Beornische Reise

Von Norman Liebold geschrieben am: 03.05.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Beltaine-Reise in den Allgäu: On the Road

Anderthalb Wochen auf Tour in den verschiedenen Lieblingskreisen. Zuerst viel verschwörerische Arbeit für das politische Alternate Reality Game des BASA zu Brehmen (baldigst mehr), was mir erhebliche php-Schleifen in den Bereichen meines Hirns bescherte, die für die cyberesken Teil des Cyberspîlmans zuständig sind, dann eine Tour in den Allgäu auf ein allerliebstes kleines Festival.

Zum Beginn der Niederschrift der “Ansichten eines Aktmodells” bin ich leider noch nicht gekommen, aber dafür hat sich die Geschichte weiter gefestigt und ist in etlichen Details gewissermaßen gesprächsintensiv auskristallisiert. Ich denke, die ersten Zeilen werden heute entstehen.

Sehr amüsant in jedem Falle, daß ich das Allgäuer Ausflüglein mit einem der Väter Beorns aus “Versichert” unternahm, und daß – wie könnt es auch anders sein, wir irgendwann vor einem Ort standen, an dem Beorn wirklich grosses Gefallen gefunden hätte:

Ein hübsches Plätzchen, wo Beorn sich wohl fühlen könnte.Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die Geschichten in die Realität hinein wuchern…



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Vollendete Versicherung!

Von Norman Liebold geschrieben am: 15.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Norman Liebold nach Vollendung des letzten Satzes von 'Versichert'

Norman Liebold beim letzten Satz. Typische Endszenenerschöpfung an den Augenringen kenntlich. Foto: Alex

Der letzte Satz, das letzte Wort, der letzte Punkt im Manuskript ist gesetzt. Die erste Geschichte für “Ansichten eines Aktmodells” vollendet. Zwar muß ich mich jetzt den cyberesken Teil des “Cyberspielmanns” aktivieren, um den Text nunmehr vom Handgeschrieben, von den wunderschönen geschwungenen Linien sepiafarbener NoodlersInk in die ewiggleichen Krakel typographischer Vektoren zu transformieren. Achtundneunzig Manuskriptseiten, eine Weile werde ich wohl hinter den pulsierenden Plasmasträngen meines Bildschirms verbringen müssen, aber der unwägbare Teil des Schaffensprozesses, das Geschichtenspinnen, das trotz allem eben nicht ganz kontrollierbare Sprudeln oder auch Verstopfen der Erzählquellen ist abgeschlossen, und ich sehe der Premiere am Samstag mit viel Freude entgegen.

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Finalische Prokrastination

Von Norman Liebold geschrieben am: 14.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

IMGP2219

Es ist immer wieder ein ganz und gar eigenartiges Gefühl, die letzte Szene einer Geschichte in Angriff zu nehmen. Man schleicht darum herum wie die Katze um den sprichwörtlichen heißen Brei, man wäscht Wäsche und macht den  Abwasch, rasiert sich peinlich genau, duscht und wischt die Bude, liest das Buch, das man gerade am Wickel hat, zu Ende … prokrastiniert also in ganz klassischer Weise. Dabei ist es ganz unabhängig davon, ob im Grunde genommen jeder Augenblick des zu beschreibenden Geschehens festgelegt und “nur noch” zu formulieren ist. Ja, es ist sogar bei weitem weniger heißbreiig, wenn man die Klimax im Rausch und früher als erwartet erreicht.

Immerhin hat sich der über den Winter gewachsener Berg in meiner Wäschekammer in einen wohlgefalteten Stapel Wohlgeruch verwandelt, und dem Finale ist so oder so nicht auszuweichen. Tatsächlich ist genau dies hier nichts als eine winzige Unterbrechung während des Finales des Finales: Beorn hat gerade, ganz unfreiwillig komischer Über-Mann, selbst zu Tode verletzt, dem Altgermanisten den augenscheinlich gebrochenen Arm wieder eingerenkt, um zum Auto zu humpel-kriechen, wo seine “Versicherung” im Handschuhfach auf ihre Bestimmung wartet, die Szene letzthin, die der Geschichte ihren (Arbeits-)titel gegeben hat. Sieben Seiten Manuskript, schätze ich, also, trägt man meiner epischen Veranlagung Rechnung, wahrscheinlich vierzehn.

Währenddessen, heute Morgen bei Kaffee und Tagebuch am Tisch im Paradies, durfte ich das Geschenk erleben, wie eine Geschichte daher spaziert kam. Auf den Seiten des Tagebuchs, ganz unbedarft und heiter zwischen den Zeilen heraus lächelnd und mir mit Bestimmtheit den Füllfederhalter aus der Betrachtung nehmend, um sich kichernd selbst zu skizzieren. Das ist auf diese Weise schon lange nicht mehr geschehen, eine echte Nâhtegal-Geschichte, fast schon ein (NeuZeit-)Märchen. Ein sehr süßes Zwischenstück, das zudem wunderbar in die “Ansichten eines Aktmodells” paßt, wobei ich mir sogar schon ziemlich sicher bin, wo genau es hingehört – das Aktmodell wird es in der zweiten Story erzählen.

So, das Teewasser kocht, und ich muß Beorn eine Knarre mit bezaubernder Hand von der Schläfe schlagen.



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Von alternativen Enden

Von Norman Liebold geschrieben am: 13.04.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, ThesbisKarren

ich stehe kurz davor, tatsächlich das erste alternative Ende zu schreiben, daß ich je für eine Geschichte ersonnen habe. Ein eigenartiges Gefühl, denn Konjunktive liegen dem Schützen im Grunde genommen fern. Tatsächlich lag hier die irgendwo in jeder Geschichte verborgene Grube, von deren Dasein man weiß, deren unergründliche Tiefe man mit Dei ex Machinae zu umschiffen sucht, und von der man auch nach Fertigstellung und Meisterung noch fürchtet, ein Leser könnte hinein fallen. In “Versichert” ist es eine besondere Grube, eine weniger als sonst versteckte, aber dafür um so glitschigere. Glitschig wegen des Anspruchs jeder gut erzählten Story, im gesteckten Rahmen folgerichtig zu sein, und hier im besonderen Maße, nicht in Schwülstigkeiten ausrutschend pathetisch genau da hinein zu schlittern. Es ist allerdings auch ein sehr heikles Thema, denn hier stoßen zwei gegensätzliche Triebkräfte derart massiv aufeinander, daß sie im Grunde nicht aufzulösen sind.

Nicht zuletzt durch überaus erhellende Gespräche mit meinem Bühnenkollegen únd Freund Maxim ging mir eine seltsame Lampe im Kopf an. Zwei Tage Philosophieren hier zusammen zu fassen, zumal beflügelt von Musikimprovisationen und Bogenschießen, ist schwer möglich, aber jene Eloquenz in Gedanke und Wort, wie sie uns zuweilen ein guter Zuhörer zu schenken imstande ist, machte mir die Freiheit des Lesers plötzlich in bisher ungekannter Stärke bewußt. Ich darf meinen Beorn-Bären Blut spucken lassen und darf ihm auch die Möglichkeiten in den cerebralen Windungen des Geschichtenschlürfers offen lassen: So sicher, wie die bezaubernde Lisa ihm die Knarre von der Schläfe wegschlagen wird, so sehr darf ich die Möglichkeiten aufmachen, ob er einen Arzt mit einer Skulptur und der Hilfe seiner Freunde bezahlen kann oder ob er ganz der waidwunde Bär sich in seiner Höhle pflegen läßt, um mit den ersten Märzblüten aus eigener, bäriger Kraft sich vom Bett-Fell erhebt und ein klein wenig weniger extrem sich für die KSK entscheidet.

Es fehlt noch eine rührende, dramatische Szene, und die Geschichte ist vollendet, und ich freue mich schon sehr auf das Publikum in den “Vier Raben” – nicht nur, weil die drei Vorbilder Beorns mir die Ehre geben werden, die frisch geschlüpfte Story anzuhören, sondern weil ich überaus gespannt bin, ob meine Extravaganzen, die ich mir beim Erzählen gestattet habe, gut ankommen. Und ja, ein wenig fürchte ich mich auch. Ein sehr prickelndes, angenehmes Fürchten.

Es ist, trotz allen schönen, romantischen, hoffnungsvollen Szenen, eine noch recht düstere Geschichte. Aber das ist Programm und wird sich im Laufe der “Ansichten eines Aktmodells” mehr und mehr in lichtere Gefilde emporschwingen. Ein eigenartiges Projekt. Vielleicht das eigenartigste, das ich je begonnen habe. Aber die Feder treibt und schreibt, und es ruft und lockt eine ganz wundervolle Stimme, deren Klang mir zuerst ein wenig unheimlich war. So unheimlich, wie dem Verzweifelten jener Blick sein kann, der ihm plötzlich ohne Vorwarnung all die unglaublichen und doch so wirklichen Wunder unserer Welt in jeder Blüte, jeder aufspringenden Knospe und dem wilden Gefühl des ersten Kopfsprungs in den geliebten Steinbruchsee Anfang April sein kann. So seltsam es einem Ständigschaffer wie mir ankommt, fast ein Jahr lang gegen Mauern angerannt zu sein, so sehr offenbart sich gerade, wie viel während dieser stillen Zeit (was das Schreiben angeht) wirklich passiert ist. Man sitzt auf seiner Veranda in der Dämmerung, über sich das Sternenzelt, die Finken schlagen im Wald und man ertappt sich beim Grübeln  über Längstgewesenes und Niemalsseiendes, beginnt zu lachen, hört einfach auf damit und stellt fest: Man sitzt mitten im Paradies, frei wie ein Vogel und … glücklich.

Ich fürchte, die Liebhaber meiner literarischen Schimpftiraden dürften in Zukunft etwas enttäuscht werden, denn die Lust zu schimpfen geht mir gerade massiv ab. Es ist so leicht zu schimpfen, denn es erlaubt, tätig zu sein, ohne etwas verändern zu müssen. Unglücklicherweise hat sich offenbar mein Blickwinkel verschoben, und es zeigen sich meinem Blick so vielfältige, herrliche Wunder, daß mir nach Feiern zumute ist. Und irgendwie, ich weiß auch nicht warum … gefällt mir das.



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Seien Sie Versichert!

Von Norman Liebold geschrieben am: 08.04.2010 unter AutorenGefasel

Arbeitsplatz. Foto: Norman Liebold

Ich bin kurz vor dem Unfall. Und auf Seite 58 des Manuscripts, kurz vor der Klimax von “Versichert”, der ersten Story von “Ansichten eines Aktmodells”. Und halb amüsiert, halb fasziniert beobachte ich einmal mehr, daß ein Tintenfuxx zwar zuweilen aus der Haut fahren kann, aber immer wieder dahin zurückflutscht. Später werden, wie immer, die wenigsten all die allerliebsten kleinen Versatzstückchen erkennen, die sich im Laufe des Wachsens und ganz besonders in der Zeit einschleichen, wo die Geschichte niedergeschrieben wird. Im Grunde, fällt mir auf, könnte ein Tintenfuxx auf jedes tatsächliche Tagebuchschreiben verzichten, denn er wird sie auch nach zehn Jahren noch wiedererkennen und die Zeit des Schreibens steht ihm wieder mit allen Kleinigkeiten vor Augen. Natürlich muß Beorn in seiner Hütte einen Bogen an der Wand hängen haben, und selbstverständlich sind einige seiner Skulpturen in der Mitte zersägt und durch einen Spalt von Glas aufgefüllt. Wie könnte es auch anders sein? Und daß er auf einer Caisa zu improvisieren weiß und Pfeife raucht, ist genauso zum Schmunzeln geeignet wie die Tatsache, auf welche Weise er seine Möbel baut. Ist er ein Hybrid, aus Fetzen lieber Menschen zusammengeleimt, oder ist er ein Ideal, das durch die Lieben hindurch scheinend in ihm eine Form gewinnt.

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Reanalogisierung, Abschluss und Umsetzung

Von Norman Liebold geschrieben am: 20.02.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen, PhiloBlog

10-02-20_manuscriptbuch (2)

Wir schreiben den 20.02.2010, das sind ziemlich genau 10 Jahre nach dem totentänzerischen 20.02.2000. Das wird den wenigsten (noch) etwas sagen, mir dafür aber um so mehr. Ich möchte gern abstrakt bleiben in diesem Bezug:  Bestimmten Daten wecken eine gewisse Bewusstheit, weil das Leben bzw. die Leiter der Erkenntnis nicht etwa ein gerade Strecke ist, sondern vielmehr eine sich in weiten Spiralen nach oben schraubende, verschlungene Bewegung, die, wenn sie sich einer auf niedrigerer Ebene passierten Stelle nähert, gewisse Echoeffekte auslöst. Und dieses Widerhallen, diese Steinwurfkreise, die sich auf der Oberfläche der Weltwahrnehmung bilden, machen … aufmerksam. Für das, was sich gleich geblieben ist, für das, was anders ist, für das, was anders scheint, aber im Grunde ein ähnliches Muster bildet.

Ein überaus schönes Gefühl ist es, wenn man anstatt des an den letzten Kreisbahnpunktüberschneidungsphänomenen empfundenen “Gut, ich sehe es, faszinierend, aber was soll ich jetzt damit anfangen?” ein eigenartig gelassenes Lächeln an sich bemerkt und der seelische Aufruhr zugunsten einer sehr, sehr einfachen und klaren Handlung oder Nichthandlung ausbleibt. Es erfüllt mich sogar mit einem nicht geringen Erstaunen, dass die Abstiege in eine Reihe von wirbelnden Gedankenstrudeln mit nichts anderem bewaffnet als dem gesunden Menschenverstand, tatsächlich bis zur Quelle des Strudels gelangten, also gelangen und das ganze mit einem homerischen Gelächter beenden konnten.1 Das nahm eine gewisse Zeit in Anspruch, dieses Entstrudeln und homerisch Lachen, und tatsächlich war ich außerstande, in dieser Zeit neue Geschichten fertig zu stellen und auf den Markt und ans geneigte Leserohr zu bringen.

10-02-20_manuscriptbuch (4)Gestern Abend, dem ersten durch glücklichen Zufall freien Abend seit nicht mehr erinnerlicher Zeit, nähte ich mir nicht nur eine Art Federmappe, die ich auf das Manuscriptbuch aufschnallen kann (s. Bild oben) – denn ich schätze solche kleinen Rituale -, sondern setzte die einzelnen Schritte des ausgearbeiteten Reanalogisierungsplans einen nach dem anderen um. Was zu meinem wirklich ganz erheblichen Erstaunen nicht etwa massive, kaum zu bewältigende Gewissensbisse gegenüber der Welt im Allgemeinen oder Speziellen nach sich zog, sondern … ja, in der Tat, ein Gefühl gelassener, lichter Ruhe. (Eines der letzten angegangenen Phänomene war jenes, dessen eine Symptomatik darin bestand, dass, wenn einer meiner Mäuse2 meint, laut auf diesem einen etwas losen Brett trappeln zu müssen, ich aufschrecke in der Annahme – und das mit genervtem Gefühl und natürlich sofort aus dem Schreibfluss heraus gerissen – dass dieses vermaledeite Telefon schon wieder was von mir will.)

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Ich möchte hiermit also ganz allgemein zur Kenntnis bringen, dass ich jene Zündschnur, welche an jenes hochkomplexe, über Monate hinweg ausgetüfteltes Arrangement von Sprengkörpern verschiedenster Art angeschlossen ist, das, einmal in Gang gebracht, nicht mehr aufzuhalten sein wird und keinen anderen Zweck hat, als die letzten Reste gewisser Unnotwendigkeiten3 wegzusprengen, nicht nur genüsslich in Brand gesteckt habe, sondern der rasend schnell sich fortpflanzende, spritzend funkensprühende Glutpunkt längst die ersten Explosionen auslöste. Und ich sitze und schaue und freue mich. Sehr, denn der letzte Rest gewisser zweifelnder Kontrollsüchtlerängste löst sich in einem wirklich ästhetisch ansprechenden Feuerwerk auf. Was genau diese weggesprengten Dinge sind, werden die nächsten vier Stories (“Versichert”, “Ansichten eines Aktmodells”, “Euthanatus” und “Der Stift”) ausführlich und unterhaltsam zu beschreiben wissen.

In Vorfreude darauf und auf meine Leserohren daher in diesem Sinne bis dahin.


  1. Siehe auch: Wider den Wahn der Erreichbarkeit und Versuch einer Definition | Der gemeine Nörgler []
  2. Nein, ich bin nicht zu den Nagetier-Einsperrern übergelaufen, sondern lebe in freier Gemeinschaft mit ein paar sehr niedlichen Waldmäusen mit diesen wunderzauberhübschen zwei dunklen Streifen auf dem Rücken. Sie halten sich an die Regeln, ich esse sie nicht, und mein Marder – der ebenfalls in freier Gemeinschaft mit mir lebt, wenngleich nicht in der Zwischenwand, sondern unter den Dielen – sowie die Dorfkatzen, mit denen ich nicht lebe, aber die häufiger auf ein Schälchen Milch vorbeigeschmust kommen, sorgen für ein gesundes Ökosystem und Verhindern ein Überhandnehmen der Mäusepopulation. []
  3. und, sagt der Wohnschnecken-TintenFuxx: da ist nicht mehr so viel… []


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Beorn hat einen Platz, wo er seine Hütte baut

Von Norman Liebold geschrieben am: 12.01.2010 unter AutorenGefasel, NähKästchen

Strasse nach Sassenberg. Foto: Norman Liebold, 2010Strasse nach Sassenberg. Foto: Norman Liebold, 2010
Strasse nach Sassenberg. Foto: Norman Liebold, 2010
Hier lasse ich Beorn seine Hütte bauen: Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010Hier lasse ich Beorn seine Hütte bauen: Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010
Hier lasse ich Beorn seine Hütte bauen: Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010
Die Idee kam mir wohl nicht als erster. Interessanter Gedanke, diese Ruine mit in die Story einzubauen. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010Die Idee kam mir wohl nicht als erster. Interessanter Gedanke, diese Ruine mit in die Story einzubauen. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010
Die Idee kam mir wohl nicht als erster. Interessanter Gedanke, diese Ruine mit in die Story einzubauen. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010
Blick ins Tal. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010Blick ins Tal. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010
Blick ins Tal. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010
Das Hinterland des Siebengebirges. Foto: Norman Liebold, 2010Das Hinterland des Siebengebirges. Foto: Norman Liebold, 2010
Das Hinterland des Siebengebirges. Foto: Norman Liebold, 2010
Die Ruine aus anderem Blickwinkel. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010Die Ruine aus anderem Blickwinkel. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010
Die Ruine aus anderem Blickwinkel. Der alte Obstgarten in Sassenberg/Oberhau. Foto: Norman Liebold, 2010

Die “Ansichten eines Aktmodells” sollen ja durchaus im Siebengebirge spielen und sich in die Reihe der augenscheinlich regional angesiedelten Bücher eingliedern.1 Heute habe ich einen schönen Spaziergang durch das verschneite Hinterland der Sieben Berge gemacht, wo ich meine Zelte bzw. meine Wohnschnecke aufgestellt habe und mich für den Platz entschieden, an dem Beorn2 seine Hütte gebaut haben wird. Ich kann es sogar von hier aus sehen, wenn ich durch das Eisblumen-Loch meines Fensters schaue.

Hier ein paar Bilder von dem allerliebsten Platz, wo ich mich gerne tummle und allzuoft schon gedacht habe, das es schön wäre, die Wohnschnecke hier stehen zu haben. Nicht nur des wirklich schönen Blickes wegen, sondern vor allem wegen des Bestandes an altem Obstgehölz, das sich nicht nur hervorragend zum Schnitzen eignet, sondern auch wirklich leckere Äpfel, Pflaumen, Kirschen und Walnüsse trägt. Die Ruine inspirierte übrigens schon zum “Haushalter” aus den “Spaltenzungen“.


  1. auch wenn das für “Der Stift” schwierig wird, da der eigentlich im Burgenlandkreis/Sachsen-Anhalt spielt, aber auch hierfür ist schon eine Lösung gefunden, und zwar eine sehr schlüssige, die zudem auch amüsant ist. []
  2. Er heißt natürlich nicht Beorn, sondern ganz langweilig Björn, aber er ist ganz und gar in den Kleinen Hobbit vernarrt. []


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“Versichert” – Leichte Entscheidung

Von Norman Liebold geschrieben am: 19.12.2009 unter AutorenGefasel, NähKästchen, PhiloBlog

Ponys in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009.
Ponys in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009.
Pferde in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009
Pferde in der Kälte. Photo: Norman Liebold, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke. Photo: Norman Liebold, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke, 2009
Eisblumen in der Wohnschnecke, 2009

Wenn ich in mein Tagebuch hineinschaue, stelle ich fest, daß ich die erste Notiz zu “Versichert” (Arbeitstitel) am 10. Februar machte.
Ich kann mich noch gut an diesen Tag erinnern. Es war kalt, und mitten in dieser Arschkälte, wie sie auf den Höhen des Siebengebirges mitunter sehr heftig werden kann, begann mein Ofen zu sprotzen und sprotzend zu verkünden: Kein Gas mehr. Und die Reserveflaschen stellten sich als ebenfalls leer heraus.
Als ich über eisesglatte Strassen nach Asbach hinunter schlitterte, um mir neues Gas zu holen, und rechts und links – das ist nicht übertrieben – die Autos in den Gräben lagen, zuweilen gar auf dem Dach, entstand die Grundkonstellation der Geschichte.

Heute erlebte ich zum ersten Mal, seit ich das LieBLOG als Dokumentationswerkzeug nutze1, wie genau die Entscheidung zur Niederschrift einer Geschichte fällt. Vielleicht tatsächlich in derselben Weise, wie unser Erinnerungsvermögen funktioniert, das aufgrund von Ähnlichkeiten Dinge der Vergangenheit wieder aufruft, wahrscheinlich schlicht, um Erfahrungswerte für aktuelle, vergleichbare Situationen zur Verfügung zu haben, was sinnvoll ist.

Es ist wirklich kalt hier oben, und – eine Verstärkung der Situation – mein treuer Rosinante liegt mit frisch operierter Zylinderkopfdichtung in der Klinik. Ich habe es warm, zumindest, sofern das Gas nicht ausgeht,2 Eisblumen klettern die Fenster meiner Wohnschnecke sehr malerisch empor, ich habe leise saxlastige Musik laufen und in jenem Zwischenraum zwischen Sein und Potentialität, zwischen entspanntem Teeschlürfen und existentieller Angst, irgendwo da liegt die Wurzel dieser einen speziellen Story – was dort geschieht, und was einen selbst in Atem hält, ist in gewisser Weise zu eins verschmolzen – und wahrscheinlich ist genau das jener Zündfunke, jener winzige Energieüberschuss, der diesen Moment von allen anderen Momenten seit dem 10. Februar unterscheidet3 und eben den ersten Satz auf das Papier bringt, der, gleichsam ein Pfropfen, die Geschichte im Gefäß hat wachsen, gären und immer mehr Details sammeln lassen. Wobei “Versichert” letzthin die erste von einer Reihe lose zusammenhängender Stories ist, die zusammen das Buch “Ansichten eines Aktmodells” bilden, und erfahrungsgemäß wird es jetzt recht schnell gehen, meine lieben Leute, die stets die Rohfassungen der Geschichten vorgelesen bekommen, dürfen sich schon mal auf gemütliche Leseabende freuen. Ich jedenfalls freue mich schon sehr darauf, mache den Rechner zu und das Manuskriptbuch auf.


  1. Soetwas wie eine Rechtfertigung []
  2. Im Übrigen eine sehr heilsame Erfahrung, zuweilen auf sehr existentielle Dinge zurückgeführt zu merken, um was es wirklich geht, aber das ist ja auch Thema der Story. []
  3. Und bei manchen Geschichten mögen da auch ein paar Jahre zwischen liegen. []


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