. Kapitels). Die Geschichte wird nat&#252;rlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://lh5.ggpht.com/Norman.Liebold.Buehne/SJA9sN4U1PI/AAAAAAAACnU/0c8x9cgmZEQ/s320/vorzeigebild.jpg" border="1" alt="" hspace="10" align="left" /><br />
Am 19. September startet ja der &#8220;<a href="http://www.krimi-mit-biss.de/" target="_blank">Krimi mit Biss</a>&#8220;, und nicht nur, da&#223; das Spiel auf einer Kriminalnovelle aus meiner Feder basiert und selbige an dem Abend offiziell als &#8220;Lieboldheftchen&#8221; erscheinen wird<sup>1</sup> &#8212; ich befinde mich, wie k&#246;nnte es anders sein, mitten in der Niederschrift (grad justamente Ende des 2. Kapitels).</p>
<p>Die Geschichte wird nat&#252;rlich von Hand geschrieben, allein aufgrund dessen was ich gerne &#8220;das Problem Anfang&#8221; nenne (nicht zu verwechseln mit &#8220;des Problems Anfang&#8221;) habe ich heute den ersten, einleitenden Abschnitt in den Rechner &#252;bertragen und zugleich eingesprochen. &#8220;Das Problem Anfang&#8221; liegt darin begr&#252;ndet, da&#223;, wie sehr man sich auch im Vorfeld Gedanken gemacht hat und die Geschichte schon en detail vor dem inneren F&#252;llfederhalter steht, der Anfang, einmal niedergeschrieben, in Stil und Stimmung alles Folgende durchf&#228;rben wird. F&#252;r &#8220;Krimidinner&#8221; habe ich einen sehr schlichten, direkt erz&#228;hlenden Stil gew&#228;hlt ohne viel Schn&#246;rkel, wie es f&#252;r eine schlichte Kriminalnovelle geh&#246;rt. Der gr&#246;&#223;eren Bequemlichkeit halber habe ich das ganze als Rohfassung f&#252;r Euch als &#8211; qualitativ nat&#252;rlich minderwertigen &#8211; Podcast eingestellt:</p>
<p></p>
<p><a href="http://lieblog.norman-liebold.de/materialien/audio/podcast/08-09-09_krimidinner_01.mp3">Podcast downloaden!</a></p>
<p>F&#252;r die, die lieber lesen, hier der Text. Senf jeglicher Form ist erw&#252;nscht&#8230; <span id="more-388"></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Arbeitstitel &#8220;Krimidinner&#8221;, Rohfassung 1. Abschnitt.<br />
</strong>Alle Rechte bei Norman Liebold</p>
<p style="text-align: center;">- 1. -</p>
<p><!-- 	 	 --></p>
<blockquote><p>»Windgeschwindigkeiten von bis zu hundertzwanzig Stundenkilometern, orkanartige B&#246;en und schwere Gewitter mit Hagelschlag«, k&#252;ndigte die Stimme im Radio an. Christian schaute vom Schreibtisch hoch und durch das Fenster. September, der Wald hinter den Weiden begann sich schon zu verf&#228;rben, und dr&#252;ber stand pechschwarz eine Wolkenwand, die sich alle M&#252;he gab, den Radiosprecher glaubhaft klingen zu lassen. Christian war verdammt froh, dass heute nichts anlag. Kein Theaterst&#252;ck, &#252;ber das er berichten sollte, und auch kein d&#228;mlicher Empfang klugschw&#228;tzender Lokalpolitiker. Ein Abend zu hause. Seit langem. In seinem Job selten genug. Ein Fl&#228;schchen Wein aus dem Regal holen, ein gutes Buch.</p>
<p>Das Telefon schrillte. Christian seufzte, als er dem Ton nachging und begann, auf der Suche nach dem Ger&#228;t Stapel von Papieren, B&#252;chern und Zeitschriften zu durchw&#252;hlen. Wahrscheinlich die Redaktion, der doch noch irgendetwas eingefallen war. Oder ein Kollege war abgesprungen &#8211; was Famili&#228;res, da k&#246;nnte er doch einspringen. Der Junggeselle, der sich eh gerne &#252;berall herumtrieb&#8230;</p>
<p>»Ja? M&#252;ller hier«, maulte er in den H&#246;rer.</p>
<p>Die Stimme am anderen Ende war aufgeregt wie ein kleiner Junge. Das war niemand von der Redaktion, noch nicht einmal ein Kollege. Wenn <em>der</em> ein Kollege w&#228;re, dann m&#252;sste er bestimmt nicht f&#252;r dreiundzwanzig Cent die Zeile Artikel schreiben, die keine Sau interessierten und die aus Zeitmangel so schlecht recherchiert waren, dass es ihn jedesmal hei&#223; &#252;berlief, wenn er sie gedruckt in der Zeitung las. Mario war Manager beim pinken Riesen, k&#252;mmerte sich um Werbevertr&#228;ge und um die Pressearbeit des Konzerns. »Heute Nacht! Sie haben gerade angerufen!«</p>
<p>»Wer?«</p>
<p>»Dein Geburtstagsgeschenk!«</p>
<p>Christian &#252;berlegte. Mario hatte ihm eine Art Gutschein geschenkt. »Dieses Krimi-Dinner?« Er konnte das begeisterte Nicken von Mario geradezu sehen. »Nicht einfach ein Krimi-Dinner!«  betonte der genau wie auf dem Geburtstag vor drei Wochen. »Das ist ein absoluter Geheimtipp! Geht nur mit pers&#246;nlicher Einladung!« Und nat&#252;rlich hatte er &#8211; typisch Mario &#8211; auch auf dem Geburtstag nicht unterlassen k&#246;nnen darauf hinzuweisen, dass der Preis f&#252;r diesen Geheimtipp im vierstelligen Bereich lag. »Das ist nur, damit er nicht jeder Pups hinkommt«, waren seine Worte gewesen. Christian hatte davon abgesehen, ihm zu erkl&#228;ren, dass er, Lokalberichterstatter Christian M&#252;ller, genau so ein Pups war. Mario reagierte auf dergleichen stets etwas pikiert &#8211; Dinge wie finanzielle N&#246;te oder gar Arbeitslosigkeit und Hartz IV blendete er grunds&#228;tzlich aus. Mit seiner begeisterten jungen Stimme schilderte er am Telefon, wie fantastisch er die ganze Sache fand: »Verstehst du? Sie haben extra auf so ein Wetterchen gewartet! Damit es so richtig stimmungsvoll wird! Und das Beste: Wei&#223;t du, wo es stattfindet?«</p>
<p>»Wie sollte ich?« Christian wusste noch nicht, ob er sich von Marios Begeisterung anstecken lassen sollte, oder ob er mehr dem Gef&#252;hl von Skepsis zugeneigt war, dass sich in ihm angesichts dieses Snobs breit machte.</p>
<p>»Im Margarethenhof!«</p>
<p>»Hat der nicht zugemacht?«</p>
<p>»Eben, Christian! Eben. Die ganze Villa nur f&#252;r das Spiel, verstehst du? Wahrscheinlich ist sogar der Strom abgeschaltet, Telefon und alles. Wie in einem dieser alten Schwarz-Wei&#223;-Krimis, wo die Leute in einem alten Anwesen sitzen, ringsum tobt der Sturm&#8230;«</p>
<p>»Sehr stimmungsvoll, in der Tat.« Die Skepsis begann, &#252;berhand zu gewinnen, w&#228;hrend Christian, das Telefon am Ohr, aus dem Fenster schaute. Der Himmel war jetzt g&#228;nzlich schwarz, unten bogen sich die Baumwipfel unter heftigen B&#246;en. Das Gras auf der Weide wogte wie ein Meer. Mit einem erstaunlich lauten Ger&#228;usch schlug ein erster Regentropfen gegen die Scheibe. Irgendwie fand er den Gedanken gar nicht so reizvoll, jetzt in einem alten Haus zu sitzen, ohne Strom und Telefon und wahrscheinlich auch noch ungeheizt. Er war mehr der pragmatische Typ. Mit einer sch&#246;nen Frau, die sich beim Rollen des Donners an ihn schmiegte, mit einem flackernden Kamin und einem Glas Rotwein &#8211; nun gut. Aber f&#252;r ein Detektivspiel? Weshalb Mario ihm das zum F&#252;nfunddrei&#223;igsten geschenkt hatte, war ihm sowieso schleierhaft. Wahrscheinlich war das da oben in seinen Kreisen &#252;blich &#8211; da hatte man alles. Vierstellig. Der Preis. Verdammt. Ein Satz neuer Winterreifen. Ein Tank-Gutschein. Oh ja! Ein Tankgutschein von vierstelligen Wert!</p>
<p>»Stimmungsvoll?« Die kindliche Freude am anderen Ende schnappte fast &#252;ber. »Das ist der Hammer, Mann! Eine alte Villa oben im Siebengebirge, Sturm und Gewitter, Kerzenlicht und flackernder Kamin &#8211; du kannst drauf wetten, dass die die Kamine anhaben! Und dann ein m&#246;rderisches Geheimnis, dass wir knacken m&#252;ssen!«</p>
<p>»Es ist ein Spiel, Mario. Da gibt&#8217;s kein Geheimnis, es ist alles inszeniert.« Er dachte an die Reportage &#252;ber die Live-Rollenspieler, die er im Sommer gemacht hatte. Drachenfest, so hatte das gehei&#223;en. Latex, Knallfr&#246;sche und Gummischwerter. Magische Feuerb&#228;lle aus gef&#228;rbtem Schaumstoff.</p>
<p>»Aber ein richtig gutes! Sie scheuen keine M&#252;hen, die ziehen alle Register! Wahrscheinlich haben sie Spezialeffekte ohne Ende herangekarrt!« Christian seufzte innerlich. Er kannte Mario noch nicht lange, mochte ihn aber gern. Er konnte ihm einfach nicht den Spa&#223; verderben. Abgesehen davon las sich die G&#228;steliste &#8211; die Mario nat&#252;rlich zitieren mu&#223;te &#8212; wie ein Who-is-who rheinischer Hochfinanz und Politik. Vielleicht steckte da eine gute Story drinnen. Er grinste ins Telefon. Ob Mario daran gedacht hatte, dass er die Presse einschleuste in seinen elit&#228;ren Club? Immerhin hatten sie sich so kennen gelernt: In einem Interview hatte Christian ihn ziemlich hart rangenommen, als er ihm erkl&#228;ren sollte, weshalb der pinke Riese 30.000 Stellen <em>outsourcte</em>. »Wann soll es dann losgehen?«</p>
<p>»Halb zehn. Ich hole dich ab.«</p>
<p>Christian legte das Telefon auf die Anrichte. Die Regentropfen schlugen immer dichter gegen das Fenster, die B&#228;ume kr&#252;mmten sich unter dem Wind, w&#228;hrend sie langsam von der D&#228;mmerung verschluckt wurden. Laut Radiosprecher w&#252;rde dieses Unwetter erst in der Nacht so richtig losgehen. Stimmungsvoll. So so.</p></blockquote>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_388" class="footnote">F&#252;r Leser, die weniger als 6 Jahre dabei sind: In der Anfangszeit hatte ich es mir angew&#246;hnt, k&#252;rzere Geschichten &#8211; sprich Novellen &#8211; in Brosch&#252;renform herauszubringen. Erst sp&#228;ter fa&#223;te ich die Storys dann zu thematischen Anthologien zusammen. Ich h&#246;re immer wieder von einigen Seiten, da&#223; diese Brosch&#252;rchen vermi&#223;t werden, da etliche Leser meine nat&#252;rliche Erz&#228;hll&#228;nge als h&#246;chst angenehm zu empfinden scheinen: Sie pendelt bei Novellen immer um eine dreiviertel bis eineinviertel Stunden Lesezeit herum, was in etwa eine 40-50seitige Brosch&#252;re ergibt. In letzter Zeit entstanden haupts&#228;chlich Romane, wo dies nat&#252;rlich nicht zum tragen kam, und &#8220;Der Kulturgeist&#8221; war von Anfang an als thematisch gebundene Anthologie ausgelegt.</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Kurzer Lebensfunke &#8211; Bei Michh&#246;renwollen Donnerstag, 20.03., Radio anschalten</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Mar 2008 14:33:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Tat, in der Tat, es ist gerade ein wenig still hier im Bl&#246;gchen, da mu&#223; nicht gemault und gemotzt werden, denn wie vermerkt befinde ich mich in Schreib-Klausur. Das ist bitter n&#246;tig, bedenkt man, da&#223; &#252;bern&#228;chste Woche Samstag der &#8220;Gl&#228;serne Sarg&#8221; erschienen sein wird. Schlimm genug, da&#223; ich hier keine andere Wahl habe, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Tat, in der Tat, es ist gerade ein wenig still hier im Bl&#246;gchen, da mu&#223; nicht gemault und gemotzt werden, denn wie <a href="http://www.norman-liebold.de/2008/03/08/schreibklausur-die-angst-vor-dem-weissen-papier-liebolds-fernsehsendung-ankuendigung/">vermerkt</a> befinde ich mich in Schreib-Klausur. Das ist bitter n&#246;tig, bedenkt man, da&#223; <a href="http://www.norman-liebold.de/2008/02/02/26032008-sjz-siegburg-der-glaeserne-sarg/"><em>&#252;bern&#228;chste Woche Samstag</em></a> der &#8220;Gl&#228;serne Sarg&#8221; erschienen sein wird. Schlimm genug, da&#223; ich hier keine andere Wahl habe, als das Futur 2 zu gebrauchen, denn ein zur&#252;ck gibt es nicht mehr. Wie dem auch sei, Bauer W*<sup>1</sup> befindet sich gerade nach der Begegnung mit vier musizierenden Steinbruch-Nymphen und &#8211; viel schrecklicher &#8211; mit einer Art mutierten Politesse auf dem besten Wege in die Manie, was soviel hei&#223;t als da&#223; ich gut in der Zeit liege, ist damit doch der erste Teil der grob dreigliedrigen Novelle faktisch abgeschlossen. Auch wenn ich eine gelinde Unsicherheit versp&#252;re, mit dem gew&#228;hlten adjektiv- und partizipienreichen Plauderstil die richtige Wahl getroffen zu haben, ist er doch dem Stoff so inh&#228;rent, da&#223; es sich nur um die notwendige selbstkritische Haltung handelt.</p>
<p>Wird gew&#252;nscht, meiner Stimme lauschen zu k&#246;nnen, so m&#246;ge man am Donnerstag n&#228;chster Woche das Radio (<a href="http://www.radiobonn.de/bonn/rb" target="_blank">Radio Bonn-Rhein-Sieg</a>) einschalten, wo ein umf&#228;ngliches Interview gesendet werden wird anl&#228;&#223;lich des Schm&#246;kertages. Ansonsten hat man nat&#252;rlich die M&#246;glichkeit, mich live und in Farbe am darauffolgenden Samstag im <a href="http://www.sjz.de/" target="_blank">Sch&#246;nsten Bunker Siegburgs</a> mit der ganzen, kompletten und vollst&#228;ndigen Geschichte zu erleben, das ganze improvisiert-talentiert licht- und ger&#228;uschhaft begleitet.</p>
<p>Ansonsten ist abgesehen davon, da&#223; ich mich begeistert an B&#228;rlauch kugelrund fresse, da er in rauen Mengen im Leipziger Auenwald w&#228;chst und gr&#252;nt und duftet, kaum etwas zu berichten. Ich befinde mich sozusagen vollst&#228;ndig in der Virtualit&#228;t meiner Geschichte. &#220;beraus &#228;rgerlich ist allerdings, da&#223; mir mein <em>Vaio</em> dahingehend in den R&#252;cken gefallen ist, da&#223; er die &#8220;L&#8221;-Taste hat fallen lassen. Und zwar samt dieser sinnlos piepeligen Halterungen f&#252;r diese filigranen Plastik&#228;rmchen, die die Taste halten. Es ist Wucher, da&#223; Sony f&#252;r eine Ersatztastatur schlappe 140 Euro haben will (wir reden hier von einer Tastatur!) und zwei Wochen Lieferzeit veranschlagt. Ich habe mir mit Sekundenkleber und einer zerschnittenen Streichholzschachtel (auf h&#246;chst findungsreiche Weise gefalzt) eine neue Taste gebaut, die sogar ziemlich gut funktioniert. <em>Ausgerechnet</em> das &#8220;L&#8221;! Naja, eine neue Tastatur ist eh f&#228;llig, nach anderthalb Jahren habe ich schon &#252;berall die Buchstaben herunter-getippt&#8230;</p>
<p>Anbei wieder eine kleine Leseprobe, frisch aus der Tastatur.  Ich w&#228;re nebenbei gar nicht einmal so traurig &#252;ber kommentierende Worte bez&#252;glich des Eindruckes, den die Passage erweckt. Als Paratext bietet sich nebenbei der Bogeitrag &#8220;<a href="http://www.norman-liebold.de/2007/07/16/uberwachungsstaat-i-wo/" rel="bookmark" title="Permanent Link to &#220;berwachungsstaat? I wo!">&#220;berwachungsstaat? I wo!</a>&#8221; vom 16. Juli letzten Jahres an, der Tag im &#220;brigen, der gerne als die Geburtsstunde der Idee zum &#8220;Gl&#228;sernen Sarg&#8221; betrachtet werden kann.</p>
<p style="text-align: center"> <a href="http://lh6.google.de/Norman.Liebold/R_eYC45_LjI/AAAAAAAAGlQ/cztgXFg9tCk/s800/wachtberg_radom_01.jpg" onclick="return GB_showImage('Fenster', this.href)"><img src="http://lh6.google.de/Norman.Liebold/R_eYC45_LjI/AAAAAAAAGlQ/cztgXFg9tCk/s400/wachtberg_radom_01.jpg" /></a></p>
<p><span id="more-284"></span></p>
<p><strong>Rohfassung &#8220;Gl&#228;serner Sarg&#8221;, Auszug 3. und 4. Abschnitt</strong></p>
<p><strong>[3.]</strong></p>
<p>[...]</p>
<blockquote><p>Hinter dem gr&#252;nen Schild von <em>Bennau</em> wand er sich zwischen der Handvoll H&#228;user hindurch, bog von der <em>Basalt-</em> auf die <em>Steinstra&#223;e </em>und rumpelte den unbefestigten Weg ein paar hundert Meter hinunter. Zufrieden nickte er an der rotwei&#223; geringelten Schranke, die das Ende des Weges bezeichnete. Zwar hatte sich auch hier Bonner Blech her verirrt, aber es waren nur zwei Kleinwagen. Er stellte den <em>Fendt</em> dahinter und griff sich sein Buch von der Ablage &#8211; <em>1984</em> von George Orwell. Ein Blick durch die Scheiben der Autos zeigte gebatikte T&#252;cher &#252;ber den Sitzen, Traumf&#228;nger am R&#252;ckspiegel, zwei indische Tabla-Trommeln auf der R&#252;ckbank und bei dem einen ein faustgro&#223;er Kristall dort, wo sonst die Christopheros-Plakette klebte. Mit esoterisch angehauchten &#214;kos konnte er durchaus leben &#8211; sie mochten gerne und oft zu viel reden, aber sie hatten vern&#252;nftige Ansichten &#252;ber Ackerbau und bezahlten gut, wenn sie auf den Hof einkaufen kamen, um mit begeisterten Mienen ihre Eier selbst aus allen Ecken zusammen zu suchen.</p>
<p><em>Bennau</em> und den Steinbruch hier als <em>Arsch der Welt</em> zu bezeichnen, w&#228;re geschmeichelt gewesen. Nichtsdestotrotz prangte an ungelogen jedem zweiten Baum irgendein rot umrandetes Schild. Und die Dichte nahm noch zu, w&#228;hrend er sich auf dem Trampelpfad dem Steinbruch n&#228;herte. Der Boden war mit einem dichten Teppich wei&#223; bl&#252;hender Buschwindr&#246;schen &#252;berzogen. Auch der Wald stand in wei&#223;en Bl&#252;ten: Wohl wegen der unm&#246;glichen Hitze hatten die Robinien ihre Bl&#252;tentrauben schon jetzt duftend in den Wind gehangen. Dazwischen glitzerte t&#252;rkisblau lockend das Wasser des Steinbruchs. Von unten kam glockenhelles Lachen. Bauer W* schwamm durch Bl&#252;ten und D&#252;fte und f&#252;hlte sich wie ein junger Faun, der nach Nymphen jagt. Vorsichtig kletterte er den steilen Pfad zum Wasser hinunter. Als er unten ankam, blickten ihn vier Paar gro&#223;e Augen entgegen. Braun, Blau und Jadegr&#252;n. Auf dem Boden war eine bunter Quilt ausgebreitet, in einem Haufen lagen Kleider und Blusen aus Leinen in Naturfarben. Die M&#228;dchen waren nackt und versuchten mit zu wenig H&#228;nden zu viel sehenswerte Stellen zu bedecken. Er l&#228;chelte und bedeckte nicht ohne schelmischem Humor die Augen mit der Hand, bis sie sich ein paar Stofffetzen geangelt hatten. Vorsichtig wurde zur&#252;ck gel&#228;chelt. &#8220;Es ist ein guter Tag&#8221;, befand er, &#8220;wenn ein alternder Faun sich den Staub vom Weizenfeld absp&#252;len geht und ihn vier Nymphen &#252;berraschen, die so bezaubernd l&#228;cheln k&#246;nnen.&#8221; Die M&#228;dchen lachten ihr glockenhelles Lachen, die Angst war aus den Augen verschwunden. &#8220;Ich will nur eine Runde schwimmen&#8221;, erkl&#228;rte Bauer W*, um ihnen auch die letzte Sorge zu nehmen, er k&#246;nnte der Steinbruch-Besitzer oder ein Ordnungsh&#252;ter sein. Mit einem inneren L&#228;cheln quittierte er, dass seine Stimme einen halb rauen, halb dunkel-samtigen Tonfall angenommen hatte. Ganz so alt, wie er sich an manchen Tagen f&#252;hlte, war er offenbar doch noch nicht, und wenn er ehrlich war: Er machte noch etwas her, trotz wei&#223;er Haare. Die Arbeit auf dem Feld hatte seine Muskeln nicht eintrocknen lassen, und die stahlblauen Augen hatten seinerzeit so manches Herz schneller schlagen gemacht. Er sch&#252;ttelte den Kopf: Die M&#228;dchen waren h&#246;chstens zwanzig, und er war kein ewigjunger Wald- und Wiesengott mit Bocksf&#252;&#223;en und Dauerst&#228;nder. Diese elenden Tabletten verdarben in dieser Hinsicht jede falsche Hoffnung. Er grinste. Trotzdem: Es war ein guter Tag. Ein bisschen &#228;sthetischen Genuss g&#246;nnte ihm der Alte Herr da oben offensichtlich doch. Mit h&#246;flicher Verbeugung erkl&#228;rte er, eine Badebucht weiter sich ergehen zu wollen, wenn es die holden Waldfeen nicht st&#246;re. Die M&#228;dchen lachten, und Bauer W* kletterte den schmalen Steig weiter, bis er an eine winzige Badebucht kam, gerade gro&#223; genug, sein Badetuch auszubreiten.</p>
<p>Mochte es im April auch zweiundrei&#223;ig Komma f&#252;nf Grad Celsius im Schatten werden &#8211; das tief reichende Wasser in diesem Kessel mit steilen W&#228;nden verhielt sich ganz so, wie es Wasser im April nun einmal tut &#8211; Bauer W* sog scharf die Luft ein, als er hinein stieg, so kalt war es. Er lie&#223; sich nat&#252;rlich nichts anmerken, immerhin lagerten die vier Nymphen hundert Meter weiter, und als er schlie&#223;lich eingetaucht war und mit weiten Schwimmz&#252;gen seine Kreise zog, war es herrlich. Das leicht schmerzhafte Brennen der K&#228;lte auf seiner Haut lie&#223; ihn den stickigen Staub der Feldarbeit vergessen, die raumgreifenden Bewegungen l&#246;sten die Spannungen in R&#252;cken und Schultern, die nach zehn Stunden auf dem Trecker schmerzhaft wurden &#8211; dreipunktluftgefederte Kabine hin oder her. Nach einigen Bahnen drehte er sich auf den R&#252;cken, lie&#223; sich von den Wellen treiben und schaute in den schon unversch&#228;mt blauen Himmel. Am Ufer spielte eine der Nymphen Fl&#246;te, eine andere trommelte mit scheuer Zur&#252;ckhaltung einen leisen Rhythmus, die dritte &#8211; Bauer W* l&#228;chelte anger&#252;hrt und f&#252;hlte sich beschenkt &#8211; hob einen feinem, silberhellen Gesang an. Vielleicht war er doch ein Wald- und Wiesengott, jedenfalls f&#252;hlte er sich so, wie er hier drau&#223;en auf den Wassern trieb, &#252;ber sich den Himmel, unter sich kristallklares Wasser und mit Gesang und Fl&#246;tenspiel verw&#246;hnt. Als es arg zu kalt wurde, schwamm er langsam zur&#252;ck, setzte sich auf das Badetuch und griff nach seinem Lesestoff.  Eigentlich war dieses d&#252;stere Buch gar nichts f&#252;r so einen Feierabend, nackt an einem t&#252;rkisenen  Bergsee mit bl&#252;henden Robinien und musizierenden &#214;konymphen, aber sein Sohn hatte es ihm ans Herz gelegt. Er wusste, dass Thomas stolz darauf war, dass sein Vater &#8211; &#252;ber sechzig und Bauer &#8211; sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen besch&#228;ftigte, viel las und das trotz seiner Krankheit. Und vielleicht war es sogar der denkbar beste Moment, es zu lesen: Der strahlende Sonnenschein, das saubere Wasser, die musizierenden jungen Menschen voll Lebenskraft, das schuf ein gutes Gegengewicht, wenn das Buch zu deprimierend sein sollte.</p>
<p>&#8220;Es war ein klarer, kalter Tag im April, und die Uhren schlugen gerade dreizehn&#8221;,<a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_edn1" title="_ednref1" name="_ednref1">[i]</a> las er und folgte Winston Smith durch das nach Kohl und nassen Fu&#223;matten riechende Treppenhaus. Bauer W* fand es sympathisch, dass Winston &#252;ber dem rechten Fu&#223;kn&#246;chel dicke Krampfaderknoten hatte und die sieben Treppen zu seiner Wohnung langsam und mit Pausen gehen musste.<a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_edn2" title="_ednref2" name="_ednref2">[ii]</a> Mit so einem Helden konnte er sich besser identifizieren als mit diesen hochglanzpoliert patriotischen Hollywood-Weltrettern, die st&#228;ndig aus irgendwelchen Fenstern sprangen, durch Explosionen und Glasw&#228;nde hechteten und sich danach die Haare aus der Stirn strichen, um mit einem schlagfertigen Spruch einfach weiter zu machen. Es lief ihm eiskalt den R&#252;cken hinunter, als er vom <em>Televiso</em>r las, dem <em>H&#246;rsehschirm, </em>der nicht nur zeigte, sondern &#252;ber den die <em>Gedankenpolizei<a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_edn3" title="_ednref3" name="_ednref3"><strong>[iii]</strong></a></em>  jeden jederzeit im Bick hatte. Er schlug das Buch vorn auf. 1949, las er, war das Jahr der Erstver&#246;ffentlichung. Jetzt erinnerte er sich an die Antwort seines Sohnes, als er ihn nach dem seltsamen Titel fragte: &#8220;Orwell hat einfach die Zahlen des Jahres herumgedreht, in dem er das Buch schrieb&#8221;, hatte Thomas gesagt. &#8220;Er wollte damit zeigen, dass das sehr schnell Realit&#228;t werden kann.&#8221; Die Nymphen hatten aufgeh&#246;rt zu musizieren, er h&#246;rte Stimmen, darunter eine m&#228;nnliche. Aber er wollte nicht f&#252;r neugierig gelten, schon gar nicht, wenn es sich um h&#252;bsche nackte M&#228;dchen handelte, machte es sich also auf seinem Handtuch bequem und las weiter. &#8220;Krieg bedeutet Frieden&#8221;, das war der erste Wahlspruch der Partei. Bauer W* lie&#223; das Buch sinken und schaute nachdenklich ins Leere. Er verstand, warum Thomas ihm das Buch gegeben hatte. Das war starker Tobak. Als die Amis begannen, von B&#246;sen Achsen zu faseln, die den Weltfrieden bedrohen und deswegen bekriegt werden m&#252;ssen, war ihm auch so ein Gedanke durch den Kopf geschossen. &#8220;Krieg bedeutet Frieden&#8221;, das war klug beobachtet von diesem Orwell, das und der Drang nach totaler &#220;berwachung.</p>
<p>Er f&#252;hrte den Gedanken nicht zu Ende. Eine Bewegung direkt &#252;ber ihm zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Vor den h&#228;ngenden Bl&#252;tentrauben der Robinien, wo er eine ganze Zeit lang mit leerem Blick hingesehen hatte, stand jemand und starrte zur&#252;ck. Er trug eine gelbe Warnweste &#252;ber einem feisten Bierbauch, ein &#252;beraus beflissenes, glattrasiertes B&#252;rokratengesicht mit Halbglatze und winzigen Schweinsaugen. Auf der erhabensten Stelle seines Wanstes balancierte eine gro&#223;e Photokamera mit &#252;berdimensioniertem Objektiv. Bauer W* war so perplex, dass dieses Wesen so stumm dort stand und auf ihn herab glotzte, dass er kein Wort heraus bekam. Und Bauer W* war alles andere als auf den Mund gefallen.</p>
<p>&#8220;Sie wissen, dass das verboten ist?&#8221; Der Mann in Leuchteweste stemmte wurstfingerige H&#228;nde in die Seite und setzte ein vorwurfsvolles Gesicht auf.</p>
<p>Die &#220;berraschung &#252;ber das pl&#246;tzliche Erscheinen dieses Mannes machte Entr&#252;stung Platz. &#8220;Sich nackt von irgendwelchen angefetteten M&#228;nnern anstarren lassen?&#8221; fragte Bauer W* mit jenem schleichenden Ton in der Stimme, der vern&#252;nftige Menschen dazu brachte, vorsichtiger und vor allem h&#246;flich zu werden. &#8220;Meinen Sie nicht, dass Sie mich erst einmal etwas <em>anziehen</em> lassen sollten &#8211; egal was Sie von mir wollen?&#8221; Das Ding &#252;ber ihm blies sich regelrecht auf, fummelte an einem Namensschildchen herum, das &#252;ber seiner rechten Brust befestigt war und halbwegs offiziell aussah.</p>
<p>&#8220;Das ist Trinkwasserschutzgebiet!&#8221; kr&#228;hte es. &#8220;Betreten verboten! Und Baden sowieso!&#8221; Die Stimme des Mannes steigerte sich und drohte &#252;berzuschnappen. Er starrte immer noch auf Bauer W* hinunter, und Bauer W* trug immer noch keinen Faden am Leib. &#8220;Sie machen sich einer Gesetzes&#252;bertretung schuldig, und ich sage Ihnen, dass wird Folgen haben!&#8221;</p>
<p>&#8220;Ist Voyeurismus eigentlich strafbar?&#8221; Bauer W* f&#252;hlte eine anschwellende Wut in sich. &#8220;Haben Sie die M&#228;dchen da vorn auch so unversch&#228;mt angeglotzt? Oder vielleicht sogar Photos von ihnen gemacht, f&#252;r zuhause?&#8221;</p>
<p>Das Gesicht samt Ohren und Halbglatze schwoll rot an. &#8220;Das ist unerh&#246;rt!&#8221; fiepte es. &#8220;Ich tue hier meine Pflicht! Hier ist Baden verboten, h&#246;ren Sie? Und Ihre Nacktheit stellt, wenn &#252;berhaupt, eine <em>Ordnungswidrigkeit</em> dar. Das w&#228;re ja noch sch&#246;ner, wenn jeder nackt herumlaufen k&#246;nnte, wie er wollte! Ordnung muss sein, mein Herr!&#8221;</p>
<p>&#8220;Sie k&#246;nnen mich mal mit Ihrer Ordnung&#8221;, erkl&#228;rte Bauer W* trocken. Und w&#228;hrend die Leuchteweste sich unter wachsender Entr&#252;stung immer mehr bl&#228;hte, erkl&#228;rte er dem M&#246;chtegern-Beamten: &#8220;Ich komme hier seit meiner Kindheit her. Und wenn Sie&#8217;s genau wissen wollen, Rudolf M&#228;rker ist ein pers&#246;nlicher Freund von mir.&#8221; Die Schweinsaugen glotzten ins Uhrwerk. &#8220;M&#228;rker ist im Vorstand der <em>Basalt AG</em>. Der <em>geh&#246;ren</em> die ganzen Steinbr&#252;che hier. Wissen Sie, was der meint? <em>Wir stellen die Schilder auf wegen der Versicherung. Wer hier ers&#228;uft, tuts auf eigene Gefahr.</em> Der M&#228;rker, der wird nur stinkig, wenn man in den Seen <em>angelt</em>. Das will er n&#228;mlich sch&#246;n selber machen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Dieser See geh&#246;rt nicht mehr der <em>Basalt AG&#8221;</em>, erkl&#228;rte die Leuchteweste und warf sich in die Brust. Es ist jetzt Trinkwasserreservoir der Gemeinde Asbach. Und Betreten, Lagern und Baden ist verboten. K&#246;nnen Sie nicht lesen?&#8221;</p>
<p>Bauer W* schaute auf das Buch in seiner Hand und wurde langsam ernstlich sauer. Diese Witzfigur hatte ihm nicht nur seinen wohlverdienten Feierabend verdorben, sie wurde regelrecht beleidigend. Frustriert b&#252;ckte er sich, um sich sein Hemd zu angeln. Der &#252;berhebliche Ausdruck, der sich jetzt auf dem feisten Sch&#228;del &#252;ber ihm auszubreiten begann, trug nicht im geringsten dazu bei, seine Stimmung zu heben. Es war das ekelerregend machtgeile L&#228;cheln, das so typisch ist f&#252;r schwache Schleimbeutel, die das System in ihrem R&#252;cken und sich im Rahmen der Gesetzesparagraphen wissen. Mit seiner hohen Fistelstimme erkl&#228;rte der s&#252;&#223;lich l&#228;chelnde Mund: &#8220;Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass Sie hier rauskommen ohne ein saftiges Bu&#223;geld und eine Verwarnung?&#8221; Er lachte gek&#252;nstelt und streichelte das &#252;berdimensional lange Objektiv seiner Kamera &#8211; eine Geste, die an Obsz&#246;nit&#228;t kaum etwas zu w&#252;nschen &#252;brig lie&#223; ist. &#8220;Ich habe Sie n&#228;mlich fotografiert!&#8221;</p>
<p>&#8220;Sie haben &#8211; <em>was?&#8221;</em></p>
<p>&#8220;Ja genau, sie haben richtig geh&#246;rt!&#8221;</p>
<p>Bauer W* stand und starrte auf die fleischgewordene Selbstgef&#228;lligkeit &#252;ber sich. Am Rande war ihm durchaus bewusst, dass er nicht gerade ein sehr beeindruckendes Bild abgeben musste &#8211; vom Bauch abw&#228;rts nackt mit halboffenem Hemd und barfu&#223;, das Schamhaar genauso wei&#223; wie das auf seinem Kopf -, aber das war ihm im Moment gleichg&#252;ltig. &#8220;Sie erz&#228;hlen mir hier allen Ernstes, dass Sie mich nackt photographiert haben, und das mit einer derma&#223;en schmierigen Grinsen? Geben Sie die Kamera her, aber ein bisschen pl&#246;tzlich. Und dann will ich Ihren Namen und Ihre Dienstnummer oder was Sie sonst haben &#8211; wie ein richtiger Polizist sehen Sie Witzfigur n&#228;mlich nicht aus!&#8221;</p>
<p>Der Mann plusterte sich auf und zog eine Pappkarte aus der Leuchteweste, die in Plastik eingewickelt war und soweit es auf die Entfernung zu erkennen war, ein Passbild und irgendeinen Stempel aufwies. &#8220;Ich bin eine Dienstkraft!&#8221;</p>
<p>&#8220;So sehen Sie auch aus!&#8221;</p>
<p>&#8220;Es erf&#252;lle hier die mir von der Gemeinde aufgetragene Aufgabe!&#8221;</p>
<p>&#8220;Nackte M&#228;dchen beim Baden in Steinbr&#252;chen photographieren?&#8221; Bauer W* konnte nicht glauben, was hier geschah. &#8220;Sind Sie noch ganz bei Trost?&#8221; Er verfluchte die fast zwei Meter hohe Uferkante, die ihn von dem Trampelpfad trennte, der um den Steinbruch lief. Sonst w&#228;re er mit einem Satz bei dieser komischen Steinbruchpolitesse gewesen &#8211; oder was auch immer f&#252;r eine Art <em>Dienstkraft </em>das sein sollte. Er h&#228;tte sie den verdammten Film aus seiner beschissenen Schwanzersatzkamera fressen lassen. Die Steinbruchpolitesse, wahrscheinlich eine Kreuzung zwischen Troll und Eunuch, schien das zu sp&#252;ren und wich einen Schritt hinter den Stamm einer kleinen Eiche zur&#252;ck.</p>
<p>&#8220;Ich habe es diesen unversch&#228;mten G&#246;ren schon erkl&#228;rt&#8221;, piepste er. &#8220;Ich habe Sie <em>photographiert</em>, und ich kann jetzt einfach gehen. Ich war nur so <em>h&#246;flich</em>, sie &#252;ber die von Ihnen begangene <em>Ordnungswidrigkeit</em> zu informieren. Ihre Personalien brauchen wir gar nicht! Und wenn Sie mich weiter so gewaltbereit anstarren, dann werde ich veranlassen, dass es mehr wird als nur eine <em>Ordnungswidrigkeit</em>!&#8221; Er grinste schleimig und kommentierte den wohl etwas begriffsstutzigen Blick von Bauer W* mit einem kurzen Auflachen. &#8220;Ja, das ist moderne Technik. <em>Digital. </em>Ich schicke gleich das Bild von Ihnen &#252;ber das Internet an die Zentrale in Neuwied, und die lassen es durch die Datenbank laufen.&#8221; Er schwoll f&#246;rmlich an vor Stolz. &#8220;Und ratzbatz, ich sage Ihnen: <em>Ratzbatz</em>! Haben wir Sie gefunden. Sie haben doch einen Reisepass? Aber nat&#252;rlich haben Sie einen. Ich sage nur&#8230;&#8221; &#8211; sein Tonfall wurde jetzt dozierend &#8211; &#8220;Biometrie! Ein Frontalbild reicht, und noch nicht einmal in der Qualit&#228;t, wie sie mein Baby hier liefert! In drei Tagen haben Sie Ihren Bu&#223;geldbescheid, das garantiere ich Ihnen!&#8221; Ohne seinen Namen genannt zu haben wuselte er auf eine Weise den schmalen Weg davon, die durchaus an Flucht erinnerte. Bauer W*, nur mit Hemd bekleidet, von der H&#252;fte abw&#228;rts nackt, starrte ihm hinterher wie einer Erscheinung. Er dachte nur am Rande daran, ihm hinterher zu rennen. Das ganze war zu unwirklich. Er kn&#246;pfte sein Hemd langsam zu, zog Hose und Stiefel an. Irgendwo weiter oben war das helle Rasenm&#228;her-Ger&#228;usch eines kleinen Mopeds zu h&#246;ren, und bei dem Bild dieser l&#228;cherlichen Gestalt mit weit abstehenden Knien auf dem winzigen Gef&#228;hrt lie&#223; ihn schief grinsen. Menschen gab es, unglaublich. Er kraxelte die Uferb&#246;schung hinauf und machte sich auf den Heimweg. Der sonnige Feierabend mit gutem Buch am See war ihm gr&#252;ndlich verdorben worden, und die singenden und klingenden Nymphchen waren ebenso verschwunden, wie die Sonne bald hinter der hohen Steilwand verschwunden sein w&#252;rde.</p></blockquote>
<p><strong>[4.]</strong></p>
<blockquote><p>Es geschah irgendwo auf dem Weg zu seinem <em>Fendt</em>.</p>
<p>Wenn einfach gesagt w&#252;rde, dass ein bereits hypomanischer Habitus an diesem Punkt begann, in eine ausgepr&#228;gt manische Phase umzuschlagen, so w&#252;rde ein g&#228;nzlich falscher Eindruck entstehen. Bauer W* begann sich nicht von einem auf den anderen Moment f&#252;r einen Auserw&#228;hlten zu halten, er wurde nicht von einem durch nichts zu tr&#252;benden Optimismus erf&#252;llt oder pl&#246;tzlich aus dem Nichts entstehenden Tatendrang. Er f&#252;hlte sich weder auf wunderbare Weise verj&#252;ngt noch schleuderte er seine Zahnprothese in weitem Bogen in den <em>Bennauer</em> Steinbruch in der &#220;berzeugung, seine Beisserchen w&#252;rden schon nachwachsen.</p>
<p>Bauer W* &#8211; Orwells &#8220;1984&#8243; in der Ges&#228;&#223;tasche &#8211; hatte, w&#228;hrend er den schmalen, von bl&#252;henden Buschwindr&#246;schen ges&#228;umten Trampelpfad hinauf kraxelte, das Gef&#252;hl, etwas zu <em>begreifen. </em>Mit jedem Schritt, den er auf der kaum fu&#223;breiten lehmbrauen Spur zwischen den knotig verwachsenen Robinienst&#228;mmen vor den anderen setzte, schien es ihm, als ob er etwas <em>deutlicher sah</em>, das die ganze Zeit schon dagewesen war. So wie die Dr&#228;hte und Flaschenz&#252;ge, Rollen und Hebeb&#252;hnen immer schon hinter der Theaterkulisse gewesen sind, man sie aber erst dann sieht, wenn ein technisches Versagen die Hintergrundmalerei von der Deckenbefestigung rei&#223;en und auf die B&#252;hne st&#252;rzen l&#228;sst &#8211; und pl&#246;tzlich die ganze Maschinerie in ihrer brutalen Zweckm&#228;&#223;igkeit da steht. Und man nie wieder eine Theaterkulisse sehen kann, ohne zugleich die Maschinerie dahinter zu ahnen. Aber das Begreifen jetzt kam nicht mit jener auf den Moment geb&#252;ndelten Wucht wie bei seiner ersten Frau, als sie ihm ins Gesicht schrie, dass sie ihn nie geliebt und nur wegen seines Geldes geheiratet hatte. Und ob er vielleicht geglaubt hatte, irgendeine Frau w&#252;rde jemanden lieben k&#246;nnen, der verr&#252;ckter war als ein Sack Affen auf Speed. Es war mehr ein schleichendes Begreifen,  als langsam seine Entr&#252;stung dar&#252;ber abflaute, dass dieser schmierige Typ in Leuchteweste mit seiner dicken Kamera im Steinbruch herumkroch und nackte Leute photographierte. Der erste Schritt dieses Begreifens war die Erkenntnis, dass ihm dieses denkw&#252;rdige Erlebnis nicht geschehen war, w&#228;hrend er am K&#246;lner Bahnhof ein paar Kilo Kokain an sonnenbebrillte Gangster weiterreichte. Er hatte sich den Staub von der Feldarbeit in einem Steinbruchsee absp&#252;len wollen, in dem er schon als Rotzbengel geschwommen war. Irgendwo hinter den Sieben Bergen, am Arsch der Welt &#8211; in <em>Bennau</em> mit seinen vielleicht sechzig Einwohnern, wenn es &#252;berhaupt so viele waren.</p>
<p>Er erreichte die B&#246;schung und blickte in den lichten, duftenden Wald aus Eichen, Birken und Robinien hinein. Ungelogen: Man hatte an wahrscheinlich jeden verdammten zweiten Baum ein gro&#223;es Schild befestigt. Auch welche, die auf sch&#252;tzenswerte Natur hinwiesen und mehr als ein Meter hoch ganze Regelkataloge auff&#252;hrten mit Bu&#223;geldandrohungen bis hin zu 100.000 Euro. Absurderweise hatte man die Tafeln mit riesigen Neunzoll-N&#228;geln befestigt, die in die B&#228;ume hinein getrieben waren. Er zweifelte ernstlich an der geistigen Gesundheit der Leute, die das verordnet hatten. Wobei die, die diese Dutzende und aber Dutzende von Schildern an die B&#228;ume genagelt hatten, auch nicht besser tickten. Dieser Staat musste wirklich zu viel Geld haben, wenn er W&#228;lder am Arsch der Welt mit teuren Verbotsschildern pflastern lie&#223; und Beamte abkommandierte, die hier Patrouille liefen mit schweineteuren Digitalkameras. Beziehungsweise &#8211; Bauer W* blieb vor seinem <em>Fendt</em> stehen und f&#252;hlte eine Mischung aus Grauen und jenem euphorischen Gef&#252;hl, das man bekommt, wenn man pl&#246;tzlich ganz klar sieht. Wenn dieser Staat schon am Arsch der Welt in dieser Weise &#252;berwachen lie&#223;, im vielleicht unbekanntesten Steinbruch-See im ganzen Siebengebirge &#8211; wie mochte dann die Situation erst in den anderen Gebieten Deutschlands aussehen?</p>
<blockquote><p>[...]<br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" /></blockquote>
<p><a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_ednref1" title="_edn1" name="_edn1">[i]</a> &#8220;Es war ein klarer, kalter Tag im April, und die Uhren schlugen gerade dreizehn.&#8221; (Orwell, George: Neunzehnhundertvierundachtzig. Frankfurt a. M., Berlin, Wien 1976. S. 5) <strong>Original:</strong> <em>&#8220;</em> <em>It was a bright cold day in April, and the clocks were striking thirteen.&#8221;</em></p>
<p><a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_ednref2" title="_edn2" name="_edn2">[ii]</a> Die Wohnung lag sieben Treppen hoch, und der neununddrei&#223;igj&#228;hrige Winston, der &#252;ber dem rechten Fu&#223;kn&#246;chel dicke Krampfaderknoten hatte, ging sehr langsam und ruhte sich mehrmals unterwegs aus. (Orwell, George: Neunzehnhundertvierundachtzig. Frankfurt a. M., Berlin, Wien 1976. S. 5) <strong>Original:</strong> &#8220;The flat was seven flights up, and Winston, who was thirty-nine and had a varicose ulcer above his right ankle, went slowly, resting several times on the way.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_ednref3" title="_edn3" name="_edn3">[iii]</a> Der Televisor war gleichzeitig Empfangs- und Sendeger&#228;t. Jedes von Winston verursachte Ger&#228;usch, das &#252;ber ein ganz leises Fl&#252;stern hinausging, wurde von ihm registriert. Au&#223;erdem konnte Winston, solange er in dem von der Metallplatte beherrschten Sichtfeld blieb, nicht nur geh&#246;rt, sondern auch gesehen werden. Es bestand nat&#252;rlich keine M&#246;glichkeit festzustellen, ob man in einem gegebenen Augenblick gerade &#252;berwacht wurde. Wie oft und nach welchem System die Gedankenpolizei sich in einen Privatapparat einschaltete, blieb der Mutma&#223;ung &#252;berlassen. Es war sogar m&#246;glich, da&#223; jeder einzelne st&#228;ndig &#252;berwacht wurde. Auf alle F&#228;lle aber konnte sie sich, wenn sie es wollte, jederzeit in einen Apparat einschalten. Man mu&#223;te in der Annahme leben &#8211; und man stellte sich tats&#228;chlich instinktiv darauf ein -, da&#223; jedes Ger&#228;usch, das man machte, &#252;berh&#246;rt und, au&#223;er in der Dunkelheit, jede Bewegung beobachtet wurde. (S. 6.) <strong>Original:</strong> The telescreen received and transmitted simultaneously. Any sound that Winston made, above the level of a very low whisper, would be picked up by it, moreover, so long as he remained within the field of vision which the metal plaque commanded, he could be seen as well as heard. There was of course no way of knowing whether you were being watched at any given moment. How often, or on what system, the Thought Police plugged in on any individual wire was guesswork. It was even conceivable that they watched everybody all the time. But at any rate they could plug in your wire whenever they wanted to. You had to live _ did live, from habit that became instinct _ in the assumption that every sound you made was overheard, and, except in darkness, every movement scrutinized.</p>
<hr align="left" size="1" width="33%" /></blockquote>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_284" class="footnote">Und ich glaube, ich lasse diesen Arbeitsnamen sogar stehen, weil er so sch&#246;n als <em>Winston</em> aus &#8220;1984&#8243; lesbar ist&#8230;</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Von der Seite, die nicht mehr wei&#223; ist. Oder: Vom Mut zu Schwafeln.</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Mar 2008 21:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine liebe Freundin, die von hinten genauso gut zu lesen ist wie von vorn und vom Vorm&#228;rz genau wie vom Dadaismus gerne benutzt wurde, meinte vor langen Jahren einmal kritisch in Bezug auf meine literarische Produktion, da&#223; sie &#252;berhaupt nicht verst&#228;nde, warum ich denn nicht schriebe, wie ich sie so wortreich zu unterhalten die F&#228;higkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://lh4.google.de/Norman.Liebold/R8sRvnaGaVI/AAAAAAAAF-c/2gDwhw24--k/s800/steinbruch_dornhecke_08-03-01_01.jpg" onclick="return GB_showImage('Fenster', this.href)"><img src="http://lh4.google.de/Norman.Liebold/R8sRvnaGaVI/AAAAAAAAF-c/2gDwhw24--k/s320/steinbruch_dornhecke_08-03-01_01.jpg" alt="Der M&#228;rchensee, offen gelassener Steinbruch im Siebengebirge" align="left" border="1" hspace="10" /></a><br />
Eine liebe Freundin, die von hinten genauso gut zu lesen ist wie von vorn und vom Vorm&#228;rz genau wie vom Dadaismus gerne benutzt wurde, meinte vor langen Jahren einmal kritisch in Bezug auf meine literarische Produktion, da&#223; sie &#252;berhaupt nicht verst&#228;nde, warum ich denn nicht schriebe, wie ich sie so wortreich zu unterhalten die F&#228;higkeit bes&#228;&#223;e. Tats&#228;chlich brauchte ich bei ihr mehr als zw&#246;lf Jahre, bis zu meiner g&#228;nzlichen &#220;berraschung ein begeistertes &#8220;Es geht doch, oh Musensohn!&#8221; kam und mein fester Glauben, niemals dieser besonderen und hochgesch&#228;tzten Person ein Wort der Anerkennung entringen zu k&#246;nnen, zutiefst ersch&#252;ttert wurde. Das ist zwei Wochen her und bezog sich auf den &#8220;<a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/publikationen/dichterbrand/">Dichterbrand</a>&#8220;. Interessanterweise also bei einem Roman, an dessen Qualit&#228;t ich w&#228;hrend des Ringens und Schreibens mehr zweifelte als an allen Texten zuvor.<sup>1</sup> Ich erz&#228;hle das, um mir gewisserma&#223;en selbst vor Augen zu halten, da&#223; solcherartiges Empfinden gerade in den drei ma&#223;geblichen Phasen des Schreibens<sup>2</sup> wie immer ganz notwendig dazu geh&#246;rt, damit es gut wird.  Dieser Post hat zudem die schlichte Funktion zu dokumentieren, da&#223; ich den Prolog gerade abgetippt habe, das wei&#223;e Blatt damit beschmiert ist und ich zudem in diesem Prolog der Lust des leserkitzelnden Schwafelns ganz lasziv nachgegeben habe &#8211; nat&#252;rlich etwas, das jetzt mit dem Beginn der erz&#228;hlten Handlung zugunsten eines luftigeren Stiles abgeschw&#228;cht werden wird. Ich bin so frei, den Prolog an dieser Stelle in Rohfassung zum Hineinlesen online zu stellen.</p>
<p><span id="more-283"></span></p>
<hr align="left" color="#666666" size="1" />[1.]</p>
<blockquote><p>Wenn es hei&#223; genug wird, verlieren Verbote ihre Bedeutung.</p>
<p>Selbst in Deutschland.</p>
<p>Wobei im Rheinland die daf&#252;r notwendige Temperatur gemeinhin etwas niedriger ausf&#228;llt als anderswo.</p>
<p>Vielleicht liegt das in der allj&#228;hrlichen Erfahrung, dass vor der Fastenzeit Anstandsregeln ebenso wie geschriebene und ungeschriebene Gesetze f&#252;r einige Tage ausgehebelt werden k&#246;nnen, ohne dass das Weltgef&#252;ge in sich zusammen oder der Himmel einem auf den Kopf f&#228;llt. Verordnungen jeglicher Art d&#252;rften infolge dessen hier auch den Rest des Jahres einige Schwierigkeit haben, sich f&#252;r unumst&#246;&#223;liche Naturgesetze zu verkaufen. Wie hei&#223; es in anderen Regionen Deutschlands her gehen muss, damit Verbote ihr Gewicht verlieren, mag von Fall zu Fall verschieden sein. Im Rheinland &#8211; speziell im Siebengebirge &#8211; liegt die notwendige Temperatur bei ziemlich genau Zweiundrei&#223;ig Komma f&#252;nf Grad Celsius im Schatten. Wobei nicht vergessen werden darf, dass die sieben Berge von je her eine etwas hei&#223;ere Gegend als andere. Nicht etwa, weil in ihren Kl&#252;ften und Spalten einst der Lindwurm feuerspeiend umher kroch, den jung Siegfried erschlug. Nicht etwa, weil nicht weit davon entfernt die Alliierten mit dem Wunder von Remagen den Rhein &#252;berwanden und ein neues Kapitel der deutschen Geschichte begannen. Und ganz bestimmt nicht, weil direkt gegen&#252;ber jenes Provinzst&#228;dtchen vor sich hin tr&#228;umt, das infolge des erw&#228;hnten Wunders von Remagen einundvierzig Jahre lang Hauptstadt genannt worden war. Sondern, weil es hier von Anfang an magmatisch hei&#223; im Untergrund brodelte, um eruptiv lavasprotzend diesen &#228;ltesten Naturpark Deutschlands und in B&#228;lde kleinsten Nationalpark Europas in unz&#228;hligen Vulkanen und Vulk&#228;nchen auf der <em>Sch&#228;l Sick<a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_ftn1" title="_ftnref1" name="_ftnref1"><strong>[1]</strong></a></em> empor zu pressen und das zu schaffen, was Alexander von Humboldt zu dem enthusiastischen Ausruf verf&#252;hrte, dieses Panorama sei das achte Weltwunder.</p>
<p>Eben diese unterirdisch h&#228;rtesten Fels schmelzende Urkraft, die noch heute wie Siegfrieds Drache unter den Kl&#252;ften und Spalten, Burgruinen und Rheinweinh&#228;ngen brodelt und g&#228;rt und grummelt und zuweilen die Welt erbeben macht, ist es, die bereits die R&#246;mer dazu brachte, sich steinbrechend in die Flanken des Gebirges zu w&#252;hlen. Und auch das Mittelalter fra&#223; seinen Trachyt f&#252;r unz&#228;hlige Burgen und Kirchen aus den sieben Bergen, ebenso wie die Neuzeit mit noch unm&#228;&#223;igerem Appetit und effizienteren Maschinen. Erst als die Drachenburg samt Berg 1828 steinbruchunterh&#246;hlt zu br&#246;ckeln begann, erkl&#228;rte die Romantik der Profanit&#228;t den Krieg und stellte sich sch&#252;tzend vor ihre geliebte Kulisse der Burgruine &#252;ber nebelverhangenem Vater Rhein und gewann vielleicht zum ersten und einzigen Male eine Schlacht in diesem speziellen Krieg: 1922 Erkl&#228;rung zum Naturschutzgebiet, 1930 das g&#228;nzliche Verbot jeglicher auf Gewinnung von Bodensch&#228;tzen gerichteten T&#228;tigkeit.</p>
<p>Unz&#228;hlige stillgelegte Steinbr&#252;che liefen gluckernd voll gr&#252;ngl&#228;sern kristallklaren Wassers. Zugleich sprossen &#8211; wie nicht anders denkbar in deutschen Landen &#8211; rings um diese wundersch&#246;nen, neu entstehenden Bergseen W&#228;lder empor &#8211; <em>W&#228;lder von Schildern</em> in bunten Farben mit vielen Ausrufungszeichen, auf denen in langen Listen vermerkt war, was man alles nicht durfte. Ein dankenswerter Umstand, die jenen, die der gern benutzten Lebensgefahr mit Gelassenheit zu begegnen verstehen, ein angenehm einsames Schwimmvergn&#252;gen zu verschaffen geeignet ist.</p>
<p>Zumindest bis Zweiunddrei&#223;ig Komma f&#252;nf Grad Celsius im Schatten, bei denen Ver- und Gebote im Rheinland ihre G&#252;ltigkeit ebenso verlieren wie Verhaltenskodizes vor dem gro&#223;en Fasten.</p>
<p>Bei genauerem Betrachten w&#228;re es daher durchaus richtig anzunehmen, dass nicht nur der rheinische Karneval, R&#246;mer und Romantik, Drachen und Trachyt, sondern &#8211; neben der Entstehung der Naturschutzgesetze &#8211; auch die Globale Erw&#228;rmung notwendige Ingredienzien f&#252;r die Geschichte sind, die damit beginnt, dass Bauer W* nackt in <em>Germscheid</em> photographiert wird. Und die noch nicht ihren H&#246;hepunkt erreicht haben wird, wenn derselbe Mann im Langen Eugen im Bestreben von B&#252;ro zu B&#252;ro hetzt, die <em>United Nations </em>bei der Rettung seines Vaterlandes um Hilfe zu bitten.</p>
<p>Denn h&#228;tte nicht Ende April die Temperatur jenen kritischen Punkt von Zweiundrei&#223;ig Komma F&#252;nf Grad Celsius im Schatten &#252;berstiegen, w&#228;re die eingeimpft deutsche Achtung vor auf Schilder gemalten Verboten nicht ausgehebelt worden und Bauer W* &#8211; auf seinem Traktor zum Steinbruch im <em>Dachsberg</em> gerattert &#8211; h&#228;tte nicht ungl&#228;ubig auf einen bis auf den letzten Zentimeter mit Bonner Blech zugerammelten Parkplatz gestarrt, w&#228;hrend er selbst &#252;ber das Gedr&#246;hn des Motors hinweg die ausgelassenen Stimmen der Planschenden h&#246;rte. M&#246;glicherweise w&#228;re Bauer W*s Gem&#252;tszustand nicht mit jedem Steinbruch gereizter geworden, vor dem sich Bonner Blech in schier unm&#246;glichen Mengen h&#228;ufte, und dessen als Badestrand nutzbare Fl&#228;che aus einer kompakten Masse wei&#223;lichen St&#228;dterfleisches bestand, das aprilhaft schwitzend dem ersten Sonnenbrand des Jahres entgegen brutzelte.</p>
<p>So gereizt schlie&#223;lich, dass ein vielleicht im Grunde harmloser Vorfall die latente Hypomanie &#252;bergangslos in eine ausgepr&#228;gt manische Phase seiner bipolaren St&#246;ren umkippen lassen konnte.</p>
<p>Aber z&#228;umen wir das Pferd nicht von hinten auf, sondern fangen besser vorn damit an. Zumal, wie erw&#228;hnt, Bauer W* gar nicht auf einem Ackergaul unterwegs war, sondern mit nicht weniger als dreihundertdreissig davon auf seinem <em>Dieselross</em>. Er lie&#223; den Motor aufr&#246;hren &#8211; bei einem <em>Fendt 933 Vario</em> ein ziemlich beeindruckendes Ger&#228;usch -, setzte r&#252;ckw&#228;rts wieder auf die Landstrasse 272 und bretterte mit H&#246;chstgeschwindigkeit Richtung Germscheid. Sechzig Stundenkilometer klingen nicht nach viel, aber zehn Tonnen auf mannshohen R&#228;dern wirken einfach anders, zumal, wenn sie mit der Stimme von dreihundertdreissig Pferden r&#246;hren. Die &#228;ngstlich-gro&#223;&#228;ugigen Gesichter in den entgegenkommenden PKWs, die er aus seiner dreipunktluftgefederten, vollklimatisierten Kabine drei Meter h&#246;her gut sehen konnte, sprachen f&#252;r sich. Und w&#228;hrend es durchaus Dinge gab, die er sehr bereute, wenn er sie w&#228;hrend einer manischen Phase getan oder gekauft hatte &#8211; den <em>Fendt</em> nie., egal, was die Ilse zuweilen an Bemerkungen fallen lie&#223;. Von wegen dass f&#252;r seine Felder auch hundertzwanzig Pferdest&#228;rken mehr als ausgereicht h&#228;tten und dass vielleicht eine klimatisierte Kabine mit Dreipunktluftfederung in seinem Alter irgendwie zu verstehen seien, aber weder der verchromte Haubenkopf noch die Lackierung in Schwarz und Silber.</p>
<p>Nachdem er &#8211; ein dreihunderdreissig Pferde gro&#223;es schwarzsilbernes Acker-Raubtier &#8211; bei Stockhausen aus dem Wald geschossen war, bog er rechts in einen Feldweg ein und schlug sich durch die &#196;cker.  <br clear="all" /></p></blockquote>
<hr align="left" size="1" width="33%" /><a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/#_ftnref1" title="_ftn1" name="_ftn1">[1]</a> <em>Sch&#228;l Sick</em>, rheinisch f&#252;r schlechte, scheele und falsche Seite des Rheins.</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_283" class="footnote">Den erstaunlich allgemeinen Zuspruch erw&#228;hne ich nicht, da A*s Urteil hier kein Vergleich kennt.</li><li id="footnote_1_283" class="footnote">Die &#220;berwindung der Angst vor dem wei&#223;en Papier; der Zweidrittel-Knick, bei dem alles ausgebrannt nur noch Zweifel gebirt und schlie&#223;lich das Ringen um das Ende</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Lesepr&#246;bliches Schmankerl, noch zuckend sozusagen</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jan 2008 16:24:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
		<category><![CDATA[Siebengebirgskrimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Ehe ich mich ins Auto schmei&#223;e, um zuerst Plakate im Oberhau aufzuh&#228;ngen, dann Paprika und Chantré zu kaufen und schlie&#223;lich zum eingeweckte-Rippchen-mit-Reis-und-Paprika-Sahnegem&#252;se-mich-Verw&#246;hnen-lassen mit Anschlie&#223;ender Konsumierung von &#8220;I&#8217;m Legend&#8221; zu brausen, kein Bericht des ausgesprochen angenehmen und symphatischen Interviews1 &#8211; der folgt, wenn das ganze erschienen sein wird. Vielmehr ein Schmankerl, wie ich es nur selten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ehe ich mich ins Auto schmei&#223;e, um zuerst Plakate im Oberhau aufzuh&#228;ngen, dann Paprika und Chantré zu kaufen und schlie&#223;lich zum eingeweckte-Rippchen-mit-Reis-und-Paprika-Sahnegem&#252;se-mich-Verw&#246;hnen-lassen mit Anschlie&#223;ender Konsumierung von &#8220;I&#8217;m Legend&#8221; zu brausen, <em>kein </em>Bericht des ausgesprochen angenehmen und symphatischen Interviews<sup>1</sup> &#8211; der folgt, wenn das ganze erschienen sein wird. Vielmehr ein Schmankerl, wie ich es nur selten vor die F&#252;&#223;e werfe. Die Frieda n&#228;mlich. Ich habe gerade den ersten Teil des Finales fertig bekommen (Rohfassung, versteht sich). Derjenige welche mit dem Perspektivenwechsel. Ich la&#223; einfach mal lesen, weil ich mich so freue: Das einzige, was n&#228;mlich jetzt noch fehlt, ist der Showdown daselbst mit vielen sch&#246;nen arroganten Holmes-Zitaten, die auszuarbeiten ich mich morgen richtig freue. Ich jedenfalls mach jetzt Feierabend und w&#252;nsche einen sch&#246;nen Abend!</p>
<p><strong>Rohfassung Fridaszene</strong><span id="more-258"></span></p>
<blockquote><p>Als die Nacht gekommen war, stand der Mond als messerscharfe Sichel zwischen wehenden Wolken. Bleich wie alte Knochen waren sie und jagten vor Stern und Mond dahin. Der Wind hing in den &#196;sten der Kastanien und fauchte und knarrte und &#228;chzte. Eine &#252;ble Nacht, Frieda sp&#252;rte es in den Knochen. Sturmnacht. Ja, eine Nacht, wo die Wilde Jagd durch die Sterne geht und die Welt d&#252;nn wird. Sie hatte drei Pullover &#252;bereinander gezogen, unter zwei Schichten Rock trug sie dicke, gestrickte Strumpfhosen. Sie wusste nicht, wie lange sie bei Heinz wachen musste, und sie sp&#252;rte die K&#228;lte schnell in ihren Knochen.</p>
<p>Auf den Gr&#228;bern flackerten rot die Lichter der Toten, auch f&#252;r Heinz hatte sie zwei von diesen Plastikdingern aufgestellt. Das war gut. Ganz im Dunkeln sitzen, das w&#228;re zu viel gewesen. Aus dem Augenwinkel heraus schaute sie zum Grab von diesem Schriftsteller. Sie schaute es lieber nicht direkt an. Allerheiligen war nicht mehr weit, Donnerstag schon. Und sie wusste noch, was die meisten vergessen hatten: Ein Mensch musste ordentlich begraben werden, sonst kam er wieder.</p>
<p>Frieda fr&#246;stelte.</p>
<p>Manchmal ging er nur um, das war schlimm genug, aber sie wusste auch, dass die unruhigen Geister nachzehren konnten. Vor dem Tod hatte Frieda schon lange keine Angst mehr, aber vor dem Nachzehren, vor dem Nachzehren f&#252;rchtete sie sich sehr.</p>
<p>Wie oft hatte sie es Pater Manfred gesagt!</p>
<p>Diesen Beckmann in geweihter Erde zu bestatten. Sie sch&#252;ttelte unwillk&#252;rlich den Kopf. Seiner Asche die letzte &#214;lung zu geben. Diesem Ungetauften! Sie seufzte mit einem Zittern und zwang ihren Blick von der Marmorplatte mit den lateinischen Worten weg. Als ob nicht gen&#252;gte, dass der junge Mann vor seiner Zeit gestorben war<a href="http://www.norman-liebold.de/wp-admin/post-new.php#_msocom_1" onmouseout="msoCommentHide('_com_1')" onmouseover="msoCommentShow('_anchor_1','_com_1')" name="_msoanchor_1" title="_msoanchor_1" id="_anchor_1" language="JavaScript">[NL1]</a> ! sie wusste, dass einige Wiederg&#228;nger nur deswegen umgehen mussten, weil ihre Zeit noch nicht aus war. Und andere, weil sie nicht nach Brauch und Recht bestattet wurden. Und wieder andere, weil sie unnat&#252;rlichen Todes gestorben waren.</p>
<p>Dieser Beckmann war keines nat&#252;rlichen Todes gestorben, er war vor seiner Zeit aus der Welt gegangen, und er war als Ungetaufter in geweihte Erde gebracht worden.</p>
<p>Nein, Frieda f&#252;hlte sich gar nicht wohl in dieser Nacht, wo die Wolken beinfarben vor einem Mond hin hetzten, der so scharf und spitz war wie die Sichel des Schnitters.</p>
<p>Sie zog ihr Kopftuch enger um die Schultern und fr&#246;stelte.</p>
<p>Ein schmatzendes Ger&#228;usch war in den B&#252;schen, und ihr w&#228;re fast das Herz ausgesetzt. Nachzehrer schmatzten in ihren Gr&#228;bern, sagte man. Jetzt war es wieder still. Vielleicht ein Igel? Konnten Igel so laut schmatzen?</p>
<p>Wenigstens war dieser gottlose Geschichtenmacher <em>verbrannt</em>. Sie schalt sich selbst. So durfte man nicht denken. Aber er hatte keinen Leib mehr, nur ein paar Handvoll Asche und m&#252;rbe Knochen und davon wohl noch die H&#228;lfte da unten in der Asche vom Wohnwagen. Keinen K&#246;rper, mit dem umgehen, keinen verwesendes Maul, mit dem er nachzehren konnte.</p>
<p>Sie beruhigte sich ein wenig und griff in die Rocktasche, um ihre Zigaretten heraus zu holen. Sie sch&#252;ttelte den Kopf, als sie sich an die aufdringlichen Fragen von diesem Hundtemann erinnerte. Was ging es den an, was sie rauchte? Wen ging es etwas an, dass sie sich richtige Zigaretten nicht mehr leisten konnte und das billige Zeug aus dem <em>Plus</em> selber in die H&#252;lsen stopfte? Dieses Zeug, dass vorne rauskr&#252;melte, wenn man nicht aufpasste und schlechter schmeckte als das Kraut, das es nach dem Krieg gab. Ab und an g&#246;nnte sie sich eine Schachtel <em>Camel, </em>und dann f&#252;llte sie die Packung mit den Gestopften auf. Na und?</p>
<p>Sie brannte die Zigarette an Heinzens Grablicht an, das war ein wenig, als w&#252;rde er ihr Feuer geben &#8211; Heinz war vielleicht ein Bauer gewesen, aber immer wohlerzogen und h&#246;flich, sogar nach f&#252;nfzig Jahren Ehe noch, und selbst, wenn sie sich einmal gestritten haben. Ein <em>Gentleman</em>, durch und durch. Wenn auch mit wirklich mickriger Rente. Aber deswegen liebte sie ihn nicht weniger.</p>
<p>Sie nahm einen tiefen Zug und musste kichern.</p>
<p>Dieser Bengel, der sich f&#252;r eine Art Sherlock Holmes hielt und f&#252;r so unglaublich gebildet &#8211; sollte er sich doch &#252;ber den Haufen Kippen den Kopf zerbrechen, bis er trocken hinter den Ohren geworden war! Sie schnaufte. Am Grab von Heinz <em>herumzuwurschteln</em>, unerh&#246;rt! Wenig sp&#228;ter f&#252;hlte sie sich schuldig. H&#228;tte sie ihm gesagt, dass die Stummel von ihr waren, vielleicht w&#228;re es gar nicht so schlimm gekommen? Wegen der bl&#246;den Glimmstengel ist er doch erst auf die Idee gekommen mit dem Mord. Und wegen dem Gerede &#252;ber den Mord kochte im Dorf die Ger&#252;chtek&#252;che und deswegen sind diese Reporter gekommen. Die waren das schlimmste. Keinen Funken Anstand im Leib, nein, keine <em>Gentleman</em>, &#252;berhaupt nicht.</p>
<p>Das Tor oben st&#246;hnte rostig, Frieda hob den Kopf. Sie kannte das Ger&#228;usch gut. Jemand kam auf den Friedhof. Sie kramte in ihrer Rocktasche und holte ihr Handy heraus. Ihr Sohn hatte es ihr geschenkt und geduldig immer und immer wieder erkl&#228;rt. Blassblau leuchtete die Zeitanzeige:</p>
<p>Kurz nach Mitternacht.</p>
<p>Knochenbleich rasten die Wolken, der Wind heulte. Unter dem rostroten Licht der Stra&#223;enlaterne vor dem Friedhofstor stand eine Gestalt. Sie trug etwas Schweres &#252;ber der Schulter, ein dickes B&#252;ndel, das Gewicht lie&#223; sie gebeugt stehen. Sie drehte sich nach recht, nach links, als w&#252;rde sie aussp&#228;hen und sichern. Dann, mit langsamen, angestrengten Schritten schlurfte sie durch das Tor.</p>
<p>Der Wind fing sich zwischen den Hecken und blies Frieda pl&#246;tzlich von seitlich unten ins Gesicht. Um ein Haar h&#228;tte sie laut geschrien. Der Wind brachte noch etwas anderes mit. Frieda f&#252;hlte, wie sich ihr die Haare im Nacken und auf den Unterarmen aufrichteten.</p>
<p>Die Gestalt stank nach Tod. Nach F&#228;ulnis und Aas.</p>
<p>Langsam schlurften die Schritte weiter, &#196;chzen, verhaltenes Keuchen. Der Gestank wurde von Augenblick zu Augenblick st&#228;rker. Bis zur H&#246;he der Schulter ragte die Gestalt &#252;ber die Hecken. Kein Zweifel, sie bewegte sich geradewegs auf sie zu. Sie wollte hierher, in den letzten Gang. Was geschah hier? Was hatte dieser Hundtemann gewusst, warum hatte er sie gewarnt? Und wovor? Hastig dr&#252;ckte sie die Zigarette im Schotter aus, duckte sich in den Schatten der Hecke und war froh, dass sie auf der Grasnarbe stand, nicht im knirschenden Schotter des Weges. Geduckt huschte sie von der Gestalt, bis zum Ende des Ganges, dann um die Ecke. Hockte sich nieder.</p>
<p>Sie war gerade rechtzeitig hinter die Hecke gekommen, nur einen Moment fr&#252;her, und sie w&#228;re gesehen worden: Die Gestalt bog in den Gang ein, in dem sie gerade noch gestanden hatte. Sie keuchte immer st&#228;rker. Unter gro&#223;er Anstrengung. Oder vor Gier. Der Gestank war jetzt fast unertr&#228;glich, obwohl der Wind fauchte und zerrte und Frieda ein Dutzend Schritte weiter hinter den raschelnd trockenen Buchenbl&#228;ttern kniete.</p>
<p>Die Gestalt blieb stehen. Genau vor dem Rasenst&#252;ck zwischen den Gr&#228;bern von ihrem Heinz und diesem ungetauften BEckmann. Langsam ging sie in die Knie und lie&#223; ihre schwere Last von der Schulter gleiten.</p>
<p>Es hatte etwas Eigenartiges, an welchen Stellen das B&#252;ndel im Fallen einknickte, und wo es steif blieb. Es war in dicke blaue Folie eingewickelt und mit Klebeband verschn&#252;rt. Trotzdem musste Frieda unwillk&#252;rlich an einen menschlichen K&#246;rper denken.</p>
<p>Als im Fallen die Folie auseinander klaffte, schlug sich Frieda vor den Mund. Eine wei&#223;e, aufgedunsene Hand war heraus geglitten. Eine menschliche Hand. Ein Ring glitzerte am Mittelfinger, bildete eine tiefe Kerbe in aufgequollenem Fleisch. Bewegte sich da etwas unter der Haut? Sie biss sich in die Fingerkn&#246;chel und unterdr&#252;ckte ein Wimmern. Ihr schlimmster Verdacht wurde wahr, als sich die Gestalt &#252;ber das B&#252;ndel beugte und begann, mit einem Messer die Folie aufzuschlitzen. Das Licht von Heinzens Grablichtern fiel direkt in sein Gesicht.</p>
<p>Der Schriftsteller.</p>
<p>Friedas Magen war eine winzige Kugel aus Angst und Eis. Er ging um. Er holte sich K&#246;rper, weil er keinen eigenen mehr hatte. Sie hatte es gewusst, sie hatte den Priester gewarnt. Aber er hatte den Ungetauften in geweihte Erde gelegt.</p>
<p>Wiederg&#228;nger.</p>
<p>Nachzehrer.</p>
<p>Sie hatte ihn einige Male gesehen. Er hatte sich nicht sehr ver&#228;ndert. Nur der Mund, der Mund war zu einer Schnauze geworden. Ein Gesicht, das mit der Nase zur vorgew&#246;lbten Schnauze eines Tiers geworden war. Die Schnauze eines Nachzehrers, eines <em>Gierrachs</em>, eines blutsaugenden Wiederg&#228;ngers.</p>
<p>Sie verfluchte ihr schlimmes Auge. Kam der milchige, unheilige Lichtschein um den Ruhelosen vom Star, oder war er wirklich da?</p>
<p>Der Gestank nach Verwesung war fast unertr&#228;glich geworden, die Leiche lag in schmutzigem Nachthemd auf der blauen Folie, ihr Bauch war aufgedunsen. Das Gesicht unkenntlich geworden, ganze St&#252;cke schienen zu fehlen. Anstatt dessen &#8211; sah sie richtig, bildete sie es sich ein? &#8211; schien es zu <em>wimmeln</em>. Hatte der Nachzehrer nur einen toten Leib geraubt? Oder hatte er mit seinem unheiligem Maul einen Lebendigen ausgezehrt, bis er ihm nachgefolgt war? Und wie viele hatte er schon nachgezogen, um wieder Gestalt annehmen zu k&#246;nnen?</p>
<p>Jetzt nahm der Tote die Blumen von Heinzens Grab. Ganz behutsam, eine nach der anderen. Dann die Grablichter, den Kranz. Sie wusste nicht woher, hatte er einen Spaten in der Hand und begann zu graben. Sie musste etwas tun! Das konnte sie nicht zulassen! Das war sie ihrem Heinz schuldig! Mit vor Angst zugeschn&#252;rter Brust huschte sie den anderen Gang hinauf, dann noch zwei weiter. Hier konnte sie es wagen. Frieda zog ihr Telefon aus der Rocktasche, dann suchte sie den Zettel, den der Schn&#252;ffler ihr gegeben hatte. Sie hatte ihn zu den anderen in ihre Ledermappe gesteckt. Da war er. Sie tippte die Nummer ein, dr&#252;ckte die gr&#252;ne Taste mit dem H&#246;rer darauf, hielt das Ger&#228;t ans Ohr.</p></blockquote>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_258" class="footnote">und der Entstehung der ersten offiziellen Bilder von mir ohne Bart aber mit Wohnschnecke durch den ebenso symphatischen Bildermacher <a href="http://www.pressefoto-hohmann.de/" target="_blank">Frank Homann</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Das hinterlistige Smâ steckt seine H&#228;lse aus der H&#246;hle</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Nov 2007 10:14:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[Jeder wei&#223; nat&#252;rlich, dass jeder Gedanke, den man denken kann, zwangsl&#228;ufig in unserer Biographie verwurzelt ist. Wir k&#246;nnen nicht anders als derjenige denken, der wir nuneinmal sind, der wir nuneinmal geworden sind. Selbst wenn man sich in einen g&#228;nzlich fremden Charakter hineinversetzt – beziehungsweise es versucht -, ist es doch immer (sofern wir nicht tats&#228;chlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-11-15_sma.jpg" title="Der positive Aspekt des Smâ" alt="Der positive Aspekt des Smâ" align="left" height="402" hspace="10" width="480" />Jeder wei&#223; nat&#252;rlich, dass jeder Gedanke, den man denken kann, zwangsl&#228;ufig in unserer Biographie verwurzelt ist. Wir k&#246;nnen nicht anders als derjenige denken, der wir nuneinmal sind, der wir nuneinmal geworden sind. Selbst wenn man sich in einen g&#228;nzlich fremden Charakter hineinversetzt – beziehungsweise es <em>versucht -</em>, ist es doch immer (sofern wir nicht tats&#228;chlich einen solchen Charakter g&#228;nzlich <em>zitieren</em>) nur unser ich hinter einer Maske, einem Filter. Oder ein rein intellektuelles und damit reichlich trauriges Subjekt.</p>
<p>Nichtsdestotrotz ist es ausgesprochen unheimlich zuweilen, wenn sich <em>echt autobiographische</em> Elemente durch irgendeinen nicht gen&#252;gend abgedichteten Spalt, durch irgendeine winzige, &#252;bersehene Ritze in den Text schleichen. Vielleicht gar nicht einmal <em>schleichen. </em>Ein <em>Smâ</em> kann nicht <em>schleichen.</em> Es ist ein siebenk&#246;pfiges Monster – <em>das</em><span style="text-decoration: underline"> S</span>iebenk&#246;pfige <span style="text-decoration: underline">M</span>onster der <span style="text-decoration: underline">A</span>mbituit&#228;t, um genau zu sein. Ich habe es in der Tat irgendwann auf zwei Drittel meiner Magisterarbeit aufgeweckt und, trotzdem es ein ungemein hungriges Vieh ist, das <em>juncvrouwen</em> gleich dutzendweise vertilgt, so habe ich es doch auch lieb gewonnen. Jedenfalls – so ich diese Szene stehen lasse, wird es nunmehr &#8220;offiziell&#8221;. Ob ich diese Sequenz allerdings so stehen lasse, kann ich noch nicht sagen – sie hat sich doch arg zu sehr und hinterh&#228;ltig in den Text hineingedr&#228;ngt…</p>
<p>Zum lesen des Smâ-Exkurses auf &#8220;Mehr&#8221; klicken!</p>
<p><span id="more-238"></span></p>
<p style="margin-left: 36pt">Der Smâ-Exkurs. [aktuell Seite 126f., Kapitel Begr&#228;bnis und herschreckenartiger Einfall der <em>Bild</em> und <em>Express</em>-Reporter.]</p>
<p style="margin-left: 36pt">&#8220;Er [sc. Quirin] stolperte mit dem Kopf voller antiquierter Detektiv-Klischees der Jahrhundertwende herum und glaubte, Licht in irgendein wahrscheinlich noch nicht einmal vorhandenes Dunkel bringen zu k&#246;nnen. Dabei hatte er weder das scharfe Auge Sherlocks f&#252;r Spuren, noch seine Kenntnisse auf den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Gebieten oder sein schier unersch&#246;pfliches Detailwissen &#252;ber alle m&#246;glichen Kriminalf&#228;lle – geschweige denn diesen unbeirrbar logisch arbeitenden, pr&#228;zisen Denkapparat, der Holmes vor allem anderen auszeichnete. Quirin war nicht die vollkommenste Denk- und Beobachtungsmaschine, die die Welt je gesehen hatte, meistens war er ein verwirrtes H&#228;ufchen aus Fragen, auf die es keine Antwort zu geben schien. Und vom Aas-Geruch dieser Gedanken unwiderstehlich angelockt, kroch aus einer dunklen H&#246;hle seines Bewu&#223;tseins noch etwas anderes hervor. F&#252;r Quirin besa&#223; es inzwischen ein Gesicht. <em>Sieben</em> Gesichter, um genau zu sein. Auf den sieben H&#228;lsen eines Drachenrumpfes. Sieben Gesichter mit sieben M&#252;ndern und sieben Stimmen, die best&#228;ndig miteinander stritten. Quirin hatte ihm einen Namen gegeben: <em>Das Siebenk&#246;pfige Monster der Ambiguit&#228;t</em> – Kosename <em>Smâ</em>. Irgendwann w&#228;hrend seines intimeren Tête-à-têtes mit dem, was man <em>Wissenschaft</em> nannte, war es aufgewacht und hatte seine K&#246;pfe aus dem Gebirgsmassiv der Gewissheit hervorgestreckt. Es hatte ihm gezeigt, dass das Gebirgsmassiv der Gewissheit so l&#246;cherig war wie ein Schweizer K&#228;se. Holmes&#8217; &#220;berzeugung, dass es Fakten gab und aus diesen Fakten zweifelsfrei und eindeutig die Wahrheit zu deduzieren sei, war dem <em>Smâ</em> nichts mehr als ein siebenstimmiges Gekicher wert. Eines der wenigen Dinge, bei dem sich alle K&#246;pfe ansatzweise einig waren. Das, was &#252;brig blieb, wenn Quirin das Unm&#246;gliche ausgeschieden hatte, musste nicht die Wahrheit sein, ganz gleich, wie unwahrscheinlich sie auch scheinen mochte. F&#252;r Quirin blieben stets <em>mindestens</em> zwei Wahrheiten &#252;brig. Und je mehr er vom dem hatte, was Holmes <em>data</em> nannte, um so mehr Wahrheiten wurden es. Nicht <em>m&#246;gliche</em> Wahrheiten. Eine war so wahr wie die andere und alles eine Frage des Kontextes.&#8221;</p>
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		<title>Invasion des Altsprachlers</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2007 21:47:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
		<category><![CDATA[Siebengebirgskrimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Verdammt! Ich schw&#246;re, es war keine Absicht. Irgendwie ist Quirin heute in diese Buchhandlung gekommen, in der ich vor Jahren mal Lesungen gehalten habe. Der geschn&#228;uzte Buchh&#228;ndler war da, und dann kroch da dieses alberne Klischee herauf von wegen des Ruhms nach dem Tode. Es brodelte im Ged&#228;rm, und warum auch immer – das Ad&#228;quat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-10-17_homer.jpg" title="B&#252;ste des Homer" alt="B&#252;ste des Homer" align="left" border="2" height="480" hspace="10" width="366" />Verdammt! Ich schw&#246;re, es war keine Absicht. Irgendwie ist Quirin heute in diese Buchhandlung gekommen, in der ich vor Jahren mal Lesungen gehalten habe. Der geschn&#228;uzte Buchh&#228;ndler war da, und dann kroch da dieses alberne Klischee herauf von wegen des Ruhms nach dem Tode. Es brodelte im Ged&#228;rm, und warum auch immer – das Ad&#228;quat einer Bl&#228;hung kam aus dem Gehirn. Auch wenn mein Quirin[us] mir so fremd ein Anglizist ward, sein Sch&#246;pfer blieb doch ein Altsprachler, wie es scheint… und da war sie da, diese sch&#246;ne Sentenz: Cinera gloria sero venit. Ga! Das ist etwas, das ich eigentlich stets aus dem Schreibproze&#223; herauszuhalten versuche – diese seltsamen Eigendynamiken. Allerdings greifen die &#252;blichen Methoden beim &#8220;Rufmord&#8221; offenbar nicht im Geringsten. Das Ergebnis ist eine ausgesprochen seltsame Passage, wo Quirin[us] und ein Priester sich lateinisch-humanistische Zitate um die Ohren schlagen. Keine Ahnung, ob ich das so im Roman lasse, aber wenn ich es wiederlese, muss ich mich doch am Kopf kratzen. Und diese Kopfhautmassage m&#246;chte ich nat&#252;rlich niemandem vorenthalten. Tststs.</em></p>
<blockquote>
<blockquote><p>[...] et tulit eloquium insolitum facundia praeceps,<br />
utiliumque sagax rerum et diuina futuri<br />
sortilegis non discrepuit sententia Delphis. <em>(Horatius: De poeta liber, Vv. 217-219)</em> <o:p></o:p><sup>1</sup></p></blockquote>
</blockquote>
<p>Ist, denke ich, durchaus eine Gefahr, die es zu beachten gilt&#8230;  Wirklich lesen? Nundenn&#8230; f&#252;r die humanistisch verseuchte Priesterszene in der Rohfassung  auf &#8220;Mehr&#8221; klicken&#8230;</p>
<p><span id="more-230"></span><br />
<br clear="all" /></p>
<hr align="center" color="#cccc66" size="1" width="50%" />
<hr align="center" color="#cccc66" size="1" width="20%" /> &#8220;Wer wei&#223;&#8221;, sagte der Buchh&#228;ndler, w&#228;hrend Quirin den Kladdentext [sc. des Buches des "ermordeten Autors"] &#252;berflog, &#8220;vielleicht wird Beckmann noch richtig ber&#252;hmt. Man sagt ja, dass K&#252;nstler und Dichter daf&#252;r erst einmal sterben m&#252;ssen.&#8221;"<em>Cineri gloria sero venit</em>&#8220;, murmelte Quirin. Er hatte das Buch ge&#246;ffnet und bl&#228;tterte darin. Ein sauberer, schlichter Satz ohne Spielereien und Illus.&#8221;Bitte?&#8221;"<em>Cineri gloria sero venit</em>&#8220;, wiederholte Quirin.</p>
<p>Der Graugelockte blickte fragend.</p>
<p>&#8220;Marcus Valerius Martialis. <em>F&#252;r die Asche kommt der Ruhm zu sp&#228;t</em>&#8220;, &#252;bersetzte Quirin. Die leicht &#252;berraschte Anerkennung im Gesicht seines Gegen&#252;bers war Balsam. F&#252;r einen Moment hatte Quirin tats&#228;chlich das Gef&#252;hl, irgendetwas zu wissen – mit Recht den Titel <em>Magister</em> zu tragen. Sieben Jahre Studium hatten, so kam es ihm vor, nichts als einen Spalt des Zweifels in ihm aufgerissen, der sich St&#252;ck um St&#252;ck und mit zunehmender Gier durch seine Welt fra&#223; wie das <em>Nichts</em> der <em>Unendlichen Geschichte</em>. &#8220;Was war Beckmann f&#252;r ein Mensch?&#8221;</p>
<p>&#8220;Nunja…&#8221; Der Buchh&#228;ndler wand sich. Ganz offensichtlich geh&#246;rte Beckmann nicht unbedingt zu seinen Favoriten. Oder zumindest nicht zu jenen, die er seiner Interesse f&#252;r w&#252;rdig befand. &#8220;Er ist vor zwei Jahren oder so hier aufs Land gezogen und war ein paar Mal hier. Wollte Lesungen halten bei uns.&#8221; Er zuckte mit den Schultern. &#8220;Wir halten schon l&#228;nger keine Lesungen mehr, lohnt sich nicht, wissen Sie. Wir haben bei ihm dann mal eine Ausnahme gemacht, er hat ja auch oft genug gefragt.&#8221;</p>
<p>&#8220;Und wahrscheinlich auch keine Gage verlangt, nehme ich an?&#8221;</p>
<p>&#8220;Nein&#8221;, gab der Buchh&#228;ndler zu. Er &#246;ffnete den Mund, und es war klar, dass jetzt irgendeine Form von Rechtfertigung folgen w&#252;rde, ein Vergleich mit den gro&#223;en Autoren, die zu soundso hohen Auflagen verkauft und in soundso viele Sprachen &#252;bersetzt wurden.</p>
<p>&#8220;<em>De mortuis nil nisi bene</em>, wie Chilon von Sparta trefflich anriet&#8221;, sagte Quirin mit einem L&#228;cheln. Noch w&#228;hrend er es l&#228;chelte, f&#252;hlte es sich in seiner Selbstgef&#228;lligkeit schmierig an, und es schien in der Natur der Dinge zu liegen, dass hinter ihm ein Gewand rascheln musste und eine Stimme zu sprechen begann. Eine Stimme, die im Gegensatz zu seiner eigenen tats&#228;chlich ruhig und getragen war, ohne dabei aufgesetzt zu klingen. &#8220;Aber vergessen Sie nicht:  <em>Mortui non mordent, </em>wie  Erasmus von Antiocha meinte.&#8221; Quirin drehte sich um und sah, was er bereits erwartet hatte, das Wei&#223; unter Schwarz am Kragen eines Priesters. &#8220;Um sie nicht weiter zu verwirren, Herr Millinger [sc. der Buchh&#228;ndler]: Der junge Lateiner hier riet an, &#252;ber Verstorbene nicht anders als wohlwollend zu sprechen, wohingegen ich mir die Freiheit heraus nahm darauf hinzuweisen, dass die Toten nicht &#8211; bei&#223;en.&#8221; Er grinste, wurde dann wieder ernst. Er hatte helle, flinke Augen in einem lebhaften Gesicht und mochte Anfang sechzig sein. &#8220;Im &#220;brigen fand ich die Lesung sehr angenehm. Und auch wenn Herr Beckmann nicht unbedingt die frommsten Ansichten sein eigen nennen konnte und nicht des Buchh&#228;ndlers Vorstellungen erf&#252;llt haben mag – sein Werk sollte, wie ich finde, nicht untersch&#228;tzt werden.&#8221; Er nahm das schmale B&#228;ndchen auf, das vor Quirin auf der Theke lag und bl&#228;tterte es behutsam durch. &#8220;Recht gewagt war das schon&#8221;, sagte er mit anerkennendem Tonfall. &#8220;Und wenn f&#252;r den jungen Mann auch vieles zu sp&#228;t kommen mag, wie Martialis mit seinem <em>Cineri gloria sero venit</em> so treffend auf den Punkt bringt, so muss man doch auch die Worte Publilius Syrius&#8217; bedenken: <em>Vita homini brevis, in morte est immortalitas</em>.&#8221; Als k&#246;nne er kein W&#228;sserchen tr&#252;ben, schaute er Quirin in die Augen.</p>
<p>Ein Schnaufen kam von hinter der Theke, das sehr deutlich zeigte, wie der Buchh&#228;ndler sich ernsthaft auf die Nerven getreten f&#252;hlte. Buchh&#228;ndler k&#246;nnen zuweilen  ausgesprochen heftig reagieren, wenn man in ihrer Gegenwart Dinge sagt, die sie nicht verstehen k&#246;nnen. Aufgrund ihres regen Kontaktes mit B&#252;chern entwickeln sie vermutlich das Selbstbild eines Wissenshortes, das dadurch empfindlich gest&#246;rt wird. Insbesondere bei solchen humanistischen Notwendigkeiten wie Latein und klassische Bildung. Quirin war sich sicher, dass der Graugelockte bei jedem weiteren Brocken Latein zum Schnaufen die Augen verdrehte – aber er sah nicht hin. Er blickte dem Priester ins Auge.</p>
<p>&#8220;Das Leben des Menschen ist kurz, im Tode nur ist Unsterblichkeit&#8221;, &#252;bersetzte er die Sentenz. &#8220;Wie sagte noch Ovid? <em>Fama post cineres maior venit.<sup>2</sup>&#8221; &#8211; </em>lautes Schnaufen von hinter dem Ladentisch<em> &#8211; &#8220;</em>Davon haben dann aber bestenfalls Buchh&#228;ndler etwas, nicht wahr? Und die Verleger, nat&#252;rlich.&#8221;</p>
<p>Der Priester l&#228;chelte. &#8220;Ein junger Mann voller Zorn, wie es scheint&#8221;, sagte er. Unmut stieg in Quirin auf. Wenn der Schwarzrock jetzt v&#228;terlich die Hand auf seinen Arm legte, k&#246;nnte er ihm die Nase brechen, &#252;berlegte er. M&#246;glicherweise w&#228;re das angemessen f&#252;r einen jungen Mann voller Zorn. &#8220;Kannten Sie den Autor?&#8221;</p>
<p>Quirin sch&#252;ttete den Kopf. &#8220;Die Mutter kenne ich&#8221;, sagte er. &#8220;Ich soll etwas &#252;ber seinen Tod herausfinden.&#8221;</p>
<p>Der Priester nickte bed&#228;chtig. &#8220;Es ist schwer, ein Kind zu verlieren&#8221;, sagte er mit wohldosiertem Verst&#228;ndnis. &#8220;Man m&#246;chte einen Verantwortlichen haben, den man hassen kann. Einen Grund, einen Sinn f&#252;r den Schmerz. Etwas, das zu verstehen ist – und selbst das B&#246;se ist besser als blinder Zufall.&#8221; Er seufzte, etwas, das Quirin schon fast theatralisch empfand. &#8220;Herr Beckmann wird, wie mir der Bestatter heute mitteilte, am Dienstag beerdigt. Sie werden gewi&#223; auch kommen, Herr Millinger?&#8221; Der wirkte eher, als w&#228;re es ihm lieber gewesen, er h&#228;tte es nicht erfahren, nickte aber. &#8220;Jetzt aber zu meinem Anliegen. Ich h&#228;tte gern den neuen <em>Harry Potter</em>.&#8221;</p>
<p>&#8220;Der kommt erst am 27. Oktober, Pater&#8221;, sagte der Buchh&#228;ndler und um seinen Gesicht zeigte sich eine feine, ver&#228;chtliche Linie. Der Pater sch&#252;ttelte l&#228;chelnd den Kopf. &#8220;Ich meinte durchaus die Originalausgabe, Herr Millinger. Ich hatte nur noch keine Zeit gefunden bisher, und als ich <em>Harry Potter and the Deathly Hallows</em> in ihrem Schaufenster sah, konnte ich einfach nicht widerstehen.&#8221; W&#228;hrend der Buchh&#228;ndler nach hinten ging, zwinkerte der Pater Quirin zu. &#8220;Sie h&#228;tten sein Gesicht sehen sollen&#8221;, sagte er, &#8220;als ich mir <em>Die dreizehneinhalb Leben des K&#228;pt&#8217;n Blaub&#228;r</em> kaufte!&#8221; Er zog gespielt eine Miene, als kr&#246;che eine handgro&#223;e Spinne &#252;ber seine Hand und erkl&#228;rte: &#8220;<em>Damnant, quae non intellegunt</em>, w&#252;rde Quintilian sagen.&#8221; &#8220;Sie verdammen, was sie nicht verstehen&#8221;, &#252;bersetzte Quirin automatisch. Trotzdem der Priester ihm zunehmend sympathischer wurde, musste er sich heftig auf die Zunge bei&#223;en, um nicht darauf hinzuweisen, dass die katholische Kirche auf diesem Gebiet besonders eifrig gewesen war. Nicht nur, indem sie verdammte, was sie nicht verstand, sondern es gleich mit Stumpf und Stiel <em>verbrannte</em>.  Der Buchh&#228;ndler war inzwischen mit <em>Harry Potter</em> zur&#252;ckgekehrt und rollte mit den Augen, weil diese seltsamen Menschen offenbar  nicht m&#252;de wurden, mit lateinischen Fetzen um sich zu werfen. Quirin zahlte zw&#246;lf Euro f&#252;r sein Buch, verabschiedete sich und ging zum Auto zur&#252;ck. Ihm wollten die Scheiterhaufen der Inquisition und die <em>Krieger</em> der Krimileserin [sc. Soldaten des Bundeswehrdepots Eudenbach] nicht aus dem Kopf gehen. <em>Der gl&#228;serne Sarg</em> f&#252;hlte sich seltsam in seiner Hand, viel zu schwer f&#252;r so ein d&#252;nnes Taschenbuch.</p>
<p>&#8220;<em>Eppur si muove</em>&#8221;<sup>3</sup> murmelte er, als er den Blinker setzte und aus der Parkl&#252;cke rollte. Die letzten Worte des Dichters und Philosophen Giordano Bruno, anno auf dem Scheiterhaufen ausgerufen – wie so oft brachten sie einem anderen unverdienten Ruhm ein, denn im Gegensatz zu Bruno hatte Galilei nicht f&#252;r seine &#220;berzeugungen gebrannt, sondern hatte widerrufen. Und wenn Quirin nicht baldigst seinen Buckel beim Establishment machte, um seine T&#220;V-Plakette zu bekommen, dann w&#252;rde sich gar nichts mehr bewegen.</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_230" class="footnote">[...] sich &#252;berschlagender Wortschwall gefiel sich in Fremdheit der Rede,<br />
bis dann ihr Sinn, der einst Nutzen erkannte und Zukunft voraussah,<br />
nicht zu scheiden mehr war von Orakeln des delphischen Gottes.</li><li id="footnote_1_230" class="footnote">Der Ruhm nimmt nach der Asche zu.</li><li id="footnote_2_230" class="footnote">&#8220;Und sie bewegt sich doch&#8221; (ital.).</li></ol>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Achtung: Rufmord &#124; Ewige Hunde</title>
		<link>http://lieblog.norman-liebold.de/2007/09/achtung-rufmord/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Sep 2007 10:29:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>
		<category><![CDATA[Siebengebirgskrimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Nat&#252;rlich wird der &#8220;Rufmord&#8221; nicht am Samstag fertig werden. Um ehrlich zu sein, habe ich das nicht anders erwartet. Es war ja eine Arbeitslesung gedacht, eine Art &#8220;offene Schreibstube&#8221; anstatt &#8220;offenes Atelier&#8221;. Ausgerechnet diese Geschichte in 10 Tagen herunterschreiben zu wollen, grenzt allerdings auch an &#252;berm&#228;&#223;ige Selbst&#252;bersch&#228;tzung.1 Gerade eben netterweise mittagstechnisch abgef&#252;ttert las ich die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://maps.google.de/maps?f=q&amp;hl=de&amp;geocode=&amp;q=H%C3%A4ndelstra%C3%9Fe+41,+53639+Eudenbach,+K%C3%B6nigswinter&amp;sll=51.124213,10.546875&amp;sspn=14.749725,35.991211&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;z=16&amp;om=1" target="_blank"><img src="http://lh3.google.de/Norman.Liebold/RtA6NgFAPRI/AAAAAAAADUI/dQBrBCcGboo/s400/2007-09-22_eudenbach-plakat.jpg" title="Plakat zur Veranstaltung" alt="Plakat zur Veranstaltung" align="left" height="283" hspace="10" width="400" /></a></p>
<p class="MsoNormal">Nat&#252;rlich wird der &#8220;<a href="http://www.norman-liebold.de/literatur/geschichten/rufmord-2007-ein-eudenbach-krimi/">Rufmord</a>&#8221; nicht am <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/08/25/220092007-krimilesung-am-originalschauplatz-eudenbach/">Samstag </a>fertig werden. Um ehrlich zu sein, habe ich das nicht anders erwartet. Es war ja eine Arbeitslesung gedacht, eine Art &#8220;offene Schreibstube&#8221; anstatt &#8220;offenes Atelier&#8221;. Ausgerechnet <em>diese</em> Geschichte in 10 Tagen herunterschreiben zu wollen, grenzt allerdings auch an &#252;berm&#228;&#223;ige Selbst&#252;bersch&#228;tzung.<sup>1</sup> Gerade eben netterweise mittagstechnisch abgef&#252;ttert las ich die Szene vor, in der ich meine Lieblingshunde &#8211; Gay Einzahn und Joy Blauauge &#8211; verewigt habe und fand damit ebensoviel anklang wie am Wochenende bei mSternchenSlashNormanbibliothekar, den ich zum Spiegeln und Echoisieren des Anfangskapitels habe heranziehen d&#252;rfen. Da dieses Anfangskapitel aber sehr haarig, sehr defizil und sehr toll (Zitat) ist, mu&#223; ich damit bis zur Ver&#246;ffentlichung vertr&#246;sten<sup>2</sup> -, die Hundeszene hingegen ist eine Sache, die stimmungsmalerisch eingesetzt und nur indirekt storyrelevant ist, so da&#223; ich sie hier mal einstelle &#8211; Rohfassung, versteht sich!<span id="more-221"></span></p>
<p><br clear="all" /></p>
<hr size="1" />
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-09-19_joy.jpg" title="Die Border-Collie-Dame Joy mit ihrem Lieblingsball" alt="Die Border-Collie-Dame Joy mit ihrem Lieblingsball" align="left" border="2" height="480" hspace="10" width="480" /></p>
<p class="MsoNormal"><strong>Leseprobe Hundeszene, Rohfassung [19.09.2007]</strong></p>
<p class="MsoNormal">&#8220;[...] wenig sp&#228;ter knirschte der Schotter eines Parkplatzes unter seinen R&#228;dern, und er schaute auf die bemalte Hauswand mit Zelt und Hund, Sonne und Fuchs.</p>
<p class="MsoNormal">„Campingplatz Eudenbach. Fam. H&#252;lder“ war dar&#252;ber gemalt.</p>
<p class="MsoNormal"><span> </span>Eine kleine Terrasse<span>  </span>ging zur Stra&#223;e, und Licht fiel in den Nebel hinaus. Rechterhand lief zwischen Haus und Wiese ein schmaler Gehweg entlang. Oben f&#252;hrte er auf einen gepflasterten Hof mit Scheunengeb&#228;uden.</p>
<p class="MsoNormal">Kaum hatte er den erreicht, ert&#246;nte lautes Gebell und Quirin dachte: <em>Schei&#223;e.</em> Sekunden sp&#228;ter st&#252;rmten weit mit den Pfoten ausgreifend zwei schwarz-wei&#223; gefleckte Hunde &#252;ber den Hof. Die Geschwindigkeit der laut bellenden Tiere war be&#228;ngstigend, Quirin rutschte das Herz in die Hose und er blickte sich verzweifelt nach irgendeiner M&#246;glichkeit um, sich in Sicherheit zu bringen. Neben ihm stand eine gr&#252;ne Kutsche, zur Zierde mit Blumen beladen. Mit den Fl&#252;geln der Angst machte er einen Satz und kauerte sich zwischen Tont&#246;pfe voller Petunien<span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt"><!--[if !supportAnnotations]--></span><span style="display: none"></span><span></span>. Die Hunde kamen einen halben Augenblick sp&#228;ter an. Es w&#228;re ihnen keinerlei Anstrengung gewesen, zu ihm zwischen die Petunien-T&#246;pfe zu springen, aber sie blieben unten und schauten zu ihm herauf. Der mit dem schwarzen Kopf bellte, als wollte es ihn zerrei&#223;en und jaulte in einer Weise, da&#223;, w&#252;rde es sich um einen Menschen gehandelt haben, Quirin wohl an seinem Geisteszustand gezweifelt h&#228;tte. So aber machte es ihm nur um so mehr Angst. Der andere Hund stand still, hatte den Kopf schief gelegt und musterte ihn aus ganz erstaunlich blauen Augen. Jetzt bemerkte Quirin, da&#223; dieser Hund einen <em>Ball</em> zwischen den Vorderpfoten hielt.</p>
<p class="MsoNormal">„Die tun nichts, keine Sorge!“ h&#246;rte Quirin den typischen Spruch aller Hundebesitzer. Der eine Hund bellte weiterhin wie verr&#252;ckt geworden, es fehlte nur, da&#223; ihm Schaum vor dem Mund stand. Vom Haus her kam mit langen Schritten ein gro&#223;er Mann mit grauen, zerzausten Haaren. Sein Gesicht, markant mit vielen Falten und F&#228;ltchen um die [grauen] Augen, spiegelte sowohl Besorgnis wieder wie auch Belustigung, die er nur schwer verbergen konnte. Quirin kam sich pl&#246;tzlich vor wie eine Katze, die zusammengekauert auf einem Baum sa&#223; – es fehlte nur, da&#223; er die Hunde anfauchte. „Gay!“ br&#252;llte der Mann den wie wild bellenden Hund an, und mit einem Japsen verstummte der. Zwei weitere lange Schritt, und er war am Wagen, holte Schwung und trat mit voller Kraft gegen den zweiten Hund. Aber nicht der Hund flog quer &#252;ber den Hof, sondern nur der Ball – allerdings folgte der Hund dichtauf, wenngleich aus eigener Kraft und mit freudigem Gebell.</p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-09-19_gay-joy.jpg" title="Spiiieeeelllleennn! Gay und Joy." alt="Spiiieeeelllleennn! Gay und Joy." align="left" border="2" height="389" hspace="10" width="480" />„Kommen Sie runter da!“ Der Mann hielt den schwarzk&#246;pfigen Hund am Halsband. Das Tier gab die merkw&#252;rdigsten Ger&#228;usche von sich, ein hohes Jaulen, abgel&#246;st von einem halb melodischen Fiepen und gefolgt von einem fast am&#252;siert klingenden guturalen Knurren. Er hatte sich gegen das Bein des Mannes gelehnt und schien Anstalten zu machen, sich wie eine Katze mit gew&#246;lbtem R&#252;cken daran zu schuppern. Er wirkte nicht mehr bedrohlich, eher skurril. Quirin kletterte zwischen den Petunien hervor und sah aus dem Augenwinkel, wie der andere Hund wieder &#252;ber den Hof kam. Er f&#252;hrte den Ball zwischen den Vorderl&#228;ufen wie ein Fu&#223;baller und blieb drei Meter vor Quirin stehen. Der Ball rollte weiter und grad vor Quirins F&#252;&#223;e. Der Hund senkte den Kopf und starrte gebannt auf die Lederknolle. „Treten Sie den Ball &#252;ber den Hof, und Sie haben eine Freundin f&#252;rs Leben“, sagte der Mann. Quirin tat, wie ihm gehei&#223;en, und japsend st&#252;rzte der Hund hinterher. „Allerdings werden Sie die Freundin auch nicht mehr so schnell wieder los.“ Tats&#228;chlich dauerte es keine zwei Augenblicke, bis der Hund wieder schwanzwedelnd mit Ball vor Quirin stand. „Wollten Sie zu mir?“</p>
<p class="MsoNormal">„Sind Sie der Besitzer von dem Campingplatz?“</p>
<p class="MsoNormal">Der Mann streckte eine gro&#223;e, harte Hand entgegen, der man k&#246;rperliche Arbeit ansah. „H&#252;lder, mein Name.“</p>
<p class="MsoNormal">„Hundtemann“, sagte Quirin und trat die Lederknolle die Auffahrt hinauf, so fest er konnte. Herr H&#252;lder grinste von einem Ohr zum anderen. „Wollen Sie einen Kaffee?“ fragte er. Quirin nickte. Als sie durch die T&#252;r gingen, dr&#252;ckten sich die Hunde an ihnen vorbei und &#252;berholten sie.</p>
<p class="MsoNormal">„Milch? Zucker?“</p>
<p class="MsoNormal">„Beides, danke.“</p>
<p class="MsoNormal">„Warten Sie hier im B&#252;ro, der Kaffee kommt gleich.“ [Herr] H&#252;lder deutete auf einen Raum links, den ein gro&#223;er Schreibtisch aus dunklem Holz beherrschte. Quirin setzte sich auf einen Stuhl davor. Auf die Frage, was er hier eigentlich trieb, konnte er sich selbst keine zufriedenstellende Antwort geben. Was sollte er dem Mann erz&#228;hlen? <em>Ich bin Privatdetektiv und<span>  </span>untersuche den Tod von Herrn Beckmann. Ich habe zwar keine Ahnung und trotz meines Namens weder eine besondere Sp&#252;rnase noch Courage vor fu&#223;ballspielenden Hunden, aber ich krieg ja immerhin hundert Euro daf&#252;r von einer &#228;lteren, verunsicherten Frau, die grad ihren Sohn verloren hat, nicht wahr?&#8221;<o></o></em></p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_221" class="footnote">Dar&#252;ber werde ich demn&#228;chst mal einige Zeilen &#8220;Autorengefasel&#8221; verlieren&#8230; es gab da einige sch&#246;ne Erkenntnisse in den letzten Tagen Schreib-Klausur.</li><li id="footnote_1_221" class="footnote">Das Erscheinen des Rufmords sch&#228;tze ich auf Mitte Oktober, Anfang November. Vorbestellungen werden aber gerne schon entgegengenommen. Das Rom&#228;nchen d&#252;rfte etwas um die 80 Seiten haben und im Handel zwischen 8 und 9, bei mir wie &#252;blich 6,50 kosten.</li></ol>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Adorno und der &#8220;Kulturgeist&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Aug 2007 19:36:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Alle sind frei, zu tanzen und sich zu vergn&#252;gen, wie sie, seit der geschichtlichen Neutralisierung der Religion, frei sind, in eine der zahllosen Sekten einzutreten. Aber die Freiheit in der Wahl der Ideologie, die stets den wirtschaftlichen Zwang zur&#252;ckstrahlt, erweist sich in allen Sparten als die Freiheit zum Immergleichen. Die Art, in der ein junges [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-08-30_adorno.jpg" title="t.w.adorno" alt="t.w.adorno" align="left" border="2" height="289" hspace="10" width="390" />&#8220;Alle sind frei, zu tanzen und sich zu vergn&#252;gen, wie sie, seit der geschichtlichen Neutralisierung der Religion, frei sind, in eine der zahllosen Sekten einzutreten. Aber die Freiheit in der Wahl der Ideologie, die stets den wirtschaftlichen Zwang zur&#252;ckstrahlt, erweist sich in allen Sparten als die Freiheit zum Immergleichen. Die Art, in der ein junges M&#228;dchen das obligatorische date annimmt und absolviert, der Tonfall am Telephon und in der vertrautesten Situation, die Wahl der Worte im Gespr&#228;ch, ja das ganze nach den Ordnungsbegriffen der heruntergekommenen Tiefenpsychologie aufgeteilte Innenleben bezeugt den Versuch, sich selbst zum erfolgsad&#228;quaten Apparat zu machen, der bis in die Triebregungen hinein dem von der Kulturindustrie pr&#228;sentierten Modell entspricht.&#8221;<sup>1</sup><br />
<span id="more-211"></span><br />
<br clear="all" /><br />
<img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-02-03_pflichten.jpg" align="left" border="2" height="480" hspace="10" width="333" />Ermahnung zur Vernunft (im Sinne <em>Hades&#8217;</em> in Disney&#8217;s Herkules: Memo an mich selbst): Auch wenn die Schwester Scheherazads im &#8220;Kulturgeist&#8221;, bevor sie den <a href="http://www.posiversum.de/">posiversen John</a> verf&#252;hrt, ganz intrigant die Interessen der <em>Kulturindustrie</em> zu manipulieren versucht, hei&#223;t das noch lange nicht, da&#223; f&#252;r eine 45-Minuten-Story aus der witzigen Sparte<sup>2</sup> nach der Lekt&#252;re des Qurans, der tausend und einen N&#228;chte auch noch<a href="http://www.norman-liebold.de/zettelkasten/adorno-theodor-w-und-horkheimer-max-dialektik-der-aufklaerung-pholosophische-fragmente/"> Adorno</a> und <a href="http://www.norman-liebold.de/zettelkasten/marx-karl-oekonomisch-philosophische-manuskripte-aus-dem-jahre-1844/">Marx</a> notwendig sind. Ich bin nicht Eco! Und wenngleich es sowohl im Sinne der Story ausgesprochen am&#252;sant ist, wenn Dunjazad und John sich Horkheimer-Zitate um die Ohren pfeffern wie</p>
<blockquote><p>&#8220;F&#252;r alle [sc. konsumierende Menschen] ist etwas vorgesehen, damit keiner ausweichen kann, die Unterschiede werden eingeschliffen und propagiert. Die Belieferung des Publikums mit einer Hierarchie von Serienqualit&#228;ten dient nur der um so l&#252;ckenloseren Quantifizierung. Jeder soll sich gleichsam spontan seinem vorweg durch Indizien bestimmten »level« gem&#228;&#223; verhalten und nach der Kategorie des Massenprodukts greifen, die f&#252;r seinen Typ fabriziert ist.&#8221;<sup>3</sup></p></blockquote>
<p>so bedeutet das doch nicht zwangsl&#228;ufig, wieder g&#228;nzlich in die Verfahrensweisen des wissenschaftlichen Arbeitens zur&#252;ckzufallen.<sup>4</sup> Es ist dies zwar auch nicht schlecht, weil dabei sehr sch&#246;ne Situationen entstehen, aber bis zum 08.09. habe ich noch den <em>&#8220;Euthanatus&#8221;</em> fertigzustellen, und vor allem, bis zum 22.09., den Eudenbach-Krimi&#8230; ich glaub, ich brauche das <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Damit, liebe Ludovika, wei&#223;t du auch, warum der <em>Kulturgeist </em>dir nicht zur B&#246;llschen Reiselekt&#252;re hat gedeihen k&#246;nnen (Marx, Adorno und Fromm kamen mir dazwischen). Aber immerhin, ich denke, das innere <em>Amusement</em> eines solchen Momentes hat dieses verlohnt:</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">„Ja, John. Ich k&#246;nnte dich zu einem <em>Star</em> machen“, sagte sie [sc. Dunjazad] leise, mit etwas Lauerndem in der Stimme.</span><span>  </span>„M&#246;chtest du das? Ist <em>das</em> dein Wunsch?“ Als John den Mund &#246;ffnete, legte sie ihm schnell den Zeigefinger &#252;ber die Lippen und l&#228;chelte. „Nicht so schnell“, sagte sie mit einem Funkeln in den Augen. „Hatte ich dir nicht gesagt, da&#223; du nicht allzu vorschnell sein solltest?“ Sie lie&#223; sich zur&#252;cksinken und l&#228;chelte. „Was ist es, frage ich noch einmal, was die Menschen achtzig Euro zahlen l&#228;&#223;t, um <em>Brian Adams</em> zu sehen? Oder hundertf&#252;nfzig f&#252;r <em>Madonna</em>? Oder, was, wie ich finde, noch viel wichtiger ist: Was ist es, da&#223; sie so <em>popul&#228;r</em> macht?“<!--[if !supportAnnotations]--><a href="#_msocom_1" onmouseout="msoCommentHide('_com_1')" onmouseover="msoCommentShow('_anchor_1','_com_1')" title="_msoanchor_1" class="msocomanchor" id="_anchor_1" language="JavaScript" name="_msoanchor_1"></a><!--[endif]--><span style="display: none"></span><span> </span><o></o></p>
<p class="MsoNormal"><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">„Die Massenmedien, vermutlich?“ war John so h&#246;flich zu fragen, aber nicht ohne eine gewisse Entt&#228;uschung in der Stimme. Darauf wollte sie also hinaus. Eine kleine Marxistin, wahrscheinlich holte sie gleich ihren <em>Adorno</em> heraus und zitierte aus der <em>Dialektik der Aufkl&#228;rung</em>.<!--[if !supportAnnotations]--><a href="#_msocom_2" onmouseout="msoCommentHide('_com_2')" onmouseover="msoCommentShow('_anchor_2','_com_2')" title="_msoanchor_2" class="msocomanchor" id="_anchor_2" language="JavaScript" name="_msoanchor_2"></a><!--[endif]--></span><span style="display: none"></span><span> </span> <o></o></p>
<p class="MsoNormal"><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">Tats&#228;chlich nickte Dunjazad, und John seufzte innerlich auf. Er hatte auf alles m&#246;gliche Lust in diesem Moment, aber bestimmt nicht, sich die n&#228;chsten paar Stunden Theorien anzuh&#246;ren, wie man die Welt zu verbessern hatte, das ganze am besten voller Kampfphrasen, Pathos und verstaubte Zitate. Wenigstens war sie so freundlich, die Aussieht anregend zu gestalten. Andererseits, wenn er sich das genau &#252;berlegte, war es ziemlich hinterh&#228;ltig, sich als wahrscheinlich feministisch angehauchte Radikallinke ausgerechnet in einem orientalischen Beduinenzelt als fleischgewordene Haremsdamen-Phantasie zu verkleiden. „Und warum denkst du, da&#223; die Kulturindustrie daf&#252;r verantwortlich sein k&#246;nnten?“<o></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span class="MsoCommentReference"><em><span style="font-size: 8pt">Kulturindustrie. </span></em></span><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">Er hatte es geahnt. John &#252;berschlug innerlich den zu erwartenden Grad an &#214;de dieser schon allzuoft gef&#252;hrten Diskussion und wog ihn gegen die in der Tat berauschende Gesellschaft ab. Ob sie damit rechnete? Vielleicht ihre Attraktivit&#228;t bewu&#223;t ins Spiel brachte, um ihre dialektischen Theoreme an den Mann zu bringen? Wenn es so sein sollte, dann, mu&#223;te er zugeben, war das eine ausgesprochen wirkungsvolle Taktik. <o></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">„Ich glaube kaum“, lie&#223; er sich auf die Diskussion ein, die ihn an Sokrates und seine Hebammenk&#252;nste erinnerte, „da&#223; ein solcher Personenkult ohne die Massenmedien m&#246;glich w&#228;re. Man k&#246;nnte &#252;berhaupt nicht genug Menschen erreichen…“ Er entschied sich, einen gewagten Schritt nach vorn zu machen. Vielleicht k&#252;rzte das die Sache an. Er kramte in seinen Erinnerungen aus der Zeit, als er selbst Adorno zitierend die Faust gesch&#252;ttelt hatte. „</span><em>Je fester die Positionen der Kulturindustrie werden</em>“, f&#252;hrte er aus, „<em>um so summarischer kann sie mit dem Bed&#252;rfnis der Konsumenten verfahren, es produzieren, steuern, disziplinieren, selbst das Amusement einziehen</em>“, dann, mit der geh&#246;rigen Priese Sarkasmus, <em>„dem kulturellen Fortschritt sind da keine Schranken gesetzt.“</em><a href="#_ftn1" title="_ftnref1" name="_ftnref1"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 9pt; font-family: Arial">[1]</span><!--[endif]--></a><em><o></o></em></p>
<p class="MsoNormal">Dunjazad l&#228;chelte nicht, sie grinste. „Aber <span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">e</span><span class="MsoCommentReference"></span><span>instweilen hat es die Technik der Kulturindustrie blo&#223; zur Standardisierung und Serienproduktion gebracht und das geopfert, wodurch die Logik des Werks von der des gesellschaftlichen Systems sich unterschied</span><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">.“</span><a href="#_ftn2" title="_ftnref2" name="_ftnref2"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 9pt; font-family: Arial">[2]</span><!--[endif]--></a><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt"><o></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">John mu&#223;te ebenfalls grinsen. „</span><span class="MsoCommentReference"></span><span>Jede Spur von Spontaneit&#228;t</span><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt"> des Publikums im Rahmen des </span><span class="MsoCommentReference"></span><span>offiziellen Rundfunks aber wird von Talentj&#228;gern, Wettbewerben vorm Mikrophon, protegierten Veranstaltungen aller Art in fachm&#228;nnischer Auswahl gesteuert und absorbiert. Die Talente geh&#246;ren dem Betrieb, l&#228;ngst ehe er sie pr&#228;sentiert: sonst w&#252;rden sie nicht so eifrig sich einf&#252;gen.</span><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">“</span><a href="#_ftn3" title="_ftnref3" name="_ftnref3"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 9pt; font-family: Arial">[3]</span><!--[endif]--></a><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt"><o></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">„</span>F&#252;r alle ist etwas vorgesehen, damit keiner ausweichen kann, die Unterschiede werden eingeschliffen und propagiert.“<a href="#_ftn4" title="_ftnref4" name="_ftnref4"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 9pt; font-family: Arial">[4]</span><!--[endif]--></a></p>
<p class="MsoNormal">Dunjazad kicherte. „F&#252;r den Konsumenten gibt es nichts mehr zu klassifizieren, was nicht selbst im Schematismus der Produktion vorweggenommen w&#228;re.<a href="#_ftn5" title="_ftnref5" name="_ftnref5"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 9pt; font-family: Arial">[5]</span><!--[endif]--></a> Aber letztlich macht das System <span class="MsoCommentReference"><em><span>alle gleicherma&#223;en zu H&#246;rern, um sie autorit&#228;r den unter sich gleichen Programmen der Stationen auszuliefern</span></em></span><span class="MsoCommentReference"></span><span>.</span><span class="MsoCommentReference"></span><span style="font-size: 8pt">“</span><a href="#_ftn6" title="_ftnref6" name="_ftnref6"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 9pt; font-family: Arial">[6]</span><!--[endif]--></a></p>
<p class="MsoNormal">John lachte. <span> </span>„Der Fortschritt der Verdummung darf hinter dem gleichzeitigen Fortschritt der Intelligenz nicht zur&#252;ckbleiben.“<a href="#_ftn7" title="_ftnref7" name="_ftnref7"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 9pt; font-family: Arial">[7]</span><!--[endif]--></a></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span>„Deutschland sucht…“</p>
<p class="MsoNormal">„… den Superstar!“</p>
<p><!--[if !supportFootnotes]--><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />  <!--[endif]--></p>
<p id="ftn2"><a href="#_ftnref1" title="_ftn1" name="_ftn1"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 8pt; font-family: Arial">[1]</span><!--[endif]--></a> Adorno, Theodor W. und Horkheimer, Max: Dialektik der Aufkl&#228;rung. Philosophische Fragmente. Frankfurt am Main 2000. S. 175.</p>
<p class="MsoFootnoteText"><a href="#_ftnref2" title="_ftn2" name="_ftn2"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 8pt; font-family: Arial">[2]</span><!--[endif]--></a> Ibidem, S. 147f.</p>
<p id="ftn4"><a href="#_ftnref3" title="_ftn3" name="_ftn3"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 8pt; font-family: Arial">[3]</span><!--[endif]--></a> Ibidem, S. 148f</p>
<p class="MsoFootnoteText"><a href="#_ftnref4" title="_ftn4" name="_ftn4"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 8pt; font-family: Arial">[4]</span><!--[endif]--></a> Ibidem, S. 149<span>                </span></p>
<p id="ftn6"><a href="#_ftnref5" title="_ftn5" name="_ftn5"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 8pt; font-family: Arial">[5]</span><!--[endif]--></a> Ibidem, S. 151</p>
<p class="MsoFootnoteText"><a href="#_ftnref6" title="_ftn6" name="_ftn6"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 8pt; font-family: Arial">[6]</span><!--[endif]--></a> Ibiem, S. 148</p>
<p class="MsoFootnoteText"><a href="#_ftnref7" title="_ftn7" name="_ftn7"><span class="MsoFootnoteReference"></span><span><!--[if !supportFootnotes]--></span><span class="MsoFootnoteReference"></span><span style="font-size: 8pt; font-family: Arial">[7]</span><!--[endif]--></a> Ibidem, S. 17f.</p>
</blockquote>
<p>Das ist albern, zugegeben. Na und?</p>
<hr size="1" color="#cccccc" width="25%" align="left">
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_211" class="footnote"><small>Adorno, Theodor W. und Horkheimer, Max: Dialektik der Aufkl&#228;rung. Philosophische Fragmente. Frankfurt am Main 2000. </small>S. 203f. <em>Originalausgabe des Textes: 1947</em></li><li id="footnote_1_211" class="footnote">Amusement, wie Adorno sagen w&#252;rde</li><li id="footnote_2_211" class="footnote"><small>Adorno, Theodor W. und Horkheimer, Max: Dialektik der Aufkl&#228;rung. Pholosophische Fragmente. Frankfurt am Main 2000. </small>S. 149f. <em>Originalausgabe des Textes: 1947</em></li><li id="footnote_3_211" class="footnote">In der Tat: Im &#8220;Kulturgeist&#8221;-Text gibt es schon manigfaltige Fu&#223;noten&#8230; und das sollte einem <em>M&#228;rchen</em> doch fremd sein&#8230;</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>„Carpe Noctem“ &#8211; verschenkt</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2007 21:51:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[[Bonn.] Gestern wurde Martin Leichtfu&#223; 30. Das scheint aktuell eine Art Krankheit zu sein, die seit etwas &#252;ber einem Jahr wie eine Seuche unter meinen Bekannten grassiert. Gestern jedenfalls hatte es einen der Martins erwischt (auch an dieser Stelle und ganz schriftlich nochmal das beste, und auch die blinkende 30: Das ist der Martin (in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1></h1>
<p>[Bonn.] Gestern wurde Martin Leichtfu&#223; 30. Das scheint aktuell eine Art Krankheit zu sein, die seit etwas &#252;ber einem Jahr wie eine Seuche unter meinen Bekannten grassiert. Gestern jedenfalls hatte es einen der Martins erwischt (auch an dieser Stelle und ganz schriftlich nochmal das beste, und auch die blinkende 30:</p>
<p>Das ist der Martin (in der internen Z&#228;hlung #3), der neben Jens einen ganz immensen Anteil hatte beim Entstehen der Geschichte, deren Anfang ich am 21.03. hier <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/03/21/Kostprobe_%7C_Was_ich_nicht_tun_wollte/">einstellte</a>.</p>
<h1><img src="http://www.norman-liebold.de/wp-content/myfotos/07-03-05_30-jensibensi.gif" align="left" hspace="10" /></h1>
<p>Nicht nur, da&#223; das Bild der zwei Magier in einem sehr angeregten Gespr&#228;ch mit ihm vor der Wohnschnecke Sommer letzten Jahres seinen ma&#223;geblichen Schliff bekam und seine Begeisterung f&#252;r das Bild die Story so erinnerlich bleiben lie&#223;, da&#223; ich sie als erste der neuen Geschichten bearbeitete, auch das Bild der Diapositive entstammt einem Gespr&#228;ch bei einem Spaziergang auf dem Venusberg, von dem ich am  27.02. <a href="http://www.norman-liebold.de/2007/02/27/magische-orte-magische-menschen/"> berichtete</a>. Nicht wenig am&#252;sant in diesem Kontext ist nat&#252;rlich auch, da&#223; ich die Geschichte selbst zum weitaus gr&#246;&#223;ten Teil im Garten und im Wohnflur der Kessenicher 113 schrieb, in der Martin wohnt und wo ich aktuell gestrandet bin &#8211; durchaus eine Techno-Hure den M&#246;glichkeiten der modernen Kommunikationstechnik huldigend, die mein B&#252;ro und meine Arbeitsstube faktisch <em>&#220;berall</em> sein lassen (die einzige Begrenzung besteht in einer Stromquelle alle drei Stunden, aber dem kann vielleicht mit einem Stromwandler f&#252;r Laptop und Handy abgeholfen werden, der an den Zigarettenanz&#252;nder anschlie&#223;bar ist).</p>
<p>Jedenfalls soll dieses ganze Geschwafel letzthin zu zwei Aussagen hinf&#252;hren, die ich der K&#252;rze halber jetzt nicht weiter vorbereite, sondern einfach hinschreibe:<br />
• Die Geschichte, die den Arbeitstitel „Zwei Magier“ trug, aktuell „Carpe Noctem“ hei&#223;t, wurde gestern fertig (bis auf den Feinschliff, versteht sich).<br />
• Und ich widmete sie aus obigen Gr&#252;nden Martin Leichtfu&#223;, quasie als Geschenk zum 30.</p>
<p>Gelesen wird sie &#246;ffentlich sp&#228;testens am 18.05. im <a href="http://www.kulturcafe.de/" target="blank">Kulturcafé Siegburg</a>.</p>
<p>An dieser Stelle noch eine Kostprobe, um das Geschenk zu validiesieren. Die Szene ist gegen Ende angesiedelt, als Minosch ein klein wenig an der Wirklichkeit irre gegangen ist.</p>
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<td width="20">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<p style="color: #666666"> „Weiter!“ dr&#228;ngte der Stierkopf, als sie sich durch die Gasse vor dem Atlantis hangelten, am Silberfaden entlang nach links zum Berta-von-S&#252;ttner-Platz, durch das Ged&#228;rm der alten Stadt. Die Stra&#223;enlaterne blutete orangenes Licht in den Asphalt. Stra&#223;en und Gassen zogen sich zuckend um sie zusammen, bogen sich, zitterten pulsend. Bonn hatte den K&#246;der geschluckt, der Tisch im Atlantis war der Haken, dreifach am Bein verknotet in das Gekr&#246;se der M&#246;glichkeiten versenkt. Zwischen Schmerz und Ekel wand sich das Ged&#228;rm, den Stachel herauszuw&#252;rgen. Die silbrige Sehne zog durch die Windungen der Innereien, den zersetzenden See der Magenblase &#8211; ein Platz mit schwankem Dom und schleimigen Wolken in der Nacht. Minosch, die F&#252;&#223;e im Himmel, hangelte dem sch&#246;nen R&#252;cken hinterher, immer eine Hand &#252;ber der Anderen. Er begriff: hier war Begreifen das Tor zum Wahn, einfach Zugreifen der Weg nach hause. Ein Knie war ihm Anker im Vielleicht, er fragte nicht, woher die Stierfrau seine T&#252;r kannte, wollte nicht mehr wissen, wann und wie sie den Anfang des unendlichen Fadens an seine Klinke geknotet hatte und was sie dabei gedacht – was dachten Minotauren, wenn sie F&#228;den durch St&#228;dted&#228;rme spannten? Es war ihm gleich, ob sie ein wildes Tier war mit Menschenleib oder ein Mensch mit Tiersch&#228;del: er wollte nach hause gef&#252;hrt werden und angekommen sein, ein festes Knie in seiner Hand.<br />
Die T&#252;r spannte sich im Rahmen, das Schlo&#223; klaffte obsz&#246;n im alten Holz oder m&#252;hte sich zumindest, anst&#246;&#223;ig zu wirken. Minosch hielt sich mit der Linken am Faden fest, um nicht in den Himmel zu fallen und griff in seine Jackentasche. Der Schl&#252;ssel war ein silbrig-zuckender Fisch unter dem Mond.  Fast w&#228;re er ihm aus der Hand gerutscht und hinauf gefallen, hinauf in den sich drehenden Himmel, wo sich der Mond sicheltanzend dreimal neu gebar. Minosch wu&#223;te, da&#223; es nicht einfach war, mit einem nassen Fisch ein Schloss zu knacken, aber nach zwei Anl&#228;ufen hatte er das zuckend-schleimige Ding im Loch und drehte ihn, bis der Riegel schnappte. Die T&#252;r fiel ins Innere, zog ihn hinter sich drein und die Treppe hinauf. Drinnen waren die W&#228;nde solide und wankten nicht. Der Fisch war schon da und schnellte sich auf dem Teppich silbrig zappelnd hin und her. Die Sch&#246;nber&#252;ckte sa&#223; zur&#252;ck gelehnt im Chaiselongue, die H&#228;nde hinterm Stiersch&#228;del. Sie wackelte am&#252;siert mit den Ohren und l&#228;chelte mit weichem Maul.</td>
</tr>
</table>
<p>Im Moment befindet sich die Geschichte bei meinen lieben Lekt&#246;rchen, und ich bin bereits sehr gespannt, was diese von dem ersten postmagistratischen finger&#252;benden Verbrechen halten werden. Sch&#246;n jedenfall sind in Bezug auf das Aufschreiben der Geschichte Erinnerungen, wie an den Abs&#228;tzen gefeilt wurde, w&#228;hrend im Garten die WGler sitzen, man irgendwann den Rechner aus macht und am Abend dann rund um den Grill drau&#223;en gesessen wird. Thomas Cohans „Suzanne“ singt und Degenharts „W&#246;lfe im Mai“ und alles verdammt nach heile Welt schmeckt. <img src='http://lieblog.norman-liebold.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Kostprobe &#124; Was ich nicht tun wollte</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2007 21:58:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Liebold</dc:creator>
				<category><![CDATA[TextFetzen]]></category>

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		<description><![CDATA[[Eudenbach.] Ich kann nicht umhin, den Beginn der Zwei-Magier-Geschichte hier einzustellen, rohgefa&#223;t und schlichtweg zu meinem eigenen Vergn&#252;gen, bzw. dem Mirentgegenhalten, da&#223; der Pfropf aufges&#228;gt worden ist&#8230; bzw., um die Vorfreude meiner werten Leserschar mit dieser Finger&#252;blichen Anf&#228;nglichkeit vielleicht ein wenig anzuheizen. CARPE NOCTEM -1- Die Kunst der melancholischen Einsamkeit bestand nicht darin, sich an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #666666">[Eudenbach.] Ich kann nicht umhin, den Beginn der Zwei-Magier-Geschichte hier einzustellen, rohgefa&#223;t und schlichtweg zu meinem eigenen Vergn&#252;gen, bzw. dem Mirentgegenhalten, da&#223; der Pfropf aufges&#228;gt worden ist&#8230; bzw., um die Vorfreude meiner werten Leserschar mit dieser Finger&#252;blichen Anf&#228;nglichkeit vielleicht ein wenig anzuheizen.</span></p>
<p><strong>CARPE NOCTEM</strong></p>
<p><strong>-1-</strong></p>
<p>Die Kunst der melancholischen Einsamkeit bestand nicht darin, sich an irgendeinen einsamen Ort zu verkriechen, ins Leere zu starren und m&#246;glichst schmerzhaften Erinnerungen und Gedanken nachzuh&#228;ngen. Wie in einem Gem&#228;lde Dunkles durch umgebende Helle erst recht zu Geltung kommt und fahle Bl&#228;sse erst durch farbenpr&#228;chtiges Umher, so tritt die eigene Einsamkeit am bemerkenswertesten unter der Geselligkeit anderer hervor und die eigene Tristesse neben ausgelassener Freude.<br />
Er liebte es, zu fortgeschrittener Stunde durch die Gassen der still daliegenden Stadt zu trotten, wenn niemand mehr auf den Gassen war, und sich als Ausgesto&#223;ener zwischen den H&#228;usern hindurch zu dr&#252;cken. Stellte sich vor, wie hinter diesem oder jenem Fenster ein Paar z&#228;rtlich aneinander geschmiegt wie silberne L&#246;ffel unter warmer Decke lagen: seine Nase im Duft ihres Haares, die Wange zwischen zierliche Schultern gebettet, in der Hand warmschmiegend die W&#246;lbung vertrauensvoller Brust, eines sanft atmenden Bauches. Schmerzliche Erinnerungen engten ihm die Brust, bis jeder Atemzug schwer zu fallen schien und die Welt ringsum von n&#228;chtlich einsam ins bodenlose verzweifelt wegzukippen begann, alles sich aufl&#246;ste, bangende Fragen nach der Zukunft im Nichts zerfaserten, jeder Halt sich an den Grundfesten aufl&#246;ste wie faulendes Fleisch.<br />
War der Zustand kaum noch auszuhalten, pflegte er seine Schritte in die Innenstadt zu lenken, ins „Carpe Noctem“ oder ins „Atlantis“, sich in einem Winkel an den Tisch zu setzen und ein oder zwei Stunden lang das eine oder andere Hochprozentige zu sich zu nehmen. Ringsum flackerten wild die Lichter, jugendlich nach Leben gierend dr&#228;ngten sich die Leiber an Theke und auf der Tanzfl&#228;che, Gesichter wogten, neigten sich zu, lachten, blickten hungrig. Er hingegen, im Winkel, sah ihnen zu, mit melancholischem Gesichtsausdruck, die Zigarette ganz oben zwischen Mittel- und Zeigefinger eingeklemmt – manchmal verga&#223; er die Zigarette gern und weidete sich an dem Schmerz, wenn die Glut an seiner Haut leckte. In diesem Wogen von Gesichtern und Leibern, innerlich &#252;bervoll an schmerzlich-melancholischen Gedanken, konnte er sich wirklich einsam f&#252;hlen, auf seinem Stuhl sitzend, den Fasern seines Seins nachtastend bis zu jenem Punkt, wo es zerfasernd sich in zielloser Beliebigkeit verlor.<br />
Begann der Alkohol zu wirken, verschob sich alles ein wenig. Vielleicht, so vermutete er, wurden seine Gedanken einfacher, der eing&#228;ngige Rhythmus der Musik pulsierte in der Magengrube, Licht und wogende Leiber stimmten ein seltsam mit Melancholie gemischtes Hochgef&#252;hl in ihm an. In solchen Momenten konnte er sich fast vorstellen, sich unter die Leiber mischend ein paar hungrigen Augen mit hungrigem Blick zu begegnen, wie zuf&#228;llig Hand an Haut entlang gleiten zu lassen, in charmant-witziger Weise Aufmerksamkeit zu fesseln, festzuhalten, n&#228;her zu r&#252;cken, seiner Ideale abtr&#252;nnig einfach schattenspringend mitzugehen. Dieser Moment war der richtige, um mit jenem seltsam gestimmten Hochgef&#252;hl von nicht negierten M&#246;glichkeiten durch die n&#228;chtliche Stadt zu wanken und mit dem hellerwerdenden Horizont einschlafen zu k&#246;nnen.</p>
<p><strong>- 2 -</strong></p>
<p>Diese Nacht hingegen war unruhig &#8211; drei Uhr, und noch schwirrten Stimmen trunken durch die Stra&#223;en. Masken schreckten seine Einsamkeit, Mummenschanz gr&#246;lte hinter Stra&#223;enbiegungen und lie&#223;en ihn andere Wege mit leise steigender Panik suchen. Selbst auf dem verwachsenen Friedhof keuchte es schmatzend hinter Grabsteinen. Aber es war leichter zu ertragen als wenn das Lachen von der Stra&#223;e hinauf schallte, w&#228;hrend er mit zersprungener  Brust	 hinter verschlossener T&#252;r hockte. Trotzdem konnte er in den Stra&#223;en seine  Melancholie nicht finden &#8211; stillevertreibend verscheuchten die maskierten Betrunkenen jede einsame Minute. Bilder z&#228;rtlicher Zweisamkeit zerbrechen, wenn ein sturzbetrunkenes M&#228;dchen sich ger&#228;uschvoll auf die Stra&#223;e erbricht oder laut vom Ficken gr&#246;lt.<br />
Er suchte leere Hintergassen und schl&#228;ngelte durch Bonn bis zum „Atlantis“. Es sind die Gegens&#228;tze, die verdeutlichen, sagte er sich – in der Diskothek mochte die schl&#252;pfrige Hemmungslosigkeit weniger aufdringlich an seinen Eingeweiden ziehen – sei es aus Ekel, sei es aus Neid.<br />
Als er die kurze Kellertreppe hinunter stieg, schlug ihm der L&#228;rm ohrenbet&#228;ubend entgegen: „Die Karawane zieht weiter&#8230;“, von Dutzenden Stimmen mitgegr&#246;lt. Schon im Begriff, auf dem Absatz umzukehren, siegte etwas, das am ehesten Trotz genannt werden konnte. Er war ein Dulder, es ging nicht an, da&#223; dergleichen ihn verschreckte, einsch&#252;chterte und wie einen Sonderling durch einsame G&#228;&#223;chen zur&#252;ck schleichen lie&#223;. Eine Stunde, sagte er sich und dr&#252;ckte die Schwingt&#252;r auf. Das „Atlantis“ war zum Bersten gef&#252;llt. Kaum war es m&#246;glich, sich in die Menge dr&#228;ngend die T&#252;r zu schlie&#223;en. Ein Kellner mit hoch &#252;ber die K&#246;pfe gehobenem Bierkasten m&#252;hte sich, hindurch zu kommen, um Gl&#228;ser und Flaschen   einzusammeln. Sicher war keiner der Tische auf der Empore frei: sie waren nicht einmal zu sehen, bestenfalls zu ahnen als kreisrund kopffreie L&#246;cher in Sardinenb&#252;chsenmenge. Trotzdem h&#228;ngte er sich an den geschickt sich durch die Menge windenden Kellner, als er vor&#252;ber trieb und in die richtige Richtung steuerte. Auch auf der Empore – ein erhabener, durch eine Balustrade abgegrenzter Bereich, auf dem Tische, St&#252;hle und das eine oder andere Chaiselongue standen – dr&#228;ngte sich die Menge. Nur an einem einzigen Tisch war ein freier Stuhl. Es war ein seltsamer Anblick: die anderen Tische waren nicht mehr nur voll besetzt, Tisch, St&#252;hle und Menschen waren zu einem festbackenem Konglomerat gepre&#223;t, durch Schwei&#223;, K&#246;rperw&#228;rme und Leiberdruck verklebt. Um diesen Tisch schien ein halber Meter freier Raum zu sein, und an ihm sa&#223;en keine kost&#252;mierten Betrunkenen, die mit gellendem Lachen kleine Feigling-Fl&#228;schchen auf den Tisch knallten. Zwei Herren sa&#223;en hier, eine andere Bezeichnung w&#228;re unzutreffend. Sie trugen Anz&#252;ge, jede Falte sa&#223; am richtigen Platz. Auf dem Tisch neben den sorgf&#228;ltig manik&#252;rten H&#228;nden lagen die H&#252;te, je ein Glas roter Wein daneben, &#252;ber den Lehnen der St&#252;hle die M&#228;ntel. Sie mochten um die f&#252;nfunddrei&#223;ig sein, vielleicht etwas j&#252;nger, vielleicht etwas &#228;lter, das war nicht eben leicht zu sagen: ihre Gesichter schienen, obzwar durchgearbeitet und mit vielf&#228;ltigen Spuren durchzogen, doch ausgesprochen frisch und unverbraucht. Sie unterhielten sich, ruhig, scheinbar ohne die Stimme zu heben trotz des ringsum tobenden L&#228;rmes. Ihr Gespr&#228;ch, so schienen ihre Gesten zu verraten, drehten sich um den Gegenstand, der zwischen ihnen in der Mitte des Tisches lag: ein Apfel, von durchschnittlicher Gr&#246;&#223;e und F&#228;rbung, dessen alleinige Besonderheit es war, wie der Nabel der Welt zwischen den beiden Herren zu liegen und ihre Aufmerksamkeit mehr zu fesseln, als das Tohuwabohu rings umher.<br />
An einen Tisch f&#252;r sich allein war nicht zu denken, der freie Stuhl bei den Herren mit dem Apfel war &#252;berhaupt die einzige M&#246;glichkeit, sitzend zu ertragen. Mit vorsichtiger Demut trat er heran.<br />
„Nein, Joachim, Du verstehst mein Problem nicht wirklich“, h&#246;rte er den rechten der beiden sagen. &#220;ber einer scharf geschnittenen Nase stachen hellgraue Augen, ein kurz geschnittener Vollbart umrahmte das hagere, fast vogelartige Gesicht.<br />
„Ich verstehe sehr wohl, an welcher Stelle Dein Problem liegt“, entgegnete sein Gegen&#252;ber und nahm den Apfel in die Hand, um ihn bedeutsam emporzuhalten wie Yoricks Sch&#228;del. „Du kannst Dich nicht entscheiden!“ [...]</p>
<p><span style="color: #666666"><br />
Der zweite Magier wird im &#220;brigen, wie Martin L. mir gerade sinnig vorschlug „Arnold“ hei&#223;en. Arnold und Joachim, die zwei Spieler mit dem dynamischen Realit&#228;tsprinzip. Anf&#228;ngliche Finger&#252;bung zum Auftauen eingefrorener Tippfinger.</span></p>
<p>Heute Abend jedenfalls freue ich mich ersteinmal auf das <a href="http://www.posiversum.de/" target="blank">Positano</a>-Konzert im <a href="http://www.ojo.de/" target="blank">OJO Overarth</a>.</p>
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<p style="text-align: right"><span> 	<strong><a href="http:///">M*</a> | 26.03.2007 | 18:40</strong></span></p>
<p>Da isser ja wieder, der NormiGnormi aus dem ausschweifenden Mythenwald. Recht so und sch&#246;n weitergedrechselt!</p></blockquote>
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