Von Norman Liebold geschrieben am: 03.05.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen
Von Norman Liebold geschrieben am: 15.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen
![]() Norman Liebold beim letzten Satz. Typische Endszenenerschöpfung an den Augenringen kenntlich. Foto: Alex Der letzte Satz, das letzte Wort, der letzte Punkt im Manuskript ist gesetzt. Die erste Geschichte für “Ansichten eines Aktmodells” vollendet. Zwar muß ich mich jetzt den cyberesken Teil des “Cyberspielmanns” aktivieren, um den Text nunmehr vom Handgeschrieben, von den wunderschönen geschwungenen Linien sepiafarbener NoodlersInk in die ewiggleichen Krakel typographischer Vektoren zu transformieren. Achtundneunzig Manuskriptseiten, eine Weile werde ich wohl hinter den pulsierenden Plasmasträngen meines Bildschirms verbringen müssen, aber der unwägbare Teil des Schaffensprozesses, das Geschichtenspinnen, das trotz allem eben nicht ganz kontrollierbare Sprudeln oder auch Verstopfen der Erzählquellen ist abgeschlossen, und ich sehe der Premiere am Samstag mit viel Freude entgegen.
[Zum Rest des Beitrages! »] |
Von Norman Liebold geschrieben am: 14.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen
|
Es ist immer wieder ein ganz und gar eigenartiges Gefühl, die letzte Szene einer Geschichte in Angriff zu nehmen. Man schleicht darum herum wie die Katze um den sprichwörtlichen heißen Brei, man wäscht Wäsche und macht den Abwasch, rasiert sich peinlich genau, duscht und wischt die Bude, liest das Buch, das man gerade am Wickel hat, zu Ende … prokrastiniert also in ganz klassischer Weise. Dabei ist es ganz unabhängig davon, ob im Grunde genommen jeder Augenblick des zu beschreibenden Geschehens festgelegt und “nur noch” zu formulieren ist. Ja, es ist sogar bei weitem weniger heißbreiig, wenn man die Klimax im Rausch und früher als erwartet erreicht. Immerhin hat sich der über den Winter gewachsener Berg in meiner Wäschekammer in einen wohlgefalteten Stapel Wohlgeruch verwandelt, und dem Finale ist so oder so nicht auszuweichen. Tatsächlich ist genau dies hier nichts als eine winzige Unterbrechung während des Finales des Finales: Beorn hat gerade, ganz unfreiwillig komischer Über-Mann, selbst zu Tode verletzt, dem Altgermanisten den augenscheinlich gebrochenen Arm wieder eingerenkt, um zum Auto zu humpel-kriechen, wo seine “Versicherung” im Handschuhfach auf ihre Bestimmung wartet, die Szene letzthin, die der Geschichte ihren (Arbeits-)titel gegeben hat. Sieben Seiten Manuskript, schätze ich, also, trägt man meiner epischen Veranlagung Rechnung, wahrscheinlich vierzehn. Währenddessen, heute Morgen bei Kaffee und Tagebuch am Tisch im Paradies, durfte ich das Geschenk erleben, wie eine Geschichte daher spaziert kam. Auf den Seiten des Tagebuchs, ganz unbedarft und heiter zwischen den Zeilen heraus lächelnd und mir mit Bestimmtheit den Füllfederhalter aus der Betrachtung nehmend, um sich kichernd selbst zu skizzieren. Das ist auf diese Weise schon lange nicht mehr geschehen, eine echte Nâhtegal-Geschichte, fast schon ein (NeuZeit-)Märchen. Ein sehr süßes Zwischenstück, das zudem wunderbar in die “Ansichten eines Aktmodells” paßt, wobei ich mir sogar schon ziemlich sicher bin, wo genau es hingehört – das Aktmodell wird es in der zweiten Story erzählen. So, das Teewasser kocht, und ich muß Beorn eine Knarre mit bezaubernder Hand von der Schläfe schlagen. |
Von Norman Liebold geschrieben am: 13.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, ThesbisKarren
Von Norman Liebold geschrieben am: 08.04.2010 unter AutorenGefasel
|
Ich bin kurz vor dem Unfall. Und auf Seite 58 des Manuscripts, kurz vor der Klimax von “Versichert”, der ersten Story von “Ansichten eines Aktmodells”. Und halb amüsiert, halb fasziniert beobachte ich einmal mehr, daß ein Tintenfuxx zwar zuweilen aus der Haut fahren kann, aber immer wieder dahin zurückflutscht. Später werden, wie immer, die wenigsten all die allerliebsten kleinen Versatzstückchen erkennen, die sich im Laufe des Wachsens und ganz besonders in der Zeit einschleichen, wo die Geschichte niedergeschrieben wird. Im Grunde, fällt mir auf, könnte ein Tintenfuxx auf jedes tatsächliche Tagebuchschreiben verzichten, denn er wird sie auch nach zehn Jahren noch wiedererkennen und die Zeit des Schreibens steht ihm wieder mit allen Kleinigkeiten vor Augen. Natürlich muß Beorn in seiner Hütte einen Bogen an der Wand hängen haben, und selbstverständlich sind einige seiner Skulpturen in der Mitte zersägt und durch einen Spalt von Glas aufgefüllt. Wie könnte es auch anders sein? Und daß er auf einer Caisa zu improvisieren weiß und Pfeife raucht, ist genauso zum Schmunzeln geeignet wie die Tatsache, auf welche Weise er seine Möbel baut. Ist er ein Hybrid, aus Fetzen lieber Menschen zusammengeleimt, oder ist er ein Ideal, das durch die Lieben hindurch scheinend in ihm eine Form gewinnt. |
Von Norman Liebold geschrieben am: 20.02.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, PhiloBlog
|
Wir schreiben den 20.02.2010, das sind ziemlich genau 10 Jahre nach dem totentänzerischen 20.02.2000. Das wird den wenigsten (noch) etwas sagen, mir dafür aber um so mehr. Ich möchte gern abstrakt bleiben in diesem Bezug: Bestimmten Daten wecken eine gewisse Bewusstheit, weil das Leben bzw. die Leiter der Erkenntnis nicht etwa ein gerade Strecke ist, sondern vielmehr eine sich in weiten Spiralen nach oben schraubende, verschlungene Bewegung, die, wenn sie sich einer auf niedrigerer Ebene passierten Stelle nähert, gewisse Echoeffekte auslöst. Und dieses Widerhallen, diese Steinwurfkreise, die sich auf der Oberfläche der Weltwahrnehmung bilden, machen … aufmerksam. Für das, was sich gleich geblieben ist, für das, was anders ist, für das, was anders scheint, aber im Grunde ein ähnliches Muster bildet. Ein überaus schönes Gefühl ist es, wenn man anstatt des an den letzten Kreisbahnpunktüberschneidungsphänomenen empfundenen “Gut, ich sehe es, faszinierend, aber was soll ich jetzt damit anfangen?” ein eigenartig gelassenes Lächeln an sich bemerkt und der seelische Aufruhr zugunsten einer sehr, sehr einfachen und klaren Handlung oder Nichthandlung ausbleibt. Es erfüllt mich sogar mit einem nicht geringen Erstaunen, dass die Abstiege in eine Reihe von wirbelnden Gedankenstrudeln mit nichts anderem bewaffnet als dem gesunden Menschenverstand, tatsächlich bis zur Quelle des Strudels gelangten, also gelangen und das ganze mit einem homerischen Gelächter beenden konnten.1 Das nahm eine gewisse Zeit in Anspruch, dieses Entstrudeln und homerisch Lachen, und tatsächlich war ich außerstande, in dieser Zeit neue Geschichten fertig zu stellen und auf den Markt und ans geneigte Leserohr zu bringen.
Ich möchte hiermit also ganz allgemein zur Kenntnis bringen, dass ich jene Zündschnur, welche an jenes hochkomplexe, über Monate hinweg ausgetüfteltes Arrangement von Sprengkörpern verschiedenster Art angeschlossen ist, das, einmal in Gang gebracht, nicht mehr aufzuhalten sein wird und keinen anderen Zweck hat, als die letzten Reste gewisser Unnotwendigkeiten3 wegzusprengen, nicht nur genüsslich in Brand gesteckt habe, sondern der rasend schnell sich fortpflanzende, spritzend funkensprühende Glutpunkt längst die ersten Explosionen auslöste. Und ich sitze und schaue und freue mich. Sehr, denn der letzte Rest gewisser zweifelnder Kontrollsüchtlerängste löst sich in einem wirklich ästhetisch ansprechenden Feuerwerk auf. Was genau diese weggesprengten Dinge sind, werden die nächsten vier Stories (“Versichert”, “Ansichten eines Aktmodells”, “Euthanatus” und “Der Stift”) ausführlich und unterhaltsam zu beschreiben wissen. In Vorfreude darauf und auf meine Leserohren daher in diesem Sinne bis dahin.
|
Von Norman Liebold geschrieben am: 12.01.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen
|
Die “Ansichten eines Aktmodells” sollen ja durchaus im Siebengebirge spielen und sich in die Reihe der augenscheinlich regional angesiedelten Bücher eingliedern.1 Heute habe ich einen schönen Spaziergang durch das verschneite Hinterland der Sieben Berge gemacht, wo ich meine Zelte bzw. meine Wohnschnecke aufgestellt habe und mich für den Platz entschieden, an dem Beorn2 seine Hütte gebaut haben wird. Ich kann es sogar von hier aus sehen, wenn ich durch das Eisblumen-Loch meines Fensters schaue. Hier ein paar Bilder von dem allerliebsten Platz, wo ich mich gerne tummle und allzuoft schon gedacht habe, das es schön wäre, die Wohnschnecke hier stehen zu haben. Nicht nur des wirklich schönen Blickes wegen, sondern vor allem wegen des Bestandes an altem Obstgehölz, das sich nicht nur hervorragend zum Schnitzen eignet, sondern auch wirklich leckere Äpfel, Pflaumen, Kirschen und Walnüsse trägt. Die Ruine inspirierte übrigens schon zum “Haushalter” aus den “Spaltenzungen“.
|
Von Norman Liebold geschrieben am: 19.12.2009 unter AutorenGefasel, NähKästchen, PhiloBlog
|
Wenn ich in mein Tagebuch hineinschaue, stelle ich fest, daß ich die erste Notiz zu “Versichert” (Arbeitstitel) am 10. Februar machte. Heute erlebte ich zum ersten Mal, seit ich das LieBLOG als Dokumentationswerkzeug nutze1, wie genau die Entscheidung zur Niederschrift einer Geschichte fällt. Vielleicht tatsächlich in derselben Weise, wie unser Erinnerungsvermögen funktioniert, das aufgrund von Ähnlichkeiten Dinge der Vergangenheit wieder aufruft, wahrscheinlich schlicht, um Erfahrungswerte für aktuelle, vergleichbare Situationen zur Verfügung zu haben, was sinnvoll ist. Es ist wirklich kalt hier oben, und – eine Verstärkung der Situation – mein treuer Rosinante liegt mit frisch operierter Zylinderkopfdichtung in der Klinik. Ich habe es warm, zumindest, sofern das Gas nicht ausgeht,2 Eisblumen klettern die Fenster meiner Wohnschnecke sehr malerisch empor, ich habe leise saxlastige Musik laufen und in jenem Zwischenraum zwischen Sein und Potentialität, zwischen entspanntem Teeschlürfen und existentieller Angst, irgendwo da liegt die Wurzel dieser einen speziellen Story – was dort geschieht, und was einen selbst in Atem hält, ist in gewisser Weise zu eins verschmolzen – und wahrscheinlich ist genau das jener Zündfunke, jener winzige Energieüberschuss, der diesen Moment von allen anderen Momenten seit dem 10. Februar unterscheidet3 und eben den ersten Satz auf das Papier bringt, der, gleichsam ein Pfropfen, die Geschichte im Gefäß hat wachsen, gären und immer mehr Details sammeln lassen. Wobei “Versichert” letzthin die erste von einer Reihe lose zusammenhängender Stories ist, die zusammen das Buch “Ansichten eines Aktmodells” bilden, und erfahrungsgemäß wird es jetzt recht schnell gehen, meine lieben Leute, die stets die Rohfassungen der Geschichten vorgelesen bekommen, dürfen sich schon mal auf gemütliche Leseabende freuen. Ich jedenfalls freue mich schon sehr darauf, mache den Rechner zu und das Manuskriptbuch auf.
|